Archiv der Kategorie: Heimat

…und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen…

…zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war, dort blieb er stehen.

Matthäus 2, 1-9

In der vergangenen Woche war Ewigkeitssonntag.
In den evangelischen Kirchen ist er der Gedenktag der Verstorbenen.
Es ist der letzte Sonntag vor dem Adventssonntag und damit der letzte Sonntag des Kirchenjahres.
Auch Totensonntag genannt,  fällt dieser Tag auf die Termine vom 20. – 26. November,  auf Grund der fixen Lage des vierten Adventssonntages.
Aber ich erzähle das nur, um von meinen Adventsstern sprechen zu können.
Hier in Sachsen ist der Ewigkeitssonntag auch der Startschuss zum Beginn des adventlichen Schmückens. Und bei dem frühen Einbruch der Dunkelheit wird es wirklich Zeit für etwas mehr Licht.
In der Adventszeit gönne ich mir dieses Jahr Bienenwachskerzen statt der normalen Kerze, die sonst auf meinem Frühstückstisch steht.
Im Erzgebirge ist geschnitzter,  handbemalter Weihnachtsschmuck beliebt.
Engelchöre trompeten, Räuchermänneln nebeln, Nussknacker erschrecken kleine Kinder.
Mir ist das ein wenig zu bunt.
Adventsdekoration gibt es bei mir natürlich auch, aber in Maßen.
Sehr liebe ich meine Herrenhuter Sterne.
Der Stern für die Außendekoration ist aus Kunststoff und weiß.
Es gibt die Sterne natürlich auch in gelb und rot, meinem Mann und mir gefällt der schlichte Stern in edlem Weiß am Besten.
Innen leuchtet in der Adventszeit ein gelber Papierstern und verkündet die Hoffnung auf die Wiederkehr des Lichtes.
Diesen Stern lieben wir besonders,  er war das letzte Geschenk meines verstorbenen Stiefvaters an uns.
Auf diese Weise ist er uns, gerade in der kommenden Advents – und Weihnachtszeit nah.
Die Herrenhuter Sterne haben eine lange Tradition.
Ihren Namen haben sie von der Herrenhuter Brüdergemeinde, die ihren Stammsitz in Herrenhut (Oberlausitz) hat.
Gegründet wurde die Gemeinde am 17.Juni 1722.
Die Kinder der in die Welt ziehenden Missionare blieben in Internaten zu Hause, dort entstanden die ersten Sterne.
1821 fand im nahe gelegenem Nisky ein Fest zum 50. Jahrestag der Anstalt statt und im Hof beleuchtete ein Stern mit 110 Zacken die Festlichkeiten.
Das Fest fand vom 4. – 6. Januar statt, also zum Dreikönigsfest.
Der Weg zum Adventsstern war noch weit.
In anderen Kirchgemeinden bestand der Weihnachtsschmuck aus Krippen, die Brudergemeinde Herrenhut zeigte in ihren schlichten Kirchen den Stern von Bethlehem, der weiter in den Internaten gebastelt wurde und nun zum ersten Advent hergestellt wurde.
Anfang des 20.Jahrhunderts begann man, auf Grund der Nachfrage,  mit der manufakturmäßigen Herstellung und dem Vertrieb des „Original Herrenhuter Stern“.
Seit den 1920 Jahren gibt es eine reduzierte Form mit 25 Zacken, die auch für die industrielle Fertigung geeignet ist.
Der Stern wird in Teile zerlegt zum Kauf angeboten.
In vielen Familie ist der aufwendige Zusammenbau ein Adventsritual.
Es gibt auch spezielle Kisten,  die eine Lagerung der zusammengebauten Sterne in den Sommermonaten ermöglichen.  Unser Vater hat uns eine solche dazu geschenkt,  so dass wir den Stern im Advent nur aufhängen und nicht jedes Jahr neu zusammenbauen müssen.
Die Einzelteile des Sternes umfassen 17 viereckige und 8 dreieckige Zacken und natürlich das zum Zusammenbau notwendige Zubehör.
Auch in der DDR wurde die „Jahresabschlussfigur“ weiter fabriziert.
Der VEB Stern stellte nach wie vor die beliebten Adventssterne her. Ab 1968 wurden sie in einem Betrieb gefertigt,  der eigentlich Elektroanlagenzubehör produzierte und waren begehrte Mangelware.
Heute stellt die Herrenhuter Stern GmbH mit 60 Mitarbeitern ca. 60 verschiedene Modelle her.
Auf jedem sächsischem Weihnachtsmarkt sind die schönen Sterne zu finden.
In vielen protestantischen Kirchen hängen die Herrenhuter Adventssterne,  teilweise noch aus der Anfangszeit der Produktion und haben damit manchmal ein Alter von 80 Jahren und schon einige Weihnachtsfeste gesehen.
Auch in den Missionarsorten in Südafrika sind die Herrenhuter Sterne nach wie vor zu Hause.
Und einer hängt nun wieder bei mir unterm Dach und verschenkt sein erstes Leuchten.

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Wandelhaftes

Wir haben zu Hause die Decken stibitzt. Mit ihnen polsterten wir die Höhle aus, die wir in die Erde gruben.
Tief.
Zumindest aus unserer Sicht.
Schokoladenplätzchen, kleine flache Taler mit bunten Zuckerstreuseln darauf, sind unser Proviant.
Am Tümpel, 10 Meter weiter, stehen im Herbst Rußbutten. Ihre schwankende Schönheit ist uns egal, wir rauchen sie als Zigarren. Hinterher ist mit tagelang schlecht. Meine Großmutter versucht besorgt den Grund zu erforschen, ich halte durch. Verpfiffen wird nicht. Ihr Blick ist verstehend, sie liebt mich sehr.
Egal, wie das Wetter ist, wir sind immer hier. Also ich nur in den Ferien, wenn ich bei den Großeltern bin. Die Jungs haben’s gut, sie wohnen in der Nachbarschaft. Hier wohnen nur Jungs, ich bin das einzige Mädchen und auch noch ein Ferienkind. Macht nichts, abschütteln lasse ich mich selten.
Hinter unserer Höhle liegt der Bach und der Wald und dazwischen nichts als Freiheit.
Mitte der 70er kommen die Bagger.
Unsere Höhle wird platt gemacht.
Ein Freibad ist geplant. Gebaut wird nur das Nichtschwimmerbecken, dann ist das Geld alle.
Was hatten wir für Freude an ihm.
Den Erwachsenen war es zu klein, es wurde zum Bad der Kinder. Zu unserer „Pfütze“.
Bei Gewitter packten wir uns und unsere Siebensachen und suchten Obdach unter den vorgezogenen Dächern der Kabinenzeile. War der Regen vorüber, liefen wir so schnell wir konnten in das Wasser, das uns nun von südseehafter Wärme schien. Wir rutschten, Arschbombenspritzer verteilend, durch den Sommer. Als ich dafür zu alt wurde, sprangen meine Kinder für mich.
Ende der 90er wurde das Bad platt gemacht.
Das Geld war alle.
Seitdem steht das Gelände leer, wird langsam wieder eins mit dem Wald und der Auwiese, der es entrissen wurde. Spricht schon wieder in ihrer Sprache der Vögel und Kröten. Atmet den grünen Duft der Wiesen aus.
Kein Kind in Sicht,  weder auf der Erde noch im Wasser.
Seit kurzem wird gebaut.
Mehrere Holzblockhäuser. Alle im zukünftigen Besitz einer weitverzweigten Familie, die dort, wo wir unsere glücklichste Zeit verbrachten, ihr Domizil errichtet.
Ich wünsche ihnen viele Kinder und denen unser glückliches lachen.

Inzwischen ist das große Mehrfamilienhaus gebaut und bezogen. Kinder wohnen keine in ihm. An der Stelle des alten Schwimmbeckens, dort wo unsere Höhle war, befindet sich jetzt ein Pool, der von den wenigen Inhabern genutzt wird.

Irgendwie stört mich das, ich empfinde keinen Neid, aber Verlust.

Zum Tag

Gestern Abend waren wir außwärts Abendbrot essen.

Schön, dass es in der Umgebung noch Dorfkneipen gibt, die voller Leben sind.

Im Biergarten brennt ein Feuerkorb. Kinder mit ihren Eltern und mit Lampions laufen hin, um trotz des schlechten Wetters, einen hellen, fröhlichen Abend zu verbringen.

Die Gaststätte selber ist bis fast auf den letzten Platz gefüllt. Frisch gekocht kommt gutes, regionales Essen auf den Tisch. Hier kostet ein Tatar 5,50 Euro und ein Rostbrätel 10 Euro.

Das Personal ist freundlich und hat immer einen flotten Spruch für jeden Gast bereit.

Ein guter Ort zum Entspannen.

Chemnitz deine Häuser – das König-Albert-Museum

Der Architekt Richard Möbius war Baubeamter in Chemnitz und prägte das kommunale Bauwesen der Stadt.

Zu seinen architektonischen Kindern gehören auch das König-Albert-Museum, 1909 erbaut – das Neue Rathaus – erbaut 1911 – und auch das Küchwaldkrankenhaus, in dem ich lernte, entstand 1915 unter seiner Leitung.

Direkt auf dem Theaterplatz, der im Sommer als Freilichtbühne genutzt wird, liegt das König-Albert-Museum.

Dieses Haus ist eines der bedeutendsten historischen Bauwerke in Sachsen.
Es wurde zu Ehren König Alberts und seiner Gemahlin Königin Carola errichtet.
Die wettinische Königin Carola, gebürtig aus dem Hause Wasa, blieb kinderlos, vielleicht rührte daher ihr hohes soziales Engagement,  das ihr bis heute einen Platz im Herzen der Chemnitzer sichert, nach ihr ist immer noch mancher Platz und manche Straße benannt.

Das Museum wurde 1909 eröffnet.
Zu DDR-Zeiten stand vor ihm der „Steinerne Wald“ – eine Sammlung fossiler Bäume – die sich nun, sicher vor Umwelteinflüssen,  im „dasTIETZ“ befindet.

Beim Bau wurde auf einheimische Rohstoffe zurück gegriffen und so besteht das Gebäude zum großem Teil aus dem hier heimischen „Roten Granit von Mittweida“.

Wie das Opernhaus und die Petrikirche wurde auch das König-Albert-Museum im 2. Weltkrieg stark beschädigt und befand sich nach der Wende in einem desolaten Zustand.

In den Jahren 1991/1992 wurde es grundlegend saniert.

Dabei wurde auch das kupferbedeckte Ziertürmchen wieder aufgebaut.

Im König-Albert-Museum befindet sich heute das „Museum am Theaterplatz“,  das ein kunsthistorisches Museum ist.
Es beherbergt ca. 60.000 Teile der Kunstsammlungen Chemnitz.
Darunter befindet sich die zweitgrößte Sammlung der Werke von Schmidt-Rottluff und eine Sammlung deutscher Impressionisten,  darunter z.B. Liebermann, Corinth und Slevogt. 

Ein Besuch im König-Albert-Museum verspricht einen gelungen Ausflug in die Welt der Kunst.

Erinnerungen – Bahnhofstraße 18

Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich in einem villenähnlichem Gebäude, das auf drei Etagen, sechs Wohnungen beherbergte.
Mit Außenklo und die Wohnungen unterm Dach ohne fließend Wasser. Aber mit Balkon.
Es waren die frühen 70er.

Im Erdgeschoss des Hauses wohnten die verwitwete Hausbesitzerin mit ihren Eltern.
Eine gepflegte Dame – wie aus einer anderen Zeit- die bis in ihr hohes Alter schwimmen ging.
Links davon lebte ein altes, kinderloses Ehepaar. Einfache Leute, die friedlich ihre Tage gemeinsam verbrachten.
Darüber im ersten Stock zog meine Frau Mutter mit uns beiden 7- und 13- jährigen Mädchen ein und damit die zweite Witwe in der Hausgemeinschaft.
Neben uns wohnte ein altes Fräulein mit ihrem Herrn Bruder, Umsiedler aus Ostpreußen – vor allem das Fräulein war mir 7jähriger sehr zugetan – und in der oberen Etage teilten sich die dritte Witwe im Haus und noch ein weiteres Fräulein eine Wohnung. Daneben lebte ein Lehrer, der gern trank, mit seiner Frau und Tochter. Diese Familie lebte sehr für sich und zog später aus.
Im Hof des Hauses befand sich ein kleiner, parkähnlicher Garten, der einer Wäschewiese für alle Platz bot. Dort fand sich auch ein Fleck für mich und meinen Sandkasten.

Die beiden Parteien des Erdgeschosses hatten zusätzlich je einen baumumstandenen Außensitzplatz, in deren ureigenem Herrschaftsbereich mich jeder der älteren Leutchen willkommen hieß.
Vor allem das Elternpaar der Hausbesitzerin strahlte einen märchenhafte Senioreneleganz verbreitenden Charme aus.
Es waren schöne, ruhige Stunden, die ich still bei ihnen sitzend verbracht habe.
Die kleinen, eigenen, grünen Sommerinseln waren mit Blumen bepflanzt.

Auf der einen Seite blühten im Frühjahr eine Vielzahl von Märzenbechern und Schneeglöckchen zwischen zwei alten Eichen.
Vor zum Eingang hin, vorbei an der leichten Erhöhung der anderen Gartenresidenz, standen die Haselnussbüsche des Nachbargrundstücks und ein kaum mehr tragender Kirschbaum. Das alte, quietschende Eisentor schmückte sich seitlich mit Flieder und Knallerbsensträuchern.
In deren Schutz blühten zart Himmelschlüsselchen.

All das ist Jahrzehnte her. Meine Eltern hatten vor, ihren Lebensabend in diesem Haus zu verbringen. Ein Wasserrohrbruch in einem eisigen Februar machte das zunichte. Schon lange standen in dem verfallenden Gebäude Wohnungen leer. Die Wohnung über der meiner Eltern war eiskalt, das Rohr brach und das auslaufende Wasser richtete solchen Schaden an, dass meine Eltern ausziehen mussten. 

Noch immer sehe ich mich in der überschwemmten Wohnung stehen, während meine Mutter Pellkartoffeln kochte, um den Alltag zu erhalten und meinen Stiefvater versuchen von einem Auszug zu überzeugen. Nach dem Krieg war er in seine Heimatstadt zurückgelaufen, niemals wollte er sie wieder verlassen. Meiner Mutter zu liebe ist er mit umgezogen, in die Stadt in der ich jetzt lebe. Trotz größter Anstrengung hat er sich nicht einleben können und ist kurz nach dem unfreiwilligen Umzug verstorben. Noch einmal besuche ich unsere alte Wohnstätte. Sein alter Schuppen ist mittlerweile besser erhalten als das Haus.

Mein Stiefvater geht nicht mehr in seinen Schuppen, um zu werkeln, niemand geht mehr durch die Haustür in’s Innere des Hauses, in dessem Treppenhaus der Spruch hing:“Es wünsch mir Einer was er will, dem schenke Gott zehn Mal so viel.“.

Alles ist dem Verfall preisgegeben. Ich werde nicht mehr zurückkehren. Einmal noch musste ich es tun. Für meine Mutter, für meinen Stiefvater, für mich selbst.

Auf der Heimfahrt geht die Sonne unter. So wie jeden Tag.

13.Altenhainer Weißbiermeile – auch im Regen ein Sportfest

Für uns ist die Altenhainer Weißbiermeile fester Bestandteil des Jahres, sie markiert den Übergang vom Sommer zum Herbst. In den 13 Jahren des Bestandes des Laufes ist es das erste Mal, dass es regnet. Heftig. Keiner der anwesenden Läufer, Zuschauer und Organisatoren lässt sich davon die Stimmung trüben.

Auf Grund einer Verletzung kann mein Mann nicht teilnehmen, unsere Schaukelinhaberin läuft die Bummirunde mit, das 2.Mal schon und mit persönlichem Trainer.

Altenhain zeichnet sich durch seine herrvorragende Organisation aus. Sponsoren der Umgebung ermöglichen den Druck der liebevoll gestalteten Startnummern,

die nicht nur die kleinen Läufer stolz tragen. Allen Helfern voran ist die Familie Bausch zu nennen, die hier ein Sportfest für die gesamte Familie begründet hat. 

Bei all der Arbeit findet Frau Bausch immer Zeit für ein freundliches Wort. Im Hintergrund macht die Schaukelinhaberin ihr Erwärmungstraining. Die Kleinen sind aufgeregt und fiebern dem Startschuss entgegen. Zuerst starten die Erwachsenen den knapp 10km langen Lauf, der über eine schwierige Strecke führt, die bei diesem Wetter besonders anstrengend ist. Dennoch sind über 50 Läufer am Start.

Streckenposten sichern den Lauf und wir werden regelmäßig über die Läufer informiert. Jetzt kann die Bummirunde über eine Sportplatzrunde und die Zwergenmeile über drei Runden starten. Für eine Startgebühr von zwei Euro ist Kind dabei.

Alle geben ihr Bestes und das obwohl das Laufen in Gummistiefeln besonders anstrengend ist.

Mit Recht stolz erreicht unsere Kleine das Ziel. Für die Verpflegung ist bestens gesorgt. Es stehen Tee und Melone sowie Bananen zur Stärkung bereit.

Selbstverständlich haben die Altenhainer Frauen ihre besten Kuchen gebacken

und für 1 Euro pro Stück ist er ein verdientes Vergnügen nach der Anstrengung.

Während wir geschützt stehen

kommen die völlig durchnässten Läufer nach und nach in’s Ziel unter den Anfeuerungsrufen der Zuschauer. Herr Bausch läuft selbst mit und kommt im guten Mittelfeld an.

Alle Läufer werden mit einem alkoholfreien Weißbier erfrischt, im Ziel herrscht reges Treiben.

Da wir in diesem Jahr unser Baby dabei haben und es weiter in Strömen regnet, warten wir nicht die Siegerehrung aller ab und bitten dafür um Verständnis. Die Schaukelinhaberin bekommt ihre Medaille vom Opa überreicht und freut sich verdient darüber.

Mein Mann hat bedauert, trotz persönlicher, handschriftlicher Einladung nicht teilnehmen zu können. Unsere Schaukelinhaberin hat ihn gut ersetzt und im nächsten Jahr ist er sicher selbst wieder am Start.

Unser herzlicher Dank geht an alle Organisatoren des schönsten Laufes von Sachsen – der Altenhainer Weißbiermeile.

http://www.weissbierfreun.de/meile/meile.html

Platz zum Leben

Hinter unserem Haus beginnt der Wald. Neben dem Wald liegen Felder. Ich bin dankbar, so leben zu können. Der Wald muss geschützt werden. Aufforsten können wir nicht selbst. Wir tun etwas anderes, zur Waldhege und auch zu unserem Nutzen. Immer gibt es Windbruch, damit der Wald gesund nachwachsen kann, muss er beseitigt werden. 

Mein Mann hat einen Motorsägenschein und wir kaufen Holzwerbescheine beim zuständigen Forstamt. Holz das Bruch ist und somit den gesunden Wald gefährdet, dürfen wir damit für unseren Eigenbedarf nutzen. Den größten Teil hat das Forstamt selbst gefällt, für eine einzelne Person ist das zu gefährlich.

Dennoch ist das Zerlegen der Stämme und deren Abtransport eine Menge an Arbeit.

Mein Mann braucht Kraft und Zeit dafür. Zurück bekommen wir alle einen gesunden Wald und wir selber unser Feuerholz. Wenn die Stämme in transporttaugliche Stücke gesägt sind wird unser Sohn helfen, sie nach Hause zu bringen.

Vorerst besuchen wir Mädels unseren Mann, Vater und Großvater, wir bringen ihm Kaffee und Schokolade. Den knappen Kilometer schafft unsere Tochter mit der Kutsche, unser Baby gehört von Anfang an dazu. Für meine geliebte Schaukelinhaberin ist das ein wunderbarer Ausflug. Mit Gummistiefeln ausgerüstet, läuft es sich bestens in Matsch und Pfützen. Und erst recht über Stoppelfelder.

Den Rückweg nehmen wir durch den Wald, am Bach machen wir Pause. Soviel sonnenglitzerndes Wasser will durchlaufen sein.

Das ist unser Vaterland, Muttersprache inbegriffen. Gern auch umgekehrt.

Besuch in der Vergangenheit oder Die kleine Kneipe in unserer Straße

Es gibt sie nicht mehr oft – die kleinen Kneipen und Dorfgasthöfe – in denen ungestört vom Trubel der Außenwelt ein Abend in Ruhe verbracht werden kann. In meiner alten Heimatstadt gab es früher viele solcher Orte, in denen für kleines Geld ein Feierabendbier getrunken werden konnte oder ein Hackepeter, ein Strammer Max, ein Warmes Eckchen oder eine Scharfe Sache bestens und preiswert den Hunger stillten. Die Männer trafen sich dort, um das Wochenende einzuläuten, um Skat zu spielen und auch auf ein Schnäpschen, die Frauen gingen nach ihren Sportrunden dahin, um sich bei einem Glas Bier schnatternd zu erfrischen. Familien mit Kindern speisten dort zu Abend, bei den niedrigen Preisen war das ein erholsamer Ausgleich für die berufstätige Hausfrau in der DDR.

In meiner näheren Umgebung gab es „Die Linde“ und die „Zur Post“, den „Gasthof zu den drei Rosen“ und das „Deutsche Haus“. Es gab das „Tivoli“, die „Lützelhöhe“ und und und… Inzwischen sind sie alle geschlossen, bei den heutigen Bierpreisen und den, nach der Einführung des Euros, in die Höhe geschossenen Preisen der Speisen, blieben die Gäste aus und von nix kann keiner überleben. Allerorten schossen Dönerbuden und Mc…in die Höhe. Der Grieche und der Italiener machen den Kleingaststätten Konkurenz und die Menschen selbst achten nicht mehr auf Traditonen. Mehr, schneller, billiger ist die Devise, sehen und gesehen werden… Und doch gibt es immer noch ein paar dieser Orte der einfachen Gastfreundlichkeit, in denen man auch nach 40 Jahren wiedererkannt wird und der Wirt oder die Wirtin ihre Gäste freundschaftlich duzen, die Gäste sich untereinander natürlich ebenso. Wer hier eintritt gehört dazu – einfach so.

In der „Scharfen Ecke“ war ich schon als Kind mit meinen Eltern Abendbrot essen. Seit ich mit meinem Mann weggezogen bin, haben wir die Dorfkneipen unserer neuen Heimatstadt besucht. Nun zieht es uns zurück. Es ist alles wie es früher war. Im Schankraum sitzen die Stammgäste und feiern den Freitagabend. Der kleine Saal, heute wie früher Ort für Familienfeiern, lockt uns wenig, wir setzen uns in den kleinen Biergarten, der auch von der Straße aus über das alte, schmiedeeiserne Tor zu erreichen ist.

Geht man von der Gaststube aus in ihn, läuft es sich über Fliesen, deren Schönheit durch alte Läufer verdeckt ist.

Irgendwie ist das immer noch DDR. Gefördert wurde der Neubau – Plattenbauten verschandelten die Gegend – die mit liebevollen Details geschmückten Altbauten wurden dem Verfall preisgegeben. Solche Geschichte hinterlässt ihre Spuren für immer.

Einfach ist der kleine Hof des Biergartens, sauber. Eine renovierte Laube bietet bei überraschendem Regen Unterschlupf, ihre Schönheit wird verdeckt von den Sonnenschirmen der Brauerein. Wird der neue Schanktisch gesponsert, muss gezeigt sein von wem.

Das Haupt- und auch das Hintergebäude sind renoviert, die Toilette, die sich wie früher auf halber Treppe befindet, hat noch ihre alte, niedrige Tür und durch das kleine Fenster zum Hof schaut es sich durch den alten, weiß lackierten Fensterrahmen.

Ich mag solche Gebäude, sie atmen Vergangenheit, hier fühle ich mich daheim. Übersichtlich ist die Speisekarte.

Neben den typischen kalten Speisen einer sächsischen Kneipe gibt es die traditionellen warmen Gerichte, die schon in der DDR auf der Karte standen. Steak mit Würzfleisch überbacken und Rostbrätel, alle Gerichte sind wie früher aus Schweinefleisch…das gab es immer…und mit hausgemachten Bratkartoffeln dazu. Das Würzfleisch selber wird in einer Portion serviert die auch satt macht.

Neumodisch ist nur die Physalis. Südfrüchte dieser Art waren völlig unbekannt. Zu kalten und warmen Speisen gab es Weiß-oder Rotkrautsalat, geriebene Möhren und Blattsalat, diese Gemüse waren immer zu kaufen. Sie haben wunderbar geschmeckt und das tun sie heute genauso.

Verkehrte Welt

Verkehrte Welt ist ein spezielles Thema, gerade in unseren Zeiten. Auch früher haben sich die Menschen darüber Gedanken gemacht.

Im Schloss Augustusburg gibt es den „Hasensaal“. In ihm wird in einem Bilderzyklus des Hofmalers Heinrich Göding seit 1572 mit dem Thema „Verkehrte Welt“  in szenischer Folge all das ausgelassene Treiben der Menschen, beim Schaffen und beim Feiern, bis hin zu Kriegsszenen dargestellt. 90 Bilder zeigen Verhaltensweisen von Menschen. Über’m Kamin führen die Hasen einen Zainertanz auf.

Auch über den Türen vergnügen sich die Tierchen, über dieser beim Tanz unter Bierkegel und Kranz.

Heutzutage finden in diesem Saal Konzerte statt. Zur Freude der tanzenden Hasen und der still lauschenden Menschen.

Verkehrte Welt ist außerhalb des Schlosses. Es gibt wohl kein Tier, dass dazu geeignet wäre es darzustellen.

Urlaubstage

Im Urlaub müssen wir unbedingt in die alte Heimatstadt zurück, ihre Schönheit bewundern.

Mit der Schaukelinhaberin die alten Straßen entlang laufen, zum Ziel aller Kindheitsträume,

zum Eiscafe, das schon zu unserer Zeit die besten Torten und das beste Eis überhaupt hatte.

und beides immer noch hat.

Weiter auf den neuen Spielplatz laufen, dem eine abgerissene Fabrik Platz gemacht hat.

Schade ist es um die niedergewirtschaftete Fabrik, die wie so viele anderen nach der Wende platt gemacht wurde, der entstandene Spielplatz ist ein besonders gelungener.

Hüpfel, schaukeln, wippen, rutschen…

besonders gelungen finde ich die als Bienenkorb gebaute Kletter- und Rutschinsel.

Und immer wieder staunen über Altes im neuen Glanz.