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Heimisches

Die eigene Heimat hat für jeden das Fundament der Erinnerungen und des sich dazugehörig fühlens.

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Meine, im Vorerzgebirge gelegene, zeigt landschaftliche Schönheit und natürlich regionale Spezialitäten.
Einfache, sättigende Küche, die Mägen der Berg- und Industriearbeiter der vergangenen Zeiten füllend.
Einige Gasthöfe erinnern sich und bieten sehr gute, regionale Gerichte und Übernachtung, bei denen das Preis – Leistungs – Verhältnis nicht unter der Einführung des Euros gelitten hat.
Gestärkt und ausgeruht laden Wanderungen durch Sachsens Berge und Täler in die Natur.
Im Flöhatal, nahe der Augustusburg, findet sich im kleinen Ort Falkenau ein solcher Gasthof.
“ Zur Falkenhöhe “ bietet beste Küche, bequeme Übernachtung und aufmerksamen Service in Gaststube, Wintergarten und Veranda.
Der Inhaber ist der Chefkoch selbst und er versteht sein Handwerk.
https://www.hotel-falkenhoehe.de/
Von den Außenplätzen, die mit den ersten Sonnenstrahlen zu nutzen sind,
fällt der Blick frei und weit in’s Flöhatal.

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Im Untergeschoss des Hauses an der Außenseite findet sich ein Forellenbasin, die Fische landen nach Wunsch des Gastes frisch in der Pfanne.
Wir zählen die Fischlein wenn wir kommen und sind froh, wenn deren Anzahl noch genauso groß ist, wenn wir gehen.
Alle Speisen werden frisch und aus regionalen Zutaten bereitet, die Preise liegen in einer erschwinglichen Höhe.
Keine ellenlange Speisekarte wartet hier, sondern eine kleine, feine Auswahl erzgebirgischer Gerichte, ergänzt um einige Küchenklassiker.
Mein Urteil über Gasthöfe beginnt nicht mit der Sichtung des Toilettenpapiers, sondern mit der Schau der Blumen.
Hier stehen immer frische auf dem Tisch und die Blumenkästen an den Fenstern sind zu jeder Jahreszeit auf’s Liebevollste dekoriert.
Eines meiner Lieblingsgerichte findet sich auf der Karte…Buttermilchgetzen.

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Hier im Tiegel gebraten, anstatt in der Auflaufform, geschmacklich großartig.

Für einen Buttermilchgetzen braucht es:
1 kg Kartoffeln, roh und feingerieben
1/2 kg Kartoffeln, gekocht, gerieben (oder durch die Kartoffelpresse gedrückt)
500 ml Buttermilch
100 g Speck
1 Ei
Salz

Die rohen Kartoffeln sehr fein reiben und mit den gekochten, abgekühlten Kartoffeln vermischen. Die Buttermilch in die Kartoffelmasse geben und das Ei, alles zu einem glatten Teig verrühren und kräftig salzen.
Den Speck in feine Würfel schneiden und in einer Auflaufform auslassen. Etwas Lein- oder Rapsöl dazugeben und die Kartoffelmasse darauf geben.
Im Backofen bei ca.200 Grad Umluft eine knappe Stunde backen, bis die Kruste knusprig braun ist.
Dann mit dem Messer Scheiben abstechen.
Bei uns hier werden die Scheiben mit Zucker bestreut und Apfelmus dazu gereicht. Das kann aber auch, wie von mir, weggelassen werden.
Solche Gerichte verspeisten die im Kalkbruch arbeitenden Männer gern, genauso wie ihre fleißigen Frauen und hungrigen Kinder.
Sie sind wohlschmeckend und sättigend.
In dem ursprünglichen Waldhufendorf Falkenau wurde seit 1453 Kalkstein gebrochen.
In geringen Mengen wurde im Zechengrund Falkenau auch Kohle und Silber gefördert.
Zwischen 1586 und 1588 lag die Fördermenge an reinem Silber bei 120 kg.
Die Silbergruben trugen Namen wie “ Beschert Glück „, “ Junger Fürst zu Sachsen “ …
In den nachfolgenden Jahrhunderten ging die Ausbeute deutlich zurück.
Bis 1842 als letzte Grube die “ Hilfe Gottes “ ausgelassen wurde, waren über den gesamten Zeitraum bis dahin nur weitere 250 kg Silber gefördert worden.
In der 2. Hälfte des 19.Jahrunderts ernährte eine Baumwollspinnerei die Menschen.
Wanderungen in die nähere Umgebung führen in die verwitterten, sehenswerten Kalkbrüche.
Auch das Gebäude der Baumwollspinnerei steht noch, die Wende hat der Betrieb, wie so viele andere, nicht überlebt.
Die Schwedenlöcher im Schweddytal sind einen Ausflug wert.
Im 30jährigen Krieg sollen sich Bürger in den Kalklöchern vor den Schweden versteckt haben, daher der Name.
Der abgebaute Kalk diente zur Ausbesserung der Chemnitzer Stadtmauer, auch auf dem nahegelegenen Jagdschloss Augustusburg wurde er zu dessen Erbau verwendet. 

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Sehenswert ist auch die unter Denkmalschutz stehende Eisenbahnbrücke in der Hetzdorfer Schweiz das Hetzdorfer Viadukt.

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( Foto: Stadtführer der Stadt Oederan )

Im Sommer finden die müden Füße Abkühlung in einem kleinen, im Wald gelegenen Naturbad, das aus einer kühlen Quelle gespeist wird.
Weiterwandern lohnt sich.
Nicht weit entfernt, im Zschopautal, gibt es idyllische Orte, die Ruhe bringen und die staunen lassen über die Schönheit der Natur, an der sich schon der Stülpner, Karl – das ist Sachsens Robin Hood – gelabt hat.
Empfehlenswerte, ländliche Gasthöfe finden sich auch hier.

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Heimat…gute Lieder über sie habe ich gelernt, wenn auch unter fadenscheinigen Fahnen.

Salbei und seine 100jährige Ernte in Sachsen

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In Sachsen gibt es mehrere Traditionsbetriebe.
Einer davon ist das Bombastus-Werk Freital, ganz genau die „Bombastus-Werke-AG. Es hat eigene Salbeifelder rund um die im Osterzgebirge – in der sächsischen Schweiz – gelegene Kreisstadt, die knapp 40.000 Einwohner zählt.
Insgesamt 40 Hektar werden mit Salbei bestellt.

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Damit ist Bombastus der größte Anbaubetrieb für mehrjährigen Salbei in Europa.
Die Firma hat 140 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von ca. 12 Millionen Euro Tendenz steigend.
Sie blickt auf über 100 Jahre Geschichte zurück und wurde gegründet am 1.4.1904. Die Gründungsherren waren Emil Bergmann, Max Däbritz und Otto Braune. Auf dem Gelände eines Wohnhauses in Freital betrieben sie zuerst eine Manufaktur, die kosmetische Präparate zur Mund-, Zahn-, Haar- und Hautpflege herstellte.
Aus ausschließlich natürlichen Inhaltsstoffen stellten sie ihr – bis heute fabriziertes – Mundwasser her.

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Die schnell steigende Nachfrage führte 1906 zur Grundsteinlegung des „Betriebes im Grünen“, der schon um Oktober selben Jahres seine Produktion aufnahm.
Bis 1914 wurde der Salbei aus England und Spanien importiert. Im Jahr 1914 wurden eigene Felder angelegt, die ab 1915 dann auch beerntet wurden.

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Von 1906 – 1939, also auch während des 1.Weltkrieges, gelang der ständige Aufstieg.
Ab 1920 weitete Bombastus seine Fläche auf 30 Hektar aus.
Damit wurde die Fabrik zum größtem und einzigem Anbauer von mehrjährigem Salbei in Europa.
Die Jahre 1939 – 1948 brachten durch den 2.Weltkrieg und die daraus folgende Spaltung Deutschlands einen Einbruch durch Rohstoffmangel, später kamen Exportschwierigkeiten dazu.
Trotzdem blieb Bombastus während der DDR-Zeit am Markt, auch wenn die Firma dem VEB Arzneimittelwerke Dresden untergeordnet wurde und damit ihre Eigenständigkeit verlor.
1990 wurde sie im Zuge der Wende reprivatisiert und ist seit 2000 eine kleine Aktiengesellschaft.
Die Palette der hergestellten Produkte ist groß und reicht vom Bombastus-Mundwasser über Salben bis zu Tee ’s.
http://www.bombastus-werke.net/index.php?seite=produkte
Damit besitzt Sachsen nach wie vor die größte Anbaufläche mehrjährigen Salbei’s in Europa, ein Grund auf meine Heimat stolz zu sein.
Salbei ist ein Heilkraut mit langer Tradition.
Der Volksmund sagt ihm nach, bei fast jeder Erkrankung hilfreich zu sein.
Am bekanntesten ist seine Wirkung gegen Halsschmerzen als Gurgellösung und durch seine, u.a. das schwitzen verhindernde Kraft im Tee.
Salbei wirkt adstringierend, antibakteriell, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend und tonisierend.
Dies ist seinen wertvollen Inhaltsstoffen zu danken, zu denen ätherische Öle, Flavoide, Gerbstoffe,  Rosmarinsäure, d-Kampfer, Menthol, Saponine, Harz, Salven, Zink und Salizylsäure gehören.
Rundrum gesund also.
Schön ist das Kraut und eine Zierde für jeden Garten.

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Das erste und das letzte Foto zeigen Purpursalbei, der durch seine dunkleren Blätter beeindruckt.
Sehr schätze ich den bitter-herb-frischen Geruch der Salbeipflanze und selbstverständlich darf sie in meinen Tee’s nicht fehlen.
Am liebsten mag ich Salbeitee vom frischen Kraut, der gerade in der Hitze der letzten Tage wunderbar erfrischend und schweißlindern wirkt.