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Das Schöne vom Tag

Kräutersammelei

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Hitzefrei oder Kornblumen und der Tee daraus

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Manche Tage muss man einfach weiter machen, um zum Ziel zu gelangen, nicht links und nicht rechts schauen dabei…
Manche Tage muss man sich einfach schön machen, sich Zeit nehmen zum leben.
Und so ist die brütende Hitze uns willkommener Vorwand, um zeitig Feierabend zu machen.
Machen, machen, machen…erstmal machen wir gar nichts. Während der Gärtnergatte, dem es gar nicht heiß genug sein kann, die Sonne im Garten immer noch Klasse findet, verkrümmele ich mich in meine Dachkemenate und halte Siesta.
Die Hitze weckt mich und ich versuche unter der kalten Dusche meinen Körper abzukühlen, was mir nur kurzzeitig gelingt.
Am Morgen schon haben wir beschlossen, die Kornblumen in den Feldern zu bewundern und einige will ich mir auch für Tee sammeln.

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Also ziehen wir so wenig wie möglich an und starten. Im Auto gaukelt die Klimaanlage erträgliche Temperaturen vor. Aussteigend trifft uns die Hitze mit voller Wucht. Allerdings macht der Anblick der blauen Schönen im Kornfeld sie selbst mir ertragbar. Die Kornblumen wetteifern mit dem Himmel um’s tiefere Blau.
Vielerorten wurde die Kornblumen ( Centaurea cyanus) als Ackerunkraut mit Pestiziden bekämpft und ihr Bestand so auf erschreckende Weise dezimiert. In weiten Gebieten hat nur ihre zarte Schönheit sie, in Gärten versetzt, überleben lassen. Hier in meiner Region ist sie streckenweise noch immer häufig anzutreffen.
Eine blaue Freude.
Der antike Arzt Hippokrates gab ihr ihren wissenschaftlichen Namen nach dem Zentauren Chiron, der ein großartiger Kenner der Geheimnise der Natur war und den Helden Archilles mit Hilfe der Kornblume geheilt haben soll.

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Heute wird sie hauptsächlich als Schmuckdroge im Tee verwendet. Dabei braucht sie sich mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen nicht zu verstecken.
Centaurocyanin, Bitterstoffe, Blauer Farbstoff, Flavone,Gerbstoffe, Glykoside, Harz, Schleimstoffe, Wachs und Salizylsäure gehören dazu.
Im Mittelalter glaube man, die Kornblumen seien in der Lage vor der Pest zu schützen. Das nun sicher nicht, aber die Pflanze wirkt adstringierend, blutreinigend, entwässernd, entzündungshemmend, harntreibend, schleimlösend und tonisierend.
In einem Gesichtswasser verwendet sorgt sie für klare, reine Haut.
Gibt man die Kornblume in Wein erhält man ein appetitanregendes Gemisch und der Brei von ihr auf Wunden und Geschwüre gebracht, sorgt für gute Heilung.
Mir ist sie mit ihrem leuchtendem Blau als Zusatz in Tee ’s, die gegen Kopfschmerzen helfen, lieb.

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Beim pflücken der Blütenköpfe, denn nur die kommen in den Tee, vergesse ich die vorherrschenden Glut. Das tiefe Blau der Blüten beruhigt auf eine bezaubernde Art und ihre filigrane Schönheit berührt.
Das Goldährenfeld reicht bis an den Sommerhimmel und als wären es Stückchen von ihm, leuchtet es blau aus dem Feld zurück. Kornblumen als Brücke zwischen Himmel und Erde… . Wie fragil dieser Kreislauf ist, zeigen die Wetterkapriolen der vergangenen Wochen. Der Mai zu trocken, der Juni zu nass und kalt, nun folgt mit brütend heißen Hundstagen der Juli. Ein Großteil des Getreides ist notreif.  Daraus resultieren Ernteverluste, die früher Hunger bedeutet haben. Wissen wir noch, wie gut es uns geht? Vorsichtig, ohne im Feld Spuren zu hinterlassen, pflückte ich meine Blüten. Ein paar am Rande stehende Ähren nehme ich mir gegen besseres Wissen mit, ihre edle Schönheit hat den Sieg über mein schlechtes Gewissen davon getragen.
Stundenlang könnte ich weitersammeln, die Gedanken frei über die Felder gen Himmel ziehen lassen und Sommerglück genießen.
Nun aber wird dem Gärtnergatten das Warten zu lang. Er ist kein Sammler, er ist Jäger! Und er weiß, wie er mich locken kann. In der Nähe befindet sich eine einfache Dorfkneipe, die vorzügliche Hausmannskost anbietet.
Das ist ganz nach meinem Geschmack. Eines meiner liebsten Gerichte dort ist ein frisch zubereitetes Tatar.
Zu gern folge ich seiner Einladung dahin und unterbreche meine Sammelleidenschaft in freudiger Erwartung eines deftigen Abendbrotes.

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Im Schatten der Lindenbäume des Biergarten sitzend, genießen wir unser köstliches Essen.
Später wieder daheim angekommen, bietet der Garten mittlerweile erfrischende Kühle.
Meine Schätze sortiere ich noch schnell, die Blumen zum trocknen und ein paar Ähren kommen als Garbe gebündelt zum Schmuck auf die Treppe.

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Dann zieht es mich in den abendlichen  Garten. Der Gärtnergatte hat einen Eimer mit Wasser und Eiswürfeln gefüllt und eine Flasche Erdbeersekt für uns darin gekühlt.
Zum Wohl, auf Tage wie diesen.