Archiv der Kategorie: Heimat

Schloss Altenburg

Glanz und Gloria

für sehr wenige Einzelne.

Hat sich bis heute nicht geändert, oder?!

Osterspaziergang oder das ehemalige Residenzschloss Altenburg

Am Karfreitag spazierten wir bei wunderbarem Frühlingswetter durch Schloss und Park Altenburg und besuchten das im Park angrenzende Lindenaumuseum. Die 72,3 km lange Fahrt dahin brachte uns aus dem beginnenden, sächsischen Frühling in das schon voll im Frühling stehende Thüringen.

Die Kreisstadt Altenburg liegt 45 km von Leipzig entfernt im Leipziger Umland, das ein deutlich milderes Klima als meine vorerzgebirgische Heimat aufweist. 

Die Musik zu diesem Beitrag wurde gespielt auf der Trost- Orgel der Schlosskirche, die direkt hinter dem Torhaus liegt. In den Jahren 1735-1739 wurde sie von Orgelbaumeister Trost geschaffen, 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tobias_Heinrich_Gottfried_Trost

kurz vor ihrer Einweihung, im September 1739 spielte Johann Sebastian Bach auf ihr.

Altenburg selber ist weltweit bekannt als Skat- und Spielkartenstadt.

Hier wurde zwischen 1810 und 1815 das Skatspiel erdacht und seit dem 11.Kongress 1927 gibt es ein Skatgericht in der Stadt Altenburg. Spielkarten selber werden schon seit 500 Jahren in der Stadt hergestellt, die 1832 gegründete Spielkartenfabrik entwickelte sich nach 1900 zur Größten in Deutschland. Das Schloss beherbergt seit 1923 ein Spielkartenmuseum, in dem sich ebenfalls der berühmte Skatbrunnen befindet.

Alle im Schloss befindlichen Ausstellungen können für einen Preis von 7 Euro besichtigt werden, die Fotoerlaubnis bekomme ich für 3 Euro dazu. Das Lindenaumuseum mit all seinen Ausstellungen besucht man für 6 Euro oder kauft am Besten gleich die Verbundkarte für beides zum Preis von 9,95 Euro. Das Spielkartenmuseum befindet sich dauerhaft im Mittelgeschoss des Schlosses.

Gelegen in dessen zauberhaften Räumen

zeigt es auch eine alte Werkstatt, in der Spielkarten hergestellt wurden.

Das Altenburger Schloss ist ein vielgestaltiges Bauensemble mit fast 1000jähriger Geschichte.

Als Burg- und Verwaltungszentrum diente die Anlage Königen, Kaisern und Kurfürsten als zeitweiliger Aufenthaltsort. 1455 war die damalige Burg Schauplatz des legendären Altenburger oder auch Sächsischen Prinzenraubes, bei dem die Prinzen Ernst und Albert durch Ritter Kunz von Kauffungen entführt wurden.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Altenburger_Prinzenraub

Selbstverständlich finden sich im Schlossmuseum Bilder und Erläuterungen dazu.

Ritter Kunz von Kauffungen wurde in Freiberg enthauptet, das linke Bild zeigt diese Szene. Rechts sind die Porträts 33 beteiligter Personen zu sehen. Später residierten hier die Herzöge von Sachsen-Altenburg in zwei Erblinien. Vom 9. bis 11.November 1485 fand in Leipzig ein Landtag statt, der die Teilung des Kurfürstentums zum Thema hatte. Kurfürst Ernst und sein Bruder Herzog Albrecht teilten das Kurfürstentum zwischen sich auf, dadurch entstehen die ernestinische und die albertinische Linie des Hauses Wettin. Zur ernestinischen Linie gehören die Orte Altenberg, Wittenberge, Torgau, Weimar und Coburg, die heute alle im Bundesland Thüringen liegen. Die albertinische Linie erhielt die Orte Chemnitz, Freiberg, Meißen, Dresden und Zwickau, die allesamt heute im Freistaat Sachsen zu finden sind. Die Teilung der Wettinerherrschaft kam damit der Gründung der Länder Thüringen und Sachsen gleich. Auch dazu gibt es im Schlossmuseum einen Ausstellungsbereich. Weiter findet sich eine Ausstellung ostasiatischer Porzellane darin Raum, deren Höhepunkt die Porzellankollektion des Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ist. Nicht zu allem kann ich hier Fotos zeigen. 

  • Mich hat vor allem die Architektur, das Inventar und Interieur des Herzogshauses fasziniert, die Spiegel der Hausgeschichte als Wohn- und Resistenzstätte sind und sich in der oberen Museumsetage befinden. Hier gibt es bewaffnete Ritter und Damen auf Kampfschlitten zu bestaunen.
  • Die Räume atmen den Glanz einer vergangenen Zeit.
  • Großartig finde ich die Vielfalt der hier ausgestellten Öfen,
  • während es nur ein Kaminzimmer gibt.
  • Regelmäßig finden Sonderausstellungen statt, zur Zeit passend eine über christliche Motive auf Ostereiern.
  • Am Meisten mochte ich die im Fenster wunderbar zur Geltung kommenden Ostereierlampen.
  • Dabei gibt es viel mehr zu sehen, als hier Platz dafür ist.
  • Eine Ausstellung mit sakralen Kunstwerken ist zu sehen 
  • und eine herrlich gelegene Sammlung von Karikaturen zur Freimaurerei.
  • Die Burg selber entstand auf einem Porphyrfelsen, vorher befand sich dort eine slawische Wallanlage. Erstmals wird die Altenburg 976 von Kaiser Otto dem III. erwähnt, Kaiser Friedrich Barbarossa war um 1180 mehrfach hier Gast. 1307 übernahmen die Wettiner die Herrschaft. Im 17.Jahrhundert wurde die Altenburg zur Residenz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg. 1706 und 1744 wurde die Burg durch die Herzöge Friedrich II. und Friedrich III. zum Schloss umgebaut.
  • 1868 zerstörte ein schwerer Brand das Prinzenpalais und auch das Kornhaus brannte aus. Seit Ende 1918 wird das Schloss von der Stadt genutzt, am 10.April 1943 wurde es vom ehemaligen Herzog Ernst II. auch formal an die Stadt übergeben. Ein Besuch in ihm ist lohnenswert, unterhaltsam und bildend,
  • genauso wie im über den Park in wenigen Minuten zu erreichenden Lindenaumuseum,
  • mit seiner Vielzahl an Bilder, Fotografie- und Skulpturenausstellungen.

Heimatliches – Der Denkmalkomplex Saigerhütte Olbernhau-Grünthal

Am Rande des Erzgebirges lebend, trennen mich nur knapp 50km vom direkten Erzgebirge. Ist die Gegend in meiner nahen Umgebung hügelig bis bergig, ist das Erzgebirge selber anders. In ihm herrscht der bergige Charakter vor, umgeben von Nadelgehölzwäldern. Auch der Menschenschlag ist ein anderer, das direkte Erzgebirge hat einen dörflichen Charakter. Das Bild prägen kleine Ortschaften, in denen hauptsächlich in kleinen Eigenheimen gelebt wird. Auch 40 Jahre DDR haben hier nur geringe Spuren hinterlassen. Sieht man gelegentlich höchstens 4-5 stöckige Neubauten der frühen 70er Jahre, fehlen die mir unheimlichen Wohnriesen der 80er Jahre ganz.

Im 16.Jahrhundert, nach der Entdeckung großer Erzvorkommen entwickelte sich sein heutiger Name – Erzgebirge.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erzgebirge

Das Erzgebirge lebt heute von einigen überlebenden Firmen, die traditionellen, erzgebirgischen Weihnachtsschmuck und vielfältige Holzarbeiten herstellen. Tourismus ist eine weiterer Einnahmequelle, ansonsten zieht es junge Leute weg von dort, dahin wo sich Arbeit leichter finden lässt.

Vielerlei Bergwerke kann ich in dieser Gegend besichtigen oder auch u.a. die Saigerhütte in Olbernhau-Grünthal.

Sie ist ein Zeugnis des Hüttenwesens der Buntmetallurgie aus dem Jahr 1537. Ihr Name kommt von dem zur damaligen Zeit revolutionären Schmelzverfahren zur Entsilberung von Rohkupfer – dem Saigern.

Der gesamte Komplex umfasst zwanzig historische Bauten, die ehemals in sich geschlossen waren und eine privilegierte Industriegemeinde darstellten und noch heute von den Resten einer wehrhaften Mauer umgeben sind.

Der Kupferhammer liegt dem Komplex voraus. In ihm befindet sich ein voll funktionstüchtiges Hammerwerk mit einem sechs Zentner schwerem Breithammer. 

Das Saigern ist das schmelztechnische Trennen von Kupfer und Silber. Unter Zugabe von Blei wurden die unterschiedlichen Schmelztemperaturen und gegenseitigen Löslichkeiten ausgenutzt. Bis 1914 wurden im Kupferhammer Buntmetalle zu Blechen, Schalen und Kesseln verarbeitet. Der Antrieb der drei Hämmer erfolgte mittels eines Wasserrades mit einem Durchmesser von 2,70 m und einer Breite von 1,50 m. Seit 1961 ist er Museum.

Die Geschichte der Saigerhütte veränderte sich im Lauf der Jahrhunderte. 1537 entstand die Saigerhütte zur Entsilberung von Schwarzkupfer im Zentrum des Territoriums. 1562 erfolgte unter den Nachkommen Christoph Uthmanns

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Christoph_Uthmann

ein Neuaufbau. 1576 mussten diese einem Zwangsverkauf an Kurfürst August von Sachsen zustimmen. 1853 endete die Saigerung und es erfolgte eine Nutzung der Anlage als Gießhaus und Werkstatt. 1952 musste wegen Baufälligkeit ein Abriß der „Langen Hütte“ erfolgen. 1992-1994 erfolgte deren Rekonstruktion als Freilichtmuseum mit kostenlosem Eintritt.

Das ehemalige Treibhaus wird nach seiner Sanierung als Mehrzweckhalle für Veranstaltungen jeglicher Art genutzt.

In der Freianlage „Lange Hütte“ wird anhand von Öfen, Herden und einem Pochwerk die Dimension der Saigerhütte gezeigt.

Besucher finden in der sich innerhalb des Gelände befindlichen Gaststätte, Gelegenheit deftig gut zu speisen. 

Die Anlage an sich bietet noch viel mehr Sehenswertes als mein kurzer Abriss zeigt, eingebettet ist sie in die Schönheit meiner Heimat.

Galerie

Eine Blogger-Tour

Diese Galerie enthält 16 Fotos.

Ursprünglich veröffentlicht auf toka-ihto-tales:
Looking for someone I guess I‘m doing that (…) Nobody needs to discover me I’m back! Again! (Genesis) Nun ist es eine Woche her, dass ich „fremde Leute“ durch mein Jugendidyll geführt und gefahren…

Bitte berühren oder Bloggertreffen in Naumburg

(Musik: J.S.Bach, Fantasia in G minor)

Direkter Kontakt hat Virtuellem gegenüber große Vorteile. Ich kann meinem Gegenüber in die Augen schauen, seine Stimme und Gestik aufnehmen und dadurch den Menschen an sich besser einordnen. So geschehen zu unserem Bloggertreffen in Naumburg. 

Wir treffen uns am vereinbarten Ort und erleben einen Tag, der durch die wohl durchdachte und fein gestaltete Vorarbeit des Organisators zum Erlebnis für meinen Mann und mich wird.

Naumburg an der Saale selbst und sein Umfeld bieten geschichtsträchtige Einblicke. Gemeinsam fahren wir zur Rudelsburg, die eine Höhenburg ist, 85 Meter über dem Südufer der Saale liegt und um 1170 gegründet wurde.

Erbaut von den Bischöfen von Naumburg zur Sicherung der Handelswege in die ehemalige Messestadt, sind von der Burg selbst Bergfried, Palas und Umfassungsmauer erhalten.

1238 wurde die Burg an die Markgrafen von Meißen zum Lehen gegeben und schon 1348 durch die Stadt Naumburg wieder zerstört und geschliffen. Dennoch war sie danach Wohnsitz verschiedener Adelsfamilien, auch Raubritter sollen darunter gewesen sein. Endgültig zerstört wurde die Rudelsburg im 30jährigen Krieg und verfiel dannach.

Von wo aus solche Blicke ins Land möglich sind, ist immer Raum zum Träumen und dichten. An keinem anderen Ort als hier hätte Franz Kugler 1826 sein berühmtes Lied „An der Saale hellem Strande“ schreiben können. 

Noch immer lädt die Aussicht zum Singen ein. Ab 1855 erreicht die Rudelsburg überregionale Bekanntheit durch die alljährlich statt findenden Treffen der Kösener Corpsstudenten, die Otto von Bismark und Kaiser Wilhelm II.in ihren Reihen hatten. 1848 trafen sich 500 Corpsstudenten, um ihren Dachverband zu gründen.

Denkmäler erinnern daran. 1872 wurde das Erste davon gesetzt.

Bemerkenswert ist die Geschichte zur Bank am Bismarckdenkmal, die wir, neben vielen anderen, erzählt bekommen. Zu DDR Zeiten wunderten sich die Menschen über die einzeln stehende Steinbank, deren Aussichtsseite nicht zur Saale, sondern in’s Leere zeigt. Das Denkmal war entfernt worden. Heute steht es mit eisernen Eicheln geschmückt wieder an seinem alten Platz. Auf anderen Denkmälern waren Inschriften entfernt worden, so das nichts mehr auf ihre ursprüngliche Bedeutung hinwies.

Manchmal ist es jedoch so, dass der Lauf der Geschichte Geschichte selbst wieder in’s Bewusstsein der Menschen rückt. Dem großzügig gesteckten Zeitplan unseres Erkunders folgend gehen wir zurück zum Auto, um wieder nach Naumburg zu fahren. Dabei weißt er mich auf ein Motiv hin, das nicht besser seine Verwurzeltheit in der alten Heimat darstellen kann.

Bäume, Geschichte und Musik bestimmen sein Leben, so empfinde ich es in all den fundierten geschichtlichen Hinweisen zu seiner Heimat, mit denen er uns das Gesehene nah bringt. In Naumburg zurück besuchen wir ein Orgelkonzert in der Stadtkirche St.Wenzel.

Das eingangs gespielte Lied erklingt mit anderen auf der wunderbaren Orgel, die von Zacharias Hildebrandt 1746 erbaut und von Gottfried Silbermann und Johann Sebastian Bach selbst geprüft wurde. 

1993-2000 wurde die Orgel restauriert, ihr zu lauschen ist ein besonderer Genuss. Dass in der Kirche selbst eine Ausstellung von Walter Green zu sehen ist, bereichert diesen Tag erneut. „Skulpturen zum Befassen“ ist ihr Titel. Neben vielen der einducksvollen Holzskulpturen rät ein Schild mit dem Hinweis…bitte berühren…Eine gelungene Art, den Zuschauer an der Fertigstellung der Skulpturen Anteil haben zu lassen. Das Eichholz zeigt an den oft berührten Stellen weiche Veränderungsspuren, etwas bleibt an ihnen also auch von mir zurück.

Noch einmal fahren wir gemeinsam ein Stück aus Naumburg hinaus, um die Schönburg zu besuchen. Nicht ohne einen kleinen Rundgang durch die Altstadt zu machen. Es gibt aufwendig geschmückte Fassaden zu bestaunen, hinter denen Größen der Geschichte wie Napoleon oder Goethe nächtigten.

Persönlich ziehe ich mit natürlichem Schmuck ausgestattete Bürgerhäuser vor.

An der Stadtmauer laufen wir entlang,

hinter der Nietzschehaus und Nietzschearchiv versuchen architektonisch miteinander klar zu kommen. Der Weg auf die Schönburg hinauf ist entspannt und mit Gesprächen gefüllt.

Die Ausblicke, welche sich bieten, sind wohl das, was einige von uns, stark ich selbst, als Heimat empfinden. Sie sind nicht auf eine Postkarte gemalt sondern real.

In der Burgschänke der Schönburg ist fürsorglich ein Tisch für uns bestellt, an dem wir gemeinsam ein gutes Mittagessen einnehmen. Auch diese Burg ist eine Höhenburg, liegt 40 Meter über der Saale. 1137 erstmals erwähnt, wurde sie der Sage nach von Ludwig dem Springer gegründet. Die heute noch erhaltenen älteren Bauten stammen aus dem 12.-13.Jahrhundert. Jede Stufe atmet lebendige Geschichte.

Heiraten kann man heute hier. Wer das Glück hatte, in den einst dort angesiedelten Kindergarten gehen zu dürfen, trägt die Geschichte dieses Ortes für immer in sich und weiter.

Gemeinsam mit meinem Mann habe ich einen geschätzten Blogger als wissenden Menschen voller Interesse an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennen und noch mehr achten gelernt.

Danke.

Neue Wege

Mit dem Zug von meiner Kleinstadt nach Chemnitz zu fahren, war bisher mit der Regionalbahn, tagsüber stündlich, möglich. Das Weiterkommen vom Bahnof bis zur zentralen Bushaltestelle war schwierig, kostete durch Umsteigen eine Menge Zeit.

Seit ein paar Tagen gibt es die Chemnitz Bahn. Der Chemitzer Hauptbahnhof wird schon seit Jahren umgebaut, jetzt ist es soweit…die neue Bahn fährt auf den erweiterten Gleisen weiter direkt in die Stadtmitte.

Modern und sauber ist die neue Bahn, es macht Spaß darin mitzufahren und die Herbstlandschaft an einem vorbei sausen zu lassen.

Alle alten Haltepunkte werden auch weiterhin angefahren,

so auch der wegen seiner soliden Preise stets gut besuchte Dorfgasthof in Braunsdorf. Der Zug fährt direkt in die neue Gleishalle ein

und von dort weiter zum Stadtkern. Ein Museums- oder Opernhausbesuch ist von nun an ohne Parkplatzsuche möglich.

Unmittelbar davor befindet sich eine Haltestelle. An der zentralen Bushaltestelle ist Endstation der Bahn. Von hier aus gehen alle Busverbindungen der Stadt.

Eine zeitsparende Verkehrsergänzung für alle Pendler wurde damit geschaffen.

Zur Ruhe kommen…

Die Ereignisse der letzten Zeit, besonders die Vorkommnisse in Chemnitz der letzten Woche lassen mich innerlich nicht zur Ruhe kommen. Meine Heimat – Sachsen – wird in vielen Medien als rechtsradikal dargestellt, dagegen möchte ich etwas tun, in Worten, Bildern und Taten.

Ruhe finde ich im Garten, ich kann mich in ihn zurückziehen und auf mich selbst und meine Wertvorstellungen besinnen.

Unser Haus haben meine Großeltern gebaut, so wie sie es an mich weitergeben haben, möchte ich es an meine Kinder weitergeben. Wer von ihnen einmal darin wohnen wird, wird der Lauf der Zeit bestimmen, so wie bei meiner Schwester und mir. Vielleicht wird es ein noch ungeborenes Enkelkind sein, wer weiss.. . Belassen wir die Zeit nicht nur in ihrem Lauf, versuchen wir, ihn positiv zu beeinflussen.

Ruhiger fliessen meine Gedanken, wenn ich im Garten sein kann. Für mich ist er Quelle voller Kraft.

Unzählige Freudenblicke bietet er mit, ausatmen kann ich hier, klarer werden.

Mein Gärtnergatte und ich sorgen für ihn, gemeinsam geniessen wir ihn.

Der Garten ruht in sich selbst und in mir, ich lerne von ihm.

Er hilft mir meine Ungewissheit, die sich manchmal in Zorn äußert, zu besiegen.

Boskoop…eine alte Apfelsorte wächst in ihm. Mein Großvater hat die Apfelbäume in unserem Garten gepflanzt. Die meisten Apfelsorten suchte er aus, um die Äpfel als Zugewinn verkaufen zu können. Ganz vorn im Garten, dort wo viele Menschen einen Vorgarten anlegen, pflanzte er einen Boskoop, nur für seine Familie und sich, für den Winter. Solange mein Großvater lebte, hat der Baum weder geblüht noch Früchte getragen. Erst seit mein Mann ihn radikal zurück geschnitten hat, können wir in jedem Jahr die köstlichen Äpfel ernten. Mein innerster Wunsch ist, dass es sich genauso mit den Geschehnissen dieser, unserer Zeit verhält.

Mit sinnvollen Arbeiten will ich meine Zeit verbringen und deren Früchte teilen.

Chemnitz, deine Häuser – Das Contiloch…es geht voran

https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/05/06/chemnitz-deine-hauser-das-conti-loch/

 …in den Komplex kommt das Technische Rathaus …

Herbstleuchten

Im Garten herrscht verblühte Üppigkeit. Soll das Lieblingsplätzchen auch im nächsten Jahr wieder ein Wohlfühlort werden, muss ich den Garten zurück schneiden.

Es ist eine schweißtreibende Tätigkeit, gut dass die Hitze vorbei ist. Herbstlicht macht die Arbeit zur Freude.

In meinem großen Topf hatte ich im Frühjahr eine Dahlie gesteckt, sie ist nicht gekommen, obwohl ich die Wurzel gut gelagert hatte. Im nächsten Jahr kaufe ich eine neue Pflanze. Dafür hat die Kapuzinerkresse darin über und über geblüht. Ihre Samen sammle ich für‘ s nächste Jahr. Den Topf fülle ich mit Tannengrün und Essigbaumzweigen.

So kann ich noch ein ganzes Weilchen auf der Lieblingsbank sitzen,

bis der Regen mich vertreibt. Die Stauden sind geschnitten und die Kräuter geerntet.

Zwischen den leeren Stellen leuchtet es noch immer bunt, die fette Henne blüht. Die Erdbeerpflanzen brauchen noch ein kleines Plätzchen, sie haben Senker getrieben, eingepflanzt kann meine Schaukelinhaberin im nächsten Frühjahr wieder ernten. Der Garten macht jeden Abschied leicht. Immer bietet er gleichzeitig Neuanfang. Der Oregano treibt unter den abgeschnittenen Stengeln bereits neu aus.

Auch Frost wird den Pflänzchen nichts anhaben können. Mit dem Estragon ist nun das allerletzte Kraut geerntet. Es trocknet mit den Duftgeranien im Herbstwind.

Von den Toten und den Lebenden


In diesen Tagen haben Zwei meiner Familie Geburtstag. Meine Neffe und mein Stiefvater.

Mein Stiefvater war ein bescheidener Mensch. Er hat den Umzug aus seiner geliebten Heimatstadt, der wegen des Zustandes der Wohnung meiner Eltern notwendig wurde, nicht verkraftet. Während es meiner Mutter gelungen ist bei uns Wurzeln zu schlagen, hat er das trotz seines großen Willens dazu, nicht geschaft. Kurz vor der Geburt der Schaukelinhaberin ist er gestorben. 

Mein Neffe hat einen erfolgversprechender Berufsweg eingeschlagen, seine Zeit ist begrenzt, da sich sein verdienter Urlaub um ein paar Tage verschiebt, lädt er uns alle in den Garten seiner Eltern zum Feiern ein.

Bevor wir dahin fahren, besuchen wir die Anderen. Mein Stiefvater hat sich zu seinem Geburtstag immer nur eine Blume gewünscht. Meine Schale würde ihm gefallen.

Aus dem Garten hole ich Zweige und Blütenstände. Als Steckmasse nehme ich Erde vom Kompost. Die dankbare Fette Henne wird darin bis zum Frühjahr Wurzeln schlagen.

Tannenzweige schneide ich so zurecht, dass sie einen äußeren Rand bilden.

Kreisförmig stecke ich dann Koniferenzweige,

in deren Mitte setze ich eine Essigbaumblüte,

in die Zwischeräume ordne ich kleine Zweige der Lavendelheide. Sie ist sehr gut für Gestecke geeignet, ihre Blätter welken nicht.

Locker kommen ein paar Stengel Fette Henne dazu,

die Zwischenräume befülle ich mit den Blütenständen des Sonnenhutes.

Den Abschluß außen bilden Farnwedel.

Auf dem schönen Friedof meiner Stadt, der einem großen Park gleicht, besuche ich die Anderen meiner Familie

 und lasse meine Gabe bei ihnen zurück.

Wir fahren zu den Lebenden und genießen gemeinsam den guten Tag. Das Wetter ist umgeschlagen, eine Kaffeetafel im Garten nicht mehr möglich. Dafür ist der Tisch im Haus liebevoll gedeckt.

Der Himmel feiert mit uns und schickt einen leuchtenden Regenbogen als Geschenk.

Wieder daheim schalte ich den Globus an, den mein Stiefvater uns schenkte, durch den Krieg ist er in der Welt herum gekommen, mit meiner Mutter gemeinsam hat er nach der Wende friedliche Teile der Welt besucht. Mir fehlt die unbekannte Welt da draußen nicht wie ihm. 

Aber er fehlt mir.