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Klostermedizin – Das Lorscher Arzneibuch

Kaiser Karl der Große förderte das fortschreitende Kräuterstudium in den Klöstern, in dem er die Anlage von Kräutergärten vorschreibt.
Es ist wieder ein Benediktinerkloster in dem um 788 von mehreren Händen das älteste medizinische Buch des abendländischen Mittelalters verfasst wird – das Kloster Lorsch.
Erinnern möchte ich an das Lorscher Arzneibuch.

Das Lorscher Arzneibuch

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ist das bedeutenste Zeugnis der Klostermedizin aus der Zeit Karls des Großen.
Es umfasst 150 Seiten medizinisch- pharmazeutischen Wissens.
Darin finden sich u.a. eine Heilpflanzenliste und über 500 Arzneirezepturen.
Ein wichtiger Beitrag zur Medizin im Mittelalter findet sich in der Einführung.
Sie beinhaltet, nach dem Vorbild Isidors von Sevilla, eine Rechtfertigung der Klosterheilkunde.
Seitdem das Lorscher Arzneibuch 1989 auf einem Symposium der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, eröffnet sich ein neuer Blick auf die Klostermedizin.
Das Handbuch für den Mönchsarzt, der auch Apotheker war, wurde bis dahin nur von Wenigen gekannt – als Bamberger Codex.
Sein erster bekannter Besitzer war Kaiser Otto III., der es seinem Nachfolger Kaiser Heinrich II. vererbte.
Dieser schenkte es der Dombibliothek des Bistums Bamberg.
Durch die Säkularisation geriet es später in den Besitz der Kurfürstlichen Bibliothek Bamberg. In Bamberg befindet sich das Buch auch heute noch.
1992 wurde es durch Ulrich Stoll ins Deutsche übersetzt.
Das Lorscher Arzneibuch ist ein auf Kalbspergament geschriebenes, konzipiertes Nachschlagewerk, ein einführendes Lehrbuch und zugleich eine Sammlung von Arzneirezepten griechisch-römischer Tradition.
Seine Einleitung ist ein gewaltiger Fortschritt der abendländischen Medizin des frühen Mittelalters.
In ihm erfolgt eine Rechtfertigung der Heilkunde gegen Angriffe von solchen Christen, die Heilkunst als Eingriff in den göttlichen Heilplan sahen und deswegen ablehnten.
In Zitaten aus biblischen Texten wird das Recht und die Pflicht abgeleitet, durch die vom Heiligen Geist gegebene Kenntnisse und mit den von Gott geschaffenen Mitteln heilend einzugreifen.
Ob die Autoren dieser Überzeugung waren oder das nur eine geschickte Umgehung christlicher Regeln war, entzieht sich meiner Kenntnis.
Der Mensch im Mittelalter war ein Gottgläubiger, warum jedoch sollten Ahnungen nicht Einfluß gehabt haben.
Die Rechtfertigung der Heilkunde kann als Neubeginn der Medizin in der Karolingerzeit betrachtet werden.
2013 wurde das Lorscher Arzneibuch von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.
Es verbindet Erkenntnisse antiker Medizin mit christlichem Glauben und bahnt damit der Mönchsmedizin den Weg.
Abschließend möchte ich eine der mir wichtigsten Aussagen des Lorscher Arzneibuchs zitieren.
Es wird in ihm die Forderung erhoben, dass nicht nur Reichen, sondern auch Armen die Heilkunst zugänglich sein müsse.
Der Arzt solle deshalb seine materiellen Forderungen den Möglichkeiten des Patienten anpassen. Außerdem dürfe nicht nur an die teuren Spezereien aus dem Orient gedacht werden, denn auch die Berge und Wiesen der Heimat böten heilbringende Kräuter.
Ziemlich modern, oder !?
Heilkunst ist ein Akt der Nächstenliebe lehrt das Lorscher Arzneibuch.