Zum Tag

Gelegentlich werde ich angemahnt zu schreiben.

Hmm, worüber denn?

Immer noch regen mich Unfassbarkeiten auf. Sei es das Abtingeln von Volksparteien zu Unterhaltungserscheinungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sei es das Verschwinden kritischer Stimmen wie die eines Uwe Steimles. Wer aus den glücklichen Bundesländern versteht das schon?

Immer noch regen mich überfüllte Busse auf, die unregelmäßig fahren, weil sich für den Hungerlohn der bei grottenschlechten Arbeitszeiten gezahlt wird, einfach kein Personal mehr findet.

Immer noch regen mich meine lieben Mitbürger auf, die brav einkaufen gehen um den Staat mit Mehrwertsteuern zu beschenken, (der setzt die Steuern dann in Beratungsausschüsse um, damit unfähige Minister in Ruhe weiter über Diätenerhöhungen verhandeln können), über pollergeschützte Weihnachtsmärkte stürzen und sich Adventsstimmung antrinken müssen.

Immer noch regen mich pubertäre Mädels auf, die in für mich fast schon terroristischem Gebaren die Meinung einer elitären Minderheit durchsegeln wollen.

Inzwischen sehe ich das alles aber entspannter, ändern kann ich es sowieso nicht, oder?

In diesem Sinne entspanne ich weiter vor mich hinträumend auf dem Sofa und wünsche einen besinnlichen 2.Advent.

Sonntagsmärchen

Vineta

Bei der Insel Usedom ist eine Stelle im Meere, eine halbe Meile von der Stadt gleichen Namens, da ist eine große, reiche und schöne Stadt versunken, die hieß Vineta. Sie war ihrer Zeit eine der größesten Städte Europas, der Mittelpunkt des Welthandels zwischen den germanischen Völkern des Südens und Westens und den slavischen Völkern des Ostens. Überaus großer Reichtum herrschte allda. Die Stadttore waren von Erz und reich an kunstvoller Bildnerei, alles gemeine Geschirr war von Silber, alles Tischgeräte von Gold. Endlich aber zerstörte bürgerliche Uneinigkeit und der Einwohner ungezügeltes Leben die Blüte der Stadt Vineta, welche an Pracht und Glanz und der Lage nach das Venedig des Norden war. Das Meer erhob sich, und die Stadt versank. Bei Meeresstille sehen die Schiffer tief unten im Grunde noch die Gassen, die Häuser eines Teiles der Stadt in schönster Ordnung, und der Rest Vinetas, der hier sich zeigt, ist immer noch so groß als die Stadt Lübeck. Die Sage geht, daß Vineta drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor seinem Untergang gewafelt habe, da sei es als ein Luftgebilde erschienen mit allen Türmen und Palästen und Mauern, und kundige Alte haben die Einwohner gewarnt, die Stadt zu verlassen, denn wenn Städte, Schiffe oder Menschen wafeln und sich doppelt sehen lassen, so bedeute das vorspukend sichern Untergang oder das Ende voraus – jene Alten seien aber verlacht worden.

An Sonntagen bei recht stiller See hört man noch über Vineta die Glocken aus der Meerestiefe heraufklingen mit einem trauervoll summenden Ton.

Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

Blick in den Wandel

Siebter Dezember 2019

Gute Wege…

…nach Vineta?

Gute Wege

Blick in den Wandel

November 2019

Sonntagsmärchen

Aus des Knaben Wunderhorn

Das irdische Leben

„Mutter, ach Mutter, es hungert mich!
Gieb mir Brot, sonst sterbe ich!“
„Warte nur! Warte nur, mein liebes Kind!
Morgen wollen wir ernten geschwind!“

Und als das Korn geerntet war,
rief das Kind noch immerdar:
„Mutter, ach Mutter, es hungert mich!
Gieb mir Brot, sonst sterbe ich!“
„Warte nur! Warte nur, mein liebes Kind!
Morgen wollen wir dreschen geschwind!“

Und als das Korn gedroschen war,
rief das Kind noch immerdar:
„Mutter, ach Mutter, es hungert mich!
Gieb mir Brot, sonst sterbe ich!“
„Warte nur! Warte nur, mein liebes Kind!
Morgen wollen wir backen geschwind!“

Und als das Brot gebacken war,
lag das Kind auf der Totenbahr’!

Blick in den Wandel

Dreiundzwanzigster November 2019

Blick in den Wandel

Achtzehnter November 2019

Sonntagsmärchen

Die Geschichte vom Suppen-Kaspar

Der Struwwelpeter von Dr.Heinrich Hoffmann

Der Kaspar, der war kerngesund, Ein dicker Bub und kegelrund,
Er hatte Backen rot und frisch;
Die Suppe aß er hübsch bei Tisch. Doch einmal fing er an zu schrei’n: „Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“.
Am nächsten Tag, – ja sieh nur her! – Da war er schon viel magerer.
Da fing er wieder an zu schrei’n:. „Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“
Am dritten Tag, o weh und ach!
Wie ist der Kaspar dünn und schwach! Doch als die Suppe kam herein, Gleich fing er wieder an zu schrei’n: „Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“
Am vierten Tage endlich gar
Der Kaspar wie ein Fädchen war.
Er wog vielleicht ein halbes Lot – Und war am fünften Tage tot.