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Kleine Gute Nacht Geschichten

https://youtu.be/K3El8CEygz4

(Musik: Wolfgang Amadeus Mozart, Eine Kleine Nachtmusik)

Allein ist sie, auch einsam? Wohin? Alles so dunkel um diese Jahreszeit.

Finster ist es. Überall. Aber da, ein Schimmern auf nassen Blättern. Regentropfen weisen im Mondschein auf Orte zum Ruhen hin.

Oder sie folgt dem quietschenden Geräusch der Maus, die unter ihrer Lieblingsbank wohnt und der sie Sonnenblumenkerne hinlegt. Versteckt hinter hohen Hecken ist es hier immer wohlig. Regenwürmer hausen und schmausen hier, Igel fressen ebendiese und auch die Nachbarskatze liebt diesen Ort, eben wegen ihrer Maus.

Ein fressen und gefressen werden also. Aber trotz des Gefressen werdens gibt es immer Maus, Katze, Igel, Regenwurm. Und alle, so scheint es ihr, sind froh in ihrem Kreislauf.

Sitzend auf ihrer Bank ist sie nicht allein, schon gar nicht einsam. Das ist sie nur draußen, dort wo sich die Menschen auffressen, ohne Hunger, ohne Grund.

Kleine Gute Nacht Geschichten

Draußen ist es kalt. Feuchte minus sechs Grad hinterlassen Kältespuren wie es sonst nur eisiger Januarwind kann.

Sie friert, tief von innen heraus. Solche Kälte kann keine Natur erzeugen, nur die von innerlich zerstörten Menschen erreichte Achtlosigkeit schafft diesen tiefsten Punkt.

Wieder hat er getrunken. Eklig schleimt sich das falsche Werben in seiner nicht mehr von ihm selbst geführten Stimme.

Weg, weg, weg.

Sie übertüncht die Glanzlosigkeit ihrer Augen mit silbernem Lidschatten. Schliest sie ihre Augen, bleibt für Außenstehende lockendes Flirren, sie selbst ist tief in ihrem Inneren erfroren. Ohne die Anerkennung der Anderen kann sie nicht sein. Tribut – den sie ungern zahlt.

Enge erzeugt das Gefühl, verachtet zu werden, weil sie einen Trinker liebt. Aschfahl wird ihr Gesicht, hinter jedem Tuscheln ahnt sie die lauernde Gefahr des vernichtenden Urteils der Nächsten, sich gern blind Stellenden.

Weg, weg, weg.

Dahin wo Alkohol Spaß macht. In die kurzen Momente musikklingender Bars, in denen jeder dieses Laster leicht zu nehmen scheint. Immer gleich dudelnde Lieder, die kein Feuer in abgestumpfte Augen bringen. 

Weg, weg, weg.

Still die Augen geschlossen, lässt sie sich in die Arme eines warm duftenden Mannes treiben. Halt ist das keiner, wohl aber Zuflucht. Sehen muss nicht können wer fühlt. Die Freiheit ist nicht mit ihr, sie hat sie verloren zwischen dem Beseitigen der Spuren des Alkoholmißbrauchs ihres Gefährten. Krampfhaft eng wird ihr Herz, wenn sie lächelnd den Geschichten zuhören muss, die er seiner Familie erzählt, wenn er sich wieder im Rausch nicht unter Kontrolle hatte, sich bei Stürzen verletzte, nicht zu verbergende Blesuren davon trug. 

Weg, weg, weg.

Gut liegt es sich beim Tanz in den Armen dieses fremden, sie begehrenden Mannes. Sie würde ihm gern folgen, kann es nicht. Noch ist ihr das Wort Liebe mehr als eben nur solches.

Weg, weg, weg.

Draußen ist es eisig. Feuchte minus sechs Grad hinterlassen Kältespuren. Sie geht ohne Mantel an den Rand dessen was sie noch ertragen kann und einen Schritt weiter.

Klirrend ist der nächste Morgen. Er bringt dem verlassenen Trinker die Nachricht von ihrem Fall an der Klippe. Für den Abend, er trinkt niemals vor 18.00 Uhr, hat er sich mehrere Flaschen Wein bereit gestellt.

Er lässt sie unbeachtet, wie er es mit seiner Liebsten getan hat. 

Sie ist endlich frei.

Große Jung’s weinen nicht!