Archiv des Autors: Arabella

Das Schöne vom Tag

Im Glanz des Sonnenlichtes

Diätkost oder Blumenkohlsuppe

Blumenkohl ist brennstoffarm. 100 g enthalten ca.25 Kalorien. Sein Wasseranteil und der hohe Anteil an Biostoffen macht ihn zu einem der gesündesten Gemüse. Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Folsäure, einem B-Vitamin, welches im Stoffwechsel eng mit Vitamin B12 zusammenwirkt und für Zellwachstum und Blutbildung unerlässlich ist. Seine heilsame Wirkung auf die Dickdarmschleimhäute ist die beste Vorbeugung gegen Darmkrebs, speziell bei Männern. Das in ihm enthaltene Vitamin B5 unterstützt den Körper bei der Herstellung von Kortisol. Aus diesem Stoff baut der Organismus Kortison, welches wichtig ist bei der Hemmung von Entzündungen. Vitamin B5 ist stark säureempfindlich, deswegen sollten Essig und Zitrone bei der Zubereitung von Blumenkohl vermieden werden. Das Gemüse ist für Schonkost geeignet.

Das ist genau das Richtige für mich, nachdem ich des Norovirus wegen drei Tage nichts essen konnte, weil es sowieso nicht drin blieb. Ich mache die Suppe ohne Schnickschnack. Es braucht nicht viel dafür:

1 Blumenkohl

Wasser

Salz/ Pfeffer

Muskatnuss

Die Röschen wasche ich

und setze sie mit Wasser, Salz und Pfeffer und geriebener Muskatnuss auf.

Die aromatische Muskatnuss würzt nicht nur gut, sie nimmt auch den etwas dumpfen Blumenkohlgeruch. Nach reichlich 30 Minuten ist er gar. Ich nehme die Röschen aus dem Sud und püriere sie. Mein neuer Pürierstab macht das sehr fein.

In das Mus gebe ich einen kleinen Stich Butter und fülle solange mit der Brühe auf, bis meine Suppe die gewünschte Konsistenz hat.

Reste eignen sich sehr gut zum Weiterverwenden als Gemüsebrühe.

Das Süppchen schmeckt lauwarm am Besten und ist so gut verdaulich, mit Petersilie bestreut sieht es auch hübsch aus und es hat mir sehr gut getan als erstes Essen nach dem unfreiwilligem Fasten. Leider aß ich danach einen Vanillepudding, er brachte mir wieder längeren Aufenthalt im Bad 

Zum Tag

Nachdem das Krankenhaus meiner Stadt geschlossen wurde, bleibt für unseren Landkreis noch ein weiteres Haus in einer 20 km entfernten Stadt. Den Schwestern dort wurde vorgeschlagen, auf Teile ihres Gehaltes zu verzichten, damit dieses Haus bestehen bleibt. Sie würden übertariflich verdienen. Diese Art, Misswirtschaft durch die Vetternwirtschaft in der Chefetage auszugleichen, finde ich schlicht und einfach zum K…

Verdi auch und hat dem vorerst einen Riegel vorgeschoben. Vorerst.

Als ich am Wochenende dringend einen Notarzt brauchte, kam der nicht, sondern erstellte telefonisch eine Ferndiagnose. „Es tut mir leid, ich kann Ihnen da sowieso nicht helfen und das ist auch sehr ansteckend. Halten Sie durch, das wird besser.“

Gut, wer einen Kräutergarten hat, der heilt aber eben nicht alles…

Frauen die Geschichte schrieben – Mary Astell (1666-1731)

Die Aufwertung der Frau durch die Aufwertung der Ehe, ausgelöst durch die Geschehnisse der Reformation, war ein Akt der Balance, voll von Spannungen. Helfen aus den Verwirrungen sollte die Bibel, die in diesem Fall so ausgelegt wurde: da Eva nicht Adams Kopf entstammte – war sie nicht übergeordnet. Da sie nicht seinem Fuß entstammte – nicht untergeordnet. Das Entstammen Evas aus Adams Rippe zeige ihre Gleichwertigkeit – ein Anfang.

Luther zufolge heirateten Frauen nicht um der Männer willen, sondern um Kinder zu haben. Die Sexualität von Frauen reduzierte er damit auf die Erhaltung der Art. Anstelle der alten männlichen kam jetzt eine neue weibliche Eheschmäh auf.

Die lebenslang unverheiratete Gelehrte und Schriftstellerin Mary Astell fand: „Männer heirateten nur, um eine praktische Haushälterin zu haben – eine – die ihm seine Kinder gebiert, die Sorge und Last ihrer Erziehung trägt, um seinen Namen Dauer zu verleihen. Eine – über die er uneingeschränkt herrschen kann – ein (nach frühchristlichen Worten) „notwendiges Übel“. “ Weiter sagt sie: „Die freie Gattenwahl sei eine Farce und die einzige wirkliche Wahl sei die Wahl zwischen solcher Ehe oder Ehelosigkeit.“

Mary Astell wurde am 12.November 1666 in Newcastle upon Tyne geboren und starb am 11.Mai 1731. Sie war nicht nur Schriftstellerin, Rhetorikerin und Philosophin – sie war Englands erste Feministin.

Ihr tiefes Anliegen war, Frauen gleichrangige Bildungschancen bei gleichrangigen Fähigkeiten gegenüber den Männern zu gewähren. Sie forderte die Abschaffung der Ungleichheit in der Ehe.

Als Frau hatte sie geringen Zugang zu den Geschehnissen in der Welt des Handels, der Politik und Justiz.

Aus der höheren Mittelschicht stammend, ihr Vater besaß eine Kohlefabrik, erhielt sie keine formelle Schulbildung, da sie weiblich war und darum keinen Anspruch darauf hatte. Ihr Onkel, ein Pfarrer – der wegen Alkoholismus später seine Anstellung verlor – gab ihr Privatunterricht.

Im Alter von 12 Jahren verlor sie ihren Vater, ohne dass er ihr eine Mitgift hinterlassen hätte. Das vorhandene Restvermögen wurde für die Ausbildung ihres Bruders aufgewendet. Sie selbst lebte mit ihrer Mutter von da an bei einer Tante. Nach dem Tod von Mutter und Tante ging sie 1688 nach London und machte in Chelsea Bekanntschaft mit einem literarischem Zirkel gebildeter, einflussreicher Frauen, zu denen auch Lady Mary Wortley Montagu gehörte. Sie und die anderen Damen halfen ihr in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit Fuß zu fassen. Der Erzbischof von Canterbury – William Sancroft – half ihr finanziell und erstellte den Kontakt zu ihrem zukünftigen Verleger.

1709 zog sich Mary Astell aus der Öffentlichkeit zurück und gründete eine von der „Society for Promoting Christian Knowledge“ finanzierte Schule für Mädchen in Chelsea, deren Schulplan sie selbst erstellte.

1727 erfolgte von Lady Catherine Jones die Einladung, ihre weitere Lebenszeit auf dem Anwesen der Dame zu verbringen, welche sie annahm. Nach einer schweren Brustkrebserkrankung verstarb sie dort 1731, in tiefer Liebe zu Gott und ohne Verlangen nach ihren Angehörigen.

Mary Astell hat ein großes Vermächtnis hinterlassen.

Sie trat dafür ein, dass Frauen genauso rational wie Männer seien und daher gleiche Ausbildung verdienen.

Ihr Buch “ Serious Prodposal to the Ladies for the Advancement of their True and Greatest Interest“,

1694 veröffentlicht, beinhaltet den Entwurf einer Frauenakademie, in der Frauen ein Leben des Geistes führen konnten.

1700 erschien „Some Reflections upon Marriage“. Darin kritisiert sie die Institution der Ehe und warnt Frauen vor unüberlegten Heiraten. Die aufgeführten Argumente wie: „gute Ausbildung helfe Frauen bessere Eheentscheidungen zu treffen“ waren damals absolut neu. Sie brachte ihre Meinung durch philosophische Debatten zum Ausdruck und führte Briefwechsel mit den großen Denkern ihrer Zeit. Beeinflusst war ihr eigenes Denken von den Arbeiten René Descartes, insbesondere seiner Theorie des Dualismus. Die Annahme der Trennung von Körper und Seele lies sich gut für ihre Argumentation der Annahme Frauen und Männer besitzen die gleiche Fähigkeit zur Vernunft verwerten.

Bleibt hauptsächlich, in Zeiten des Vergessens des Wahrheitswertes vergangener Schriften, ein prägender Satz von Mary Astell und dessen wahrheitsgetreue Aussage:

“ Wenn alle Männer frei geboren sind, warum sind dann alle Frauen als Sklaven geboren? „


Blick in den Wandel

Sonntagsmärchen

Hans Christian Andersen
Sämmtliche Märchen, 1862

Das alte Haus

Dort unten in der Straße stand ein altes, altes Haus. Es war fast dreihundert Jahre alt: so stand es auf dem Balken zu lesen, auf welchem in und mit Tulpen und Hopfenranken die Jahreszahl angebracht war. Da las man ganze Verse, in der Schreibart der alten Zeit, und über jedem Fenster war ein Gesicht in dem Balken ausgeschnitzt, das allerlei Grimassen machte. Die eine Etage ragte ein ganzes Stück über die andere hervor, und dicht unter dem Dach war eine bleierne Rinne mit einem Drachenkopf. Das Regenwasser sollte aus dem Rachen herauslaufen, es lief aber aus dem Bauch heraus, denn die Rinne hatte ein Loch.
Alle die andern Häuser in der Straße waren so neu und so nett, mit großen Fensterscheiben und glatten Wänden. Man sah es ihnen ordentlich an, daß sie nichts mit dem alten Hause zu thun haben wollten. Sie mochten wohl denken: „Wie lange soll das Gerümpel noch zum allgemeinen Scandal hier in der Straße stehen? Das Gesimse steht so weit vor, daß Niemand aus unsern Fenstern sehen kann, was auf jener Seite dort vorgeht! Die Treppe ist so breit, wie eine Schloßtreppe, und so hoch, als führe sie auf einen Kirchthurm. Das eiserne Geländer sieht ja aus, wie die Thüre zu einem Erbbegräbniß, und messingne Knöpfe sind darauf – es ist wirklich zu albern!“
Gerade gegenüber standen auch neue und nette Häuser, und die dachten gerade wie die andern; aber am Fenster saß hier ein kleiner Knabe mit frischen, rothen Wangen, mit klaren, strahlenden Augen, und dem gefiel das alte Haus ganz besonders gut, und zwar sowohl im Sonnenschein, wie im Mondschein. Und wenn er nach der Mauer hinüberblickte, wo der Kalk abgefallen war: dann konnte er sitzen und die wunderbarsten Bilder herausfinden, gerade wie die Straße früher ausgesehen hatte, mit Freitreppen, Gesimsen und spitzen Giebeln; er konnte Soldaten sehen mit Hellebarden, und Dachrinnen, die wie Drachen und Lindwürmer umherliefen. – Das war so recht ein Haus zum Anschauen, und da drüben wohnte ein alter Mann, der in ledernen Kniehosen ging und einen Rock mit großen Messingknöpfen und eine Perücke trug, der man es ansah, daß sie eine wirkliche Perücke war. Jeden Morgen kam ein alter Mann zu ihm, der bei ihm rein machte und Gänge besorgte. Sonst war der Alte in den Kniehosen ganz allein in dem alten Hause. Zuweilen kam er an die Fensterscheiben und sah hinaus, und der kleine Knabe nickte ihm zu, und der alte Mann nickte wieder, und so wurden sie bekannt, und so wurden sie Freunde, obgleich sie niemals mit einander gesprochen hatten. Aber das war ja auch gar nicht nötig.
Der kleine Knabe hörte seine Eltern sagen: „Der alte Mann da drüben hat es sehr gut; aber er ist so entsetzlich allein!“
Am nächsten Sonntag wickelte der kleine Knabe Etwas in ein Stück Papier, ging damit vor die Hausthür und sagte, als der, der die Gänge für den Alten besorgte, kam: „Höre! Willst Du dem alten Manne da drüben Dieses von mir bringen. Ich habe zwei Zinnsoldaten; dieses ist der eine; er soll ihn haben, denn ich weiß, daß er so entsetzlich allein ist.“
Und der alte Aufwärter sah ganz vergnügt aus, nickte und trug den Zinnsoldaten in das alte Haus. Nachher ward herübergeschickt, ob der kleine Knabe nicht Lust habe, selbst zu kommen und seinen Besuch zu machen. Und dazu gaben ihm seine Eltern Erlaubniß; und so kam er nach dem alten Hause.
Und die Messingknöpfe auf dem Treppengeländer glänzten weit stärker, als sonst; man hätte glauben sollen, daß sie wegen des Besuchs polirt worden wären. Und es war ganz so, als ob die ausgeschnitzten Trompeter – denn auf der Thüre waren Trompeter ausgeschnitzt, die in Tulpen standen – aus Leibeskräften bliesen; ihre Backen sahen weit dicker aus, als früher. Ja, sie bliesen: „Schnetterengdeng! Der kleine Knabe kommt! Schnetterengdeng!“ – Und dann ging die Thüre auf. Die ganze Hausflur war mit alten Portraits behangen: mit Rittern in Harnischen und Frauen in seidenen Kleidern; und die Harnische rasselten und die seidenen Kleider rauschten! – Und dann kam eine Treppe, die ging ein großes Stück hinauf und ein kleines Stück hinunter, und dann war man auf einem Altan, der freilich sehr gebrechlich war, mit großen Löchern und langen Spalten; aber aus ihnen allen wuchsen Gras und Blätter heraus, denn der ganze Altan, der Hof und die Mauer war mit so vielem Grün bewachsen, daß es aussah, wie ein Garten; aber es war nur ein Altan. Hier standen alte Blumentöpfe, die Gesichter und Eselsohren hatten; die Blumen wuchsen aber ganz so, wie es ihnen beliebte. In dem einen Topf wuchsen nach allen Seiten Nelken über, das heißt: das Grüne davon, Schuß auf Schuß, und sprachen ganz deutlich. „Die Luft hat mich gestreichelt, die Sonne hat mich geküßt und mir auf den Sonntag eine kleine Blume versprochen, eine kleine Blume auf den Sonntag!“
Und dann kamen sie in ein Zimmer, wo die Wände mit Schweinsleder überzogen waren, und auf dem Schweinsleder waren Goldblumen gepreßt.

„Vergoldung vergeht,
Schweinsleder besteht!“

sagten die Wände.
Und da standen Lehnstühle mit ganz hohen Rücken, mit Schnitzwerk und mit Armen an beiden Seiten! „Setzen Sie sich!“ sagten sie. „Uh! Wie es in mir knackt! Nun werde ich gewiß auch Gicht bekommen, wie der alte Schrank! Gicht im Rücken, uh!“
Und dann kam der kleine Knabe in die Stube, wo der alte Mann saß.
„Dank für den Zinnsoldaten, mein lieber Freund!“ sagte der alte Mann; „und Dank dafür, daß Du zu mir herübergekommen bist!“
„Dank! Dank!“ oder „Knick! Knack!“ sagten alle Möbel. Es waren ihrer so viel, daß sie sich beinahe einander im Wege standen, um den kleinen Knaben zu sehen.
Und mitten an der Wand hing ein Gemälde, eine schöne Dame, so jung und so froh, aber ganz so gekleidet, wie in alten Tagen: mit Puder im Haar und mit Kleidern, die steif standen. Die sagte weder „Dank“ noch „Knack“, aber sah mit ihren milden Augen auf den kleinen Knaben herab, der sogleich den alten Mann fragte: „Wo hast Du die hergekriegt?“
„Da drüben vom Trödler,“ sagte der alte Mann. „Dort hängen so viele Bilder! Niemand kennt sie oder bekümmert sich um sie, denn sie sind Alle begraben. Aber vor vielen Jahren habe ich Diese gekannt, und nun ist sie tot und fort seit einem halben Jahrhundert!“
Und unter dem Bilde hing, hinter Glas, ein Strauß verwelkter Blumen, die waren gewiß auch ein halbes Jahrhundert alt: so sahen sie aus. Und der Perpendikel der großen Uhr ging hin und her, und die Zeiger drehten sich, und Alles in der Stube ward noch älter; aber Niemand bemerkte es.
„Sie sagen zu Hause,“ sagte der kleine Knabe, „daß Du so entsetzlich allein bist!“
„O,“ sagte er, „die alten Gedanken, mit allem Dem, was sie mit sich führen können, kommen und besuchen mich; und nun kommst Du ja auch! – Es geht mir sehr gut!“
Und dann nahm er von dem Wandbret ein Buch mit Bildern herunter; darin waren ganze lange Aufzüge, die wunderbarsten Kutschen, wie man sie heutzutage gar nicht mehr sieht; Soldaten, wie Trefbube, und Bürger mit wehenden Fahnen. Die Schneider hatten eine Fahne mit einer Scheere, von zwei Löwen gehalten, und die Schuhmacher eine Fahne ohne Stiefel, aber mit einem Adler, der zwei Köpfe hatte; denn bei den Schuhmachern muß Alles so sein, daß sie sagen können: „Das ist ein Paar!“ – Ja, das war ein Bilderbuch!
Und der alte Mann ging in die andere Stube, um Eingemachtes, Äpfel und Nüsse zu holen. – Es war wirklich ganz herrlich in dem alten Hause.
„Ich kann es nicht aushalten!“ sagte der Zinnsoldat, der auf der Lade stand. „Hier ist es so einsam und so traurig! Nein, wenn man das Familienleben kennen gelernt hat, kann man sich an dieses hier nicht gewöhnen! Ich kann es nicht aushalten! Der ganze Tag ist so lang, und der Abend ist noch länger! Hier ist es gar nicht so, wie drüben bei Dir, wo Dein Vater und Deine Mutter so vergnüglich sprachen, und wo Du und alle Ihr süßen Kinder einen so prächtigen Lärm machtet. Nein, wie einsam es bei dem alten Manne ist! Glaubst Du, daß er Küsse bekommt? Glaubst Du, daß er freundliche Blicke oder einen Weihnachtsbaum bekommt? – Er bekommt nichts, als ein Grab! – Ich kann es nicht aushalten!“
„Du mußt es nicht so von der traurigen Seite nehmen!“ sagte der kleine Knabe. „Mir kommt hier Alles so schön vor, und alle die alten Gedanken mit Dem, was sie mit sich führen können, kommen hier ja zum Besuch!“
„Ja, aber die sehe ich nicht und kenne ich nicht!“ sagte der Zinnsoldat. „Ich kann es nicht aushalten!“
„Das mußt Du!“ sagte der kleine Knabe.
Und der alte Mann kam mit dem allervergnügtesten Gesicht und mit den schönsten eingemachten Früchten und Aepfeln und Nüssen; und da dachte der Kleine nicht mehr an den Zinnsoldaten.
Glücklich und vergnügt kam der kleine Knabe nach Hause; und es vergingen Tage und es vergingen Wochen; und es ward nach dem alten Hause hin und von dem alten Hause her genickt; und dann kam der kleine Knabe wieder hinüber.
Und die ausgeschnitzten Trompeter bliesen: „Schnetterengdeng! Da ist der kleine Knabe! Schnetterengdeng!“ Und die Schwerter und Rüstungen auf den alten Ritterbildern rasselten; und die seidenen Kleider rauschten; und das Schweinsleder erzählte; und die alten Stühle hatten Gicht im Rücken: „Au!“ Das war accurat so, wie das erste Mal, denn da drüben war ein Tag und eine Stunde ganz so, wie die andere.
„Ich kann es nicht aushalten!“ sagte der Zinnsoldat. „Ich habe Zinn geweint! Hier ist es allzu traurig! Laß mich lieber in den Krieg ziehen und Arme und Beine verlieren! Das ist doch eine Veränderung. – Ich kann es nicht aushalten! – Nun weiß ich, was es heißt, Besuch von seinen alten Gedanken und Allem, was sie mit sich führen können, zu bekommen. Ich habe Besuch von den meinigen gehabt, und Du kannst glauben, das ist auf die Länge hin kein Vergnügen. Ich war zuletzt nahe daran, von der Lade hinunterzuspringen. Euch Alle da drüben im Hause sah ich so deutlich, als ob Ihr wirklich hier wäret. Es war wieder der Sonntag Morgen, wo Ihr Kinder alle vor dem Tisch standet und den Psalm absangt, den Ihr alle Morgen singt. Ihr standet andächtig mit gefalteten Händen, und Vater und Mutter waren eben so feierlich gestimmt; und da ging die Thür auf, und die kleine Schwester Maria, die noch nicht zwei Jahr alt ist, und die immer tanzt, wenn sie Musik oder Gesang hört, welcher Art dieser auch sein mag, ward hereingesetzt. – Sie sollte zwar nicht, aber sie fing an, zu tanzen, konnte jedoch nicht recht in Tact kommen, denn die Töne waren so lang gezogen, und so stand sie erst auf dem einen Beine und hielt den Kopf ganz vornüber, und dann auf dem andern Beine, und hielt den Kopf ganz vornüber; aber es reichte nicht aus. Ihr standet Alle sehr ernsthaft, obgleich das etwas schwer fiel, aber ich lachte innerlich, und deswegen fiel ich vom Tisch herunter und bekam eine Beule, mit der ich noch herumgehe; denn es war nicht recht von mir, daß ich lachte. Aber dies Alles, und Alles was ich sonst erlebt habe, geht mir jetzt wieder in meinem Innern vorüber, und das sind wohl die alten Gedanken, mit Allem, was sie mit sich führen! Sage mir, ob Ihr noch des Sonntags singt? Erzähle mir etwas von der kleinen Maria! Und wie geht es meinem Kameraden, dem andern Zinnsoldaten? Ja, der ist freilich recht glücklich! – Ich kann es nicht aushalten!“
„Du bist weggeschenkt worden,“ sagte der kleine Knabe; „Du mußt bleiben. Kannst Du das nicht einsehen?“
Und der alte Mann kam mit einem Kasten, in dem Manches zu sehen war: Schminkdöschen und Balsambüchsen, alte Karten, so groß und so vergoldet, wie man sie jetzt gar nicht mehr zu sehen bekommt. Und es wurden mehrere Kästchen geöffnet, und das Klavier ward geöffnet, und da waren inwendig auf dem Deckel Landschaften gemalt; und es war so heiser, als der alte Mann darauf spielte; und dann summte er eine Melodie.
„Ja, die konnte sie singen!“ sagte er; und dann nickte er dem Bilde zu, das er bei dem Trödler gekauft hatte; und des alten Mannes Augen leuchteten dabei so klar.
„Ich will in den Krieg! Ich will in den Krieg!“ rief der Zinnsoldat so laut, wie er nur konnte, und stürzte sich auf den Fußboden herab.
Ja, aber wo blieb er? Der alte Mann suchte, der kleine Knabe suchte: fort war er und fort blieb er. „Ich werde ihn schon noch finden,“ sagte der alte Mann; aber er fand ihn nie; der Fußboden war allzu offen und durchlöchert. Der Zinnsoldat war durch eine Spalte gefallen, und da lag er nun, wie in einem offenen Grabe.
Und der Tag verging, und der kleine Knabe kam nach Hause, und die Woche verging, und es vergingen mehrere Wochen. Die Fenster waren ganz erfroren, und der kleine Knabe mußte sitzen und auf die Scheiben hauchen, um ein Guckloch nach dem alten Hause zu machen, und da war Schnee in alle Schnörkel und Inschriften hineingeweht und bedeckte die ganze Treppe, gerade als wenn Niemand zu Hause sei. Und es war auch Niemand zu Hause: der alte Mann war gestorben!
Am Abend hielt ein Wagen vor der Thür und auf denselben setzte man ihn in seinem Sarge; er sollte draußen auf dem Lande in seinem Begräbnißplatz ruhen. Da fuhr er nun hin; aber Niemand folgte; alle seine Freunde waren ja todt. Und der kleine Knabe warf dem Sarge, als er so dahin fuhr, Handküsse nach.
Einige Tage nachher ward Auction in dem alten Hause gehalten, und der kleine Knabe sah aus seinem Fenster, wie man wegtrug: die alten Ritter und die alten Damen, die Blumentöpfe mit den langen Ohren, die alten Stühle und die alten Schränke. Etwas kam dahin, etwas dorthin; ihr Portrait, das beim Trödler gefunden worden war, kam wieder hin zum Trödler, und da blieb es hängen, denn Niemand kannte sie mehr, Niemand bekümmerte sich um das alte Bild.
Im Frühjahr riß man das Haus selbst ein, denn es war ein Gerümpel, sagten die Leute. Man konnte von der Straße gerade hinein in die Stube zu dem schweinsledernen Ueberzug hin sehen, der zerfetzt und abgerissen ward; und das Grün des Altans hing ganz verwildert um die einstürzenden Balken herum. – Und dann ward hier aufgeräumt.
„Das half!“ sagten die Nachbarhäuser.
Und es ward ein herrliches Haus aufgebaut mit großen Fenstern und weißen, glatten Mauern; aber vor dem Platz, wo eigentlich das alte Haus gestanden hatte, ward ein kleiner Garten angepflanzt, und an der Mauer des Nachbars wuchsen wilde Weinranken empor; vor dem Garten kam ein großes eisernes Gitter, mit eiserner Thür; das sah stattlich aus. Die Leute blieben davor stehen und guckten hindurch. Und die Sperlinge setzten sich zu Dutzenden auf die Weinranken und schwatzten alle durcheinander, so laut sie konnten; aber nicht von dem alten Hause, denn an das konnten sie sich nicht erinnern; es waren so viele Jahre vergangen – so viele, daß der kleine Knabe zu einem Mann, ja zu einem tüchtigen Mann herangewachsen war, an dem seine Eltern Freude hatten. Und er war eben verheirathet worden und mit seiner kleinen Frau in das Haus gezogen, vor dem sich der Garten befand; und hier stand er neben ihr, während sie eine Feldblume einsetzte, die sie sehr hübsch fand; sie pflanzte sie mit ihrer kleinen Hand und drückte die Erde mit ihren Fingern fest an. – Au! Was war das? – Sie stach sich. Aus der weichen Erde ragte etwas Spitzes hervor. Das war – Ja, denkt einmal! – das war der Zinnsoldat, derselbe, der oben bei dem alten Manne verloren gegangen war, der zwischen Zimmerholz und Schutt sich lange herumgetrieben hatte und nun schon viele Jahre in der Erde lag.
Und die junge Frau trocknete den Soldaten erst mit einem grünen Blatt ab, und dann mit ihrem feinen Taschentuch – das duftete so wunderschön! Und es war dem Zinnsoldaten gerade so zu Muthe, als ob er aus einer Ohnmacht erwache.
„Laß mich ihn seh’n!“ sagte der junge Mann, lächelte und schüttelte dann mit dem Kopf: „Ja, der kann es nun freilich wohl nicht sein; aber er erinnert mich an eine Geschichte mit einem Zinnsoldaten, die ich hatte, als ich ein kleiner Knabe war.“ Und dann erzählte er seiner Frau von dem alten Hause und dem alten Mann, und von dem Zinnsoldaten, den er ihm herübergeschickt hatte, weil er so entsetzlich allein war; und er erzählte es accurat so, wie es wirklich gewesen war, so daß der jungen Frau die Thränen in die Augen traten über das alte Haus und den alten Mann.
„Es ist doch möglich, daß dies derselbe Zinnsoldat ist!“ sagte sie; „ich will ihn verwahren und will an alles Das gedenken, was Du wir erzählt hast; aber das Grab des alten Mannes mußt Du mir zeigen.
„Ja, das weiß ich nicht, wo das ist,“ antwortete er, „und das weiß Niemand. Alle seine Freunde waren todt; Keiner pflegte dasselbe, und ich war ja ein kleiner Knabe!“
„Ach, wie der wohl entsetzlich allein gewesen sein mag!“ sagte sie.
„Ja, entsetzlich allein!“ sagte der Zinnsoldat; „aber herrlich ist es, nicht vergessen zu werden!“
„Herrlich!“ rief eine Stimme ganz nahe bei; aber Niemand, außer dem Zinnsoldaten, sah, daß diese von einem Fetzen der schweinsledernen Tapete herkam, der nun ohne alle Vergoldung war. Er sah aus, wie nasse Erde; aber eine Ansicht hatte er doch, und die sprach er aus:

„Vergoldung vergeht,
Aber Schweinsleder besteht!“

Allein der Zinnsoldat glaubte das nicht.

Hans Christian Andersen (1805-1875)

Besuch in der Vergangenheit oder Die kleine Kneipe in unserer Straße

Es gibt sie nicht mehr oft – die kleinen Kneipen und Dorfgasthöfe – in denen ungestört vom Trubel der Außenwelt ein Abend in Ruhe verbracht werden kann. In meiner alten Heimatstadt gab es früher viele solcher Orte, in denen für kleines Geld ein Feierabendbier getrunken werden konnte oder ein Hackepeter, ein Strammer Max, ein Warmes Eckchen oder eine Scharfe Sache bestens und preiswert den Hunger stillten. Die Männer trafen sich dort, um das Wochenende einzuläuten, um Skat zu spielen und auch auf ein Schnäpschen, die Frauen gingen nach ihren Sportrunden dahin, um sich bei einem Glas Bier schnatternd zu erfrischen. Familien mit Kindern speisten dort zu Abend, bei den niedrigen Preisen war das ein erholsamer Ausgleich für die berufstätige Hausfrau in der DDR.

In meiner näheren Umgebung gab es „Die Linde“ und die „Zur Post“, den „Gasthof zu den drei Rosen“ und das „Deutsche Haus“. Es gab das „Tivoli“, die „Lützelhöhe“ und und und… Inzwischen sind sie alle geschlossen, bei den heutigen Bierpreisen und den, nach der Einführung des Euros, in die Höhe geschossenen Preisen der Speisen, blieben die Gäste aus und von nix kann keiner überleben. Allerorten schossen Dönerbuden und Mc…in die Höhe. Der Grieche und der Italiener machen den Kleingaststätten Konkurenz und die Menschen selbst achten nicht mehr auf Traditonen. Mehr, schneller, billiger ist die Devise, sehen und gesehen werden… Und doch gibt es immer noch ein paar dieser Orte der einfachen Gastfreundlichkeit, in denen man auch nach 40 Jahren wiedererkannt wird und der Wirt oder die Wirtin ihre Gäste freundschaftlich duzen, die Gäste sich untereinander natürlich ebenso. Wer hier eintritt gehört dazu – einfach so.

In der „Scharfen Ecke“ war ich schon als Kind mit meinen Eltern Abendbrot essen. Seit ich mit meinem Mann weggezogen bin, haben wir die Dorfkneipen unserer neuen Heimatstadt besucht. Nun zieht es uns zurück. Es ist alles wie es früher war. Im Schankraum sitzen die Stammgäste und feiern den Freitagabend. Der kleine Saal, heute wie früher Ort für Familienfeiern, lockt uns wenig, wir setzen uns in den kleinen Biergarten, der auch von der Straße aus über das alte, schmiedeeiserne Tor zu erreichen ist.

Geht man von der Gaststube aus in ihn, läuft es sich über Fliesen, deren Schönheit durch alte Läufer verdeckt ist.

Irgendwie ist das immer noch DDR. Gefördert wurde der Neubau – Plattenbauten verschandelten die Gegend – die mit liebevollen Details geschmückten Altbauten wurden dem Verfall preisgegeben. Solche Geschichte hinterlässt ihre Spuren für immer.

Einfach ist der kleine Hof des Biergartens, sauber. Eine renovierte Laube bietet bei überraschendem Regen Unterschlupf, ihre Schönheit wird verdeckt von den Sonnenschirmen der Brauerein. Wird der neue Schanktisch gesponsert, muss gezeigt sein von wem.

Das Haupt- und auch das Hintergebäude sind renoviert, die Toilette, die sich wie früher auf halber Treppe befindet, hat noch ihre alte, niedrige Tür und durch das kleine Fenster zum Hof schaut es sich durch den alten, weiß lackierten Fensterrahmen.

Ich mag solche Gebäude, sie atmen Vergangenheit, hier fühle ich mich daheim. Übersichtlich ist die Speisekarte.

Neben den typischen kalten Speisen einer sächsischen Kneipe gibt es die traditionellen warmen Gerichte, die schon in der DDR auf der Karte standen. Steak mit Würzfleisch überbacken und Rostbrätel, alle Gerichte sind wie früher aus Schweinefleisch…das gab es immer…und mit hausgemachten Bratkartoffeln dazu. Das Würzfleisch selber wird in einer Portion serviert die auch satt macht.

Neumodisch ist nur die Physalis. Südfrüchte dieser Art waren völlig unbekannt. Zu kalten und warmen Speisen gab es Weiß-oder Rotkrautsalat, geriebene Möhren und Blattsalat, diese Gemüse waren immer zu kaufen. Sie haben wunderbar geschmeckt und das tun sie heute genauso.

Zum Tag

Es wächst

und gedeiht,

es trocknen Vorräte für andere, winterliche Tage,

es geniesst sich so leicht in diesem feuchten Juli, der so ganz nach meinem Geschmack ist,

dass ich ausruhen werde.

Weniger bloggen, weniger bei euch lesen, einfach leben.

Vorderfrauen

Schlafende

Das Schöne vom Tag

. ..es hingen zwei Mädels an Stangen herum, sie lachten dabei sich schief und krumm…