Sonntagsmärchen

Hans Christian Andersen
Sämmtliche Märchen, 1862
Die Blumen der kleinen Ida

„Meine armen Blumen sind ganz tot!“ sagte die kleine Ida. „Sie waren so schön gestern Abend, und nun hängen alle Blätter vertrocknet da! Warum thun sie das?“ fragte sie den Studenten, der auf dem Sopha saß, denn den mochte sie sehr gern leiden. Er wußte die allerschönsten Geschichten und schnitt so belustigende Bilder aus: Herzen mit kleinen Damen darin, welche tanzten, Blumen und große Schlösser, woran man die Thüren öffnen konnte; es war ein munterer Student. „Weshalb sehen die Blumen heute so jämmerlich aus?“ fragte sie wieder und zeigte ihm einen Strauß, welcher ganz vertrocknet war.
„Weißt Du, was ihnen fehlt?“ sagte der Student. Die Blumen sind diese Nacht auf dem Balle gewesen, und deshalb hängen sie die Köpfe.“
„Aber die Blumen können ja nicht tanzen!“ sagte die kleine Ida.
„Allerdings!“ sagte der Student; „wenn es dunkel wird und wir Andern schlafen, dann springen sie lustig umher; fast jede Nacht halten sie Ball.“
„Können Kinder nicht mit auf diesen Ball kommen?“
„Ja,“ sagte der Student, „ganz kleine Gänseblümchen und Maiblümchen.“
„Wo tanzen die schönen Blumen?“ fragte die kleine Ida.
„Bist Du nicht oft außerhalb des Thores bei dem großen Schlosse gewesen, wo der König im Sommer wohnt, wo der herrliche Garten mit den vielen Blumen ist? Du hast ja die Schwäne gesehen, welche zu Dir hinschwimmen, wenn Du ihnen Brodkrumen geben willst. Glaube mir, da draußen ist großer Ball.“
„Ich war gestern mit meiner Mutter da draußen im Garten,“ sagte Ida; „aber alle Blätter waren von den Bäumen, und es waren durchaus keine Blumen mehr da. Wo sind die? Im Sommer sah ich so viele!“
„Sie sind drinnen im Schlosse,“ sagte der Student. „Wisse, sobald der König und alle Hofleute in die Stadt ziehen, laufen die Blumen gleich aus dem Garten auf das Schloß und sind lustig. Das solltest Du sehen! Die beiden allerschönsten Rosen setzen sich auf den Thron, und dann sind sie König und Königin; alle die rothen Hahnenkämme stellen sich zu beiden Seiten auf und stehen und verbeugen sich: das sind die Kammerjunker. – Dann kommen alle die niedlichsten Blumen, und es ist großer Ball. Die blauen Veilchen stellen kleine Seecadetten vor, sie tanzen mit Hyacinthen und Crocus, welche sie Fräulein nennen; die Tulpen und die großen Feuerlilien sind alte Damen, die passen auf, daß hübsch getanzt wird und daß es hübsch ordentlich zugeht.“
„Aber,“ frug die kleine Ida, „ist Niemand da, der den Blumen etwas zu Leide thut, weil sie in des Königs Schloß tanzen?“
„Es weiß eigentlich Niemand so recht darum,“ sagte der Student. „Zuweilen kommt freilich in der Nacht der alte Schloßverwalter, welcher dort draußen aufpassen soll; er hat ein großes Bund Schlüssel bei sich; aber sobald die Blumen die Schlüssel rasseln hören, sind sie ganz stille, verstecken sich hinter den langen Gardinen und stecken den Kopf hervor. „“Ich rieche, daß Blumen hier sind““, sagt der alte Schloßverwalter, aber er kann sie nicht sehen.“
„Das ist herrlich!“ sagte die kleine Ida und klatschte in die Hände. „Aber würde ich die Blumen auch nicht sehen können?“
„Ja,“ sagte der Student, „denke nur daran, wenn Du wieder hinauskommst, daß Du in das Fenster siehst: so wirst Du sie schon gewahr werden. Das that ich heute; da lag eine lange gelbe Lilie auf dem Sopha und streckte sich : das war eine Hofdame.“
„Können auch die Blumen aus dem botanischen Garten dahin kommen? Können sie den weiten Weg machen?“
„Ja gewiß,“ sagte der Student; „wenn sie wollen, so können sie fliegen. Hast Du nicht die schönen Schmetterlinge gesehen, die rothen, gelben und weißen. Sie sehen fast aus wie Blumen das sind sie auch gewesen. Sie sind vom Stengel ab hoch in die Luft geflogen und haben da mit den Blättern geschlagen, als wenn es kleine Flügel wären, und da flogen sie. Und da sie sich gut aufführten, bekamen sie die Erlaubniß, auch bei Tage herumzufliegen und brauchten nicht zu Hause und still auf dem Stiel zu sitzen; und so wurden die Blätter am Ende zu wirklichen Flügeln. Das hast Du ja selbst gesehen. Es kann übrigens sein, daß die Blumen im botanischen Garten noch nie im Schlosse des Königs gewesen sind oder nicht wissen, daß es dort des Nachts so munter hergeht. Deshalb will ich Dir etwas sagen: er wird recht erstaunen, der botanische Professor, der hier nebenan wohnt, Du kennst ihn ja wohl? Wenn Du in seinen Garten kommst, mußt Du einer der Blumen erzählen, daß draußen auf dem Schlosse großer Ball sei, dann sagt sie es allen andern wieder und da fliegen sie fort; kommt dann der Professor in den Garten hinaus, so ist nicht eine einzige Blume da, und er kann gar nicht begreifen, wo sie geblieben sind.“
„Aber wie kann es denn die eine Blume den andern erzählen? Die Blumen können ja nicht sprechen!“
„Das können sie freilich nicht,“ erwiederte der Student, „aber dann machen sie Pantomimen. Hast Du nicht oft gesehen, daß die Blumen, wenn es ein wenig weht, sich zunicken und alle ihre grünen Blätter bewegen? Das ist eben so deutlich, als ob wir sprächen.“
„Kann der Professor denn die Pantomimen verstehen?“ frug Ida.
„Ja, sicherlich. Er kam eines Morgens in seinen Garten und sah eine große Brennnessel stehen und mit ihren Blättern einer schönen rothen Nelke Pantomimen machen. Sie sagte: „“Du bist so niedlich und ich bin Dir so gut!““ Aber dergleichen kann der Professor nicht leiden, und er schlug sogleich der Brennnessel auf die Blätter, denn das sind ihre Finger; aber da brannte er sich, und seit der Zeit wagt er es nicht, eine Brennnessel anzurühren.“
„Das ist lustig!“ sagte die kleine Ida und lachte.
„Wie kann man einem Kinde so etwas in den Kopf setzen!“ sagte der langweilige Kanzleirath, welcher zum Besuch gekommen war und auf dem Sopha saß. Er konnte den Studenten gar nicht leiden und brummte immer, wenn er ihn die possierlichen, muntern Bilder ausschneiden sah: bald war es ein Mann, der an einem Galgen hing und ein Herz in der Hand hielt, denn er war ein Herzensdieb; bald eine alte Hexe, welche auf einem Besen ritt und ihren Mann auf der Nase hatte. Das konnte der Kanzleirath nicht leiden, und dann sagte er, gerade wie jetzt: „Wie kann man einem Kinde so etwas in den Kopf setzen! Das ist die dumme Phantasie!“
Aber der kleinen Ida schien es doch recht drollig zu sein, was der Student von ihren Blumen erzählte, und sie dachte viel daran. Den Blumen hingen die Köpfe, denn sie waren müde, da sie die ganze Nacht getanzt hatten; sie waren sicher krank. Da ging sie mit ihnen zu ihrem andern Spielzeug, welches auf einem niedlichen kleinen Tische stand, und das ganze Schubfach war voll schöner Sachen. Im Puppenbette lag ihre Puppe Sophie und schlief, aber die kleine Ida sagte zu ihr: „Du mußt wirklich aufstehen, Sophie, und damit fürlieb nehmen, diese Nacht im Schubkasten zu liegen. Die armen Blumen sind krank, und da müssen sie in Deinem Bette liegen; vielleicht werden sie dann wieder gesund!“ Und da nahm sie die Puppe auf; aber die sah ganz verdrießlich aus und sagte nicht ein einziges Wort, denn sie war ärgerlich, daß sie ihr Bett nicht behalten konnte.
Dann legte Ida die Blumen in das Puppenbett, zog die kleine Decke ganz über sie herauf und sagte, nun möchten sie hübsch stille liegen, so wolle sie ihnen Thee kochen, damit sie wieder munter würden und morgen aufstehen könnten. Und sie zog die Gardinen dicht um das kleine Bett zusammen, damit die Sonne ihnen nicht in die Augen schiene.
Den ganzen Abend hindurch konnte sie nicht unterlassen, an Das zu denken, was ihr der Student erzählt hatte. Und als sie nun selbst zu Bette sollte, mußte sie erst hinter die Gardinen sehen, welche vor den Fenstern herabhingen, wo ihrer Mutter herrliche Blumen standen, sowohl Hyacinthen wie Tulpen; und da flüsterte sie ganz leise: „Ich weiß wohl, Ihr geht diese Nacht zu Ball!“ Aber die Blumen thaten, als ob sie nichts verständen und rührten kein Blatt; allein die kleine Ida wußte doch, was sie wußte.
Als sie zu Bette gegangen war, lag sie lange und dachte daran, wie hübsch es sein müßte, die schönen Blumen draußen im Schlosse des Königs tanzen zu sehen. „Ob meine Blumen wirklich dabei gewesen sind?“ Aber dann schlief sie ein. In der Nacht erwachte sie wieder; sie hatte von den Blumen und dem Studenten, den der Kanzleirath gescholten hatte, geträumt. Es war ganz stille in der Schlafstube, wo Ida lag; die Nachtlampe brannte auf dem Tische, und Vater und Mutter schliefen.
„Ob meine Blumen nun wohl in Sophiens Bette liegen?“ dachte sie bei sich selbst. „Wie gern möchte ich es doch wissen!“ Sie erhob sich ein wenig und blickte nach der Thüre, welche angelehnt stand: drinnen lagen die Blumen und all ihr Spielzeug. Sie horchte und da kam es ihr vor, als höre sie, daß drinnen in der Stube auf dem Clavier gespielt würde, aber ganz leise und so hübsch, wie sie es nie zuvor gehört hatte.
„Nun tanzen sicherlich alle Blumen drinnen!“ dachte sie. „O Gott, wie gern möchte ich es doch sehen!“ Aber sie wagte nicht, aufzustehen, denn sonst weckte sie ihren Vater und ihre Mutter. „Wenn sie doch nur hereinkommen wollten,“ dachte sie. Aber die Blumen kamen nicht und die Musik fuhr fort so hübsch zu spielen; da konnte sie es gar nicht mehr aushalten, denn es war allzu schön; sie kroch aus ihrem kleinen Bette heraus und ging ganz leise nach der Thüre und sah in die Stube hinein. Nein, wie herrlich war Das, was sie zu sehen bekam!
Es war gar keine Nachtlampe drinnen, aber doch ganz hell; der Mond schien durch das Fenster mitten auf den Fußboden; es war fast, als ob es Tag sei. Alle Hyacinthen und Tulpen standen in zwei langen Reihen im Zimmer; es waren durchaus keine mehr am Fenster; da standen die leeren Töpfe. Auf dem Fußboden tanzten alle Blumen so niedlich rings um einander herum, machten ordentlich Touren und hielten einander bei den langen grünen Blättern, wenn sie sich herumschwenkten. Aber am Clavier saß eine große gelbe Lilie, welche die kleine Ida bestimmt im Sommer gesehen hatte, denn sie erinnerte sich deutlich, daß der Student gesagt hatte: „Nein, wie gleicht sie dem Fräulein Line!“ Aber da wurde er von Allen ausgelacht; doch nun erschien es der kleinen Ida wirklich auch, als ob die lange gelbe Blume dem Fräulein gleiche; und sie hatte auch dieselben Manieren beim Spielen; bald neigte sie ihr länglich gelbes Antlitz nach der einen Seite, bald nach der andern, und nickte den Tact zur herrlichen Musik! Niemand bemerkte die kleine Ida. Dann sah sie eine große, blaue Crocusblume mitten auf den Tisch hüpfen, wo das Spielzeug stand, gerade auf das Puppenbett zugehen und die Gardinen bei Seite ziehen; da lagen die kranken Blumen, aber sie erhoben sich sogleich und nickten den andern zu, daß sie auch mittanzen wollten. Der alte Räuchermann, dem die Unterlippe abgebrochen war, stand auf und verneigte sich vor den hübschen Blumen; diese sahen durchaus nicht krank aus; sie sprangen hinunter zu den andern und waren recht vergnügt.
Es war gerade, als ob etwas vom Tische herunterfiel; Ida sah dorthin; es war die Fastnachtsruthe, welche heruntersprang; es schien auch, als ob sie mit zu den Blumen gehörte. Sie war ebenfalls sehr niedlich, und eine kleine Wachspuppe, die gerade einen solchen breiten Hut auf dem Kopfe hatte, wie ihn der Kanzleirath trug, saß oben darauf. Die Fastnachtsruthe hüpfte auf ihren drei rothen Stelzfüßen mitten unter die Blumen und trampelte ganz laut, denn sie tanzte Masurka; und den Tanz konnten die andern Blumen nicht, weil sie zu leicht waren und nicht so zu stampfen vermochten.
Die Wachspuppe auf der Fastnachtsruthe wurde auf einmal groß und lang, drehte sich über die Papierblumen herum und rief ganz laut: „Wie kann man dem Kinde so etwas in den Kopf setzen? Das ist die dumme Phantasie!“ Und da glich die Wachspuppe dem Kanzleirath mit dem breiten Hute ganz genau; sie sah eben so gelb und verdrießlich aus. Aber die Papierblumen schlugen ihn an die dünnen Beine, und da schrumpfte er wieder zusammen und wurde eine ganz kleine Wachspuppe. Das war recht belustigend anzusehen; die kleine Ida konnte das Lachen nicht unterdrücken. Die Fastnachtsruthe fuhr fort zu tanzen, und der Kanzleirath mußte mittanzen; es half ihm nichts, er mochte sich nun groß und lang machen oder die kleine gelbe Wachspuppe mit dem großen schwarzen Hut bleiben. Da legten die andern Blumen ein gutes Wort für ihn ein, besonders die, welche im Puppenbette gelegen hatten, und dann ließ die Fastnachtsruthe es gut sein. In demselben Augenblicke klopfte es ganz laut drinnen an den Schubkasten, wo Ida’s Puppe Sophie bei so viel anderm Spielzeug lag; der Räuchermann lief bis an die Kante des Tisches, legte sich lang hin auf den Bauch und begann den Schubkasten ein wenig herauszuziehen. Da erhob sich Sophie und sah ganz erstaunt rings umher. „Hier ist wohl Ball!“ sagte sie. „Weshalb hat mir das Niemand gesagt?“
„Willst Du mit mir tanzen?“ fragte der Räuchermann.
„Ja, Du bist mir der Rechte zum Tanzen!“ sagte sie und kehrte ihm den Rücken zu. Dann setzte sie sich auf den Schubkasten und dachte, daß wohl eine der Blumen kommen würde, sie aufzufordern; aber es kam keine. Dann hustete sie: „Hm, hm, hm!“ Aber dessenungeachtet kam keine. Der Räuchermann tanzte nun ganz allein, und das gar nicht so schlecht.
Da nun keine der Blumen Sophie zu erblicken schien, ließ sie sich vom Schubkasten gerade auf den Boden herunterfallen, sodaß es einen großen Lärm gab. Alle Blumen kamen auch um sie hergelaufen und frugen, ob sie sich nicht weh gethan, und sie waren alle so artig gegen sie, besonders die Blumen, welche in ihrem Bette gelegen hatten. Aber sie hatte sich gar nicht weh gethan, und Ida’s Blumen bedankten sich alle für das schöne Bett und waren ihr so gut, nahmen sie mitten in die Stube, wo der Mond schien, und tanzten mit ihr; und alle die andern Blumen bildeten einen Kreis um sie herum. Nun war Sophie froh und sagte, sie möchten ihr Bett behalten, sie mache sich nichts daraus, im Schubkasten zu liegen.
Aber die Blumen sagten: „Wir danken Dir herzlich, doch wir können so nicht lange leben! Morgen sind wir ganz todt. Aber sage der kleinen Ida, sie solle uns draußen im Garten, wo der Kanarienvogel liegt, begraben: dann wachen wir im Sommer wieder auf und werden weit schöner!“
„Nein, Ihr dürft nicht sterben!“ sagte Sophie, und dann küßte sie die Blumen: da ging die Saalthüre auf und eine ganze Menge herrlicher Blumen kam tanzend herein. Ida konnte gar nicht begreifen, woher die gekommen waren; das waren sicher alle Blumen draußen vom Schlosse des Königs. Ganz vorn gingen zwei prächtige Rosen, und die hatten kleine Goldkronen auf: das war ein König und eine Königin. Dann kamen die niedlichsten Levkoien und Nelken, und die grüßten nach allen Seiten. Sie hatten Musik mit sich: große Mohnblumen und Päonien bliesen auf Erbsenschoten, daß sie ganz roth im Gesicht waren. Die blauen Traubenhyacinthen und die kleinen weißen Schneeglöckchen klingelten, gerade als ob sie Schellen hätten. Das war eine merkwürdige Musik! Dann kamen viele andere Blumen und tanzten allesammt: die blauen Veilchen und die rothen Tausendschönchen, die Gänseblumen und die Maiblümchen. Und alle Blumen küßten einander; es war allerliebst anzusehen!
Zuletzt sagten die Blumen einander gute Nacht; dann schlich sich auch die kleine Ida in ihr Bett, wo sie von Allem träumte, was sie gesehen hatte.
Als sie am nächsten Morgen aufstand, ging sie geschwind nach dem kleinen Tische hin, um zu sehen, ob die Blumen noch da seien. Sie zog die Gardine von dem kleinen Bett zur Seite: da lagen sie alle, aber sie waren ganz vertrocknet, weit mehr denn gestern. Sophie lag im Schubkasten, wo sie sie hingelegt hatte; sie sah sehr schläfrig aus.
„Entsinnest Du Dich, was Du mir sagen solltest?“ sagte die kleine Ida. Aber Sophie sah ganz dumm aus und sagte nicht ein einziges Wort.
„Du bist gar nicht gut!“ sagte Ida. „Und sie tanzten doch allesammt mit Dir.“ Dann nahm sie eine kleine Papierschachtel, worauf schöne Vögel gezeichnet waren, machte sie auf und legte die todten Blumen hinein. „Das soll Euer niedlicher Sarg sein,“ sagte sie, „und wenn später die Vettern zum Besuch kommen, so sollen sie mir helfen, Euch draußen im Garten zu begraben, damit Ihr zum Sommer wieder wachsen und weit schöner werden könnt!“
Die Vettern waren zwei muntere Knaben; sie hießen Jonas und Adolph; ihr Vater hatte ihnen zwei neue Armbrüste geschenkt, und die hatten sie mit, um sie Ida zu zeigen. Diese erzählte ihnen von den armen Blumen, welche gestorben waren, und dann erhielten sie Erlaubniß, sie zu begraben. Beide Knaben gingen mit den Armbrüsten auf den Schultern voran, und die kleine Ida folgte mit den todten Blumen in der niedlichen Schachtel. Draußen im Garten wurde ein kleines Grab gegraben; Ida küßte erst die Blumen und setzte sie dann mit der Schachtel in die Erde; Adolph und Jonas schossen mit den Armbrüsten über das Grab, denn Gewehre oder Kanonen hatten sie nicht.

Hans Christian Andersen (1805-1875)

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