Archiv der Kategorie: Klostermedizin

Klostermedizin – Constantinus Africanus 1010/1020 – 1087

Mit Konstantin beeinflusst die arabische Medizin auch weiterhin die Kostermedizin.

Der arabische Name Konstantins des Afrikaners ist nicht überliefert. Geboren wurde er zwischen 1010 und 1020 in Karthago, das seit der Römerzeit Africa genannt wurde. Er ist ein nordafrikanischer medizinischer Forscher, ist Fachautor, Lehrer und Übersetzer. Seine Eltern gehören dem arabisierten Bevölkerungsteil der Berber an. Konstantin reist auf Studienreisen durch den Orient und das für damalige Zustände über einen langen Zeitraum. 39 Jahre lang studiert er auf Reisen, macht sich mit Sprache und Medizin der Chadäer, Perser und Araber vertraut. In Bagdad angekommen entschließt er sich zum Studium der Medizin. An der Al-Azhar-Moschee und Universität erweitert er seine Kenntnisse. Nachdem Konstantin in seine Heimat zurückgekehrt ist, ist er mit großem Erfolg als Arzt und Lehrer tätig. Dieser Erfolg ruft eifersüchtige Kollegen auf den Plan, die sein Handeln als Zauberei verunglimpfen. Ihr Druck wird so stark, dass er um sein Leben fürchten muss und Karthago heimlich per Schiff verlässt. Über Sizilien führt in seine unfreiwillige Reise in den Süden Italiens. Als Bettler verkleidet trifft er zwischen 1057 und 1077 in Salerno ein. Der Bruder des dort regierenden Robert Herzog Guiscardin erkennt ihn dennoch. Um 1077 beginnt Konstantin seine Tätigkeit an der medizinischen Schule von Salerno. Sein Wissen und Wirken erregt wiederum große Aufmerksamkeit. Warum sein Übertritt zum christlichen Glauben erfolgte, ist ebenso wenig bekannt wie sein eigentlicher Name. Mönch ist er nicht geworden, sondern er lässt sich als Laienbruder im Benediktinerkloster Monte Cassino nieder. Er bemängelt die verfügbare  medizinische Literatur und trägt medizinische Werke der griechisch-arabischen Welt zusammen und übersetzt sie in’s Lateinische. Damit begründet er die lateinische Fachsprache der Medizin. In seinem Werk „Liber de gradibus“ ordnet er Arzneipflanzen und Mineralien nach ihrer Wirkintensität. Es wird das grundlegende Werk der Kräuterheilkunde und trägt großen Vorbildcharakter. 1078 lässt er sich endgültig in Monte Cassino nieder. Dort übersetzt er seine gesamten Werke und Schriften, sowie Schriften von Hippokrates und Galenos in’s Lateinische. Auf diesen Werken beruht der gute Ruf der Schule von Salerno.

Andere große Meister der in arabischer Sprache überlieferten Medizin übersetzt er in Latein und macht sie dadurch zugänglich. Seine Übersetzungen dienen vom Mittelalter bis in’s 17.Jahrhundert hinein als Lehrbücher medizinischer Kenntnisse. Gelegentlich taucht der Vorwurf des Plagiats gegen ihn auf, allein er ist nicht haltbar. Konstantin ist ein Bewahrer alten Wissens und sieht sich selbst als solcher. Er spielt eine herausragende Rolle für die im hohen Mittelalter einsetzende Auf-und Übernahme der Wertevorstellungen der griechisch-arabischen Medizin. Sein Wirken war so bedeutend, dass mit ihm die Blüte der Epoche „Hochsalerno“ begann. Seine Übersetzungen sind von unschätzbarem Wert und Einfluss auf die Kostermedizin.

Klostermedizin 

Über einen längeren Zeitraum, ca.von der Mitte des 8.Jahrhunderts bis zur Mitte des 9.Jahrhunderts entstanden, außer einzelnen Rezepten, keine neuen Werke zur Klostermedizin. Das änderte sich zwischen 1060/1070 mit dem französischen Mönch Odo von Meung (Magdunensis), an den ich erinnern möchte.

Über den Arzt und Dichter Odo von Meung ist nicht viel bekannt. Ende des 11.Jahrhunderts ließ sich Magdunensis, das bedeutet – der aus Meung an der Loire – vom Gartengedicht des Walafried Strabos inspierieren.

https://www.google.de/amp/s/teil2einfachesleben.wordpress.com/2016/05/21/klostermedizin-walahfried-strabo/amp/?client=ms-android-om-lge

Im Gegensatz zu ihm schuff er jedoch ein reines Lehrgedicht, das ausschließlich heilkundliches Wissen vermittelt – das Macer floridus.

In 2296 Hexametern beschreibt er in lateinischer Sprache 77 Pflanzen. Gestützt ist sein Werk auf Walafried Stabos Erkenntnissen und auf antike Quellen. Macer floridus bedeutet – der wiederbelebte Macer. Über 500 Jahre gilt dieses Werk im mitteleuropäischen Raum des Mittelalters als Standartwerk der Kräuterkunde. In einer ersten Fassung beschreibt Odo von Meung 60 Pflanzen. Etwas später entstand eine weitere Fassung mit 77 Pflanzen. Das Buch ist ein rein pharmakograpisches Lehrgedicht. Odo übernimmt alle 24 Pflanzen des Hortulus des Walafried Strabo. Er kritisierte einige Beschreibungen des vorausgegangenen Werkes, z.B.den Liebstöckel. Beim Fenchel dagegen folgt er Walafried Strabos Darlegungen. Von der Urfassung liegen Handschriften aus dem 12.Jahrhundert vor. Durchgesetzt hat sich nur die erweiterte Fassung. 1477 wird sie in Neapel das erste Mal gedruckt. Heute noch lassen sich in „Hagers Handbuch“ volkstümliche Anwendungen von Beifuß, Eberraute, Knoblauch und Brennnessel finden. 1832 editiert Johann Ludwig Choulant in Dresden eine Fassung, die er fälschlich auf das 14.Jahrhundert datiert und dem Abt Otto von Morimond zuschreibt. Mittlerweile ist klar Odo von Meung um 1060/1070 als Autor und Zeitraum erkannt. Übersetzt in viele Sprachen ist sein Werk Vorbild für alle späteren Kräuterbücher, deren wertvolles Wissen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

Klostermedizin

Lange beeinflusste die arabische Medizin die Klostermedizin.

Erinnern möchte ich an Ibn Butlan (? – 1066 )

( Foto: Ibn Butlan und zwei seiner Schüler, Autorenbild aus dem Wiener Tacunium sanitatis, fol.4.rectro, 1390, Quelle: Wikipedia )

und sein bekanntestes Werk Tacunium sanitatis medicina.

( Fotoquelle: Wikipedia )

Der aus Bagdad stammende Gelehrte, von dem kein Geburtsdatum bekannt ist, schreibt tabelarische Gesundheitsbücher. Inhaltlich befassen sich seine Werke mit Heilpflanzen, Ernährung, Bewegung und Lebensstil. Mit vollem Namen heißt der christlich- nestorianische Arzt Abu I-Hasan al Muchtar ibn al-Hasan ibn’Abdun ibn Sa’dun ibn Butlan.

Der Nestorianismus beinhaltet die christliche Lehre, dass die göttliche und die menschliche Natur in der Person Jesus Christus geteilt und unvermischt ist.

Ibn Butlan war in Bagdad Schüler des christlichen Mönches Ibn at-Tayyib. Mit dem ägyptischen Arzt Ali ibn Ridwan wechselte er Streitschriften, später ergab sich direkter, persönlicher Kontakt. Über hundert Jahre war Ibn Butlan in Aleppo als Arzt sehr populär, auch nach diesem Zeitraum wird er in Schriften erwähnt. Von seinem Hauptwerk sind neun arabische Handschriften überliefert, sowie siebzehn Übertragungen ins Lateinische. Heute sind vor allem zahlreiche gekürzte und illustrierte Fassungen bekannt, die alle auf dieser Übersetzung beruhen. In Auftrag gegeben wurde sie von König Manfred von Sizilien. Später reiste Ibn Butlan über Konstatinopel nach Antiochien und trat dort einem Kloster bei. An diesem Ort verfasste er mehrere heilkundliche Bücher, von denen das Hauptwerk das Tacunium sanitates in medicina ist.

Tacunium sanitates in medicina ist der Name mehrer mittelalterlicher Bilderkodizes in Wien, Paris, Rom und Lüttich. Ihre Grundlage ist das Werk Ibn Butlans – das Taqwim es sihha – aus dem 11.Jahrhundert. Im arabischen Original sind die Seiten in regelmäßige Felder aufgeteilt und ergeben so eine tabellarische Übersicht. Es entstand eine schachbrettartige Form, auf welcher der Name der deutschen Erstausgabe – Schachtafelen der Gesuntheyt – beruht.

König Manfred von Sizilien gab in Palermo eine lateinische Übersetzung in Auftrag, die ab 1380 von Giovannino de‘ Grass in einer gekürzten Fassung illustriert wurde. 169 Bilder sind darin zu finden, die Federzeichnungen sind und von denen einige teilweise oder ganz agquarellisiert wurden. Damit unterscheiden sich die frühen Übersetzungen von im 14.Jahrhundert folgenden deutlich. In weiterer Folge entstanden Parallelhandschriften, die auf die Wiener Ausgabe zurückgehen. Die Handschriften wenden sich nicht an Fachleute, sondern sie sind für den täglichen Hausgebrauch gedacht. Ihr Inhalt basiert auf der antiken Humoralpathologie und erläutert, welche Nahrungsmittel, Gegebenheiten der menschlichen Umwelt und Gemütszustände wie Zorn oder Freude die Stoicheia „trocken“,“feucht“,“kalt“ und „warm“ aufweisen und für welche Personengruppe und in welchen Gegenden sie nützlich sind. Knoblauch, als Beispiel, wird als „warm“ und „trocken“ beschrieben, er erzeuge „grobe“ und „scharfe“ Säfte. Hilfreich sei er gegen Skorpion- und Schlangenbisse, ebenso gegen Würmer. Empfehlenswert sei er für geschwächte Naturen und in kalten Gegenden. Die Jahreszeit Herbst dagegen sein „gemäßigt kalt im 2.Grad“ und vermehre „melanchonische“ Säfte. Dagegen wirkten Bäder. Nützen würde er Kindern und Jugendlichen in warmen und feuchten Gegenden. 

Neben einer ausführlichen und bebilderten Rezeptesammlung enthalten die Kodizes Ratschläge zur Gesundheit und Wissenswertes zu Pflanzen und Ackerbau.

In unserer Zeit ist viel Wissen über Heilkräuter und ihre wohltuende Wirkung verloren gegangen. Die Schulmedizin, die ständig im Kampf mit den Krankenkassen und deren Budgetierung steht, sieht vermehrt zu wenig auf die ganzheitliche Bekämpfung auftretender Erkrankungen, viele Menschen vergessen die notwendige Selbstbeobachtung und Vorbeugen. Es kann keinesfalls schaden, sich mit dem Wissen um die Klostermedizin und deren Auswirkungen zu befassen.

Klostermedizin – Ibn al-Wafid

Die arabische Kultur beeinflußt die Klostermedizin wesentlich.
Erinnern möchte ich an

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Ali Ibu-al Husaim Ibn al-Wafid ( 997 – 1074 )
kurz Ibn al-Wafid genannt und sein Werk Aggregator.
In Europa war er unter dem Namen Abenguefit bekannt.
Als Arzt und Apotheker war er in Toledo (Spanien) tätig.
In seiner Apotheke betrieb er Alchimie und stellte mit deren Hilfe 520 verschiedene Arten von Medikamenten, extrahiert aus Pflanzen und Kräutern her.
Ibn al-Wafid war Vorsteher der botanischen Gärten des Königs al-Mamun. Der königliche Garten war für seine Artenvielfalt berühmt.
Ibn al-Wafid stellte eine Arzneimittelsammlung zusammen – den Aggregator.
In ihm sammelte er die Erkenntnisse von Galen und Dioskurides und fügte ihnen seine eigenen Ergahrungen hinzu.
Mit dem Liber aggregatus medicinis simplicibus, kurz Aggregator genannt, schuf er ein Sammelwerk von Einzeldrogen.
1290 wurde es in’s Latein übersetzt und erschien gegen Ende des Mittelalters in mehreren Auflagen.
Die Schrift besteht aus zwei Teilen, einem allgemeinen und einem speziellen Teil.
Der 1.Teil beinhaltet die Aufzählung der Heilmittel, ihrer Wirkungsgrade sowie ihrer Primärqualitäten. Also ob die Droge harntreibend, abführend, zusammenziehend usw. wirkt.
Im 2.Teil erfolgt die Einzeldarstellung von 454 pflanzlichen, mineralischen und animalischen Drogen.
Gemeinsam mit anderen Büchern bildet der „Aggregator“ die Grundlage für Arzneibücher wie die „Leipziger Drogenkunde“ aus dem 15.Jahrhundert und den „Herbarius“ ebenfalls aus dem 15.Jahrhundert.
Mit dem „Garten der Gesundheit“ existiert dann das erste illustrierte deutsche Kräuterbuch.
Gedruckt wird es 1485 von Peter Schöffel in Mainz.
Seine Quelle ist der Aggrigator des Ibn al-Wafid.

Klostermedizin – Avicenna

…eigentlich namens Ibn Sina
lebte von 980 – 1037.
Mit ihm nimmt die morgenländische Wissenschaft Einzug in die Klostermedizin.
Erinnern möchte ich an ihn und sein Werk Canon medicinae.

Avicenna ( Ibn Sina )

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ist der einflussreichste Wissenschaftler des islamischen Kulturkreises im Mittelalter.
Für seine Werke nutze er das Wissen griechisch-römischer und arabischer Quellen.
Insgesamt verfasste er 40 Werke.
Er erstellte die erste systematische Medizinenzyklopädie – den Canon medicinae.
Bis weit über das 17.Jahrhundert hinaus, war der Kanon der Medizin das Standartwerk der Medizin für Europa.
Seine philisopischen Ausarbeitungen wurden von späteren Mystikern der Sufismus verwendet.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sufismus
Avicenna’s Begabung zeigte sich schon frühzeitig. Bereits mit 10 Jahren konnte er den Koran auswendig.
Zwischen seinem 10. und 16.Lebensjahr brachte er sich durch Selbststudium Recht, Philosophie und Logik bei.
Als er 17 Jahre alt war, wendete er sich der Medizin zu.
Seine Orientierung fand er bei Aristoteles,
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Aristoteles
den er über die Schriften von al-Farabi
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Al-F%C4%81r%C4%81b%C4%AB
studierte.
Der samanidische Herrscher Nuh ibn Mansur nahm ihn als Arzt in seine Dienste, was ihm den Zugang zur einzigartigen, königlichen Bibliothek ermöglichte.
Er schonte sich nicht, arbeitete, studierte und schrieb weit über seine Kräfte hinaus.
„Ich habe lieber ein kurzes Leben in Fülle als ein karges, langes Leben.“ war sein Leitspruch.
Mit 57 Jahren starb er, entweder an der Ruhr oder an Darmkrebs.

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Sein Hauptwerk der „Kanon der Medizin“ ist unterteilt in fünf Hauptabschnitte.
Das erste Buch beinhaltet die Definition der Medizin als Wissenschaft.
In ihm sind die fünf Mittel enthalten, die dem Arzt zur Verfügung stehen.
– Ernährungstherapie
– Bewegung und Ruhe
– gute Luft
– Behandlung durch chirurgische Eingriffe
Im zweitem Buch widmet er sich der Arzneimittelkunde.
Das dritte Buch umfasst die Anatomie der Organe.
Die Beschreibung der Krankheiten wird im vierten Buch erläutert.
Das fünfte Buch schließlich nennt die Heilmittel.
Im Kanon der Medizin des Avicenna zu lesen, ist heute so hilfreich wie damals.
https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Avicenna+Zusammengesetzte-Heilmittel-Der-Araber-Nach-Dem-F%C3%BCnften-Buch-Des-Canons-Von-Ebn-Sina/id/A028Z1a601ZZt

Klostermedizin – Walahfried Strabo

Kaiser Karls Capitulare de villis fällt bei den Benediktinern auf fruchtbaren Boden.
Walahfried Strabo nimmt es als Vorlage für sein “Liber de cultura hortorum“.
An ihn und sein Buch möchte ich erinnern.

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Walahfried Strabo ( 808/809 – 849 )

Um 840 schreibt der Abt des Benediktinerklosters Walahfried Strabo sein Werk “ Liber de cultura hortorum “ – Das Buch über die Gartenpflege.
Damit verfasst er das bedeutenste botanische Werk des Mittelalters.
Seine Reihenfolge basiert auf dem Capitulare de villis Karls des Großen.
1510 wurde das Buch unter dem Titel  „Hortulus“ in Wien erstmals gedruckt.
In 444 lateinischen Hexametern verfasst Walahfried Strabo ein botanisches Lehrgedicht über 24 Pflanzen, ihr Aussehen, ihren Anbau und ihre Wirkung.
Er verknüpft dabei antike Erfahrungen mit eigenem Wissen.
Selbst ist er von niederer, alemanischer Herkunft und wurde am Bodensee geboren.
Frühzeitig im Kindesalter gaben seine Eltern ihn ins Kloster und ermöglichten damit seine Bildung.
829 – 838 wirkt er am Hof Kaiser Ludwig des Frommen, der Sohn und Nachfolger Karls des Großen war. Als Hofkapellan Kaiserin Judiths und Erzieher Karl des Kahlen erwarb er sich Verdienste, für die ihn Ludwig der Fromme belohnte und ihn, seiner Sehnsucht nach der Heimat wegen, zum Abt des Klosters Reichenau ernannte.
Das jedoch widersprach der freien Abtwahl, die Konvertmitglieder wehrten sich dagegen.
Als es nach dem Tod Ludwigs des Frommen zum Erbstreit zwischen seinen Söhnen kommt, wechselt Walahfried Strabo auf die Seite Lothar I. und muss das Kloster Reichenau verlassen.
842 kann er zurückkehren und wird wieder als Abt eingesetzt.
Am 18.August 849 ertrinkt Walahfried Strabo in der Loire.
Mit ihm verliert die Insel Reichenau ihre Bedeutung als Zentrum der abendländischen Religion.
Geblieben sind seine Werke.
Das Buch der Gartenpflege ist aktuell wie nie.

Quelle des folgenden Links Wikipedia

Folgende Pflanzen sind im Hortulus aufgeführt (Reihenfolge der Erwähnung; dahinter der im Hortulus verwendete Name und der wissenschaftliche Artname):

Salbei / salvia (Salvia officinalis),Weinraute / ruta (Ruta graveolens),Eberraute / abrotanum (Artemisia abrotanum),Flaschenkürbis / curcurbita (Cucurbita lagenaria)Melone / pepones (Cucumis melo),Wermut / absinthium (Artemisia absinthium),Andorn / marrubium (Marrubium vulgare),Fenchel / feniculum (Foeniculum vulgare),Schwertlilie / gladiola (Iris germanica),Liebstöckel / lybisticum (Levisticum officinale),Kerbel / cerefolium (Anthriscus cerefolium),Lilie / lilium (Lilium candidum),Schlafmohn / papaver (Papaver somniferum),Muskatellersalbei / sclarega (Salvia sclarea ),Frauenminze / costus (Chrysanthemum balsamita) (erwähnt unter Muskatellersalbei),Minze / menta (Mentha spec.),Poleiminze / puleium (Mentha pulegium),Sellerie / apium (Apium graveolens),Heil-Ziest / vettonica (Betonica officinalis),Odermennig / agrimonia (Agrimonia eupatoria),Rainfarn / ambrosia (Achillea millefoliumoder Tanacetum vulgare),Katzenminze / nepeta (Nepeta cataria),Meerrettich / rafanum, radices (Armoracia rusticana); ev. auch der Garten-Rettich(Raphanus sativus),Rose / rosa (Rosa spec.)

Klostermedizin – Capitulare de Villis vel curtis imperialibus

Nach dem Untergang des römischen Reiches, drohte im 5.Jahrhundert der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.
Karl der Große griff ein.
Sein Reich regierte er mit Hilfe der Kapitularien.
Das waren königliche Erlasse, die Belange der Reichsverfassung, der Bildung und der Klöster- und Kirchenorganisation regelten.
Sie hatten gesetzesgleich eingehalten zu werden.
Mit dem 792 erschienenen Capitulare de Villis schuf Karl der Große die erste Land- und Wirtschaftsordnung des Mittelalters.
An sie möchte ich erinnern.

Capitulare de Villis vel curtis imperialibus

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Geregelt wurde in ihr u.a. was Haupt- und Nebenhöfe zu produzieren hatten, um den 1000köpfigen Hofstaat des ständig auf Reisen seienden Kaisers zu unterhalten.
Ein wichtiges Kapitel darin ist Karl’s Kräutergarten.
Detailliert wird der Anbau von Obstbäumen, Weinreben und Gemüse beschrieben.
Im letzten Kapitel erfolgt eine Auflistung von 89 Kräutern und Heilpflanzen.
Sie sollten die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung innerhalb des Frankenreiches verbessern.
Vorbild für die Pflanzensammlung waren dabei die Kräutergärten in den Klöstern.
Blutwurz, echte Kamille, Melisse und Salbei dienten der Behandlung bei Mund- und Rachenleiden.
Kümmel, Leberblümchen, Löwenzahn, Minze und Schafgarbe halfen bei Erkrankungen von Leber und Galle.
Gegen Rheuma setzten die Mönche Meerrettich, Schlafmohn und Wacholder ein.
Das heute vergessene Diptam half bei Wundbrand, Kopfschmerzen und erleichterte Geburten.

Karl der Große ordnete an:

„Wir befehlen: In den Gärten soll man alle genannten Pflanzen ziehen: Lilien,Rosen, Hornklee, Frauenminze,Salbei, Raute, Eberreis, Gurken, Melonen, Flaschenkürbis, Faseolen, Kreuzkümmel,Rosmarin, Feldkümmel, Kichererbsen,Meerzwiebel, Schwertlilien, Schlangenwurz, Anis,Koloquinten, Heliotrop, Bärenwurz, Sesel, Salat, Schwarzkümmel, Gartenrauke,Kresse, Klette, Poleiminze,Myrrhendolde,Petersilie,Sellerie,Liebstöckel, Sadebaum, Dill, Fenchel, Endivie, Weißwurz,Senf, Bohnenkraut,Brunnenkresse,Pfefferminze, Krauseminze,Rainfarn,Katzenminze,Tausendgüldenkraut, Schlafmohn, Runkelrüben, Haselwurz,Eibisch,Malven,Karotten, Pastinaken, Melde, Mauskraut, Kohlrabi,Kohl,Zwiebeln, Schnittlauch, Porree,Rettich, Schalotten, Lauch,Knoblauch, Krapp, Kardendisteln, Pferdebohnen, maurische Erbsen,Koriander, Kerbel, Wolfsmilch, Muskatellersalbei. Auf seinem Dach soll der Gärtner Hauslauch (Donnerkraut) ziehen.

An Fruchtbäumen soll man nach unserem Willen verschiedene Sorten Apfel-, Birn- und Pflaumenbäume halten, ferner Eberesche, Mispeln, Edelkastanien und Pfirsichbäume verschiedener Arten Quitten, Haselnüsse, Mandel- und Maulbeerbäume, Lorbeer, Kiefern, Feigen-, und Nussbäume und verschiedene Kirschsorten. Die Apfelsorten heißen: Gosmaringer, Geroldinger, Krevedellen, Speiseäpfel, säuße und sauere, durchweg Daueräpfel; ferner solche, die man bald verbrauchen muß: Frühäpfel. Drei bis vier Arten Dauerbirnen, süßere und mehr zum Kochen geeignete und Spätbirnen.“
Quelle: Übersetzung aus: Wies, Ernst W.: Capipulare de Villis et curtis imperialibus. S. 21

Karl der Große befahl den Bau und die Unterhaltung von Klostergärten, die mit den dort gewonnenen Samen die Heilpflanzen im gesamten Reich anzusiedeln hatten.
Gleichzeitig legte er den Aufbau von Klosterschreibstuben an. Durch das dortige Kopieren antiker Schriften, wurde Wissenserhalt betrieben.

Setzt man nun gedanklich Karl den Großen als Staat ein und die Klöster als Gesundheitswesen, erfolgt hier eine geradezu vorbildliche Zusammenarbeit beider Institutionen.
Eine staatliche Förderung des Gesundheitswesens zum Wohle der gesamten Bevölkerung wurde erbracht.
Das frühe Mittelalter setzt damit ein modernes Beispiel.

Klostermedizin – Das Lorscher Arzneibuch

Kaiser Karl der Große förderte das fortschreitende Kräuterstudium in den Klöstern, in dem er die Anlage von Kräutergärten vorschreibt.
Es ist wieder ein Benediktinerkloster in dem um 788 von mehreren Händen das älteste medizinische Buch des abendländischen Mittelalters verfasst wird – das Kloster Lorsch.
Erinnern möchte ich an das Lorscher Arzneibuch.

Das Lorscher Arzneibuch

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ist das bedeutenste Zeugnis der Klostermedizin aus der Zeit Karls des Großen.
Es umfasst 150 Seiten medizinisch- pharmazeutischen Wissens.
Darin finden sich u.a. eine Heilpflanzenliste und über 500 Arzneirezepturen.
Ein wichtiger Beitrag zur Medizin im Mittelalter findet sich in der Einführung.
Sie beinhaltet, nach dem Vorbild Isidors von Sevilla, eine Rechtfertigung der Klosterheilkunde.
Seitdem das Lorscher Arzneibuch 1989 auf einem Symposium der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, eröffnet sich ein neuer Blick auf die Klostermedizin.
Das Handbuch für den Mönchsarzt, der auch Apotheker war, wurde bis dahin nur von Wenigen gekannt – als Bamberger Codex.
Sein erster bekannter Besitzer war Kaiser Otto III., der es seinem Nachfolger Kaiser Heinrich II. vererbte.
Dieser schenkte es der Dombibliothek des Bistums Bamberg.
Durch die Säkularisation geriet es später in den Besitz der Kurfürstlichen Bibliothek Bamberg. In Bamberg befindet sich das Buch auch heute noch.
1992 wurde es durch Ulrich Stoll ins Deutsche übersetzt.
Das Lorscher Arzneibuch ist ein auf Kalbspergament geschriebenes, konzipiertes Nachschlagewerk, ein einführendes Lehrbuch und zugleich eine Sammlung von Arzneirezepten griechisch-römischer Tradition.
Seine Einleitung ist ein gewaltiger Fortschritt der abendländischen Medizin des frühen Mittelalters.
In ihm erfolgt eine Rechtfertigung der Heilkunde gegen Angriffe von solchen Christen, die Heilkunst als Eingriff in den göttlichen Heilplan sahen und deswegen ablehnten.
In Zitaten aus biblischen Texten wird das Recht und die Pflicht abgeleitet, durch die vom Heiligen Geist gegebene Kenntnisse und mit den von Gott geschaffenen Mitteln heilend einzugreifen.
Ob die Autoren dieser Überzeugung waren oder das nur eine geschickte Umgehung christlicher Regeln war, entzieht sich meiner Kenntnis.
Der Mensch im Mittelalter war ein Gottgläubiger, warum jedoch sollten Ahnungen nicht Einfluß gehabt haben.
Die Rechtfertigung der Heilkunde kann als Neubeginn der Medizin in der Karolingerzeit betrachtet werden.
2013 wurde das Lorscher Arzneibuch von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.
Es verbindet Erkenntnisse antiker Medizin mit christlichem Glauben und bahnt damit der Mönchsmedizin den Weg.
Abschließend möchte ich eine der mir wichtigsten Aussagen des Lorscher Arzneibuchs zitieren.
Es wird in ihm die Forderung erhoben, dass nicht nur Reichen, sondern auch Armen die Heilkunst zugänglich sein müsse.
Der Arzt solle deshalb seine materiellen Forderungen den Möglichkeiten des Patienten anpassen. Außerdem dürfe nicht nur an die teuren Spezereien aus dem Orient gedacht werden, denn auch die Berge und Wiesen der Heimat böten heilbringende Kräuter.
Ziemlich modern, oder !?
Heilkunst ist ein Akt der Nächstenliebe lehrt das Lorscher Arzneibuch.

Klostermedizin – Isidor von Sevilla

In den Klöstern der Spätantike bzw. des frühen Mittelalters wurde durch das Studieren und Kopieren antiker Schriften ein bedeutender Beitrag zum Verständnis des menschlichen Körpers geschaffen.
Die Anerkennung natürlicher Ursachen für Erkrankung sind ein enormer Fortschritt.
Die Themen Erbschuld und Prüfung, von der Kirche oft zur Erklärung von Krankheiten bemüht, fallen weg.
Dies geschieht für einen relativ kurzen Zeitraum und hauptsächlich unter den Wissenden der damaligen Zeit, zu denen weltliche und kirchliche Fürsten zählten, die miteinander im regen Austausch standen.
Erinnern möchte ich an Isidor von Sevilla.

Isidor von Sevilla ( 560 – 636 )

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Isidor von Sevilla stammte aus der römischen Oberschicht.
Seine beiden Brüder waren ebenfalls Bischöfe, seine Schwester – zu der er brieflichen Kontakt hatte – war Nonne.
Da seine Eltern früh verstorben waren, übernahm sein älterer Bruder, der Abt im Benediktinerkloster zu Sevilla war, dort seine Erziehung.
Isidor, dem diese zu hart erschien, flüchtete aus dem Kloster, kehrte aber geläutert wieder zurück und übernahm nach dem Tod seines Bruders dessen Amt.
Als Bischof von Sevilla war Isidor der letzte bedeutende westliche Kirchenvater.
Er stellte eine Enzyklopädie zeitgenössischen und antiken Wissens zusammen –  die 20 Bücher umfassende Etymologiae – die um 623 veröffentlicht wurde.
In den 20 Büchern erläuterte er Ursprünge des Wissens der Antike.
Das 4.Buch daraus ist das heilkundige Werk “ De medicinia „.
Isidor von Sevilla steigt mit seinem Werk zum meistgelesensten Autor des Mittelalters auf, was ihm den Beinamen
“ Isidorus Hispalensis “ – Lehrmeister Spaniens – einbringt.
Er ist der letzte große Autor der Spätantike.
In seinen Büchern kompilierte er das Wissen der Antike.
Seine in Latein verfassten Werke wurden von Mönchen kopiert und so verbreitet.
Den Mönchen geboten die Ordensregeln dieses, genügend Freiraum dafür wurde geschaffen, indem in den Klöstern sklavenartig gehaltene Arbeiter die groben, notwendigen Dinge des Lebens verrichteten.
Manche Aussagen antiker Autoren sind nur noch als Zitate erhalten, Isidor fasste sie zusammen.
Damit prägte er das Wissen seiner Epoche bis in die frühe Neuzeit hinein.
Er förderte die asketische und wissenschaftliche Ausbildung der Geistlichen und die Gründung entsprechender, bischoflicher Schulen.
Mit seinem Buch “ De medicinia “ schaffte er den wichtigsten Beitrag zur Medizin im spätantiken Spanien.
Einige wenige Verse darin beschäftigen sich mit der Hausapotheke und der Kräuterkammer, die in den Klöstern angelegt werden.
Auf seine Zitate beruft sich das “ Lorscher Arzneibuch „,
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lorscher_Arzneibuch
auf das in einem späteren Beitrag zurück zu kommen sein wird.
Isidor von Sevilla gilt die Medizin als eine Fertigkeit zum Schutz und der Wiederherstellung der Gesundheit.
In einer Zeit, in der Krankheit allgemein hin als Gottesstrafe gesehen wird, hat das eine herausragende Bedeutung.
Er bejahte die Medizin ohne Vorbehalte, zu den freien Wissenschaften zählte er sie nicht.
“ Sie habe jedoch an allen Künsten teil. “ lehrte er und erhebt die Medizin zur “ zweiten Philosophie „.
“ Somit werde durch die Philosophie der Seele – durch die Medizin – der Körper behandelt. “
Bedenkt man den Zeitraum in dem er lebte, mutet das hochmodern an.
Isidor von Sevilla war seiner Zeit weit voraus.
Mit der vollen Anerkennung der Körperlichkeit des Menschen und der Sorge der ärztlichen Kunst darum, weist er der Medizin des Mittelalters, die ohnehin vom arabischem Einfluß umstrukturiert werden wird – auch darauf wird später einzugehen sein – neue Wege. 
 

Klostermedizin – Cassiodorus

Den Benediktinermönchen war durch die Regeln des Benedikt von Nursia Verpflichtung zu Lektüre und zum Studium auferlegt.
Sie schöpften aus dem Wissen der Heilkunde der Antike.

Eine bewusste, ganzheitliche Lebensführung die in den Klöstern gelebt wurde, ist damals wie heute Quelle der Gesundheit.
Gesunde Ernährung, Bewegung, Spiritualität und Kultur bildeten eine gelebte Einheit.
Lebensmittel sind Heilmittel war ihr Grundsatz, heute gerät er immer mehr in Vergessenheit.

Wie die antiken Ärzte glaubten die Mönche an die Viersäftelehre.
Schädliches Ungleichgewicht der Körpersäfte hielten sie für den Ursprung von Krankheiten.
Dagegen wurden als Heilmittel die passenden Kräuter verordnet.
Die antiken Quellen aus denen die Mönche schöpften gingen vom Papyrus Ebers (1600 v.Chr.), über die Werke von Hippokrates (460-375 v.Chr.) und Aristoteles (384-322 v.Chr.) zu den Büchern des Plinius (23-79) bis zur Materia medica (60-70).
Galenos von Pergamon (129-200), der Entwickler der Viersäftelehrer wurde von ihnen studiert.

Mit der Übersetzung dieser Texte hervorgetan hat sich Cassidorus, an den ich folgend erinnern möchte.

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Cassidorus ( Flavius Magnus Aurelius )
485 – 580

Der römische Staatsmann und Gelehrte Flavius Magnus Aurelius hatte einen erheblichen Anteil an der Bewahrung und Vermittlung des Schrift- und Bildungsgutes der Antike im lateinsprachigem Abendland.

Aus einer wohlhabenden Senatorenfamilie stammend, war er schon mit 17 Jahren als Beamter am Hof des Ostgotenkönigs Theoderich tätig.

Um 554 gründete er auf dem Land seiner Väter in Kalibrien das Kloster Vivarium.
Dort übersetzte er antike Schriften aus dem Griechischen ins Lateinische und schrieb eigene Bücher.
Sein Werk “ Institutiones divinarum et saecularium lectiones “ sorgt für Überblick in der antiken Literatur, gibt Anleitung zum Kopieren von Texten und empfielt das Studium der Medizin und der antiken Autoren.

Cassiodorus schuf durch das Archivieren von Abschriften und Vorlagen die erste mittelalterliche Bibliothek.
Dies bildete das Fundament für die Rolle der Klöster als Bildungsstätte.

Sein Lebensmotto: “ Lernet die Eigenschaften der Kräuter und die Mischungen der Arzenein kennen…“ hat er erfolgreich weiter gegeben.

Die neuere Forschung hegt Zweifel am Eintritt Cassidorus selbst in das Kloster.
Zum Zeitpunkt der Gründung war er ca.70 Jahre alt.
Unbestritten ist seine Gründung selbigen Klosters und die Rettung antiker Schriften, durch seine Anweisung zum Kopieren dieser an die Mönche.
Ob nun als Abt oder Weltmann ist mir persönlich nicht wichtig.