Archiv des Autors: Arabella

Romanesco, sächsch

https://youtu.be/G2hwVCN8OM8

(Musik: Neumi’sRockzirkus. Der Clown)

Blumgohl is ne dolle Sache. Billisch is er un gesund och noch. Gab’s och immer zu kofen im Winder in der DDR – der deutschen, demokratischen Republi“c“k ( das Wortspiel liegt hier bei. „c“ …Blick … also Moment -, ich weiß das dieser Text schwer zu lesen ist;-) ) also, die nu so anders war als die Bundesrepublik Deutschland. Oder och nur anersch gesteuerd. Also ’ne von de Steuern her, sonern von de Zuvendungen der Sieschermächde.

Woher soll so ne olle Sächsin – wie isch ehne bin – Romanesco kenn…wes’sch wirk’le ne. Nie bin’sch nach Rom gegomm, wie denn och, wenn se de Grense dicht gemacht ham.

Nu gann’sch täglisch, paron, efridai (pardon – evry day- ), so viel Englisch muss’sch nu wirkle in den Dext bring, sonst verstehds gor kener mehr…kofen was‘ sch bezahln kann.

Unner anerm och das Stüggl Dürmschen mid Röseln dran. Siehd der ne gud aus.

Nu had der wohrhaftig och noch mehr Vidamine als der Blumgohl, blähd ne ganse so un is och vom Geruch her besser… Inderschopware. Ich sach’s euch!

Wissd ihr denne ne, wos‘ n Inderschop is? Nee, nischt, wo Ausländsche verschklaft wer’n..de Inländsche’n hamse darinne mid de Devisen abgezockt. Beede Seiden, immer zum Wohle des Volks, is doch glar.

Is lang her sacht ihr, nu, isch sach so was nich.

Bissel gude Budder hau’sch in Topp, 2 EL Wosser och, Zitronensaft aus Cuba dazu, Salz, Pfeffor un Musgatnuss, 10 Minuden angebraten…fert’sch.

So schnell war ne mal de DDR abgewiggelt, un dos olles och noch ohne Falschhand, pardon, Treuhand.

Nu muss der Sonntagsbroden ne Tunke ham, ne dicke. Muss’sch ober ne dazu in de Westmehlmaggiemischerei greifen, mach‘ sch efach mid e bissel galder Budder in der mid vorher selber gesammelden Pilzen angedigden und pürierden Soße, orr, danei Kardoffln geknitscht!

Gud schmeggt der gonse Solad am Besten mit em gudden Stüggel Flesch, wie sich dos am Sonndach gehörd, eh baar Buddermöhren dazu und gud is’es.

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Zum Tag

(Musik: Kleine Meise, Kinderlied)

Mit Temperaturen um die 10 Grad minus und kälter hat der Winter Einzug gehalten.

Nach dem Wechsel zwischen Schneeunmengen, Sprühregen und Blitzeis der vergangenen Wochen ist dieses leuchtende Winterwetter mir deutlich lieber.

Nichts mehr finden jetzt draußen die Vögel.

Wie viele andere auch füttere ich sie. Am Besten geeignet sind Sonnenblumenkerne und Meisenknödel. Wer anderes Futter nutzt, sollte darauf achten, dass es geprüft ist und kein Ambrosia enthält.

Gar nicht gefüttert werden sollte:

Salz: Salzhaltiges wie Brot oder z.B. Wurst-, Schinken-, Speck- und Käsereste bringt den Hochleistungsorganismus der Vögel völlig durcheinander.

Reines Fett: in Form von Margarine oder Butter

Durchgeforenes Futter: z.B. kleine Apfelstückchen (Äpfel nur im Ganzen auslegen, die Vögel picken sich geeignete Stücke ab)

Im nahenden Frühling zwitschert es dafür wieder lustig im Garten.

Märchenstunde

Die Wichtelmänner

Ein Märchen der Brüder Grimm

ERSTES MÄRCHEN

Es war ein Schuster ohne seine Schuld so arm geworden, daß ihm endlich nichts mehr übrig blieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe. Nun schnitt er am Abend die Schuhe zu, die wollte er den nächsten Morgen in Arbeit nehmen; und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein. Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte und sich zur Arbeit niedersetzen wollte, so standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch. Er verwunderte sich und wußte nicht, was er dazu sagen sollte. Er nahm die Schuhe in die Hand, um sie näher zu betrachten: sie waren so sauber gearbeitet, daß kein Stich daran falsch war, gerade als wenn es ein Meisterstück sein sollte. Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gewöhnlich dafür, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln. Er schnitt sie abends zu und wollte den nächsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit gehen, aber er brauchte es nicht, denn als er aufstand, waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben, daß er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand frühmorgens auch die vier Paar fertig; und so gings immer fort, was er abends zuschnitt, das war am Morgen verarbeitet, also daß er bald wieder sein ehrliches Auskommen hatte und endlich ein wohlhabender Mann ward. Nun geschah es eines Abends nicht lange vor Weihnachten, als der Mann wieder zugeschnitten hatte, daß er vor Schlafengehen zu seiner Frau sprach ‚wie wärs, wenn wir diese Nacht aufblieben, um zu sehen, wer uns solche hilfreiche Hand leistet?‘ Die Frau wars zufrieden und steckte ein Licht an; darauf verbargen sie sich in den Stubenecken, hinter den Kleidern, die da aufgehängt waren, und gaben acht. Als es Mitternacht war, da kamen zwei kleine niedliche nackte Männlein, setzten sich vor des Schusters T isch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich und fingen an, mit ihren Fingerlein so behend und schnell zu stechen, zu nähen, zu klopfen, daß der Schuster vor Verwunderung die Augen nicht abwenden konnte. Sie ließen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war und fertig auf dem Tische stand, dann sprangen sie schnell fort.

Am andern Morgen sprach die Frau ‚die kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müßten uns doch dankbar dafür bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und müssen frieren. Weißt du was? Ich will Hemdlein, Rock, Wams und Höslein für sie nähen, auch jedem ein Paar Strümpfe stricken; mach du jedem ein Paar Schühlein dazu.‘ Der Mann sprach ‚das bin ich wohl zufrieden,‘ und abends, wie sie alles fertig hatten, legten sie die Geschenke statt der zugeschnittenen Arbeit zusammen auf den Tisch und versteckten sich dann, um mit anzusehen, wie sich die Männlein dazu anstellen würden. Um Mitternacht kamen sie herangesprungen und wollten sich gleich an die Arbeit machen, als sie aber kein zugeschnittenes Leder, sondern die niedlichen Kleidungsstücke fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeigten sie eine gewaltige Freude. Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die schönen Kleider am Leib und sangen

’sind wir nicht Knaben glatt und fein?

was sollen wir länger Schuster sein!‘

Dann hüpften und tanzten sie, und sprangen über Stühle und Bänke. Endlich tanzten sie zur Tür hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder, dem Schuster aber ging es wohl, solang er lebte, und es glückte ihm alles, was er unternahm.

Das Schöne vom Tag

Ganz normal erlebtes der Schaukelinhaberin..

Mutter, Vater und zwei Kinder…

Bodenlose Leichtigkeit oder Quarktorte ohne Boden

Im vergangen Jahr war wenig Zeit zum Backen. Auch nicht um die Weihnachtszeit. Meine Mama war wichtiger, dann gab es nach ihrem Tod vieles zu tun. Ich bin dabei nicht allein gewesen, sondern meine Schwester und ich konnten uns hinein teilen.

Nun wird es langsam wieder ruhiger, ich selber auch.

Bei fast jedem Fest im Hause meiner Schwester gibt es ihre wunderbare Quarktorte ohne Boden. Für unseren Mädelsnachmittag mit meiner Tochter, der Schaukelinhaberin und der Schaukelerobererin backe ich sie nach. So ein süßer Genuß.

Es braucht dafür:

125g Butter

6 Eier, getrennt

350g Zucker

50g Vanillezucker (selbst gemacht)

100g Griess

1kg trockenen Magerquark

1 Pk.Weinsteinbackpulver

1 EL Mehl

1 Prise Salz

Saft einer 1/4 Zitrone und deren Abrieb

Die Quarktorte ist köstlich in ihrer Fluffigkeit, zudem fast ohne Mehl zubereitet. Wie immer ist alles ganz einfach, wenn man weiß wie es geht.

Der Quark muss gut abgetropft sein, darum gebe ich ihn in ein Sieb.

Die Eigelbe schlage ich mit dem Schneebesen schaumig und gebe nach und nach den Zucker dazu. Wie oben angegeben ist in ihm ein Teil selbst gemachen Vanillezuckers, daher kommen auch die schwarzen Pünktchen im Zucker. Weiter schaumig schlagen und nach und nach alle anderen Zutaten dazu geben.

Ganz leicht zitronig soll meine Quarktorte schmecken, am Besten gelingt das, wenn zum Saft der Zitrone auch der Abrieb ihrer Schale dazu gegeben wird.

Butter lasse ich zerlaufen und wieder abkühlen bevor ich sie dazu gebe.

Mit einem Teil davon pinsele ich meine Backform aus.

Das Eiweiß schlage ich mit einer Prise Salz zu steifem Eischnee, den ich vorsichtig unter die ohnehin schon lockere Masse gebe.

All diese lockere Duftigkeit gebe ich nun in die Kuchenform.

Das ist so locker, so verlockend, immer lohnt es sich die Schüssel auszuschleckern!

Bei 170 Grad Umluft backe ich meine Quarktorte für eine knappe Stunde. Ich lasse sie bei geöffneter Herdtür etwas abkühlen.

Dann bestreiche ich sie mit geschmolzener Butter und gebe etwas Puderzucker darauf.

Es fällt mir schon etwas schwer, bei all diesem Duft im Haus, die Quarktorte nicht sofort und noch warm anzuschneiden und zu probieren. Meine Schaukelinhaberin wäre jedoch zu enttäuscht, einen angeschnittenen Kuchen vorgesetzt zu bekommen. Zudem hat sie ganz eigene Wünsche ihren Teil der Torte zu dekorieren. Bunt, mit Figürchen, bunten Streuseln oder Schokolade…

Zauberhaftes oder Rosmarintee

Voller Freude bin ich über meinen Rosmarintopf, der mir auch in diesem Jahr das Hin – und Herschleppen im Winter mit Blüten dankt.
Im Januar.
Ich strahle vor Glück.

Zwar steht er nicht an seinem angestammten Sommerplatz vor meinem Lieblingsfenster, sondern geschützt, durch die Wände der Kellertreppe, aber das tut ihm gut.
Mir auch, so brauche ich ihn bei drohendem Frost nur 4 Stufen tiefer in’s geschützte Waschhaus tragen.
Hingerissen bin ich von der zarten Schönheit seiner lilafarbenen Blüten.

Über und über ist er damit besät. Vor Freude könnte ich jubeln.
Von diesem, meinem Freund, schneide ich nicht ein Ästchen ab, um mir meinen geschätzten Rosmarintee daraus zu bereiten. Dieser schmeckt nicht nur vorzüglich, sondern wirkt gleich mehrfach.
Rosmarintee hilft jungen und alten Menschen, die unter Schwächezuständen leiden und verbessert niedrigen Blutdruck. Menschen mit Bluthochdruck können ihn unbesorgt geniessen, er steigert vorhanden Bluthochdruck nicht.
Enthalten sind Antioxidantien, ätherische Öle, Rosmarinsäure, Glycolsäure, Saponine, Flavoide, Bitterstoffe, Harz und Vitamin C.

Der Tee wirkt harntreibend und reinigt dadurch von schädlichen Giftstoffen.
Er wirkt äußerlich und innerlich angewendet gegen Rheuma und Gicht.
Obwohl Rosmarintee kein Koffein enthält, hat er eine stimulierende Wirkung, verbessert den Blutfluss im Gehirn und erhöht damit die geistige Leistungsfähigkeit.
Trotzdem ist er beruhigend, lindert Streß- und Angstgefühle, löst Muskelverspannungen und hilft bei Verdaungsstörungen.
Rosmarintee verhindert Übergewicht, mich wundert, das er es damit noch nicht zum Verkaufsschlager gebracht hat.
Lebererkrankungen, Asthma, Gastritis, leichte Erkältungserscheinungen und Kopfschmerzen kann der Tee der schönen Pflanze aus der Gattung der Minzegewächse lindern.
Rosmarintee sollte nicht kurz vor dem Schlafengehen getrunken werden und hat eine Ziehzeit von 10 Minuten.
Mir ist eine Mischung im Verhältnis 2 Teile Rosmarintee, 1 Teil Earl Grey ein köstlicher, anregender, gesunder Start in den Tag.
Natürlich kann man auch reinen Rosmarintee zubereiten.

Und weil man zum Tee auch Wasser braucht, fällt mir im Zusammenhang mit Rosmarin noch ein ganz besonderes Wässerchen ein.
Die ätherischen Öle des Rosmarin waren Grundlage für das erste, namentlich bekannte Parfum – das Ungarische Wasser der Isabella von Ungarn, einer gebürtigen Polin – die es mit 72 Jahren von einem Mönch als Geschenk bekam und nach dessen Gebrauch noch viele Männerherzen entflammt haben soll.
Dazu fällt mir ein Duft ein.
Doch das ist eine neue Geschichte.

Zum Tag

Nachdem es gestern und heute Nacht bei starken Sturm regnete, war der Schnee fast gänzlich weggetaut.

Seit einer Stunde schneit es, dass die Hand vor Augen nicht zu sehen ist.

Warten wir die Nacht ab. Mal sehen, ob ich uns morgen früh frei schaufeln muss…

Mitten im Winter am Nil oder Un Jardins sur le Nil von Hermès

Jahreszeiten sind etwas ganz Wunderbares. Wechsel im Spiel der Natur. Warum sollte ein Sommerparfum nicht im Winter Freude bringen können? Leichtigkeit braucht jede Jahreszeit. Und so grün dieser Duft auch ist, er ist ganz besonders anders darin.

2005 schuf Jean-Claude Ellena seinen ganz eigenen Garten am Nil.

Fruchtbarkeit und Erneuerung bringt der Nil. Heiß ist es dort. Entspannung bringen Gärten. Ich gehe hinein.

Ein Hauch des Parfums auf die Haut gesprüht..ah…Grapefruit. Frisch ist sie, hell und herb. Ihre Intensität hilft loszulassen. Psychische Wärme bringt sie die vor jeder Hitze (und Kälte) bewahrt. Kühlend und reinigend löst sie Kummer, zieht Gifte aus dem Körper und fördert die Leichtigkeit des Seins. Sie befindet sich in der Kopfnote des Duftes und ist von Anfang an da, mischt sich mit Karotte, deren ätherisches Öl aus den Samen gewonnen wird. Würzig, erdig und krautartig umspielt es Tomatenranken, rundet ihre grasig-grüne, sauere Fruchtigkeit ab. Ein tiefes Luftholen bleibt zurück und ein Erwachen. Grüne Mango verlockt exotisch, bleibt unaufdringlich in ihrer aromatischen Süße, weckt weitere Lebensfreude.

Mitten in’s Herz trifft Kalmus. Aus seinem knolligen Wurzelstock wird sein ätherisches Öl gewonnen. Und wieder fühle ich Stärke, bin weniger erschöpft und versinke in dieser linden, leicht süßen Modrigkeit, die kein Vergehen sondern ein Erwachen ist. Lotus hilft dabei. Der reinste und sinnlichste aller Düfte klärt mit seiner makellosen Schönheit. Alles leuchtet rein und klar. Mit seiner besonderen Exotik würzt er den Duft auf seine ganz eigene warme Weise. Weiblich, sinnlich und berauschend lässt sein Geruch Streß vergessen und schenkt Geborgenheit und innere Harmonie. Was für ein Luxus! Dazu gesellt sich die „Blume des Regens“ – die Hyazinthe. Wie keine andere Blume symbolisiert sie das Sterben und Wiedererstehens der Natur. Tiefgründig wie sie wird das Parfum in seinem Herz, intensiv wird das Blumige jetzt dunkel. Herb, würzig kommt die Pfingsrose zu Hilfe. Aus den kaiserlichen Gärten Chinas kommend, unterstützt sie das Gefühl von Wohlstand und Wohlbeagen, bleibt Rose ohne Dorn und macht die Mitte des Duftes zu einem Ort des Stillstehens im Wohlwollen.

Auch danach bleibt alles stärkend und haftet an meiner Haut. Das dem nicht zuviel wird, schafft Bergahorn holzige, milde Süße. Weihrauch, das Geschenk des Abendlandes an das Morgenland ohnehin, schwert balsamisch die grüne Frische. Sein sehr alter Duft, schwächt die vorherigen jungen Ausflüge des Parfums, ist Gegensatz von Verführung und Heiligkeit in einem. Zeitlos in seiner Opulenz verbringe ich, selbst entspannt, vertraute Zeit im Garten am Nil.

Dieses Parfum ist, meiner Meinung nach, für reife Frauen gemacht. Die um den Wert von Entspannung wissen und den Preis dafür kennen gelernt haben. Nichts für verspiele Naturen und auch nicht auf jeder Haut, die man zu Markte trägt, willkommen.

Märchenstunde

Der verbrannte Schnee

Dort, wo die Berge am höchsten sind, und die Täler am grünsten, lebte einmal ein armer Bursche in einer verfallenen Hütte am Waldesrand.
Sein sehnlichster Wunsch war es, eines Tages soviel Geld zu haben, dass er sich ein ordentliches Haus bauen und Grete heiraten konnte. Grete war das hübscheste und warmherzigste Mädchen weit und breit. Sie war ihm aus tiefstem Herzen zugetan, aber Gretes Mutter, eine herbe und strenge Frau, hatte Grete jeden Kontakt zu Hans verboten. Solange er einer Frau nicht mehr bieten könne, als eine verfallene Hütte, brauche er gar nicht um Gretes Hand anzuhalten, hatte sie unmissverständlich klar gemacht.
So hatte Hans tagelang überlegt, wie er es denn nun anstellen sollte, zu Geld zu kommen, aber er hatte keinen Ausweg gefunden.
Heute würde er sich ein letztes mal mit Grete an ihrem geheimen Ort im Wald treffen, um mit ihr über dieses schier unüberwindbare Problem zu reden.
Als Hans bei der großen Eiche ankam, wartete Grete schon auf ihn.
„Ich kann nicht lange bleiben!“, sagte sie atemlos. „Meine Mutter bewacht mich mit Argusaugen und ich habe zu ihr gesagt, ich gehe Brennholz sammeln.“
Hans schloss sein Liebchen in die Arme. „Ich sehe keinen anderen Ausweg, als fortzugehen. Ich werde erst zurück kehren, wenn ich genug Geld verdient habe, um dir ein anständiges Leben bieten zu können! Wirst du auf mich warten?“
Grete gab ihm einen Kuss. „Ich möchte keinen Tag ohne dich sein! Ich gehe mit dir. Ja, wir laufen zusammen fort!“
Doch Hans schüttelte den Kopf. „Das geht nicht, und das weißt du. Alleine finde ich leichter Arbeit und ich muss mir keine Gedanken darum machen, ob du Hunger leidest, oder nicht. Zuhause bist du einfach am besten aufgehoben.“
Grete versprach mit Tränen in den Augen, ihren Liebsten nicht zu vergessen. Sie deutete auf einen der höchsten Berggipfel, den man auch aus großer Entfernung erkennen konnte und auf dem noch im Sommer Schnee lag und sagte: „Sieh hin! Erst wenn der Schnee auf diesem Berg geschmolzen ist, werde ich aufhören, auf dich zu warten. Ich werde dein sein, bis in alle Ewigkeit.“
Ein letztes mal küssten sie sich und dann ging Hans seines Weges.
Es vergingen viele Tage und Wochen. Grete hielt ihr Versprechen und Hans, der schwere Arbeit leisten musste, blickte jeden Tag auf den Berg, um nach dem Schnee zu sehen.
Bald war Hans bereits zwei Jahre fort und er hatte viel Geld gespart. Ein paar Wochen nur noch, dann würde er heimkehren können. Ein Haus bauen, seine Grete heiraten, sogar für die Einrichtung würde etwas übrig bleiben. Gretes Mutter würde ihnen ihren Segen geben müssen.
Da schweifte sein Blick in die Ferne, ganz von selbst wanderten seine Augen prüfend zum Schnee, so wie immer, wenn er an Grete dachte.
Nur heute schien der Berg zu brennen. Nein, nein, das durfte es nicht geben! Der Schnee, er verbrannte! Grete!
Hans packte so schnell er konnte seine Sachen zusammen, es war wenig genug, was er besaß, und machte sich auf den Heimweg.
Die Reise nahm Tage in Anspruch und krank vor Sorge trieb er sich an, blickte immer wieder auf den Berggipfel und hoffte, es wäre alles nur ein Irrtum, ein schlimmer Traum. Aber je näher er seinem Ziel kam, desto mehr erkannte er das Ausmaß der Katastrophe. Der Vulkan war ausgebrochen! Niemand hatte damit gerechnet, denn er galt als erloschen. Viele hundert Jahre war es her, als er das letzte Mal gespuckt hatte.
Er hatte den Schnee geschmolzen, ihn verbrannt, und mit dem Schnee alle Hoffnungen und Träume.
Hans´ Hütte am Waldrand stand noch, wie durch ein Wunder, unversehrt. Die Lava hatte sich einen anderen Weg gesucht. Als Hans nun voller Zorn zum Berggipfel blickte, sah er ein winziges Fleckchen weiß. Kaum zu sehen, aber zweifelsfrei hatte der Vulkan seine Zerstörung nicht vollkommen betrieben. Ein kleines bisschen Schnee war übrig geblieben, aus einer Laune der Natur heraus. Aber es reichte, um Hans erneut Hoffnung zu geben. Er würde Grete finden, egal, wie lange es dauern mochte, egal wohin ihn seine Suche führen mochte. Er wusste, so lange der Schnee noch nicht ganz geschmolzen war, würde Grete ihn erwarten, und wenn es Ewigkeiten dauern würde.

Quelle: Berta Berger

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