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Zum Tag

Langsam war das Frühstück, mit einer Ruhe die nur Sonnabendmorgende schenken.

Danach liege ich tief zufrieden auf meinem Lieblingsplatz, schaue durch das große Fenster in den Garten, in dem sacht der Regen fällt und alles leuchtet in einem Grün das nur der Mai zu eigen hat und ist so voller Hoffnung, voller Ahnung auf mehr. Neben mir duftet in meiner für mich handgemachten gelbgrünen Teetasse Earl Grey. So fühlt sich für mich Geborgenheit an.


Regen

Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.

Max Dauthendey (1867 – 1918), deutscher Dichter und Maler

22.Juli

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Wie Feuerquallen hängen die Wolken am Himmel.
Und als hätte die Stadt sie berührt, so glüht sie.
38 Grad im Schatten, nicht zum ersten Mal in diesem Juli fällt das atmen schwer.
Bleischwer hängen die Glieder am klebenden Körper.
Nur langsam laufe ich durch die Stadt der Bushaltestelle entgegen.
Ferienfahrplan.
Der Stadtverkehr fährt in größeren Abständen, manchmal – dann fehlende – Minuten zu früh. Um heim zu kommen, muss ich eine knappe Viertelstunde eher los, alle Eventualitäten eingeplant, könnte ich dann einigermaßen pünktlich am Busbahnhof sein, um in den Überlandbus – oft ohne Klimaanlage –  einzusteigen.
Die Stadt ist fast menschenleer. Wer irgend kann, ist im Urlaub oder im Freibad.
Ein paar Kinder, deren Eltern das Geld für beides fehlt, haben sich den Springbrunnen zum Plantschbecken gemacht. Ihr toben bringt mir das erste aufatmen des Tages.

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Vorm Becken liegt ein kleiner Park. Auf seinen schattigen Bänken sitzen vereinzelt Menschen.
Manche wie ich, um auf den Bus zu warten. Die Haltestellenhäuschen haben Bänke aus Aluminium, sich darauf zu setzten käme dem sitzen auf einem Grillrost gleich.
Neben mir sitzt eine Frau meines Alters, in Begleitung eines jungen Mannes, der unser beider Sohn sein könnte. Die Augen der beiden sind beseelt vom Alkohol, beide suchen nach Halt, den sie sicher in ein paar Stunden – wenn es dunkel geworden ist –  aneinander finden werden. Für einen vorbeirauschenden Moment.
Auch meine Eisbude lasse ich links liegen, wonach ich mich sehne, bekomme ich dort heute nicht.
Am Nachmittag ein Treffen bei meiner Frau Mutter, Tochter und Schaukelinhaberin kommen verschwitzt dazu.
Die Kleine lacht uns die Mattigkeit kurzzeitig weg.
Zu Hause ein einsamer Abend.
Die beruhigende Kühle des Hauses wird gekrönt von heraufziehenden schwarzgelben Gewitterwolken.
Beim Weg zurück vom Garten ins Haus – vom gestrigen Abend stehen noch Stühle mit Kissen zum abendlichen Plausch bestückt, die vorm Gewitter in Sicherheit gebracht werden wollen – laufe ich bedächtig durch die ersten, schweren Tropfen und atme im beginnenden Wind tief durch.
Breit strömt der Duft des Sommergewitters durch die weit geöffneten Fenster.

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In mir krabbelt endlich wieder das Leben. Es plätschert dahin.
Ein in der Nähe einschlagender Blitz macht mit seinem lauten Donner bewusst, wie geborgen sich die Nähe des geliebten Menschen anfühlt.
Später.

Stille

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Nur schwach durchdringt ein Sonnenstrahl das Himmelgrau. Trotzdem wirkt nichts trist in diesem überfluteten Grün darunter, das hinter meiner offenen Verandatür beginnt.
Milde 20 Grad strömen in’s Zimmer, begleitet von einem Duft, den nur der Garten schenkt. Nach Wiese und Bäumen, bald blühen Holunder und Jasmin.
Barfuß stehe ich auf meinen glatt spiegelnden Küchenfliesen, die Füße genießen deren Kühle, sind den Hackenschuhen entflohen, fühlen Kontakt zum Boden.
Hinter mir ist der Backofen noch warm vom Kuchen. Sein Geruch vermischt sich mit dem Gesang einer Amsel, die draußen im Garten ihr Abendbrot besingt.
Meine Hände schälen quietschend frische Spargelstangen, wickeln sie in rotglänzenden Schinken.
Die Gedanken fließen entspannt dahin, dem Gärtnergatten entgegen, der sich bald, auf’s gemeinsame Essen freuend, auf die Heimfahrt begibt.
Stille umgibt mich, dankbar gebe ich mich ihr hin.

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Ich bin zuhause …