Archiv der Kategorie: Heimat

Platz zum Leben

Hinter unserem Haus beginnt der Wald. Neben dem Wald liegen Felder. Ich bin dankbar, so leben zu können. Der Wald muss geschützt werden. Aufforsten können wir nicht selbst. Wir tun etwas anderes, zur Waldhege und auch zu unserem Nutzen. Immer gibt es Windbruch, damit der Wald gesund nachwachsen kann, muss er beseitigt werden. 

Mein Mann hat einen Motorsägenschein und wir kaufen Holzwerbescheine beim zuständigen Forstamt. Holz das Bruch ist und somit den gesunden Wald gefährdet, dürfen wir damit für unseren Eigenbedarf nutzen. Den größten Teil hat das Forstamt selbst gefällt, für eine einzelne Person ist das zu gefährlich.

Dennoch ist das Zerlegen der Stämme und deren Abtransport eine Menge an Arbeit.

Mein Mann braucht Kraft und Zeit dafür. Zurück bekommen wir alle einen gesunden Wald und wir selber unser Feuerholz. Wenn die Stämme in transporttaugliche Stücke gesägt sind wird unser Sohn helfen, sie nach Hause zu bringen.

Vorerst besuchen wir Mädels unseren Mann, Vater und Großvater, wir bringen ihm Kaffee und Schokolade. Den knappen Kilometer schafft unsere Tochter mit der Kutsche, unser Baby gehört von Anfang an dazu. Für meine geliebte Schaukelinhaberin ist das ein wunderbarer Ausflug. Mit Gummistiefeln ausgerüstet, läuft es sich bestens in Matsch und Pfützen. Und erst recht über Stoppelfelder.

Den Rückweg nehmen wir durch den Wald, am Bach machen wir Pause. Soviel sonnenglitzerndes Wasser will durchlaufen sein.

Das ist unser Vaterland, Muttersprache inbegriffen. Gern auch umgekehrt.

Besuch in der Vergangenheit oder Die kleine Kneipe in unserer Straße

Es gibt sie nicht mehr oft – die kleinen Kneipen und Dorfgasthöfe – in denen ungestört vom Trubel der Außenwelt ein Abend in Ruhe verbracht werden kann. In meiner alten Heimatstadt gab es früher viele solcher Orte, in denen für kleines Geld ein Feierabendbier getrunken werden konnte oder ein Hackepeter, ein Strammer Max, ein Warmes Eckchen oder eine Scharfe Sache bestens und preiswert den Hunger stillten. Die Männer trafen sich dort, um das Wochenende einzuläuten, um Skat zu spielen und auch auf ein Schnäpschen, die Frauen gingen nach ihren Sportrunden dahin, um sich bei einem Glas Bier schnatternd zu erfrischen. Familien mit Kindern speisten dort zu Abend, bei den niedrigen Preisen war das ein erholsamer Ausgleich für die berufstätige Hausfrau in der DDR.

In meiner näheren Umgebung gab es „Die Linde“ und die „Zur Post“, den „Gasthof zu den drei Rosen“ und das „Deutsche Haus“. Es gab das „Tivoli“, die „Lützelhöhe“ und und und… Inzwischen sind sie alle geschlossen, bei den heutigen Bierpreisen und den, nach der Einführung des Euros, in die Höhe geschossenen Preisen der Speisen, blieben die Gäste aus und von nix kann keiner überleben. Allerorten schossen Dönerbuden und Mc…in die Höhe. Der Grieche und der Italiener machen den Kleingaststätten Konkurenz und die Menschen selbst achten nicht mehr auf Traditonen. Mehr, schneller, billiger ist die Devise, sehen und gesehen werden… Und doch gibt es immer noch ein paar dieser Orte der einfachen Gastfreundlichkeit, in denen man auch nach 40 Jahren wiedererkannt wird und der Wirt oder die Wirtin ihre Gäste freundschaftlich duzen, die Gäste sich untereinander natürlich ebenso. Wer hier eintritt gehört dazu – einfach so.

In der „Scharfen Ecke“ war ich schon als Kind mit meinen Eltern Abendbrot essen. Seit ich mit meinem Mann weggezogen bin, haben wir die Dorfkneipen unserer neuen Heimatstadt besucht. Nun zieht es uns zurück. Es ist alles wie es früher war. Im Schankraum sitzen die Stammgäste und feiern den Freitagabend. Der kleine Saal, heute wie früher Ort für Familienfeiern, lockt uns wenig, wir setzen uns in den kleinen Biergarten, der auch von der Straße aus über das alte, schmiedeeiserne Tor zu erreichen ist.

Geht man von der Gaststube aus in ihn, läuft es sich über Fliesen, deren Schönheit durch alte Läufer verdeckt ist.

Irgendwie ist das immer noch DDR. Gefördert wurde der Neubau – Plattenbauten verschandelten die Gegend – die mit liebevollen Details geschmückten Altbauten wurden dem Verfall preisgegeben. Solche Geschichte hinterlässt ihre Spuren für immer.

Einfach ist der kleine Hof des Biergartens, sauber. Eine renovierte Laube bietet bei überraschendem Regen Unterschlupf, ihre Schönheit wird verdeckt von den Sonnenschirmen der Brauerein. Wird der neue Schanktisch gesponsert, muss gezeigt sein von wem.

Das Haupt- und auch das Hintergebäude sind renoviert, die Toilette, die sich wie früher auf halber Treppe befindet, hat noch ihre alte, niedrige Tür und durch das kleine Fenster zum Hof schaut es sich durch den alten, weiß lackierten Fensterrahmen.

Ich mag solche Gebäude, sie atmen Vergangenheit, hier fühle ich mich daheim. Übersichtlich ist die Speisekarte.

Neben den typischen kalten Speisen einer sächsischen Kneipe gibt es die traditionellen warmen Gerichte, die schon in der DDR auf der Karte standen. Steak mit Würzfleisch überbacken und Rostbrätel, alle Gerichte sind wie früher aus Schweinefleisch…das gab es immer…und mit hausgemachten Bratkartoffeln dazu. Das Würzfleisch selber wird in einer Portion serviert die auch satt macht.

Neumodisch ist nur die Physalis. Südfrüchte dieser Art waren völlig unbekannt. Zu kalten und warmen Speisen gab es Weiß-oder Rotkrautsalat, geriebene Möhren und Blattsalat, diese Gemüse waren immer zu kaufen. Sie haben wunderbar geschmeckt und das tun sie heute genauso.

Verkehrte Welt

Verkehrte Welt ist ein spezielles Thema, gerade in unseren Zeiten. Auch früher haben sich die Menschen darüber Gedanken gemacht.

Im Schloss Augustusburg gibt es den „Hasensaal“. In ihm wird in einem Bilderzyklus des Hofmalers Heinrich Göding seit 1572 mit dem Thema „Verkehrte Welt“  in szenischer Folge all das ausgelassene Treiben der Menschen, beim Schaffen und beim Feiern, bis hin zu Kriegsszenen dargestellt. 90 Bilder zeigen Verhaltensweisen von Menschen. Über’m Kamin führen die Hasen einen Zainertanz auf.

Auch über den Türen vergnügen sich die Tierchen, über dieser beim Tanz unter Bierkegel und Kranz.

Heutzutage finden in diesem Saal Konzerte statt. Zur Freude der tanzenden Hasen und der still lauschenden Menschen.

Verkehrte Welt ist außerhalb des Schlosses. Es gibt wohl kein Tier, dass dazu geeignet wäre es darzustellen.

Urlaubstage

Im Urlaub müssen wir unbedingt in die alte Heimatstadt zurück, ihre Schönheit bewundern.

Mit der Schaukelinhaberin die alten Straßen entlang laufen, zum Ziel aller Kindheitsträume,

zum Eiscafe, das schon zu unserer Zeit die besten Torten und das beste Eis überhaupt hatte.

und beides immer noch hat.

Weiter auf den neuen Spielplatz laufen, dem eine abgerissene Fabrik Platz gemacht hat.

Schade ist es um die niedergewirtschaftete Fabrik, die wie so viele anderen nach der Wende platt gemacht wurde, der entstandene Spielplatz ist ein besonders gelungener.

Hüpfel, schaukeln, wippen, rutschen…

besonders gelungen finde ich die als Bienenkorb gebaute Kletter- und Rutschinsel.

Und immer wieder staunen über Altes im neuen Glanz.

De‘ Augusteburg

Korrekt heisst das Jagdschoss August des Starken, mit seinen vier weit in’s Land ragenden Türmen, für jede Jahreszeit einer – Augustusburg.  Schon einmal habe ich davon erzählt.

https://arabella50.wordpress.com/tag/skulpturenweg-augustusburg/

Augustusburg – wie die schöne, ruhige, vorerzgebirgische Stadt in der es liegt. 

Da meine Großmutter das Schloss nie anders genannt hat, bleibt es für mich auch bei…de‘ Augusteburg. Und darum wird dies auch kein Artikel über Geschichte, sondern einer voller Erinnerungen, die eigentlich in meiner persönlichen Kemenate beginnen, denn dort steht ein Spiegel aus ebenjenem Schloss. Mein Großvater hat ihn mit den russischen Besatzern getauscht – gegen einen Korb Tomaten. Den Spiegel ziert ein Riss, dem ich ihm selbst aus Versehen beigefügt habe. Seine Schönheit mindert er nicht, den fehlenden Teil habe ich mit Fotos meiner Liebsten geschmückt und trotz des Risses ist er groß genug, um mich in Gänze darin zu sehen.

Augusteburg war niemals eine Burg, sondern ein hochherrschaftliches Jagdschloss, das den Platz der verfallenen Schellenburg auf dem Schellenberg einnahm und von August als Zeichen seines Sieges und des Friedens gedacht war und natürlich, um seiner Jagdleidenschaft zu frönen.

Fahre ich morgens mit meinem Mann von Frankenberg nach Chemnitz, sehen wir auf einem kurzen Stück unser Heimatschloss. Gleichzeitig wenden wir unsere Köpfe, um zu sehen, in welchem Licht es an diesem Tag glänzt.

In meinen Urlaubstagen muss ich unbedingt direkt zu ihr, das wird mir jedes Kopfneigen am Morgen eines Tages den Urlaubstag wiederbringen. 

Obwohl ich das Schloss regelmäßig – wenn auch fahrlässig – besuche, war ich seit ungefähr 35 Jahren nicht mehr in seinen inneren Räumen. Als ich das bei diesem Besuch tue, bin ich überwältigt von so viel architektonischer Schönheit.

Ich will und kann nur wenig zeigen. Dieser Ort ist für mich kein Museum, er ist mir Heimat.

‚de Augusteburg hat Platz für eine Jugendherberge, vielerlei Museen, für lukulische Genüsse, für Wanderausstellungen, für Konzerte und Theateraufführungen für Kleine und Große ach…eine unglaubliche Vielfalt.

Im Innenhof sitzend, nehme ich alles tief in mich auf. 

Mit den Erinnerungen werde ich anstengende Arbeitstage leichter überstehen.

Der Gang hinaus aus dem Schloss führt an einem liebevollem Lädchen vorbei. Bezaubernd die Innhaberin, die Werke ortsansässiger Künstler anbietet und deren handgefertigten Waren.

Nicht das – was ich mir leisten kann – aber für 4 Mark und 50 Pfennige leuchtet jetzt der Glanz einer guten Zeit in mir und für mich.

Jeden Morgen.

De‘ Augusteburg und die dazugehörige Stadt ist einmalig. Mit ihren Blicken aus Fenstern,

die Liebe zu meiner schönen Heimat zeigen.

Erinnerungen – Zu Hause

Zu Hause ist bei mir – der Garten.

Wann immer Ferien oder Wochenende war, fuhr ich zu den Großeltern. Oft kam mein Großvater, mit seiner Schwalbe mich abzuholen. Später fuhr ich die 25 km von meiner Elternstadt mit dem Fahrrad zu den Großeltern. Auf dem Moped meines Großvaters begann schon die Freiheit. Nicht wie bei den Eltern Fahrten im nach Benzin und nach Garage riechenden Auto, dessen Fenster nicht geöffnet werden durften, sauste mir der Wind durch die Haare. Gut und sicher sass ich, durch den Rücken des alten Mannes vor einem zuviel von Wind geschützt. Die Großmutter wartete schon auf uns, einen Marmorkuchen in der Backröhre als Willkommensgruss.

Ab in den Garten, ab in’s dahinter gelegene Lützeltal. Eine Fläche des Gartens, die mir damals riesig erschien, war mit Erdbeeren bepflant. Zum Verkauf und zur Aufbesserung der Rente gedacht, durfte ich davon essen soviel ich wollte. Vorn am Haus stand meines Großvaters Geräteschuppen. An seinen Wänden habe ich Nägel einschlagen geübt. Um dahin zu gelangen, musste ich über die Haustür gehend eine halbe Gartenrunde drehen. Die Verandatür, die mich heute direkt in den Garten lässt, hat erst viele Jahre später mein Mann eingebaut.

Umrahmt war die Haustür mit einem Busch roter Kletterrosen, duftend leuchteten sie und wuchsen üppig im hohen Bogen, den Eingang gleichsam beschützend. Nach einem Frost schnitt meine Großmutter sie zurück, was nach und nach ihr Eingehen zur Folge hatte. Die weiße Rose, die jetzt an meiner Tür wächst, ist der Erinnerung an die andere, verlorene Rose gewidmet.

Sie selber, sowie auch die Veranda stehen auf dem Platz an dem sich mein Kinderbeet befunden hat. Was ich darauf gepflanzt habe, ist genauso vergangen wie die rote Rose.

Neben meinem Beet befand sich der Wasserhahn. Den Schlauch daran gesteckt, war er Ursprung lustiger Wasserspritzerein. Daneben stand auf einem Tischchen der Entsafter meiner Großmutter oder ihr Einkochtopf. An einem schmalen Tisch im Schatten der Garagenwand sitzend, haben sie, der Großvater und ich im Freien die Früchte zum Einwecken vorbereitet. Bei mir sind immer mehr im Bauch als in den Topf gewandert. Gelacht darüber haben die Großeltern, nicht geschimpft.

Zwei Gärten weiter lebt seit einigen Jahren eine junge Familie mit zwei kleinen Mädchen, deren Lachen und Toben meinem Garten Lebenstöne bringt. Vor kurzem hat der Vater einen Gemüsegarten angelegt. Von weitem höre ich wie er seinen Mädels das Gießen erklärt:“den Wasserschlauch müsst ihr danach leer laufen lassen, sonst liegt er in der Sonne und das Wasser dehnt sich durch die Wärme aus, dann platzt er…“.

Die Erinnerung lebt. Beruhigend.

Wasser, Wald, Himmel

Die Schaukelinhaberin und ich machen einen Ausflug an’s Zschopauufer, schon mit dem Zug dahin zu fahren ist ein Abenteuer.

Sonst ist sie mit ihrer Mama hier baden, mehr Platz als in jedem Freibad, mehr Himmel, viel mehr kostenlose Freiheit. Steinmännchen bauen sich so leicht,

wie sie sich einreissen lassen. Schal plus Schirm ergibt sicheres Dach.

Unter der Brücke, entfernt vom Wehr und fast ohne Autoverkehr, watet es sich leicht durch seichtes Wasser.

Badeschuhe braucht man, gegen die Steine und die Scherben Achtloser.

Die Lieblingsdorfkneipe der Oma Grauhaar hat Bäume,

Schnitzel und – zum Glück – Pommes. Salat essen kann man zu Hause;-) .

Entspannt mit dem Zug nach Hause fahren, Mittagsschlaf und dann…die kleine Schwester samt Mama sind zu Hause…juchhu.

Und setzet ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein oder nasser Pfingstgang

Meiner Stadt angegliedert ist das Dörfchen Sachsenburg. An der Zschopau gelegen bietet es weitschweifende Aussicht auf das Flussbett.

An diesem schönen Ort, unterhalb des Schlosses Sachsenburg

befand sich in der ehemaligen Spinnfabrik ab Mai 1933 ein Konzentrationslager.

50-60 Häftlinge, hauptsächlich Arbeiterfunktionäre aus Chemnitz waren während der Hitlerdiktatur dort inhaftiert. Hinzu kamen 40 Häftlinge aus Plauen.

Am 31.5.1934 wurde das KZ Colditz

https://www.google.de/amp/s/teil2einfachesleben.wordpress.com/2016/07/07/colditz/amp/

dem Sachsenburger KZ unterstellt, seine Häftlinge – darunter Bruno Apitz –

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nackt_unter_W%C3%B6lfen

wurden nach Sachsenburg verlegt. Von 1933-37 mussten insgesamt ca.2000 Menschen unter schlimmsten Bedingungen Schwerstarbeit verrichten. Ihre offene Gegnerschaft gegen den Hitlerterror mussten sie mit Inhaftierung und schwerer körperlicher Arbeit in den nahegelegenen Steinbrüchen und bei der Uferbefestigung bezahlen.

Das Gebäude des Spinnerei verfällt, unter Denkmalschutz stehend, zusehends.

Ein kleines Kraftwerk ist noch in Betrieb,

es gibt ein Museum und eine nahe gelegene Gaststätte, die sich rühmt, Helmut Kohl bewirtet zu haben.

Am 9.7.1937 wurde das KZ Sachsenburg geschlossen, 146 Häftlinge wurden in’s KZ Buchenwald verlegt, am nächsten Tag noch einmal weitere 70 Menschen.

Die Firma Tautenhahn kaufte 1938 das Gelände und gründete dort eine neue Spinnfabrik. In dieser gab es seit 1950 eine Gedenkausstellung für die Häftlinge des KZ Sachsenburgs. 1968 erfolgte die Errichtung eines Mahnmales in Form einer Steinplastik, die eine Häftlingsgruppe darstellt und die Inschrift: „Und setzet ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein.“ trägt.

Seit 1998 unterstützt die Stifung Sächsische Gedenkstätten diesen Ort, damit er nicht in Vergessenheit gerät. Die im Schloss ehemals vorhandene Ausstellung existiert lange schon nicht mehr, das Schloss selber verfällt immer mehr. Dafür wurde aus mir unerklärlichen Gründen die Schlosstreppe selber für einen hohen, fünfstelligen Betrag aufwendigst restauriert. 262 Treppen führen über 141 Meter hoch zum Schloss.

Entlang der Zschopau gibt es in diesem Tal viele weitere, angenehme Dinge, die heiter sind und Lebensfreude bringen. Auch für die Fische – die eine Fischtreppe über’s Wehr gebaut bekommen haben.

Ein Stück weiter hinten kann man über eine, nach dem schweren Hochwasser vom August 2002, neu errichtete Hängebrücke die Zschopau direkt überqueren.

Dahinter befindet sich eines der schönsten Freibäder der näheren Umgebung. Wer dahin wandert oder radelt sollte sich seines Lebens bewusst sein und Zeit für Erinnerung an diejenigen finden, die ihr Leben für die Freiheit geopfert haben. Gerade jetzt und trotz alledem!

Schloss Altenburg

Glanz und Gloria

für sehr wenige Einzelne.

Hat sich bis heute nicht geändert, oder?!

Osterspaziergang oder das ehemalige Residenzschloss Altenburg

Am Karfreitag spazierten wir bei wunderbarem Frühlingswetter durch Schloss und Park Altenburg und besuchten das im Park angrenzende Lindenaumuseum. Die 72,3 km lange Fahrt dahin brachte uns aus dem beginnenden, sächsischen Frühling in das schon voll im Frühling stehende Thüringen.

Die Kreisstadt Altenburg liegt 45 km von Leipzig entfernt im Leipziger Umland, das ein deutlich milderes Klima als meine vorerzgebirgische Heimat aufweist. 

Die Musik zu diesem Beitrag wurde gespielt auf der Trost- Orgel der Schlosskirche, die direkt hinter dem Torhaus liegt. In den Jahren 1735-1739 wurde sie von Orgelbaumeister Trost geschaffen, 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tobias_Heinrich_Gottfried_Trost

kurz vor ihrer Einweihung, im September 1739 spielte Johann Sebastian Bach auf ihr.

Altenburg selber ist weltweit bekannt als Skat- und Spielkartenstadt.

Hier wurde zwischen 1810 und 1815 das Skatspiel erdacht und seit dem 11.Kongress 1927 gibt es ein Skatgericht in der Stadt Altenburg. Spielkarten selber werden schon seit 500 Jahren in der Stadt hergestellt, die 1832 gegründete Spielkartenfabrik entwickelte sich nach 1900 zur Größten in Deutschland. Das Schloss beherbergt seit 1923 ein Spielkartenmuseum, in dem sich ebenfalls der berühmte Skatbrunnen befindet.

Alle im Schloss befindlichen Ausstellungen können für einen Preis von 7 Euro besichtigt werden, die Fotoerlaubnis bekomme ich für 3 Euro dazu. Das Lindenaumuseum mit all seinen Ausstellungen besucht man für 6 Euro oder kauft am Besten gleich die Verbundkarte für beides zum Preis von 9,95 Euro. Das Spielkartenmuseum befindet sich dauerhaft im Mittelgeschoss des Schlosses.

Gelegen in dessen zauberhaften Räumen

zeigt es auch eine alte Werkstatt, in der Spielkarten hergestellt wurden.

Das Altenburger Schloss ist ein vielgestaltiges Bauensemble mit fast 1000jähriger Geschichte.

Als Burg- und Verwaltungszentrum diente die Anlage Königen, Kaisern und Kurfürsten als zeitweiliger Aufenthaltsort. 1455 war die damalige Burg Schauplatz des legendären Altenburger oder auch Sächsischen Prinzenraubes, bei dem die Prinzen Ernst und Albert durch Ritter Kunz von Kauffungen entführt wurden.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Altenburger_Prinzenraub

Selbstverständlich finden sich im Schlossmuseum Bilder und Erläuterungen dazu.

Ritter Kunz von Kauffungen wurde in Freiberg enthauptet, das linke Bild zeigt diese Szene. Rechts sind die Porträts 33 beteiligter Personen zu sehen. Später residierten hier die Herzöge von Sachsen-Altenburg in zwei Erblinien. Vom 9. bis 11.November 1485 fand in Leipzig ein Landtag statt, der die Teilung des Kurfürstentums zum Thema hatte. Kurfürst Ernst und sein Bruder Herzog Albrecht teilten das Kurfürstentum zwischen sich auf, dadurch entstehen die ernestinische und die albertinische Linie des Hauses Wettin. Zur ernestinischen Linie gehören die Orte Altenberg, Wittenberge, Torgau, Weimar und Coburg, die heute alle im Bundesland Thüringen liegen. Die albertinische Linie erhielt die Orte Chemnitz, Freiberg, Meißen, Dresden und Zwickau, die allesamt heute im Freistaat Sachsen zu finden sind. Die Teilung der Wettinerherrschaft kam damit der Gründung der Länder Thüringen und Sachsen gleich. Auch dazu gibt es im Schlossmuseum einen Ausstellungsbereich. Weiter findet sich eine Ausstellung ostasiatischer Porzellane darin Raum, deren Höhepunkt die Porzellankollektion des Bernhard August von Lindenau (1779-1854) ist. Nicht zu allem kann ich hier Fotos zeigen. 

  • Mich hat vor allem die Architektur, das Inventar und Interieur des Herzogshauses fasziniert, die Spiegel der Hausgeschichte als Wohn- und Resistenzstätte sind und sich in der oberen Museumsetage befinden. Hier gibt es bewaffnete Ritter und Damen auf Kampfschlitten zu bestaunen.
  • Die Räume atmen den Glanz einer vergangenen Zeit.
  • Großartig finde ich die Vielfalt der hier ausgestellten Öfen,
  • während es nur ein Kaminzimmer gibt.
  • Regelmäßig finden Sonderausstellungen statt, zur Zeit passend eine über christliche Motive auf Ostereiern.
  • Am Meisten mochte ich die im Fenster wunderbar zur Geltung kommenden Ostereierlampen.
  • Dabei gibt es viel mehr zu sehen, als hier Platz dafür ist.
  • Eine Ausstellung mit sakralen Kunstwerken ist zu sehen 
  • und eine herrlich gelegene Sammlung von Karikaturen zur Freimaurerei.
  • Die Burg selber entstand auf einem Porphyrfelsen, vorher befand sich dort eine slawische Wallanlage. Erstmals wird die Altenburg 976 von Kaiser Otto dem III. erwähnt, Kaiser Friedrich Barbarossa war um 1180 mehrfach hier Gast. 1307 übernahmen die Wettiner die Herrschaft. Im 17.Jahrhundert wurde die Altenburg zur Residenz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg. 1706 und 1744 wurde die Burg durch die Herzöge Friedrich II. und Friedrich III. zum Schloss umgebaut.
  • 1868 zerstörte ein schwerer Brand das Prinzenpalais und auch das Kornhaus brannte aus. Seit Ende 1918 wird das Schloss von der Stadt genutzt, am 10.April 1943 wurde es vom ehemaligen Herzog Ernst II. auch formal an die Stadt übergeben. Ein Besuch in ihm ist lohnenswert, unterhaltsam und bildend,
  • genauso wie im über den Park in wenigen Minuten zu erreichenden Lindenaumuseum,
  • mit seiner Vielzahl an Bilder, Fotografie- und Skulpturenausstellungen.