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Erinnerungen an Rosenranken oder Rosenblüten und der Tee daraus

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Im Haus meiner Großeltern wohnend, lebe ich mit all meinen Erinnerungen unter einem Dach.
Sorgenfreie Tage habe ich bei den Großeltern verbracht. Ohne ihre Liebe wäre ich – da mein Vater starb, als ich 6 Jahre alt war – ein noch mehr in sich gekehrtes Kind gewesen, als ich sowieso von Natur aus war.
Das Haus und der Garten meiner Großeltern waren mir Zuflucht. Viele Wochenenden und fast die gesamte Ferienzeit habe ich hier verbracht. Der Garten war damals ein anderer als heute. Nicht besser oder schlechter – einfach ein anderer. Dort wo heute unsere  Terrasse liegt und weiter bis zum Apfelbaum erstreckte sich eine kleine Erdbeerplantage,  die den meisten Raum im Garten einnahm. Die Früchte verkauften meine Großeltern an einen befreundeten Konditor und besserten damit ihr Einkommen auf. Immer durften meine Schwester und ich davon naschen so viel wir wollten, dafür mussten wir beim ernten helfen. Ich erinnere mich noch an das abgrasen der Pflanzen und an die Lieblingssorte meines Großvaters – Mieze Schindler.
So war der Garten eher ein Nutzgarten, der aber von Blumen eingerahmt wurde. Am Ende des Erdbeerfeldes wuchsen unzählige Tulpen und es gab auch ein Rosenbeet. Meine Großmutter versuchte Rosen selber zu veredeln und hatte ihre Freude an den duftenden Schönen. Immer wollte sie mir die Unterschiede zwischen den Rosen lehren, traf aber nicht auf offene Ohren. Den Rosenstöcken konnte (und kann es bis heute nicht) ich nichts abgewinnen.
Meine Liebe galt der Kletterrose. Dunkelrot – mit unzähligen, immer nachfolgenden Blüten – stand sie an der Hausmauer und kletterte an ihrem Gestell und wuchs und wucherte so lange, bis sie im Bogen über die Haustür rankte und den Eingang des kleinen Hauses für mich in den Eingang eines Märchenschlosses verwandelte. Auf den sommersonnenwarmen Stufen der Steintreppe habe ich oft gesessen und in den Abend geträumt.
In einem kalten Winter sind diese Zweige erfroren, meine Großmutter schnitt die Rose zurück, sie hat sich jedoch nie wieder erholt und ist später eingegangen und auch nicht ersetzt worden. Meine Großeltern wurden alt, mein Großvater starb und meine Großmutter blieb allein mit dem für sie viel zu großen Haus und Garten zurück. Mit ihrer ganzen Kraft hat sie versucht es zu erhalten.
Später sind wir mit unserer kleinen Tochter zu ihr gezogen. Bald kam unser Sohn dazu und wir hatten andere Sachen im Kopf als den Garten. In den letzten Jahren haben wir ihn nach unseren Wünschen zu einem Ort des ausruhens gestaltet, der immer noch viele Stellen hat, die verändert werden wollen. Kommt Zeit, kommt Rat…
Seit dem vorigen Jahr habe ich auch wieder eine Kletterrose, nicht mit den roten Blüten der Kinderzeit, sondern weiß rankt sie an der Tür zum Garten. Ein Eingang den es früher gar nicht gegeben hat, der Gärtnergatte hat ihn später eingebaut und so sitze ich wieder auf den sommersonnenwarmen Stufen – die nun aus Holz sind – und träume im Schutz der Kletterrose in den Abend.

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Rosenblüten riechen nicht nur betörend sie haben auch Heilkräfte. Hauptsächlich werden für medizinische Zwecke die Blüten zweier Sorten verwendet.
Einmal die Rosa gallica – die Essigrose und zum anderen die Rosa centifolia – die Kohlrose.
Die Rosa centifolia wird auch Provenzrose genannt.

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Am Gartenzaun habe ich noch von den Großeltern her eine Pflanze stehen, die auch immer noch in jedem Jahr blüht.
Mit ihren gefüllten Blüten ist sie hinreißend schön und von lieblichem Duft. Centifolia bedeutet hundertblättrig und aus den hunderten von Blütenblättern lassen sich die feinsten Sachen herstellen. Rosenöl und Rosenwasser, sowie die köstlichste Rosenkonfitüre – die aus einem Sirup der Blätter gefertigt wird. Im Winter zum Tee gereicht, bringt sie den Sommer in die Gedanken und damit direkt zurück.
Für meine Teeleidenschaft besonders geeignet sind die Blütenblättern der Rosa gallica – der Essigrose.

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Die intensiv duftenden Blüten findet
man am Wegesrand und auch in vielen Gärten. In meinem habe ich eine weiße – eine Rosa alba semiplena – die wie die beiden anderen Rosensorten zu den alten Rosen zählt.

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Sie erinnert mich an die englischen Rosenkriege. Die weiße Rosa alba semiplena als Zeichen des Hauses York und die margentarote Rosa officinalis (die sogenannte Apothekerrose) als Symbol des Hauses Lancaster. Das aber ist eine andere Geschichte.
Bis Anfang des 17.Jahrhunderts gab es ungefähr ein Dutzend Sorten dieser Rose. Heute kennen wir über tausend.
Gesammelt werden die Blütenblätter während der vollen Blüte.
Sie haben Gerbstoffe und ätherische Öle in sich und helfen damit ausgezeichnet bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich.
Gerbstoffe verbinden sich auf der Schleimhautoberfläche mit Proteinen unauflöslich. Dadurch verändern sich die Eiweiße – sie denaturieren. Dies bewirkt ein zusammenziehen des Gewebes, das im allgemeinen mit adstringierende Wirkung bezeichnet wird. Es entsteht eine Schutzschicht auf der Schleimhaut, die Krankheitserreger abhält und Entzündungen verhindert. Wir spüren das als pelziges Gefühl im Mund.
Das ätherische Öl der Rosenblüten besteht zu 20 – 55% aus Citrinellol und zu 15 – 40% aus Geraniol, es hemmt das Wachstum von Bakterien und Pilzen und unterstützt so die heilende Wirkung.
Die Volksmedizin verwendet Rosenblütentee innerlich bei Durchfall, Tuberkulose, Atemwegsentzündungen, Astma und Blutungen. Äußerlich wird er angewandt bei schlecht heilenden Wunden und Lidentzündungen.
Rosenblüten sind also keinesfalls nur eine Schmuckdroge im Tee.
Einen kleinen Vorrat für meine Teemischungen habe ich mir gesammelt.

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Inzwischen sind sie getrocknet und noch immer verströmen sie ihren wunderbaren Duft, der allein schon in der Lage ist trübe Stimmungen zu vertreiben.