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Zucker für die Seele…

… nein, nichts zum Naschen.
Ein Duft.
Für Männer und Frauen.

Traverse Bosphore von L’Artisan.

Die Überquerung des Bosporus,
der innereurasischen Grenze also.
Jean-François Laporte gründete 1976 in Paris die Marke L’Artisan.
Der Name bürgt für ein Nischenprodukt kunsthandwerklicher Parfumeherstellung.
Bertraund Duchaufour ist der Künstler hinter dieser Überquerung des Bosporus. Inspiriert wurde er von einer Reise nach Istanbul.

Es ist fast Winter, ich suche Wärme, ich brauche Süßes.
Die Farbe der Flüssigkeit schimmert rotgolden im schlicht, edlem Flakon, das eine klare, rote Linie ziert.
Einen Tropfen gebe ich auf meine Haut und schließe die Augen.
Der Wirbel beginnt, ich lasse mich treiben,  treiben durch alle Düfte des Orients. Alle Sinne öffnen sich.
Die Kopfnote – unmittelbar nach dem Auftragen wahrzunehmen – verspricht rote, reife Äpfel und Granatapfel, Safran und Ingwer.
Ich jedoch bin sofort im Herzen des Duftes und fühle mich in einen exklusiven Herrenclub versetzt.
Tabak der edelsten Sorte mischt sich mit dem Geruch von Leder gediegener Sessel. Aber der Tabak duftet süß, mir ist wohl dabei, ich fühle mich angezogen davon.
Das liegt an der Iris, die neben dem Tabak und dem Leder in der Herznote ruht.
Kaum ein Duft, den ich mag, kommt ohne Iris aus.
Dabei ist es nicht die Blüte, welche die pudrige Süße bringt, die harmonisiert. Die Wurzel der Iris liefert das Duftöl, so bleibt der Duft geerdet,elegant, wirkt buttrig,  weich und schwingt schon in die Basis, greift dort den weißen Nougat auf und die Süße des Lokum – einer türkischen Süßspeise auf der Basis von gelierter Stärke und Zucker –  und erweitert sofort die Männerrunde, bringt Mauern zum Fall und lässt den Weg frei in die umliegenden Gärten, in denen nun der Safran das Gold seines Öles aus den tieforanggoldenen Fäden seiner zarten Blüten freigibt und sich mit der nach Honig duftenden türkischen Rose vermischt.
Jetzt erst tauchen sanft, kaum wahrnehmbar die rosa Tulpen auf und verhindern mit ihrer Frische, dass der Duft in’s Süße, Schwere abdriftet und mich betäubt.
Ich bleibe die Herrin des Duftes,  ich trage ihn, nicht er mich.
Der Granatapfel schwingt eher rauchig als fruchtig und das Parfum kommt mir so prall vor, wie es die Kerne dieser Frucht sind.
Der Duft haftet gut, über Stunden habe ich das Gefühl gerade an einem Pistazieneis zu riechen, das mir mit lederbehandschuhter Hand gereicht wird.
Ich lasse mich fallen, öffne mich, spüre die Sonne in der die Pistazien reiften. Selten habe ich Pistazie in einem Duft so angenehm heraus gespürt.
Die Basisnote nimmt mich völlig gefangen.
Atlaszedernholz ist lang anhaltend , tief, und gepaart mit Moschus – der belebt und die Schwere runder macht – den ganzen Tag spürbar.
Der dunkle Duft mischt sich mit dem Schmelz weißen Nougats und lässt die Sinnlichkeit der Frauen ahnen, die mit weichen Schritten auf die Männer zugehen und dabei orientalische Süssigkeiten – Lokum – bringen.
Dieser Duft vermittelt mir Animalisches, Aphrodisierendes, lässt jede Kälte vergessen, gibt mit seinem Ledergeruch die Kraft eines starken Tieres, das sich der Majestät seines Wesens bewusst ist.
Ich drehe den Kopf, öffne die Augen und bade in der Süße von Zucker, der mich weich und gelassen stimmt, den der Ingwer aber nicht dominieren lässt und der mich weiter wärmt.
Mit diesem Duft ist mir vor stärkster Kälte nicht bange.
Einem Mann der Pistazieneis mag, kann ich vertrauen, mit einer Frau, die die Kraft des Leders zu nutzen weiß, kann ich Pferde stehlen.
Beide vereint die Liebe zur Intensität des Lebens,  die nur die Sonne des Orients seinen Farben und Gerüchen bringt.
Ein Duft, wie ein Weihnachtsgeschenk an den/die Liebste/n.