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Insel Rügen – Naturpark Jasmund


(Mike Oldfield – Tubular bells, Musiktipp Herr Bludgeon, Danke)

Auf der Insel Rügen befindet sich die Halbinsel Jasmund. Nördlich von Sassnitz über Lohme hinweg bis kurz vor Glowe erstreckt sich mit 3.000 Hectar Fläche, als größter Bestandteil der Halbinsel, der Naturpark Jasmund. Er verfolgt ein Ziel, das auch das meine ist – Natur schützen. Getragen von der Idee Natur sein zu lassen wie sie ist, scheint es hier gelungen, sich dem Willen der Erde zu fügen, mit dem Ziel – sie für künftige Generationen zu bewahren. Der Naturpark Jasmund ist die Wiege der deutschen Naturschutzbewegung.

11 Kilometer lang kann man den Hochuferweg entlang wandern, durch Buchenwälder, entlang am Herthasee spazieren bis zur kleinen und großen Stubbenkammer mit Viktoriasicht und Königsstuhl. Durch Erosions bedingte Abbrüche wandelt sich das hier gebotene Bild im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte stetig. Das vom Romantiker Casper David Friedrich geschaffene Bildnis der Rügener Kreidefelsen ist demnach so nicht mehr zu sehen, der Traum dieses Ortes hat sich jedoch nicht verändert. Wenn es ein Paradies geben sollte, für mich sieht es so aus. Die Kraft der Buchen ist hier tief spürbar. Es ist einer der letzten, unversehrten Buchenwälder Europas.

Zum Unesco Welterbe zählen die Alten Buchenwälder. Dieser nur in Europa beheimatete Baum würde ohne das Eingreifen des Menschens 65% der vorhandenen Fläche bedecken. Die Menschheit hat es fertig gebracht, den Bestand auf 0,02% zurückzudrängen. Beim Anblick solcher Landschaften

durchzieht mich ein schmerzhaftes Gefühl von Verlust. Inmitten der Alten Buchenwälder liegt der Herthasee.

Fast kreisförmig grenzt er an eine slavische Wallanlage – die Herthaburg – Überrest der slavischen Besiedlung im 8.-12.Jahrhundert.

Zu diesem überirdisch schönem Ort gibt es eine alte Sage – die Herthasage. In seiner Schrift Germania erwähnt Tacitus einen Ort der Verehrung der Gottheit Nerthus, die mit Hertha gleichzusetzen ist. Es ist eine uralte Gottheit, die für die Mutter Erde steht. Der Sage nach soll sich die Mutter Erde auf einer Insel im Weltenmeer gelegentlich in einen heiligen Hain begeben, einen von Kühen gezogenen Wagen besteigen und über’s Land fahren. Nach dieser Fahrt, die festliche, friedliche Zeiten brachte, wurden Wagen und Göttin in einem See gebadet. All diejenigen, die Hilfe bei diesem Bad leisteten, wurden vom See verschlungen.

Bei diesem Anblick scheint mir das ein guter Ort, um zu sterben. Im 17.Jahrhundert brachte der Chronist Philipp Clüver in seiner Germania antiqua ( Leyen 1616, Band III, S.107 ) den Herthasee, der auch Borgsee oder Schwarzer See genannt wird, damit in Verbindung. Aus heutiger Sicht ist diese Theorie unhaltbar. Der umtriebige Wirt des Gasthauses am Königsstuhl sorgte dafür, das die Legende erhalten blieb, ihm brachte das rege Kundschaft ein. Auch von einer Herthabuche geht die Sage, ihre Blattgeräusche im Wind sollen eine Rolle bei den Weissagungen der Priester gespielt haben. Inzwischen ist die alte Buche, ähnlich dieser,

umgebrochen. Weiter geht unser Weg zum Hochufer. Durch die alten Buchen sind die Kreidefelsen schon zu erkennen.

Die kleine und die große Stubbenkammer liegen im Nationalpark – Zentrum Königsstuhl. Ein Betreten des selben ist nur gegen Eintritt möglich. Stubbenkammer – der Name kommt aus dem Slavischen. Von Stopin für Stufe und von kamen für Fels.

Was ich hier sehe ist atemberaubend schön…

Ostseewasser – türkisfarben. Auf der großen Stubbenkammer liegt, 118 Meter hoch über einem Hünengrab aus den Jahren 2200-800 vor Christus, der Königsstuhl.

In den alten Zeiten, so geht die Maehr, wurde derjenige zum König gewählt, der als Erster von der Seeseite her den Kreidefelsen erklommen hatte. Neuere Geschichten erzählen von einem Schwedenkönig, der sich auf seinen Sieg einen Stuhl dorthin setzten lassen hat. Ich bleibe für mich bei den alten Erzählungen, in denen Könige ihrer herausragenden Eigenschaften wegen gewählt wurden. Die traumhafteste Aussicht hat man von der kleinen Stubbenkammer, der südlich vom Königsstuhl gelegenen Kreidewand.

Hier gibt es keine Zeit.

Obwohl Herrscher ihre Namen hinterließen. Die Viktoriasicht – der unglaublichste Ausblick meines Lebens –

benannte Kaiser Wilhelm I.anlässlich seines Besuches hier am 10.Juni 1865 nach seiner mitanwesenden Schwiegertochter – der preußischen Kronprinzessin Viktoria.

Über eine Strecke von 15 Kilometern und eine Höhe von bis zu 120 Metern ziehen sich die einzigartigen Kreidefelsen der Insel Rügen.

Es gibt sie – die wahren Wunder – dieser, unserer Welt.