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Das Schöne vom Tag

Wachsende Weintraube

Von Männertreu und Maitagen

Warme, erdige Luft gemischt mit dem Duft vielerlei Blüten dringt mir entgegen, als ich am Morgen den kleinen Gartenbaubetrieb meiner Stadt betrete.
Männertreu will ich kaufen, ohne ihn wird es für mich nicht Sommer.
Vielerlei bietet der sehr gern plaudernde Chef des Familienbetriebes. 4 kleine Pflänzchen hat er noch für mich, keinen hängenden Männertreu. „Zu teuer für mich, die Leute kaufen dann nicht“ entschuldigt er sich. Dafür hat er marokkanische Minze und eine herrlich große Ananasminze, die ich ihm gern abkaufe. Von seinen Rosen schwärmt er mir vor. Im Herbst veranstaltet der kleine Betrieb jährlich eine Rosenschau, bei der es selbst gemachte Rosenbowle gibt. Selten bin ich dann bei ihm Gast, zu viel Gedränge meide ich gern.
Eine seiner schönen Rosen, eine gelbe Buschrose, nehme ich für meine Schwester mit, für mich noch gelb rankende Minipetunien.

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Mir selbst reicht meine Kletterrose. In diesem Jahr hat sie einen dicken neuen Austrieb und unzählige Blütenknospen.
Eine andere Gärtnerei hat meinen gewünschten hängenden Männertreu und so schöne Erbeerpflanzen, dass ich schwach werde und 3 Stück mitnehme.
Im Garten wuchsen früher, als die Großeltern noch lebten, unzählig viele davon. Damit besserten sich meine Großeltern ihr Einkommen auf. Die süßen Früchte verkauften sie an einen befreundeten Konditor.
Die riesige Erdbeerplantage in meinem Garten gibt es lange schon nicht mehr.
Ein paar Zeilen wird es demnächst wieder geben, damit meine Schaukelinhaberin sonnenwarme, selbst gepflückte Erdbeeren ernten kann.
Zu Hause breite ich meine Schätze aus.
Mein Gärtnergatte baut mir einen Hochtisch, damit ich den Rücken nicht so oft beugen muss.

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Mir wird behaglich bei dem Gedanken, den ganzen Tag pflanzen zu können.
Meine Fensterkästen sind bald befüllt.
In Gedanken sehe ich schon die üppig blühende Pracht.

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Die Erdbeerpflanzen stelle ich in einen Topf gepflanzt ans Lieblingsplätzchen. So kann ich sie mit der Schaukelinhaberin, an unserem liebsten Ort sitzend, gemeinsam naschen.

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Das kleine Fenster am Vorhaus hat als einziges noch keine Blumenkastenumrandung.
Mein geschickter Gärtnergatte baut sie mir.

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Später, während ich weiter mit meiner Pflanzerei beschäftigt bin, liegt er träumend in der Sonne.

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Ich habe es gern, wenn ich ihn ihn meiner Nähe habe und weiß, dass er sich wohl fühlt.
Das Lieblingsfenster hat sein grünes Kleid aus Weinblättern angezogen. Bald wird blau der Männertreu dazwischen ranken.

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In allen Blumenkästen habe ich Kräuter zwischen den Blumen. Hier zieht der zitronige Geruch der Duftgeranie durchs geöffnete Fenster, im anderen Blumenkasten hat die marokkanische Minze über den Sommer ihren Platz gefunden. Im Herbst wird sie umziehen ins Kräuterbeet.
Am Weg zur Terrasse treiben die Hortensien nun das zweite Jahr. Im vergangenen Frühjahr sind sie während der Eisheiligen erfroren und trieben nur spärlich aufholend aus.
Dieses Jahr stehen sie gut. Veilchen und Himmelschlüsselchen setzt ich zwischen sie. Die Himmelschlüsselchen habe ich aus dem Hofgarten der Eltern mitgenommen, als sie umziehen mussten. Inzwischen haben sie sich so vermehrt, das ich beginnen kann, sie überall im Garten zu verteilen. Ein Lungenkrautsenker findet Platz und Lavendel.
Narzissen und Hyazinthen aus dem Frühlingskasten der Frau Schwiegermutter habe ich dazwischen gesteckt.
In der Mitte ist ein guter Ort für die Ananasminze.
Gelbe und orange Ringelblumensamen verteile ich in alle Zwischenräume, beim Wäsche aufhängen habe ich dann fröhliche Grüße von ihnen.

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Sonnig und heiter vergeht der Tag darüber.
Für den Abend, der so warm ist, dass wir draußen sitzen können, hat mein liebes Töchterliesel uns alle zum Italiener eingeladen.
Vergnügt, beeinander zu sein schmausen wir bestens.

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Den gut gelaunten Gästen bietet sich ein heiteres Schauspiel.
Eine Gruppe junger Männer feiert Junggesellenabschied.
Sie kommen lachend und sichtlich angeheitert an die Tische und sammeln Münzen in einen Hut. Dafür, so ihr Versprechen, werden sie uns gleich erheitern.
Das tun sie wahrhaftig. Der Bräutigam zieht sich (fast) aus und ein Baderöckchen an und ertaucht unter dem Applaus aller die von seinen Freunden in den Brunnen geworfenen Münzen.

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Fröhlich zieht die lustige Truppe dann weiter. Weit werden sie nicht mehr kommen.
Einen guten Tag hat er mir geschenkt – dieser leuchtend grüne Mai.

Das Letzte vom Tag

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Erstaunlich wie langsam Zeit vergehen kann.
Es gibt sie also doch noch, die ruhigen Sonnenstunden im Grünen.
Geräusche außer Spechtklopfen fast keine.
Gelegentlich tönt aus einem Nachbargarten ein Rasenmäher.
Nicht für lange. Fast keiner will sich an diesem blauen Tag mit Arbeit beschäftigen.
Wie Katzen liegen alle in der Sonne, wohlig schnurrend, zufrieden die Augen schließend, sieht man rote Kreise tanzen.
Am Abend brennt der Rücken, Hände und Gesicht sind gebräunt.
Winterblässe? Was soll das sein?
Morgen gibt es ein Familiengartenfest.
Die kluge Frau sorgt vor.

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Die Schaukelinhaberin sagt: „Ich erzähl euch was vom Mai…

…nichts was ihr nicht selber wisst.“…
Und dennoch ist es in jedem Mai ein neues Wunder. Na ja, so sagt meine Großmutter, mir ist dieses der zweite Mai, den ich kennen lerne und er ist auf jeden Fall sehr angenehm. Es gibt ausreichend Eis zum schlecken und plötzlich steht mein Dreirad nicht mehr im Kinderzimmer, sondern auf grünem Rasen.

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Damit fährt es sich sooo gut zu Großmutters Liegestuhl.
Um nicht dauernd aufstehen zu müssen, hat sie mindestens zwei Minipackungen Gummmibärchen bei sich, davon gehe ich aus.
Überhaupt findet es meine Oma Silberlöckchen in der Sonne so herrlich wie ich und das Wasser liebt sie auch genau so sehr, sie hat mir ihren Wäschekorb mit Wasser gefüllt, damit ich alle Gänseblümchen ordentlich gießen kann.

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Meine Mama ist auch bei mir und der Papa und der Opa und der Onkel. Wir alle sind fröhlich und wenn ich will, singen die Großen mit mir gemeinsam mein Lieblingslied…auf der Mauer auf der Lauer sitzt ’ne kleine Wanze…ich könnte mich zerkullern vor lachen über ihre Freude daran.
Über den Stuhl und auf den Tisch schauen kann ich in diesem Jahr auch schon

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und Hunger habe ich sowieso von dem vielen singen.
Gut, dass es frisches Brot gibt

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und Möhren und Gurke und Tzaziki und Knoblauchcreme. Mein Opa grillt mir noch ein Würstchen und einen Käse, der auf dem Teller zerläuft…hmmm

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und dann werde ich plötzlich ganz müde.
Drehe noch einmal kurz an den Haaren meiner Großmama, kuschle mich fest in Mama’s Arm und lasse mich, Abschiedskusshändchen verstreuend, heimbringen.
Schlaf gut, lieber Mai, bis morgen.