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Die fromme Helene oder Salbeilikör

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Es ist ein Brauch von Alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör.
Doch wer zufrieden und vergnügt, 
sieht zu, daß er auch welchen kriegt.

Wilhelm Busch
(1832 – 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller
Quelle: Busch, Bildergeschichten. Die fromme Helene,1872

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Salbei ist nicht nur ein Heilkraut, sondern bei vielerlei Gerichten notwendig und damit in der Küche unentbehrlich.
Über seine gesunde Wirkung habe ich schon erzählt.

https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/07/24/salbei-und-seine-100jaehrige-ernte-in-sachsen/

Nun gibt es einige, denen der bittere Tee aus den getrockneten Blättern nicht schmeckt.
All diejenigen sollen doch bitte Tee aus frischem Salbei probieren, er schmeckt viel besser.
Wer das immer noch nicht mag, der kann bei hartnäckigen Halsschmerzen auf einen Rachenputzer – ein kleines Salbeilikörchen – zurück greifen.
Die fromme Helene macht’s vor.
http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-fromme-helene-4139/1

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Es braucht dafür:

2 Handvoll getrockneten Salbei,
die abgeriebene Schale von 2 Zitronen,
200 g Rohrzucker,
1 Flasche Himbeergeist oder Kornbrand oder Wodka

Mir ist das zuviel, soviel Likör brauche ich nicht, ich halbiere das Rezept.
Den Salbei in ein großes Glas geben, die Zitronenschale dazu und den Rohrzucker.

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Dann gieße ich den Himbeergeist darüber.
Kühl und dunkel stellen, dabei das Glas täglich schütteln, der Zucker muss sich ganz auflösen.

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Am 18.Tag den Inhalt abseihen und in eine sauber gespülte Flasche umfüllen.

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Diese nun für mindestens sechs Wochen dunkel lagern.
Fertig ist eine wohlschmeckende Medizin.
Wird Himbeergeist verwendet, schmeckt der Likör mir am Besten.
Das ist nichts für alle Tage, aber ein gelegentlicher Genuß.
Leicht bitter-süß, zitronig und wie der beste Salbeibonbon liegt er auf der Zunge.

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Der Likör schmeckt auch gut aus frischen Salbeiblättern und Blüten angesetzt.
Nach Fertigstellung in ein hohes Glas gegeben und mit Eiwürfeln aufgefüllt ist das ein in der Provence gern getrunkener Aperitif.
Leben wie Gott in Frankreich…
Auf die Gesundheit!

Der feine, selbst gemachte Salbeilikör ist ein gern gesehenes Geschenk und das nicht nur bei alten Tantchen ( bei denen aber auch ).

Salbei und seine 100jährige Ernte in Sachsen

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In Sachsen gibt es mehrere Traditionsbetriebe.
Einer davon ist das Bombastus-Werk Freital, ganz genau die „Bombastus-Werke-AG. Es hat eigene Salbeifelder rund um die im Osterzgebirge – in der sächsischen Schweiz – gelegene Kreisstadt, die knapp 40.000 Einwohner zählt.
Insgesamt 40 Hektar werden mit Salbei bestellt.

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Damit ist Bombastus der größte Anbaubetrieb für mehrjährigen Salbei in Europa.
Die Firma hat 140 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von ca. 12 Millionen Euro Tendenz steigend.
Sie blickt auf über 100 Jahre Geschichte zurück und wurde gegründet am 1.4.1904. Die Gründungsherren waren Emil Bergmann, Max Däbritz und Otto Braune. Auf dem Gelände eines Wohnhauses in Freital betrieben sie zuerst eine Manufaktur, die kosmetische Präparate zur Mund-, Zahn-, Haar- und Hautpflege herstellte.
Aus ausschließlich natürlichen Inhaltsstoffen stellten sie ihr – bis heute fabriziertes – Mundwasser her.

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Die schnell steigende Nachfrage führte 1906 zur Grundsteinlegung des „Betriebes im Grünen“, der schon um Oktober selben Jahres seine Produktion aufnahm.
Bis 1914 wurde der Salbei aus England und Spanien importiert. Im Jahr 1914 wurden eigene Felder angelegt, die ab 1915 dann auch beerntet wurden.

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Von 1906 – 1939, also auch während des 1.Weltkrieges, gelang der ständige Aufstieg.
Ab 1920 weitete Bombastus seine Fläche auf 30 Hektar aus.
Damit wurde die Fabrik zum größtem und einzigem Anbauer von mehrjährigem Salbei in Europa.
Die Jahre 1939 – 1948 brachten durch den 2.Weltkrieg und die daraus folgende Spaltung Deutschlands einen Einbruch durch Rohstoffmangel, später kamen Exportschwierigkeiten dazu.
Trotzdem blieb Bombastus während der DDR-Zeit am Markt, auch wenn die Firma dem VEB Arzneimittelwerke Dresden untergeordnet wurde und damit ihre Eigenständigkeit verlor.
1990 wurde sie im Zuge der Wende reprivatisiert und ist seit 2000 eine kleine Aktiengesellschaft.
Die Palette der hergestellten Produkte ist groß und reicht vom Bombastus-Mundwasser über Salben bis zu Tee ’s.
http://www.bombastus-werke.net/index.php?seite=produkte
Damit besitzt Sachsen nach wie vor die größte Anbaufläche mehrjährigen Salbei’s in Europa, ein Grund auf meine Heimat stolz zu sein.
Salbei ist ein Heilkraut mit langer Tradition.
Der Volksmund sagt ihm nach, bei fast jeder Erkrankung hilfreich zu sein.
Am bekanntesten ist seine Wirkung gegen Halsschmerzen als Gurgellösung und durch seine, u.a. das schwitzen verhindernde Kraft im Tee.
Salbei wirkt adstringierend, antibakteriell, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend und tonisierend.
Dies ist seinen wertvollen Inhaltsstoffen zu danken, zu denen ätherische Öle, Flavoide, Gerbstoffe,  Rosmarinsäure, d-Kampfer, Menthol, Saponine, Harz, Salven, Zink und Salizylsäure gehören.
Rundrum gesund also.
Schön ist das Kraut und eine Zierde für jeden Garten.

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Das erste und das letzte Foto zeigen Purpursalbei, der durch seine dunkleren Blätter beeindruckt.
Sehr schätze ich den bitter-herb-frischen Geruch der Salbeipflanze und selbstverständlich darf sie in meinen Tee’s nicht fehlen.
Am liebsten mag ich Salbeitee vom frischen Kraut, der gerade in der Hitze der letzten Tage wunderbar erfrischend und schweißlindern wirkt.