Schlagwort-Archive: Chemnitz

Chemnitz kommt nicht zur Ruhe

Auf dem Chemnitzer Kaßberg ist eine besonders gefährliche Fliegerbombe aus dem 2.Weltkrieg gefunden worden. Chemnitz ist im 2.Weltkrieg durch Bomben der Allierten stark zerstört worden.

Das Gebiet ist von der Polizei großräumig abgesperrt, 17.000 Menschen wurden evakuiert. Sie finden Unterschlupf bei Angehörigen oder in mittlerweile überfüllten Turnhallen.

Die Bombe ist nicht transportierbar und muss daher an Ort und Stelle gesprengt werden.

Mit meinen Schwiegereltern, die ihre Wohnung verlassen mussten, hoffe ich auf einen guten Ausgang.

Chemnitz, deine Häuser – Das Contiloch…es geht voran

https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/05/06/chemnitz-deine-hauser-das-conti-loch/

 …in den Komplex kommt das Technische Rathaus …

Zum Tag

Chemnitz hat ein riesiges Neubaugebiet – das Heckertviertel. Direkt am alten Flughafen liegt die Straße Usi nad Labem. Seit den Nachtstunden ist der gesamte Straßenzug gesperrt durch die Polizei, die Bürger werden aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.In einer Wohnung wurde Sprengstoff vermutet und gefunden. Die Mengenangaben schwanken in den Medienangaben von unbedeutend bis erheblich. Der Tatverdächtige ist auf der Flucht. Seine Gefährlichkeit wird in den Medien von unbedeutend bis erheblich eingestuft.

„Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass es einen islamistischen Hintergrund geben könnte.“

Das Chemnitzer Neubaugebiet wurde zu DDR-Zeiten in Eile hochgezogen, um die Wohnungsnot zu beheben. In architektonische Katastrophen mit dem Luxus von fliessend Warmwasser und Heizung wurde die Arbeiter- und Bauernklasse gepfercht. Nach der Wende standen und stehen viele Wohnungen leer. Einzelne Hochhäuser wurden zurückgebaut und/oder erhielten Balkon. Dort wohnen Geringverdiener oder Hartz-IV Bezieher. Dieses Satz meine ich keinesfalls abwertend, ich gehöre selbst zu den Beziehern des Mindestlohnes und auch bei mir wurde nach dessen Einführung die Arbeitszeit zwangsverkürzt, bei gleichbleibender Umsatzanforderung. Wie auch in meiner Kleinstadt sind die Neubaugebiete sozialer Brennpunkt, vor allem die dort befindlichen Schulen. Schlägerein und Drogenhandel sind häufige Vorkommnisse auf den Pausenhöfen. Mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung hat sich die Lage dort weiter verschlechtert. Die leerstehenden Wohnungen wurde teilweise mit Flüchtlingen belegt. Anders als meine Kollegen die dort wohnen, müssen diese nicht neben der Arbeit zahllose Formulare zur Beantragung eines Mietzuschusses ausfüllen. Die Flüchtlinge suchen keinen Kontakt zu den einheimischen Bewohnern, ebenso ist es umgekehrt. 

Das Vorkommnis in Chemnitz wird die angespannte Situation in Sachsen weiter verschärfen. Viele Bürger, so auch ich, distanzieren sich davon, mit Pegieda und/oder AfD in einen Topf geworfen zu werden, nur weil sie ihren Unmut über politische Fehlleistungen zum Ausdruck bringen. In den meisten Medien wird das nicht entsprechend dargestellt.

Das Schöne vom Tag

Schattenpause unterm Nischel

Mehr zum Karl-Marx-Monument hier:

https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/01/17/chemnitz-deine-hauser-die-parteisage-mit-davor-befindlichen-nischel/

Chemnitz deine Häuser – Das Veranstaltungszentrum Forum

image

Foto: Stadt Chemnitz

Veranstaltungszentrum.
Niemand sagte so, in der DDR hießen diese Gebäude kurz „VZ“.
Eines der größten davon – Forum – geheißen, stand in der Stadtmitte, direkt angeschlossen an die „Parteisäge“.
https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/01/17/chemnitz-deine-hauser-die-parteisage-mit-davor-befindlichen-nischel/
Waren in der Parteisäge die Büros untergebracht, fanden sich im Forum bis 1990 das Restaurant und Tagungslokal der SED Bezirksleitung und des Rates der Stadt Karl-Marx-Stadt.
Nach der Wende bis 2011 war es an dann an einen Veranstaltungsservice verpachtet.
Als das Luxor-Kino wegen Geldmangel schliessen musste, zog dieser in das nun freie Kinogebäude um und das Forum stand von da an leer.

image

Vorschläge zu dessen Erhaltung gab es einige.
So war angedacht, es in die Pläne zur Erweiterung der Stadthalle einzubeziehen, die zum Kongress- und Tagungszentrum erweitert werden sollte.
An mangelnden Geldern scheiterten die Vorhaben.
Mit dem Forum hatte sich die Parteiführung auf 3000 Quadratmetern eine großzügige Kantine errichtet.
Wenige Kilometer enfernt, wurden die Arbeiter des Staates in Plattenbauten zusammengepfercht, mit Heizung und fließend warmem Wasser wurde Luxus vorgegauckelt.
Wohlweislich hatten die einfachen Bürger des Arbeiter- und Bauernstaates deshalb keinen Zutritt zum Veranstaltungszentrum Forum, es sei den, sie erhielten einen Orden.
Das Forum stellte ein Stück erhaltenswerte DDR-Architektur dar, die nun für immer verloren gegangen ist.
Die Weitläufigkeit der Säle und Foyers zeigte deutlich, was die DDR Regierung tat…Wasser predigen und Wein trinken.
In ihm befindliche Kunstwerke wie das aus Naturstein gefertigte Mosaik „Industrie und Landschaft des Bezirkes Karl-Marx-Stadt“, wurden vor dem Abriss des Gebäudes entfernt. Es ist angedacht, sie anderswo – z.B. in der Musikschule – wieder anzubringen.
Damit die Führung nicht nass wurde, oder gar von Bürgern auf der Straße belästigt, gab es einen direkten Durchgang in ihre Kantine. Dieser wurde schon nach der Wende gekappt.

image

In den Räumen des Forums fanden nach der Wende Kunstausstellungen und künstlerische Projekte einen Platz, an dem sie sich entfalten konnten.
Regelmäßig fanden Diskotheken statt.
Meine Frau Tochter und der Herr Schwiegersohn haben in diesem Haus ihre anderswo erfolgte Begegnung vertieft.
Ohne Forum also keine Schaukelinhaberin, schon das ist ein Grund für mich, diesem Gebäude in meinem Blog einen Beitrag zu widmen.
Und für mich ein Beweis dafür, dass Architektur fähig sein kann, Leben und Lebensgefühl direkt zu beeinflussen.
Bleiben wird vom Forum nur das Kellergeschoss, das die Tiefgarage beherbergt. Parkplätzte scheinen in unserer Zeit wichtiger als Kunst.
Im späten Frühjahr 2015 begann der Abriss des Gebäudes, der im November des selben Jahres beendet sein sollte.
Im November 2015 sah es noch so aus.

image

Schwieriger als gedacht stellte sich der 2,7 Millionen teuere Abriss dar. Er wird komplett vom Freistaat Sachsen finanziert.
In der Mitte der Stadt klafft nun eine Lücke.

image

Frei fällt der Blick auf den Theaterplatz mit Opernhaus, Kirche und König -Albert- Museum.

image

https://teil2einfachesleben.wordpress.com/tag/chemnitzer-konig-albert-museum/
Die Stadt Chemnitz hat nun ein neues Loch.
Das Conti – Loch dagegen, dass fast Jahrzehnte einem Kriegskrater glich, wird endlich wieder bebaut.
https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/05/06/chemnitz-deine-hauser-das-conti-loch/
Chemnitz deine Häuser!

Chemnitz deine Häuser – Das Conti-Loch

image

Das Conti-Loch existiert seit 20 Jahren.
Erst in den letzten Monaten ist es durch Bauarbeiten belebt.
Bis dahin dümpelte das ca. 1,3 Hektar große Gelände vor sich hin. Bäume und Sträucher siedelten sich an und wucherten die Grube zu. Das machte es optisch nicht ansehnlicher.
Wie kam es, dass mitten in der Großstadt ein Stück Bauland in unmittelbarer Hauptbahnhofnähe brach liegt und zum Schandfleck wird?
In DDR- Zeiten wurde dort der Bau eines Elektronik Werkes der volkseigenen Textima Werke geplant, mit Forschungszentrum. 1987 begann der Bau, welcher 1989 stagnierte.
Die Wende!
Nun wurde festgestellt, am dortigen Platz ist die Herstellung sensibler Technik – wegen der Nähe der Straßenbahngleise – unmöglich.
Daraufhin wurden die Arbeiten eingestellt, der Rohbau verlodderte.
Schließlich wurde er 1994 abgerissen.
Es entstand das Conti-Loch. Und es blieb.
Verschiedene Projekte wurden angedacht.
Die Conti-Bau-GmbH, 1994 gegründet,  plante ein Büro-und Diensteistungszentrum. Mit großzügigem Kino. Verhandlungen mit der Ufa scheiterten und das Loch blieb leer.
Einige Jahre später – das Loch war immer noch vorhanden – war eine Wintersporthalle im Gespräch. Und dort blieb sie auch.
2014 kam ein neuer Investor in’s Spiel.
Der 72jährige, in Oelsnitz geborene, Regensburger Claus Kellnberger zeigte Intresse.
Er bot an, einen Gebäudekomplex mit Tiefgaragen zu errichten, wenn die Stadt als Mieter auftritt.
Und Wunder. ..die Stadt beschloss, das Technische Rathaus in dem Komplex unterzubringen.
Hurra.
Nun wird gebaggert und planiert.
Im Oktober 2015 soll die Tiefgarage mit 400 Stellplätzen fertig sein.
2017 ist die Fertigstellung des gesamten dreistöckigem Gebäudes geplant.
Ein Schandfleck verschwindet.
Endlich. Nach 20 Jahren.
Chemnitz,  deine Häuser !

image

Chemnitz deine Häuser…Die “ Parteisäge “ mit davor befindlichen “ Nischel „

…oder das Karl – Marx – Monument mit dahinter liegenden Amtsgebäude.

image

7,10 m hoch und ca. 40 Tonnen schwer ist die Plastik aus Bronze, die den Kopf von Karl Marx stilisiert darstellt.
Sie und ihr Umfeld stehen unter Denkmalschutz.
Finden könnt ihr beides in der Brückenstraße , nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen.
Das Karl – Marx – Monument ist die zweitgrößte Porträtbüste der Welt.
Dahinter liegt das Gebäude des ehemaligen Rates des Bezirkes, das ab 1980 Domizil der SED – Bezirksleitung war.
Ein Teil seiner Außenfläche setzt das Kunstwerk der Plastik fort, indem eine Außenwand den Schriftzug “ Proletarier aller Länder vereinigt euch “  – ein Zitat aus dem Kommunistischen Manifest – trägt.
In 4 Sprachen, deutsch, russisch, englisch und französisch, ist es zu lesen.
Geschaffen wurde es von einem Künstlerkollektiv aus Aue um den Grafiker Helmut Humann herum.
Die Plastik heißt im Volksmund Nischel, das ist das sächsische Wort für Schädel oder Kopf.
Die davor befindliche Straße nannte man demzufolge Nischelgasse.
Der Begriff “ Parteisäge “ für den Gebäudekomplex setzt sich zusammen aus seiner Form und seinen Nutzungszweck als Parteigebäude.

image

Sägezahnartig fortgeführt erstreckt sich das Gebäude über die gesamte Straßenfront, in einer für den Baustil der DDR typischen Architektur.
In ihm befinden sich auch heute staatliche Ämter und Institutionen.
Im Erdgeschoss befanden und befinden sich Ladengeschäfte.
Zu DDR Zeiten war unter anderem eine gut sortierte Bücherei dort beherbergt. Bücher waren preiswert und gut, vielfältig und begehrt.
Von den nach der Wende dort eingezogenen Läden existieren die wenigsten noch. Der Großteil steht leer.
Vorm Nischel treffen sich Skater und sausen über die glatte Oberfläche des Sockels und in den späteren Abendstunden kommen die, welche nicht gern zu Hause sind und trinken sich das Leben leichter.

image

Chemnitz wurde am 10.5.1953 in Karl
– Marx – Stadt umbenannt.
Das war der Auslöser für den Auftrag zur Schaffung eines Karl Marx Denkmals.
Von verschiedenen Vorschlägen setzte sich die Variante des Kopfes,  geschaffen vom Bildhauer Lew Kertel,  durch.
Sie wurde in der Leningrader Kunstgießerei Monument Skulptura in Bronze gegossen und für den Transport in 95 Einzelteile zerlegt.
Das Zusammenschweißen vor Ort sollte ursprünglich durch sowjetische Firmen erfolgen, jedoch fand sich keine, die dazu in der Lage war.
Der VEB Germania übernahm und setzte das Monument wieder zusammen.
Das Denkmal steht auf zwei Sockeln aus Korninskij – Granit.
Am 9.10.1971 wurde es vor 250.000 Menschen feierlich eingeweiht. Zu den Gästen zählte auch ein Nachfahre von Karl Marx.
Es war der Startschuss für eine Umgestaltung der Stadt in eine sozialistische Großstadt.
Die Gründung kasernenartiger Wohnsilos, den Plattenbauten der Neubaugebiete, folgte auf dem Fuße.
Billiger Wohnraum in uniformierten Blocks für die arbeitende Bevölkerung.
Vermeintlicher Luxus der gleichmachenden Einheit mit Fernwärme und fließend warm Wasser auf so wenig Raum wie möglich,  wie in “ Utopia “ von Thomas Morus.
Zurück zum Nischel.
Nach der Wende gab es Spekulationen über einen Verkauf der Plastik und auch Interessenten dafür.
Die Bürger und die Stadt hängen aber an ihrer Vergangenheit, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, und legten ein Veto ein.
Auch die Anfertigung einer Kopie wurde abgelehnt.
Im Zuge einer Ausstellung war der Nischel in der Zeit vom 17.Juni 2008 bis zum 31. August 2008 über ein Gerüst begehbar gemacht. Die Daten sind absichtlich gewählt, in Erinnerung an geschichtliche Ereignisse ( 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR – und 31. August 1990 – Unterzeichnung des Einigungsvertrages- ), ob sie gut gewählt waren lasse ich im Raum stehen.
Ende 2011 begann eine umfangreiche Sanierung des Monumentes, die am 4.4. 2012 beendet wurde und ab 2012 wurde die Parteisäge saniert.
Im vergangenen Jahr noch war der Schriftzug durch Gerüste verstellt, zeigt sich seit 2015 jedoch wieder im alten, aufpolierten Glanz.
Die “ Schädelstätte “ ist zum nicht weg zu denkendem Teil von Chemnitz geworden.
Den Ausspruch “ Proletarier aller Länder vereinigt euch “ halte ich für bedeutsamer denn je.
Chemnitz. ..deine Häuser!

image