Archiv der Kategorie: Erstaunliches

Augenblicke im Paradies

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Die Hitzewelle ist vorüber oder pausiert, wer weiß das schon genau… Zur Zeit jedenfalls, kann ich mein Bad wieder zum entspannen und nicht zum abkühlen nehmen.
Augenblicke im Paradies verspricht der Name des Badesalzes.
Wer ist schon gern allein im Paradies?
Ein Gast hat sich eingeschlichen, ist durchs offene Fenster in meine Badewanne gehüpft. Angelockt vom Duft des Lavendels hat er sich an den Weinblättern hochgehangelt, sich dann Hals über Kopf in den Blumenkasten gestürzt, um zu guter Letzt mit einem großen Satz direkt in meiner Badewanne zu landen. Da sitzt er nun und guckt mich fassungslos an. Statt duftendes Grün umgibt ihn plötzlich  aalglattes Weiß. Der weiteste Sprung reicht nicht aus, um aus der rutschigen Falle zu entkommen. Vor Aufregung zittern die filigranen Fühler und bebend Hilfe suchend hüpft die Grille in meiner Wanne, ohne das im mindesten paradiesisch zu finden. Zum Abend hin bereiten mir diese Gesellen lauschige Konzerte…ich muss ihn retten.
Also klettere ich in die Wanne und versuche des aufgeregten Kerlchens habhaft zu werden. Im hohen Bogen hüpft er mir davon. Nicht hoch genug, um sich aus seiner mißlichen Lage zu befreien. Ich klettere wieder raus aus der Wanne und hole mir einige Lagen Toilettenpapier, vorsichtig werfe ich sie auf das Grillentierchen und…hurra…es klappt. In mehrere Lagen eingewickelt schaut er mich verzweifelt an. Ich tu dir doch nichts du Dummerle ! Im Blumenkasten – zwischen Lavendel und Männertreu – wickle ich ihn vorsichtig aus. Er tut einen großer Sprung und ist wieder bei seinen Orchesterkollegen.
Und ich mache mich jetzt endlich konzertfein und lasse mir mein Badewasser in die Wanne, deren einziger Besucher ich nun wieder bin.
Augenblicklich in meinem Paradies.

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Vor Johanni bitt‘ um Regen, hernach kommt er ungelegen

…so lautet eine Bauernregel. Die heranwachsende Ernte braucht das Regenwasser, nun muss sie in Ruhe reifen können, ohne von Regengüssen nieder gedrückt oder gar vernichtet zu werden.
24.Juni – Johannistag – Hochtag des Sommers.
Das oft der 21.Juni – Sommeranfang und Sonnenhöchststand – dafür gehalten wird steht mit den vorkirchlichen Sommersonnenwendefeiern im Zusammenhang, die sich über den Zeitraum vom 20. – 26. Juni erstreckten.
Die katholische Kirche hat, um sich besser zu etablieren, die viel älteren Sonnenwendfeiern datumsgetreu übernommen. So wurde der Anfang der Feiern – der 21.Juni – zum Sommeranfang und deren Höhepunkt – der 24. Juni – zum Geburtstag Johannes des Täufers erklärt. Das der geköpft wird, folgt einer sehr alten Tradition keltischen Ursprungs. In jedem Jahr hatte der Sonnengott der Kelten auf Erden einen Stellvertreter – den Eichenkönig -. (Wem käme hier nicht wieder das Plagiat der katholischen Kirche in den Sinn.) Das dieser König nach den – Leben erst ermöglichenden – Bäumen benannt wurde, hat einen tiefen Sinn und zeigt auf das Verständnis der Natur und das Leben im Einklang mit ihr. So groß seine Macht im Regierungsjahr war, am Ende desselben, zum Zeitpunkt wenn die Sonne wieder rückläufig wird, am 24.Juni also, wurde er in einem Ritual blutig getötet.
An diesem Tag vermischen sich den Sagen nach die Welten und Übergänge von der einen in die andere Welt sind möglich.
Zwerge heiraten unterm Holunderbusch, der sowieso der Sitz der guten Geister schlechthin ist.
Das Licht erreicht seinen höchsten Stand, viele Kräuter haben jetzt die meiste Energie gespeichert und sind reif für ihre Ernte. Allen voran das Johanniskraut, das mit seiner Kraft der in ihm gespeicherten Sonne Verstimmungen verjagt und ein heiteres Wesen schenkt. Arnika, Kamille, Schafgarbe, Beifuß, Holunderblüten, Eisenkraut und Ringelblume… um nur einige zu nennen, können nun geerntet werden.
Von nun an werden die Tage kürzer und die Zeit der Aussaat ist endgültig vorbei. Alles reift und wächst seiner Ernte entgegen. Für einige Pflanzen ist die Erntezeit mit dem 24.Juni abgeschlossen. Spargel, Rharbarber, Schachtelhalm…sollen nicht mehr geerntet werden.
Die Sonnenwendfeiern boten die Gelegenheit zwischen der anstrengenden Aussaat und der kraftraubenden Ernte zu pausieren und das Leben und seine sich im Moment darbietenden Fülle zu feiern.
Ganz unabhängig davon, was ich von all den alten Geschichten glaube, feiern werde ich an diesem Tag ausgiebig, habe ich dazu doch einen besonderen Grund.
Der 24.Juni ist mein Geburtstag und er jährt sich in diesem Jahr zum…ach, so weit kann meine Schaukelinhaberin noch gar nicht zählen.

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Was verbindet Chemnitz mit Schloß Elmau?

Das G 7 Gipfeltreffen.
Ganz eindeutig.
Am Morgen des gestrigen Tages fand sich gegen 6.40 Uhr ein herrenloser Trolley auf einem Bahnsteig. Auch nach mehrfachen Ausrufen fand sich kein Besitzer.
Ein Koffer ohne Besitzer kann nur eine Bombe beinhalten. Vor allem, wenn in sieben Tagen im 485,5 km entfernten Garmisch-Partenkirchen der G 7 Gipfel beginnt.
5 Bahnsteige werden fix gesperrt, 30 Züge können nicht ein-und ausfahren. Manche fallen ersatzlos aus. Pendler erreichen erst in den Mittagsstunden ihre Arbeitsplätze.
Das bezahlen die selbst, das macht nichts.
Das Einsatzkommando der Spezialkräfte der Bundespolizei,  das den Koffer röntgte und nur getragene Herrenkleidung feststellte, fällt unter Spesen des G 7 Treffens.
Ein Glück.