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Ein Sommermärchen oder Kräuterbutter

Um mit den vorgeschriebenen Beiträgen nicht gar zu weit an Zeit zu verlieren, mach ich heute mal was und dann wieder nix.

Mitten im Jahr gibt es einen besonderen Tag – den 24.Juni. Gerechnet zu Weihnachten – dem Winterfest – ist dieser Tag das Gegenstück – das Sommerfest.

In den alten Zeiten war der 24.Juni der Göttin Fortuna geweiht und ein Feiertag. Nach der Zeit des Wachsens folgt die Zeit des Erntens. Damit diese gut ausfällt, wurde die Glücksgöttin Fortuna gefeiert. Auch das bestens Ausgesäte braucht Glück für eine reiche Ernte. Das Christentum hat den Feiertag einer Göttin gestrichen und den 24.Juni zum Tag Johannes des Täufers erklärt. Dennoch blieben Fruchtbarkeitsrituale, wie der Sprung über’s Feuer in der Nacht vor Johanni, erhalten.

Für mich ist dieser Tag nochmals besonders – er ist mein Geburtstag.

Zeit also für ein Sommerfest mit der ganzen Familie im Garten.

Fortuna hilft mir, kaum habe ich je einen verregneten Geburtstag begangen. Dieses Jahr feiert zum ersten Mal die Schaukelerobererin mit meiner Familie und mir mit.

Wir grillen, ich habe ein Brot dazu gebacken

und darauf schmeckt eine Kräuterbutter bestens. Diese ist schnell und einfach selbst gemacht. Was an Gartenkräutern da ist, kommt hinein.

Wenig Thymian und Salbei, etwas Basilikum, viel Petersilie und Schnittlauch. Mit der Kräuterschere sind alle gut geschnitten bald bereit, gemeinsam mit etwas Meersalz mit der weichen Butter vermischt zu werden.

In ein Gläschen gestrichen, sieht alles einladend frisch und lecker aus.

Auf dem Brot ist das ein sommerlicher Genuss.

Eine Thüringer Rostbratwurst mit viel Bautz’ner Senf darf genauso wenig fehlen, wie Kartoffelsalat und ein gut mariniertes Steak.

Ein paar andere Kräuter, wie Fenchelkraut, Oregano, Zitronenmelisse, Pfefferminze und marokkanische Minze geben einen guten Tee dazu.

Nach so viel Schmausigem muss man wahrlich ein wenig ausruhen

und dann weiter feiern bis in die Nacht hinein.

Feine Geschenke habe ich zu meinem Sommerfeiertag auch bekommen.

Bald gibt’s ein neues Fest – mit selbst gemachten Nudeln.

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Erinnerungen – Schwimmbad


In meiner Erinnerung sind alle Kindheitssommer voller Sonne. Nicht, dass dies wirklich so wahr, nur – an den Rest erinnere ich mich nicht.

Am 15.Mai öffneten die Schwimmbäder. Schon in der Schule verabredete ich mich mit meinen Freundinnen für den Nachmittag. Den ca. 2km lange Heimweg von der Schule lief ich so schnell ich konnte, Schultasche weg, Badetasche her und ab. Wieder 2km zum Schwimmbad laufen. Macht nichts, Abkühlung wartet.

50 Pfennige Eintritt hatte mir die Mutter am Morgen schon bereit gelegt. Den Weg zum Schwimmbad nahm ich über eine Abkürzung, die durch Wiesen führte. Auf dem Rückweg pflückte ich meiner Mutter Sträuße von Wiesenblumen. Weiße Magariten, blaue Glockenblumen und die zartrosa Rispen eines blühenden Krautes, das ich besonders liebte. Schnuddelputzer nannten wir es, bis heute kenne ich den richtigen Namen für die Pflanze nicht.

Am Einlasshäuschen des Freibades bekam ich für meine 50 Pfennige Eintritt einen von einer großen Rolle abgerissenen Streifen grünes Papier – die Eintrittskarte. Schien der Sommer gut zu werden, kaufte meine Mutter mir eine Jahreskarte – aber wie gesagt – mir schien damals immer die Sonne.

Auf den großen Liegewiesen mit alten, Schatten spendenenden Baumbestand, hatten die einzelnen Klassengruppen ihre festen Plätze. Kam man zu spät, war der Platz weg und ein weniger guter Platz musste für diesen Tag genommen werden. Wir traffen und gern auf einer leicht erhöht liegenden Wiese. Von hier aus war gute Sicht auf das große Schwimmbecken und den Sandplatz zum Volley- oder Handballspielen. Waren die Plätze gesichert, gingen wir – natürlich in Mädchengruppen – zum Umziehen in die dafür bereit stehenden Umkleidekabinen. Man konnte gegen einen Aufpreis einzelne Kabinen mieten, dafür war uns unser Geld zu schade, es gab ja noch die großen Herren- und Damenumkleiden, die kostenfrei genutzt werden konnten. Warum wir uns so eigen hatten und uns nicht auf der Wiese umzogen…war halt so. Nicht überall wurde der DDR-FKK praktiziert. Die nassen Badeanzüge dagegen wechselten wir im Schutz großer Handtücher ohne den Schutz der Kabine. ( Natürlich hatten die Holzwände hinein gebohrte Löcher und natürlich spähten die Jungs hindurch. ) Etwas später war es “ in “ selbstgenähte Frotteeumkleiden zu benutzen. Oben mit einem Gummizug ausgestattet, stülpte man sich diese über den Kopf und im Schutz der weiten Umhüllung war ein Umziehen ohne nackig gesehen zu werden möglich. Schnell noch die Decken als Platzsicherheit ausgelegt, die Pflichtbadekappe aufgesetzt und ab unter die Dusche. Das war schon etwas überwindungsbedürftig, nicht wegen des kalten Wassers das aus den Duschen kam, sondern wegen der Regenwürmer, die sich im Duschbecken befanden.

Das Schwimmbecken selber war groß, sauber und mit gechlortem Wasser gefüllt. Noch immer rieche ich das Chlor, das beim Tauchen in der Nase kitzelte. Was haben wir im Wasser getobt. Über die Rutsche im flachen Nichtschwimmerbereich sind wir gesaust, weiter in’s Tiefe geschwommen, am Rand haben wir uns festklammert, um auszuruhen. Die Einmeterblöcke zum in’s Wasser springen waren viel benutzt. Auf das 5m oder 10m Brett dagegen wagten sich nur die ganz Mutigen. Vom Beckenrand her sind wir Arschbomben spritzend in‘ s Wasser gehüpft, dabei immer darauf achtend, so viele wie möglich nass zu spritzen. Die armen Erwachsenen…Besonders gern sprangen wir in der Nähe von Damen, welche die Haare gut unter den buntesten Badekappen mit Gummiröschen darauf versteckt, versuchten ihre Kaltwelle nicht nass werden zu lassen. Stunden haben wir im Wasser verbracht, bis die Lippen blau wurden und wir vor Unterkühlung am ganzen Körper klapperten. Dann erst, wenn vor lauter Zittern kaum noch sprechen möglich war, verliessen wir unser Wasserparadies um uns in der Sonne auf den weiten Wiesen liegend aufzuwärmen.

Ein beliebter Ort war der kleine Imbisskiosk. Aus Holz den Umkleidekabinen angeschlossen, stand stets eine lange Schlange hungriger Wasserratten vor ihm. Eis am Stiel gab es, manchmal auch das zwischen zwei Waffeln gebettete Moskauer Eis, ein unglaublich cremiges Vanilleeis. Oder Pücklereis – Schoko, Erdbeere, Vanille – fein geschichtet zwischen weichen Waffeln. Fassbrause haben wir uns geholt, im Becher für 15 Pfennige. Wer mehr Taschengeld hatte, konnte sich ein paar Wiener leisten oder eine Bockwurst für 80 Pfennige. Also – wenn man Glück hatte – meistens hatte man keins und nach langem Anstehen in der Schlange kaufte der Vordermann die letzte Wurst direkt vor der Nase weg. Macht nichts, ein Lolli aus Caramel mit Kakaokern oder süße Zuckerbonbons waren genauso beliebt.

Auf die Decken wurden die Esssachen geschleppt und mit Heißhunger verzehrt, bevor es wieder in’s Wasser ging. Davor gab es noch ein Hinderniss. Die Limonade wollte auch wieder raus. Ganz vorn am Eingang waren die Toilettenhäuschen, schon von weitem konnte man sie in der Sommerhitze riechen. Der von den vielen nassen Füssen glitschige Betonboden war eine weitere Eckelhaftigkeit. Ich bin mir ziemlich sicher – der Eine oder Andere hat das Schwimmbecken anstatt der Toilette benutz. Der Bademeister verbreitete das Gerücht, das Wasser würde sich blau verfärben, falls es jemand falsch benutzen sollte. Danach war der Abdrang am Toilettenhäuschen wieder höher.

Um die Wette geschwommen sind wir, wer kann am Längsten unter Wasser die Luft anhalten haben wir gespielt, Wasserballschlachten haben wir veranstaltet und natürlich Handstand im Becken probiert.

An die Benutzung von Sonnencreme kann ich mich kaum erinnern, Lichtschutzfaktor 50+ war noch unbekannt, Sonnenöl schmierten sich mit heller Haut gefährdete auf, um dann im Wasser Regenbogenspuren hinter sich her zu ziehen.

Wenn das Bad sich gegen Abend leerte, 20.00 Uhr war Schließzeit, begann die schönste Zeit. Das große Becken mit nur Wenigen zu teilen war ein Genuß. Hundemüde und braun, hungrig wie ein Wolf, machte ich mich dann auf den Heimweg. Nochmal 2km nach Hause, die dann schwer fielen. Der Mutter noch Blumen gepflückt, das zu Hause bereit stehende Abendbrot verschlungen und in’s Bett und in tiefen Schlaf fallen. Morgen scheint wieder die Sonne!

Das Schöne vom Tag

Sommer. Wirklich.

Das Letzte vom Tag

Der Sommer liegt in vollen, letzten Zügen. Auch wenn die Temperaturen bei uns heute um die 30 Grad lagen, die Farbe des Lichts und die Länge der Schatten nehmen der Sonne die segende Glut.
Gut komme ich durch diese lange Woche, es bleibt Zeit für schöne Dinge. Das bringt mich dazu darüber nachzudenken, wie erleichternd eine offene Einstellung in Erwartung von Unabenderlichem sein kann. Diese Offenheit wünsche ich mir für den Umgang mit den Flüchtlingen, die irgendwann keine Flüchtlinge mehr, sondern Mitbürger sein werden. Eine Chance zur Erneuerung dieses aus seinen Fugen geratenden Systems.
Der Garten schenkt mir Momente der Erholung, mich mit in seine andächtige Schönheit nehmend.
Tief.
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Das Letzte vom Tag

Ich verstecke mich einfach.
Im Haus ist es noch relativ frisch, durch die halb geschlossen Fensterläden goldflittert das Sonnenlicht und zaubert Muster, die nicht an die Schönheit arabischer Fenster heranreichen, mir jedoch die Erinnerung daran schenken.
Am zeitigen Morgen bin ich durch’s kaum taufeuchte Gras gelaufen und habe mit Wassergaben versucht den Pflanzen Mut zu machen. Die meisten halten durch.
Ein freundlicher Nachbar teilt seinen Überfluss und bringt

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Spillinge – daumenkopfgroße, wilde Pflaumen. Der Baum blüht im Frühjahr als erster, jede seiner tausenden von Blüten ist eine Frucht geworden. Als ich ihm ein Glas von der daraus gemachten Marmelade zum Dank bringe, pflückt er noch immer die duftenden Sommergaben.
Mein schattiges Versteck wird zur Leckerhöhle, vor der Marmelade mache ich Haselnusseis.
Es gelingt nicht sofort, erst nachdem ich die Masse nochmal der Eismachine entnommen habe und sie glatt siebe, wird im 2.Anlauf ein cremiges Nusseis, das heute unser Mittagessen ist. Das ausgiebige Wochenendfrühstück sättigt bei dieser Hitze lang.

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Da ich gerade so schön im Kochflow bin, bereite ich für morgen das Mittagessen vor, so kann ich den Sonntagmorgen verbummeln. Wie meine Mutter habe ich bei der Küchenarbeit kein Radio an, sondern singe mir selbst was. Die Texte der Volkslieder – die ich der Schaukelinhaberin beibringen will –  müssen aufgefrischt werden. Der Schwarzbiergulasch mischt seine deftigen Aromen mit denen der Marmelade und der Nusseismasse, eine Geruchs-Berg-und Talbahn!
Draußen bewegen sich die Temperaturen im 35 Grad Bereich und sonst nicht viel.
Ein Mittagschlaf und mein Bad – in Meersalz mit Wildrosenblüten parfümiert – halten mich frisch.
Der Abend wird entspannt und kühlt mich weiter ab. Wir fahren an die nahegelegene Talsperre – dem Kinderwochenendparadies des Gärtnergatten.
Das Wasser schenkt mir Gelassenheit.

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Wir werden noch Freunde – die Hitze und ich!

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Das Letzte vom Tag

Den ganzen Tag war sie in meinem Kopf…
In der Morgenmüdigkeit und im Arbeitsalltag.
War im Achselschweiß, den der heiße Tag brachte und in der Bügelwäsche, die diesen in ein Gesamtkörperschweißbad verwandelte.
War in der Butter der Arbeitsbrote für den nächsten Tag und im nassen Handtuch nach der erfrischenden Dusche.
Jetzt gehe ich durch sie, laufe in den zirpenden Sommergarten, der die Spuren des heißen Tages genau so wenig verbergen kann wie ich.
Atme mit ihm auf unter den Wasserstrahlen, sauge seinen ehrlichen Geruch ein, den er dankbar dafür freigibt.
Streichle über den Lavendel, dessen Duft an der Hand haften bleibt und lege diese in die anderen Hände, die mir lieb sind.
Draußen, im Garten, endlich.

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Augenblicke im Paradies

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Die Hitzewelle ist vorüber oder pausiert, wer weiß das schon genau… Zur Zeit jedenfalls, kann ich mein Bad wieder zum entspannen und nicht zum abkühlen nehmen.
Augenblicke im Paradies verspricht der Name des Badesalzes.
Wer ist schon gern allein im Paradies?
Ein Gast hat sich eingeschlichen, ist durchs offene Fenster in meine Badewanne gehüpft. Angelockt vom Duft des Lavendels hat er sich an den Weinblättern hochgehangelt, sich dann Hals über Kopf in den Blumenkasten gestürzt, um zu guter Letzt mit einem großen Satz direkt in meiner Badewanne zu landen. Da sitzt er nun und guckt mich fassungslos an. Statt duftendes Grün umgibt ihn plötzlich  aalglattes Weiß. Der weiteste Sprung reicht nicht aus, um aus der rutschigen Falle zu entkommen. Vor Aufregung zittern die filigranen Fühler und bebend Hilfe suchend hüpft die Grille in meiner Wanne, ohne das im mindesten paradiesisch zu finden. Zum Abend hin bereiten mir diese Gesellen lauschige Konzerte…ich muss ihn retten.
Also klettere ich in die Wanne und versuche des aufgeregten Kerlchens habhaft zu werden. Im hohen Bogen hüpft er mir davon. Nicht hoch genug, um sich aus seiner mißlichen Lage zu befreien. Ich klettere wieder raus aus der Wanne und hole mir einige Lagen Toilettenpapier, vorsichtig werfe ich sie auf das Grillentierchen und…hurra…es klappt. In mehrere Lagen eingewickelt schaut er mich verzweifelt an. Ich tu dir doch nichts du Dummerle ! Im Blumenkasten – zwischen Lavendel und Männertreu – wickle ich ihn vorsichtig aus. Er tut einen großer Sprung und ist wieder bei seinen Orchesterkollegen.
Und ich mache mich jetzt endlich konzertfein und lasse mir mein Badewasser in die Wanne, deren einziger Besucher ich nun wieder bin.
Augenblicklich in meinem Paradies.

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Das Letzte vom Tag

Passt.

Ein ganz normaler Tag…

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…in der Woche. Nur das ich über Zeit verfüge. Kurz nach acht Uhr morgens laufe ich durch meine Stadt. Das ist der Vorteil, wenn man keinen Führerschein hat und in einer Kleinstadt mit geringem Busnetz wohnt. Ich erlebe meine Stadt zu Fuß. Die Straßen sind wieder leer, eilige Eltern haben ihre schwer beranzten Sprößlinge in den Schulen verteilt, die Schultüren haben sich hinter der schwatzenden, fröhlichen Menge geschlossen und die Straßen liegen ruhig. Die geschäftigen Mütter und Väter sind in ihre Autos gestiegen und davongesaust. Leere bleibt. Die Fußwege warten auf den Ansturm der Rentner, die nach Öffnung der Läden einzig die Straßen bevölkern und ihre Einkäufe machen. Von ihnen leben die wenigen Geschäfte der Innenstadt. Wer jünger ist, kauft meistens billiger in der Großstadt und im Supermarkt.
Geöffnet haben schon die Bäcker, ich schaffe es, an den geleeglänzenden, farbigen Zuckerwundern vorbeizugehen, der vietnamesische Gemüsehändler ordnet gerade liebevoll seine Auslagen und verkauft mir auf Anfrage mit freundlichen Guten-Morgen-Wünschen ein Schälchen frischer Erdbeeren, deren Duft süßen Genuss ohne Reue verspricht.
Wie einen Schatz trage ich sie heim und kann es kaum erwarten den Löffel in die Schüssel zu tunken, in der sie bald nach meiner Ankunft in Milch schwimmen. Ich brocke mir etwas Zwieback hinein und setze mich mit meiner Schale voller Juni in die noch milde Morgensonne. Meine Haut scheint sich unter ihrer Berührung auszudehnen. Als könnte eine größere Oberfläche mehr von der wohltuenden Wärme speichern.
Üppig sind die Blätter nach dem Regen der letzten Tage gewachsen, ihr Rauschen mischt sich mit Vogelgezwitscher, ich werde still und eins mit ihnen.
Eine letzte Pfingstrose fällt mir in den Blick, ihre voll erblühte Schönheit zeigt die ersten Spuren der Vergänglichkeit.
Wir schauen uns an und verstehen uns ohne Worte.

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