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Früchtchen aus Nachbars Garten oder Spillinge

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Spillinge sind eine Pflaumenart, genauer genommen eine Wildpflaume. Selten noch zu finden, jedoch voller Geschmack und sehr gesund, gibt es zu der hier gezeigten gelben Sorte auch Arten mit leuchtend roten Früchten.
Bis 1900 waren die aromatischen Spillinge auf jedem Markt zu finden. Heutzutage gibt es sie nur noch in unserer Gegend – also im Osten Deutschlands – und im Norden. Die kleinen Früchte sind schwer maschinell zu bearbeiten, das brachte sie in’s Aus.
Bedauerlicherweise.
Ihr Geschmack ist einzigartig fruchtig-säuerlich und geht bei sehr reifen Früchten in ein honigsüßes Aroma über. Reife Früchte bringen es auf einen Zuckergehalt von 19%.
Der Baum blüht im Frühjahr als einer der ersten im üppigen weiß, damit sind Spillinge eine wichtige Bienenweide.
Vereinzelt findet man sie in meiner Gegend in Gärten mit altem Baumbestand und auch wild wachsend.
Mein Nachbar besitzt noch aus dem Nachlass des Voreigentümers seines Hauses einen Spillingsbaum, der jedes Jahr über und über blüht und massenhaft Früchte trägt. Schon als ich Kind war, wurde ich von den beiden alten Leutchen mit den Früchten beschenkt. Noch immer trägt der Baum jährlich reiche Frucht und sein neuer Besitzer setzt die alte Tradition des nachbarlichen teilens fort. Seinen Vorgängern würde das sehr gefallen und mir ist es eine immer wiederkehrende Freude.
Nach einem Sturm schmücken die herabgefallenen Früchte den gesamten Fußweg, er kehrt die gelbe Pracht dann einfach zusammen. Es sind zu viele…
Nun hat er am Wochenende die Leiter in den Baum gestellt und pflückt den ganzen Tag die goldgelbe Last.
Spillinge ergeben köstlichstes Kompott und durch ihre hohe Fruchtsäure eine feine – sehr gut gelierende – Marmelade, für alle die es gern leicht säuerlich mögen.
Zudem sind die Früchte sehr gesund.
Die Fruchtschale enthält viele Pflanzenstoffe, die vor Herzinfarkt und Krebs schützen. Spillinge helfen mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen bei Gallen- und Leberproblemen sowie bei Stoffwechselerkrankungen. Zu den Inhaltsstoffen gehören: Carotin, Vitamin B1, B2 und B6. Weiterhin Niacin, Panthenolsäure, Folsäure und selbstverständlich Vitamin C. Auch mit Spurenelementen ist die kleine Frucht großzügig bedacht. Eisen, Zink, Kupfer, Kalzium und Magnesium liefert sie uns.
Die in den Früchten enthaltene Fruchtsäure fördert zudem die Sekretion der Speicheldrüsen, was appetitanregend wirkt. Diese Eigenschaft unterstützt die Genesung bei schweren Erkrankungen.
So klein wie der Spilling ist, genauso wertvoll ist er.

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Es ist mit etwas Aufwand verbunden, die nur daumenkopfgroßen Spillinge zu entkernen. Für knappe 5 Kg brauche ich eine reichliche Stunde.

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Magdarbeiten liegen mir aber und ich kann, während die Hände fleißig beschäftigt sind, die Textsicherheit meiner Volkslieder auffrischen, die Schaukelinhaberin singt gerne mit, soll sie den Text lernen, muss er bei mir sicher sitzen.
So vergeht die Zeit schnell und im kühlen Haus lässt es sich aushalten.

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Einige der leckeren Pfläumchen landen in meinem Mund, der Rest wird püriert.
Mit Schale selbstverständlich. Es ist nicht möglich, die kleinen Früchte zu häuten und die Schale enthält die wertvollsten Inhaltsstoffe. Nur die Farbe der Marmelade wird dadurch ein wenig dunkler.

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Ein Teil des Fruchtpürees friere ich ein, ich werde ein Eis daraus machen…vielleicht im Winter. ..
3 Liter koche ich zu Marmelade, die sehr gut geliert und mit ihrem säuerlichen Geschmack eine ganz besonders köstliche ist. Ich mische Gelierzucker 3:1 und 2:1 hälftig und gebe die entsprechende Fruchtmenge dazu. Noch ein bisschen Ascorbinsäure hinein, damit die Farbe aufhellt und der säuerliche Geschmack betont wird und dann alles zum kochen bringen und 5 Minuten köcheln lassen.
Kurz vor Ende der Kochzeit gebe ich noch ein paar Fäden Safran dazu.

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Die Fäden in kleine Stückchen teilen und in wenig Wasser ziehen lassen und dies dann ganz zum Schluss in die Marmelade rühren. Safran verliert bei langem kochen seinen Duft. Und genau den – den herrlichen, unvergleichlichen Safranduft – möchte ich auf meinem Frühstücksbrötchen, zur Verschönerung meines Morgens haben. Und ein wenig soll er meine Spillingsmarmelade farblich verbessern.

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Es kommt ein kleiner, feiner Wintervorrat zusammen, den ich in der Familie verteilen werde.
Ein Gläschen ist für den freundlichen Nachbarn.

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Als ich es ihm – noch warm – bringe, pflückt er immer noch die feinen, rarer werdenden Früchtchen.
Es wäre zu schade, wenn der Spilling ganz in Vergessenheit geraten würde.