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Zum Wohlsein – auf die alten Tantchen oder Schokoladeneierlikör

Als ich ein Kind war und die Großeltern noch lebten, besuchte ich mit ihnen oft die Schwestern meiner Großmutter.

Denke ich an Tante Flora, rieche ich Tosca- und Kaffeeduft, sehe ich Sammeltassen vor mir und Spitzendeckchen auf denen sie stehen. Ich sehe die feine, gefälltelte Porzellanhaut der Tante vor mir und habe den Geschmack der geschenkten Pfefferminzschokoladenplätzchen auf der Zunge.

Noch lieber war ich bei Tante Martha. Sie wohnte in einem winzig kleinen Häuschen mit einem riesigen Garten voller Kirsch-, Birnen- und Apfelbäume daran. Ein alter Schuppen, sein Holz von der Zeit gedunkelt, war bester Abenteuerspielplatz, voller Raschelgeräusche und gefährlich dünkender Geheimnisse. Uhhhch, raus aus ihm, raus an den Tisch mit den Großeltern und der Tante, der im Schatten eines Apfelbaumes – mit einer Wachstuchtischdecke mit Blumenmuster bedeckt – stand. Aus hauchzarten Glasschälchen wurde Eierlikör geschlürft. Geschickt hatte ihn in einer Flasche die wie eine Glocke aussah, Tante Hilde, die Schwester die im Westen lebte und solche Gaben in die DDR schicken konnte. Was musste das dort wohl für eine Welt sein!? Selbstverständlich durfte ich auch davon schleckern…Eierlikör ist doch kein Alkohohl, sondern gesund…

Andere Zeiten eben, niemand käme heute auf die Idee einem Kind Eierlikör anzubieten, auch nicht wenn es ein Schokoladeneierlikör ist. Meinem Kind, meiner Tochter, kann ich ihn anbieten, sie ist über 30 Jahre alt und liebt ein Stück Kirschkuchen mit einem kleinen Schuß davon darüber gegossen sehr.

Es braucht dafür:

8 Eidotter

80g Puderzucker

200ml Wasser

80g Kakao

1Dose gezuckerte Kondensmilch

1 Pkg.Kondensmilch

100ml Sahne

350ml Primasprit

Genau wie die Schaukelinhaberin vormals, geht auch die Schaukelerobererin zu einer Tagesmutti auf einem Bauerhof. Die Hühner dort legen wunderbar grünliche Eier, deren frisches, festes Dotter einen köstlichen Likör daraus versprechen.

Mit dem Schneebesen schlage ich sie schaumig, gebe die gezuckerte Kondensmilch hinein und schlage wieder schaumig.

Für den Schokoladensirup den ich brauche, siebe ich den Puderzucker in das Wasser, gebe den Kakao dazu, vermische alles ohne Klümpchen und koche ihn auf.

Ca. 5 Minuten lasse ich ihn einkochen und stelle ihn dann zum Abkühlen beiseite.

In der Zwischenzeit habe ich die Eiermasse in den Simmertopf gegeben. Auf beste Weise ersetzt dieser Topf ein Wasserbad, zudem ist er einfacher zu handhaben.

Der Schokoladensirup ist jetzt nur noch lauwarm, nun kommt der Primasprit hinein. Dann gebe ich diese Mischung langsam und vorsichtig zu der Eiermasse. Alles gut verrühren und im Simmertopf so lange erwärmen, bis sie sich zur Rose abziehen lässt. Durch den doppelwandigen Boden des Topfes, der mit Wasser gefüllt ist, kocht nichts auf und schon bald dickt die Masse wie gewünscht leicht an. Blase ich über den Kochlöffel auf dem sie ist, bilden sich leichte, weiche Wellen die einer geöffneten Rose gleichen – zur Rose abgezogen also. Ich gebe erst jetzt die Kondensmilch und die Sahne dazu und ziehe nochmal ab.

In steril ausgekochte Flaschen fülle ich meinen Schokoladeneierlikör, in meiner Küche ist ein benebelnd-wohltuender Duft nach warmer Schokolade und nach Alkohohl…hicks…

So ein kleines Fläschchen ist ein schönes Geschenk für jemand den man gern mag. Der Likör hält sich lange, mindestens ein halbes Jahr ( wenn man nicht zu oft davon nascht ), bald gibt es wieder selbst gemachtes Erdbeereis mit einem Schuß Schokoladeneierlikör darüber.

Kosten muss ich natürlich auch, selbst mein Mann probiert… Schmeckt sehr gut, leicht nach Bitterschokolade, nicht zu süß, lässt sich herrlich dickflüssig aus den Waffelbechern schlecker. Auf die Großeltern und die alten Tantchen. Zum Wohlsein!

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