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Klostermedizin – Isidor von Sevilla

In den Klöstern der Spätantike bzw. des frühen Mittelalters wurde durch das Studieren und Kopieren antiker Schriften ein bedeutender Beitrag zum Verständnis des menschlichen Körpers geschaffen.
Die Anerkennung natürlicher Ursachen für Erkrankung sind ein enormer Fortschritt.
Die Themen Erbschuld und Prüfung, von der Kirche oft zur Erklärung von Krankheiten bemüht, fallen weg.
Dies geschieht für einen relativ kurzen Zeitraum und hauptsächlich unter den Wissenden der damaligen Zeit, zu denen weltliche und kirchliche Fürsten zählten, die miteinander im regen Austausch standen.
Erinnern möchte ich an Isidor von Sevilla.

Isidor von Sevilla ( 560 – 636 )

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Isidor von Sevilla stammte aus der römischen Oberschicht.
Seine beiden Brüder waren ebenfalls Bischöfe, seine Schwester – zu der er brieflichen Kontakt hatte – war Nonne.
Da seine Eltern früh verstorben waren, übernahm sein älterer Bruder, der Abt im Benediktinerkloster zu Sevilla war, dort seine Erziehung.
Isidor, dem diese zu hart erschien, flüchtete aus dem Kloster, kehrte aber geläutert wieder zurück und übernahm nach dem Tod seines Bruders dessen Amt.
Als Bischof von Sevilla war Isidor der letzte bedeutende westliche Kirchenvater.
Er stellte eine Enzyklopädie zeitgenössischen und antiken Wissens zusammen –  die 20 Bücher umfassende Etymologiae – die um 623 veröffentlicht wurde.
In den 20 Büchern erläuterte er Ursprünge des Wissens der Antike.
Das 4.Buch daraus ist das heilkundige Werk “ De medicinia „.
Isidor von Sevilla steigt mit seinem Werk zum meistgelesensten Autor des Mittelalters auf, was ihm den Beinamen
“ Isidorus Hispalensis “ – Lehrmeister Spaniens – einbringt.
Er ist der letzte große Autor der Spätantike.
In seinen Büchern kompilierte er das Wissen der Antike.
Seine in Latein verfassten Werke wurden von Mönchen kopiert und so verbreitet.
Den Mönchen geboten die Ordensregeln dieses, genügend Freiraum dafür wurde geschaffen, indem in den Klöstern sklavenartig gehaltene Arbeiter die groben, notwendigen Dinge des Lebens verrichteten.
Manche Aussagen antiker Autoren sind nur noch als Zitate erhalten, Isidor fasste sie zusammen.
Damit prägte er das Wissen seiner Epoche bis in die frühe Neuzeit hinein.
Er förderte die asketische und wissenschaftliche Ausbildung der Geistlichen und die Gründung entsprechender, bischoflicher Schulen.
Mit seinem Buch “ De medicinia “ schaffte er den wichtigsten Beitrag zur Medizin im spätantiken Spanien.
Einige wenige Verse darin beschäftigen sich mit der Hausapotheke und der Kräuterkammer, die in den Klöstern angelegt werden.
Auf seine Zitate beruft sich das “ Lorscher Arzneibuch „,
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lorscher_Arzneibuch
auf das in einem späteren Beitrag zurück zu kommen sein wird.
Isidor von Sevilla gilt die Medizin als eine Fertigkeit zum Schutz und der Wiederherstellung der Gesundheit.
In einer Zeit, in der Krankheit allgemein hin als Gottesstrafe gesehen wird, hat das eine herausragende Bedeutung.
Er bejahte die Medizin ohne Vorbehalte, zu den freien Wissenschaften zählte er sie nicht.
“ Sie habe jedoch an allen Künsten teil. “ lehrte er und erhebt die Medizin zur “ zweiten Philosophie „.
“ Somit werde durch die Philosophie der Seele – durch die Medizin – der Körper behandelt. “
Bedenkt man den Zeitraum in dem er lebte, mutet das hochmodern an.
Isidor von Sevilla war seiner Zeit weit voraus.
Mit der vollen Anerkennung der Körperlichkeit des Menschen und der Sorge der ärztlichen Kunst darum, weist er der Medizin des Mittelalters, die ohnehin vom arabischem Einfluß umstrukturiert werden wird – auch darauf wird später einzugehen sein – neue Wege.