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Frauen die Geschichte schrieben – Marie Le Jars de Gournay 

Frauen die sich nach Bildung sehnen, anstatt einzig im Haushalt tätig sein zu dürfen, Männer zwangen sie über Jahrhunderte in dieser Rolle zu bleiben. Nicht alle ordneten sich dem unter, kamen so in den Ruf anders zu sein. Anders sind Hexen – Hexen werden verbrannt. Einzelne Frauen (und Männer) begehrten dagegen auf. Mir scheint unerlässlich, die Rolle über die Frau sich definiert, Frauen selbst zu überlassen. War Anteil der Frau am Leben lange einzig häuslicher Gesellschaft vorbehalten, ging der spätere Sozialismus dazu über Frauen diesen Weg gänzlich zu versperren. Alleiniges Hausfrauendasein wurde Asozialität gleichgesetzt, Frauen hatten die Doppelbelastung von Berufstätigkeit und Haushalt zu meistern, ohne frei selbst darüber entscheiden zu können. Aber das ist eine andere Geschichte, ich komme darauf zurück. Bleibe ich heute bei einer Frau, die sich ihre Bildung im Selbststudium erkämpft hat – bei Marie de Gournay.

Marie de Gournay lebte vom 6.10.1565 bis zum 13.7.1645.

Als Ältestes von sechs Kindern wird das Mädchen geboren. Ihre Eltern stammen aus dem ärmeren französischem Landadel. Bildung wird ihr von Seiten ihrer Eltern her, ihrem Geschlecht wegen, verweigert. Denoch fügt sie ihrem Namen später Le Jars bei, ein Hinweis auf das von ihrem Vater erworbene Landgut. Heimlich schleicht Marie sich in die Bibliothek ihres Vaters, um sich dort über Lesen selbst zu bilden. Sie vergleicht französische mit lateinischen Ausgaben und bringt sich auf diese Art Latein bei. Mit ihren Selbststudien reifte sie zu einer der gebildetesten Frauen ihrer Zeit heran. 1588 trat sie in brieflichen Kontakt zu Michel de Montaigne

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Michel_de_Montaigne

dessen Werk sie gelesen hatte. Aus dem Briefkontakt entwickelt sich ein persönlicher und es entstand eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden gleichgesinnten Menschen. Nach dem Tod Montaignes wurde sie als dessen „Wahltochter“ zur Verwalterin seines gesamten literarischem Erbes. 1591 zieht Marie an den Hof Heinrichs IV. nach Paris, von dem sie eine kleine Pension bekommt. Sie übersetzt Tacitus, Ovid, Cicero und Vergil aus dem Lateinischen ins Französische und schreibt eigene Bücher. In ihrer Schrift „Egalité des Hommes et des Femmes“, veröffentlicht 1622, argumentiert sie…“dass Frauen Männern gleichen wie Katzen dem Kater, dass sie Priesterinnen sein können, dass Christus nur deshalb als Mann auf die Welt gekommen sei, weil er angesichts der jüdischen Frauenverachtung als Frau nichts hätte bewirken können und dass den Frauen die Gottebenbildlichkeit bloss deshalb abgesprochen werde, weil man Gott – zu Unrecht – mit einem Bart imaginierte.“ Ihr Hauptwerk besteht aus philosophischen Abhandlungen zur Moral, zur Theologie und zur Situation der Frauen. Auf dem Höhepunkt der Hexenverbrennungen lebend, wandte sie sich gegen diese und verurteilte sie. „Frauen sind das Geschlecht, dem man alle Güter versagt, um ihm als einziges Glück und ausschliessliche Tugend die Unwissenheit, den Anschein der Dummheit und das Dienen zu bestimmen.“ Eine Ehe in dieser Zeit hätte ausschliessliches Dienen und Haushaltsführung verlangt, dem verweigert sich Marie und bleibt unverheiratet.

Marie Le Jars de Gournay gilt als die Mutter des modernen Femminismus.