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Und setzet ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein oder nasser Pfingstgang

Meiner Stadt angegliedert ist das Dörfchen Sachsenburg. An der Zschopau gelegen bietet es weitschweifende Aussicht auf das Flussbett.

An diesem schönen Ort, unterhalb des Schlosses Sachsenburg

befand sich in der ehemaligen Spinnfabrik ab Mai 1933 ein Konzentrationslager.

50-60 Häftlinge, hauptsächlich Arbeiterfunktionäre aus Chemnitz waren während der Hitlerdiktatur dort inhaftiert. Hinzu kamen 40 Häftlinge aus Plauen.

Am 31.5.1934 wurde das KZ Colditz

https://www.google.de/amp/s/teil2einfachesleben.wordpress.com/2016/07/07/colditz/amp/

dem Sachsenburger KZ unterstellt, seine Häftlinge – darunter Bruno Apitz –

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nackt_unter_W%C3%B6lfen

wurden nach Sachsenburg verlegt. Von 1933-37 mussten insgesamt ca.2000 Menschen unter schlimmsten Bedingungen Schwerstarbeit verrichten. Ihre offene Gegnerschaft gegen den Hitlerterror mussten sie mit Inhaftierung und schwerer körperlicher Arbeit in den nahegelegenen Steinbrüchen und bei der Uferbefestigung bezahlen.

Das Gebäude des Spinnerei verfällt, unter Denkmalschutz stehend, zusehends.

Ein kleines Kraftwerk ist noch in Betrieb,

es gibt ein Museum und eine nahe gelegene Gaststätte, die sich rühmt, Helmut Kohl bewirtet zu haben.

Am 9.7.1937 wurde das KZ Sachsenburg geschlossen, 146 Häftlinge wurden in’s KZ Buchenwald verlegt, am nächsten Tag noch einmal weitere 70 Menschen.

Die Firma Tautenhahn kaufte 1938 das Gelände und gründete dort eine neue Spinnfabrik. In dieser gab es seit 1950 eine Gedenkausstellung für die Häftlinge des KZ Sachsenburgs. 1968 erfolgte die Errichtung eines Mahnmales in Form einer Steinplastik, die eine Häftlingsgruppe darstellt und die Inschrift: „Und setzet ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein.“ trägt.

Seit 1998 unterstützt die Stifung Sächsische Gedenkstätten diesen Ort, damit er nicht in Vergessenheit gerät. Die im Schloss ehemals vorhandene Ausstellung existiert lange schon nicht mehr, das Schloss selber verfällt immer mehr. Dafür wurde aus mir unerklärlichen Gründen die Schlosstreppe selber für einen hohen, fünfstelligen Betrag aufwendigst restauriert. 262 Treppen führen über 141 Meter hoch zum Schloss.

Entlang der Zschopau gibt es in diesem Tal viele weitere, angenehme Dinge, die heiter sind und Lebensfreude bringen. Auch für die Fische – die eine Fischtreppe über’s Wehr gebaut bekommen haben.

Ein Stück weiter hinten kann man über eine, nach dem schweren Hochwasser vom August 2002, neu errichtete Hängebrücke die Zschopau direkt überqueren.

Dahinter befindet sich eines der schönsten Freibäder der näheren Umgebung. Wer dahin wandert oder radelt sollte sich seines Lebens bewusst sein und Zeit für Erinnerung an diejenigen finden, die ihr Leben für die Freiheit geopfert haben. Gerade jetzt und trotz alledem!