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Erinnerungen – Bahnhofstraße 18

Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich in einem villenähnlichem Gebäude, das auf drei Etagen, sechs Wohnungen beherbergte.
Mit Außenklo und die Wohnungen unterm Dach ohne fließend Wasser. Aber mit Balkon.
Es waren die frühen 70er.

Im Erdgeschoss des Hauses wohnten die verwitwete Hausbesitzerin mit ihren Eltern.
Eine gepflegte Dame – wie aus einer anderen Zeit- die bis in ihr hohes Alter schwimmen ging.
Links davon lebte ein altes, kinderloses Ehepaar. Einfache Leute, die friedlich ihre Tage gemeinsam verbrachten.
Darüber im ersten Stock zog meine Frau Mutter mit uns beiden 7- und 13- jährigen Mädchen ein und damit die zweite Witwe in der Hausgemeinschaft.
Neben uns wohnte ein altes Fräulein mit ihrem Herrn Bruder, Umsiedler aus Ostpreußen – vor allem das Fräulein war mir 7jähriger sehr zugetan – und in der oberen Etage teilten sich die dritte Witwe im Haus und noch ein weiteres Fräulein eine Wohnung. Daneben lebte ein Lehrer, der gern trank, mit seiner Frau und Tochter. Diese Familie lebte sehr für sich und zog später aus.
Im Hof des Hauses befand sich ein kleiner, parkähnlicher Garten, der einer Wäschewiese für alle Platz bot. Dort fand sich auch ein Fleck für mich und meinen Sandkasten.

Die beiden Parteien des Erdgeschosses hatten zusätzlich je einen baumumstandenen Außensitzplatz, in deren ureigenem Herrschaftsbereich mich jeder der älteren Leutchen willkommen hieß.
Vor allem das Elternpaar der Hausbesitzerin strahlte einen märchenhafte Senioreneleganz verbreitenden Charme aus.
Es waren schöne, ruhige Stunden, die ich still bei ihnen sitzend verbracht habe.
Die kleinen, eigenen, grünen Sommerinseln waren mit Blumen bepflanzt.

Auf der einen Seite blühten im Frühjahr eine Vielzahl von Märzenbechern und Schneeglöckchen zwischen zwei alten Eichen.
Vor zum Eingang hin, vorbei an der leichten Erhöhung der anderen Gartenresidenz, standen die Haselnussbüsche des Nachbargrundstücks und ein kaum mehr tragender Kirschbaum. Das alte, quietschende Eisentor schmückte sich seitlich mit Flieder und Knallerbsensträuchern.
In deren Schutz blühten zart Himmelschlüsselchen.

All das ist Jahrzehnte her. Meine Eltern hatten vor, ihren Lebensabend in diesem Haus zu verbringen. Ein Wasserrohrbruch in einem eisigen Februar machte das zunichte. Schon lange standen in dem verfallenden Gebäude Wohnungen leer. Die Wohnung über der meiner Eltern war eiskalt, das Rohr brach und das auslaufende Wasser richtete solchen Schaden an, dass meine Eltern ausziehen mussten. 

Noch immer sehe ich mich in der überschwemmten Wohnung stehen, während meine Mutter Pellkartoffeln kochte, um den Alltag zu erhalten und meinen Stiefvater versuchen von einem Auszug zu überzeugen. Nach dem Krieg war er in seine Heimatstadt zurückgelaufen, niemals wollte er sie wieder verlassen. Meiner Mutter zu liebe ist er mit umgezogen, in die Stadt in der ich jetzt lebe. Trotz größter Anstrengung hat er sich nicht einleben können und ist kurz nach dem unfreiwilligen Umzug verstorben. Noch einmal besuche ich unsere alte Wohnstätte. Sein alter Schuppen ist mittlerweile besser erhalten als das Haus.

Mein Stiefvater geht nicht mehr in seinen Schuppen, um zu werkeln, niemand geht mehr durch die Haustür in’s Innere des Hauses, in dessem Treppenhaus der Spruch hing:“Es wünsch mir Einer was er will, dem schenke Gott zehn Mal so viel.“.

Alles ist dem Verfall preisgegeben. Ich werde nicht mehr zurückkehren. Einmal noch musste ich es tun. Für meine Mutter, für meinen Stiefvater, für mich selbst.

Auf der Heimfahrt geht die Sonne unter. So wie jeden Tag.

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Platz zum Leben

Hinter unserem Haus beginnt der Wald. Neben dem Wald liegen Felder. Ich bin dankbar, so leben zu können. Der Wald muss geschützt werden. Aufforsten können wir nicht selbst. Wir tun etwas anderes, zur Waldhege und auch zu unserem Nutzen. Immer gibt es Windbruch, damit der Wald gesund nachwachsen kann, muss er beseitigt werden. 

Mein Mann hat einen Motorsägenschein und wir kaufen Holzwerbescheine beim zuständigen Forstamt. Holz das Bruch ist und somit den gesunden Wald gefährdet, dürfen wir damit für unseren Eigenbedarf nutzen. Den größten Teil hat das Forstamt selbst gefällt, für eine einzelne Person ist das zu gefährlich.

Dennoch ist das Zerlegen der Stämme und deren Abtransport eine Menge an Arbeit.

Mein Mann braucht Kraft und Zeit dafür. Zurück bekommen wir alle einen gesunden Wald und wir selber unser Feuerholz. Wenn die Stämme in transporttaugliche Stücke gesägt sind wird unser Sohn helfen, sie nach Hause zu bringen.

Vorerst besuchen wir Mädels unseren Mann, Vater und Großvater, wir bringen ihm Kaffee und Schokolade. Den knappen Kilometer schafft unsere Tochter mit der Kutsche, unser Baby gehört von Anfang an dazu. Für meine geliebte Schaukelinhaberin ist das ein wunderbarer Ausflug. Mit Gummistiefeln ausgerüstet, läuft es sich bestens in Matsch und Pfützen. Und erst recht über Stoppelfelder.

Den Rückweg nehmen wir durch den Wald, am Bach machen wir Pause. Soviel sonnenglitzerndes Wasser will durchlaufen sein.

Das ist unser Vaterland, Muttersprache inbegriffen. Gern auch umgekehrt.

Besuch in der Vergangenheit oder Die kleine Kneipe in unserer Straße

Es gibt sie nicht mehr oft – die kleinen Kneipen und Dorfgasthöfe – in denen ungestört vom Trubel der Außenwelt ein Abend in Ruhe verbracht werden kann. In meiner alten Heimatstadt gab es früher viele solcher Orte, in denen für kleines Geld ein Feierabendbier getrunken werden konnte oder ein Hackepeter, ein Strammer Max, ein Warmes Eckchen oder eine Scharfe Sache bestens und preiswert den Hunger stillten. Die Männer trafen sich dort, um das Wochenende einzuläuten, um Skat zu spielen und auch auf ein Schnäpschen, die Frauen gingen nach ihren Sportrunden dahin, um sich bei einem Glas Bier schnatternd zu erfrischen. Familien mit Kindern speisten dort zu Abend, bei den niedrigen Preisen war das ein erholsamer Ausgleich für die berufstätige Hausfrau in der DDR.

In meiner näheren Umgebung gab es „Die Linde“ und die „Zur Post“, den „Gasthof zu den drei Rosen“ und das „Deutsche Haus“. Es gab das „Tivoli“, die „Lützelhöhe“ und und und… Inzwischen sind sie alle geschlossen, bei den heutigen Bierpreisen und den, nach der Einführung des Euros, in die Höhe geschossenen Preisen der Speisen, blieben die Gäste aus und von nix kann keiner überleben. Allerorten schossen Dönerbuden und Mc…in die Höhe. Der Grieche und der Italiener machen den Kleingaststätten Konkurenz und die Menschen selbst achten nicht mehr auf Traditonen. Mehr, schneller, billiger ist die Devise, sehen und gesehen werden… Und doch gibt es immer noch ein paar dieser Orte der einfachen Gastfreundlichkeit, in denen man auch nach 40 Jahren wiedererkannt wird und der Wirt oder die Wirtin ihre Gäste freundschaftlich duzen, die Gäste sich untereinander natürlich ebenso. Wer hier eintritt gehört dazu – einfach so.

In der „Scharfen Ecke“ war ich schon als Kind mit meinen Eltern Abendbrot essen. Seit ich mit meinem Mann weggezogen bin, haben wir die Dorfkneipen unserer neuen Heimatstadt besucht. Nun zieht es uns zurück. Es ist alles wie es früher war. Im Schankraum sitzen die Stammgäste und feiern den Freitagabend. Der kleine Saal, heute wie früher Ort für Familienfeiern, lockt uns wenig, wir setzen uns in den kleinen Biergarten, der auch von der Straße aus über das alte, schmiedeeiserne Tor zu erreichen ist.

Geht man von der Gaststube aus in ihn, läuft es sich über Fliesen, deren Schönheit durch alte Läufer verdeckt ist.

Irgendwie ist das immer noch DDR. Gefördert wurde der Neubau – Plattenbauten verschandelten die Gegend – die mit liebevollen Details geschmückten Altbauten wurden dem Verfall preisgegeben. Solche Geschichte hinterlässt ihre Spuren für immer.

Einfach ist der kleine Hof des Biergartens, sauber. Eine renovierte Laube bietet bei überraschendem Regen Unterschlupf, ihre Schönheit wird verdeckt von den Sonnenschirmen der Brauerein. Wird der neue Schanktisch gesponsert, muss gezeigt sein von wem.

Das Haupt- und auch das Hintergebäude sind renoviert, die Toilette, die sich wie früher auf halber Treppe befindet, hat noch ihre alte, niedrige Tür und durch das kleine Fenster zum Hof schaut es sich durch den alten, weiß lackierten Fensterrahmen.

Ich mag solche Gebäude, sie atmen Vergangenheit, hier fühle ich mich daheim. Übersichtlich ist die Speisekarte.

Neben den typischen kalten Speisen einer sächsischen Kneipe gibt es die traditionellen warmen Gerichte, die schon in der DDR auf der Karte standen. Steak mit Würzfleisch überbacken und Rostbrätel, alle Gerichte sind wie früher aus Schweinefleisch…das gab es immer…und mit hausgemachten Bratkartoffeln dazu. Das Würzfleisch selber wird in einer Portion serviert die auch satt macht.

Neumodisch ist nur die Physalis. Südfrüchte dieser Art waren völlig unbekannt. Zu kalten und warmen Speisen gab es Weiß-oder Rotkrautsalat, geriebene Möhren und Blattsalat, diese Gemüse waren immer zu kaufen. Sie haben wunderbar geschmeckt und das tun sie heute genauso.

Urlaubstage

Im Urlaub müssen wir unbedingt in die alte Heimatstadt zurück, ihre Schönheit bewundern.

Mit der Schaukelinhaberin die alten Straßen entlang laufen, zum Ziel aller Kindheitsträume,

zum Eiscafe, das schon zu unserer Zeit die besten Torten und das beste Eis überhaupt hatte.

und beides immer noch hat.

Weiter auf den neuen Spielplatz laufen, dem eine abgerissene Fabrik Platz gemacht hat.

Schade ist es um die niedergewirtschaftete Fabrik, die wie so viele anderen nach der Wende platt gemacht wurde, der entstandene Spielplatz ist ein besonders gelungener.

Hüpfel, schaukeln, wippen, rutschen…

besonders gelungen finde ich die als Bienenkorb gebaute Kletter- und Rutschinsel.

Und immer wieder staunen über Altes im neuen Glanz.

Und setzet ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein oder nasser Pfingstgang

Meiner Stadt angegliedert ist das Dörfchen Sachsenburg. An der Zschopau gelegen bietet es weitschweifende Aussicht auf das Flussbett.

An diesem schönen Ort, unterhalb des Schlosses Sachsenburg

befand sich in der ehemaligen Spinnfabrik ab Mai 1933 ein Konzentrationslager.

50-60 Häftlinge, hauptsächlich Arbeiterfunktionäre aus Chemnitz waren während der Hitlerdiktatur dort inhaftiert. Hinzu kamen 40 Häftlinge aus Plauen.

Am 31.5.1934 wurde das KZ Colditz

https://www.google.de/amp/s/teil2einfachesleben.wordpress.com/2016/07/07/colditz/amp/

dem Sachsenburger KZ unterstellt, seine Häftlinge – darunter Bruno Apitz –

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nackt_unter_W%C3%B6lfen

wurden nach Sachsenburg verlegt. Von 1933-37 mussten insgesamt ca.2000 Menschen unter schlimmsten Bedingungen Schwerstarbeit verrichten. Ihre offene Gegnerschaft gegen den Hitlerterror mussten sie mit Inhaftierung und schwerer körperlicher Arbeit in den nahegelegenen Steinbrüchen und bei der Uferbefestigung bezahlen.

Das Gebäude des Spinnerei verfällt, unter Denkmalschutz stehend, zusehends.

Ein kleines Kraftwerk ist noch in Betrieb,

es gibt ein Museum und eine nahe gelegene Gaststätte, die sich rühmt, Helmut Kohl bewirtet zu haben.

Am 9.7.1937 wurde das KZ Sachsenburg geschlossen, 146 Häftlinge wurden in’s KZ Buchenwald verlegt, am nächsten Tag noch einmal weitere 70 Menschen.

Die Firma Tautenhahn kaufte 1938 das Gelände und gründete dort eine neue Spinnfabrik. In dieser gab es seit 1950 eine Gedenkausstellung für die Häftlinge des KZ Sachsenburgs. 1968 erfolgte die Errichtung eines Mahnmales in Form einer Steinplastik, die eine Häftlingsgruppe darstellt und die Inschrift: „Und setzet ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein.“ trägt.

Seit 1998 unterstützt die Stifung Sächsische Gedenkstätten diesen Ort, damit er nicht in Vergessenheit gerät. Die im Schloss ehemals vorhandene Ausstellung existiert lange schon nicht mehr, das Schloss selber verfällt immer mehr. Dafür wurde aus mir unerklärlichen Gründen die Schlosstreppe selber für einen hohen, fünfstelligen Betrag aufwendigst restauriert. 262 Treppen führen über 141 Meter hoch zum Schloss.

Entlang der Zschopau gibt es in diesem Tal viele weitere, angenehme Dinge, die heiter sind und Lebensfreude bringen. Auch für die Fische – die eine Fischtreppe über’s Wehr gebaut bekommen haben.

Ein Stück weiter hinten kann man über eine, nach dem schweren Hochwasser vom August 2002, neu errichtete Hängebrücke die Zschopau direkt überqueren.

Dahinter befindet sich eines der schönsten Freibäder der näheren Umgebung. Wer dahin wandert oder radelt sollte sich seines Lebens bewusst sein und Zeit für Erinnerung an diejenigen finden, die ihr Leben für die Freiheit geopfert haben. Gerade jetzt und trotz alledem!

Zum Tag

In der alte Heimatstadt gewesen, den Brunnen – geliebter Treffpunkt – besucht, kein Geldstück hineingeworfen, immer werden wir zurückkommen.

Kindheitslieblingsläden stehen noch mit altmodisch deutschem Schriftzug darüber. Kein Fun, kein to go, einfach Süßwaren. Beruhigend.

Heimat

Weich wiegt im Wind Schilf sich, streckt Blüten in die klare Luft,

Johanniskraut strahlt hellstes Gelb aus,

schwarz antworten die Beeren. Dunkel leuchten Trauben aus einem Grün, das immer blasser wird,

Äpfel säumen alle Wege.

Im Gras verstecken sich Mücken,

bis flirrend Sonne sie weckt. Knollen haben ihre Zeit gehabt, trocknen dem nächsten Jahr entgegen.

Aus gelichteten Rabatten lilat es heiter,

ein Häher brachte einen Baum der seinen Vornamen trägt,

seine Eicheln werden fallen, wenn ich lange nicht mehr bin.

Noch offenene Fenster lassen Herbstluft ins Innere, bis der kühle Abend sie schliesst.

Schätze…

…finden sich allerorten.

Nicht in überfüllten Einkaufscentern, Erlebnis- und Bespassungsparks, in denen die Fantasie der Kinder keinen Raum hat, eigene Gedanken zu entwickeln. Nicht mehr als einen autofreien Platz zum Laufen brauchen sie.

Türen in vergangene Zeiten, die ermöglichen in der neuen Zeit bewusst Fuß zu fassen, mit dem Wissen um gestern und der Freude auf morgen.

Kinderglück nicht im drehenden Rummel von Disneyfiguren, sondern auf Treppen, auf denen Aschenputtels Schuh liegen könnte.

Überschäumende Freude und handwerklicher Meisterleistung,

laufen auf Steinen, von denen jeder einzelne Geschichte(n) erzählen kann.

Fassen die Schönheit eines heißen Sommertages am geschützten Ort.

Schätze finden und bewahren.

Im Heute und im Gestern…

…nein nicht im Morgen, die Zukunft macht mir keine Angst, aber Sorgen.

Zu viele Warnschüsse, zuviel beharren auf der eigenen Meinung. Austausch finde ich wichtig, bedeutend scheint mir –  das Korregieren von Fehlern zulassen zu können. Das wird auch weiterhin Zukunftsmusik sein, oder? Bleibe ich also im Heute in meinem Leben.

Mit dem Garten haben wir uns ein Stück “ angekommen sein “ geschaffen. Er wächst langsam aber stetig. Neues kommt hinzu, so mein diesjähriges Geburtstagsgeschenk des Gärtnergatten…ein grüner Blumentopf, den ich mir schon lange wünsche. Gefüllt ist er mit dem Hinweis, die Pflanze dafür möge ich mir selbst aussuchen.

Sofort weiß ich, was ich mag…eine gelbe Rose. Keine stolze Edelschönheit, eine buschig blühende, duftende Rose wünsche ich mir. Also fahren wir in meine Lieblingsgärtnerei. Ein altes Ehepaar bewirtschaftet sie gemeinsam mit ihrem Sohn. Hier gibt es keine Schließzeiten. Die Familie lebt in und für ihre Gärtnerei. Geöffnet ist von Montag bis Sonntag, auch an Feiertagen. Drei Tage im Jahr ist lediglich geschlossen. Vor so viel Liebe zum Beruf habe ich Respekt. Alle seine schönen Rosen zeigt mir der Gärtner, erklärt genau ihre Vor- und Nachteile, ihre Ansprüche und Besonderheiten. Ich entscheide mich wieder für die Buschrose Lucia, die ich vor kurzem schon für meine Schwester hier gekauft habe.

Die Lichtbringerin – das ist ein guter Name – nicht nur für eine Rose. Beim Verlassen der Gärtnerei zeigen die beiden Leutchen uns ihre riesige Königin der Nacht. Mehrere Blüten hat sie angesetzt, wir werden eingeladen, sie zu bestaunen, wenn es soweit ist. Ich glaube nicht, dass wir der Einladung folgen. Menschenaufläufe, gleich welcher Art, sind nicht meins.

Von diesem ruhigen Ort fahren wir zu einem noch stilleren. Die Anderen besuchen, die die nicht mehr bei uns sind, aber in meinen Gedanken immer anwesend. Meinen Vater, meine Großeltern, meinen Stiefvater. Manchmal fehlen sie mir körperlich.

Weite Alleen alter Bäume gibt es, sie öffnen sich und meine Gedanken. Als wäre der Herr der Gläubigen nur noch hier bereit Stille zu schenken, breitet er seine Arme aus. Mir scheint nur für die Toten, nicht für die Lebendigen.

Im Schatten einer Tanne haben sich alle meine Lieben versammelt und warten auf mich, die ich regelmäßig, aber selten, zu ihnen komme.

An Sonnenblumen fehlt es auf den reich mit Blumen bedeckten Gräbern. Eine lasse ich zurück und gehe zu den Lebenden. Mein Garten ist meine eigentliche Heimat, nicht das Haus, nicht die Stadt in der ich lebe. Das ist seit meiner Kindheit so.

Die Lichtbringerin findet ihren Platz im Topf. Auch wenn sie nicht in voller Blüte steht, wie es die Rosen beim Jedermanngärtner tun, weiß ich sicher, dass die liebevoll gezogene Pflanze das nachholen wird.

Sie wächst der Sonne entgegen.

In welche Zukunft?

Heimisches

Die eigene Heimat hat für jeden das Fundament der Erinnerungen und des sich dazugehörig fühlens.

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Meine, im Vorerzgebirge gelegene, zeigt landschaftliche Schönheit und natürlich regionale Spezialitäten.
Einfache, sättigende Küche, die Mägen der Berg- und Industriearbeiter der vergangenen Zeiten füllend.
Einige Gasthöfe erinnern sich und bieten sehr gute, regionale Gerichte und Übernachtung, bei denen das Preis – Leistungs – Verhältnis nicht unter der Einführung des Euros gelitten hat.
Gestärkt und ausgeruht laden Wanderungen durch Sachsens Berge und Täler in die Natur.
Im Flöhatal, nahe der Augustusburg, findet sich im kleinen Ort Falkenau ein solcher Gasthof.
“ Zur Falkenhöhe “ bietet beste Küche, bequeme Übernachtung und aufmerksamen Service in Gaststube, Wintergarten und Veranda.
Der Inhaber ist der Chefkoch selbst und er versteht sein Handwerk.
https://www.hotel-falkenhoehe.de/
Von den Außenplätzen, die mit den ersten Sonnenstrahlen zu nutzen sind,
fällt der Blick frei und weit in’s Flöhatal.

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Im Untergeschoss des Hauses an der Außenseite findet sich ein Forellenbasin, die Fische landen nach Wunsch des Gastes frisch in der Pfanne.
Wir zählen die Fischlein wenn wir kommen und sind froh, wenn deren Anzahl noch genauso groß ist, wenn wir gehen.
Alle Speisen werden frisch und aus regionalen Zutaten bereitet, die Preise liegen in einer erschwinglichen Höhe.
Keine ellenlange Speisekarte wartet hier, sondern eine kleine, feine Auswahl erzgebirgischer Gerichte, ergänzt um einige Küchenklassiker.
Mein Urteil über Gasthöfe beginnt nicht mit der Sichtung des Toilettenpapiers, sondern mit der Schau der Blumen.
Hier stehen immer frische auf dem Tisch und die Blumenkästen an den Fenstern sind zu jeder Jahreszeit auf’s Liebevollste dekoriert.
Eines meiner Lieblingsgerichte findet sich auf der Karte…Buttermilchgetzen.

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Hier im Tiegel gebraten, anstatt in der Auflaufform, geschmacklich großartig.

Für einen Buttermilchgetzen braucht es:
1 kg Kartoffeln, roh und feingerieben
1/2 kg Kartoffeln, gekocht, gerieben (oder durch die Kartoffelpresse gedrückt)
500 ml Buttermilch
100 g Speck
1 Ei
Salz

Die rohen Kartoffeln sehr fein reiben und mit den gekochten, abgekühlten Kartoffeln vermischen. Die Buttermilch in die Kartoffelmasse geben und das Ei, alles zu einem glatten Teig verrühren und kräftig salzen.
Den Speck in feine Würfel schneiden und in einer Auflaufform auslassen. Etwas Lein- oder Rapsöl dazugeben und die Kartoffelmasse darauf geben.
Im Backofen bei ca.200 Grad Umluft eine knappe Stunde backen, bis die Kruste knusprig braun ist.
Dann mit dem Messer Scheiben abstechen.
Bei uns hier werden die Scheiben mit Zucker bestreut und Apfelmus dazu gereicht. Das kann aber auch, wie von mir, weggelassen werden.
Solche Gerichte verspeisten die im Kalkbruch arbeitenden Männer gern, genauso wie ihre fleißigen Frauen und hungrigen Kinder.
Sie sind wohlschmeckend und sättigend.
In dem ursprünglichen Waldhufendorf Falkenau wurde seit 1453 Kalkstein gebrochen.
In geringen Mengen wurde im Zechengrund Falkenau auch Kohle und Silber gefördert.
Zwischen 1586 und 1588 lag die Fördermenge an reinem Silber bei 120 kg.
Die Silbergruben trugen Namen wie “ Beschert Glück „, “ Junger Fürst zu Sachsen “ …
In den nachfolgenden Jahrhunderten ging die Ausbeute deutlich zurück.
Bis 1842 als letzte Grube die “ Hilfe Gottes “ ausgelassen wurde, waren über den gesamten Zeitraum bis dahin nur weitere 250 kg Silber gefördert worden.
In der 2. Hälfte des 19.Jahrunderts ernährte eine Baumwollspinnerei die Menschen.
Wanderungen in die nähere Umgebung führen in die verwitterten, sehenswerten Kalkbrüche.
Auch das Gebäude der Baumwollspinnerei steht noch, die Wende hat der Betrieb, wie so viele andere, nicht überlebt.
Die Schwedenlöcher im Schweddytal sind einen Ausflug wert.
Im 30jährigen Krieg sollen sich Bürger in den Kalklöchern vor den Schweden versteckt haben, daher der Name.
Der abgebaute Kalk diente zur Ausbesserung der Chemnitzer Stadtmauer, auch auf dem nahegelegenen Jagdschloss Augustusburg wurde er zu dessen Erbau verwendet. 

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Sehenswert ist auch die unter Denkmalschutz stehende Eisenbahnbrücke in der Hetzdorfer Schweiz das Hetzdorfer Viadukt.

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( Foto: Stadtführer der Stadt Oederan )

Im Sommer finden die müden Füße Abkühlung in einem kleinen, im Wald gelegenen Naturbad, das aus einer kühlen Quelle gespeist wird.
Weiterwandern lohnt sich.
Nicht weit entfernt, im Zschopautal, gibt es idyllische Orte, die Ruhe bringen und die staunen lassen über die Schönheit der Natur, an der sich schon der Stülpner, Karl – das ist Sachsens Robin Hood – gelabt hat.
Empfehlenswerte, ländliche Gasthöfe finden sich auch hier.

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Heimat…gute Lieder über sie habe ich gelernt, wenn auch unter fadenscheinigen Fahnen.