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Das Letzte vom Tag

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Jeden Tag begrüßt er mich als Erster.
Oft gehe ich in ihm in mich.
Er ist älter als ich und auch jünger.
Seine Kleider wechselt er regelmäßig, ohne den Moden zu folgen.
Vielen bietet er Heimat, so auch mir.

Der Wald vor meinem Fenster.

Das Letzte vom Tag

Mein kleiner Garten ist in meinen Augen so schön, wie der große Hotelpark den ich im Urlaub genießen konnte.
Und immer hat er, obwohl ich glaube jede Ecke zu kennen, eine Überraschung für mich.
Unsere Holzvorräte für’s abendliche Kaminfeuer sind ausreichend groß und gut nach Trockenheitsgrad geordnet.
In diesem Jahr werden wir den Stapel an der Terrassenseite verheizen.
Die ersten Lage Holz ist schon in‘ s Haus getragen und zwischen den weniger werdenden Scheiten entdeckt mein Gärtnergatte etwas Feines.
In den Kuhlen der gespalteten Hölzer haben sich Vögel, wahrscheinlich Rotschwänzchen, ihre Nester gebaut.

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Immer birgt die Natur, auch im schon Totem, Lebendiges.

Das Schöne vom Tag, Das Lied zum Tag, Das Letzte vom Tag

All in One.

So ein guter Tag !
Der keine Zeit zum bloggen lässt.
Fast;-)

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Give Peace a Chance

Erinnerungen und ein abgelassener Teich

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Auch wenn es so aussieht, nein, das ist kein Bild ländlicher Idylle.
Was hier anmutet wie eine Auwiese vor einem Waldstück ist in Wahrheit ein Teich.
Ein abgelassener Teich.
Der Schilfteich.

War ich bei den Großeltern, war mir jeder Tag ein Fest.
Alle Freiheiten genießen durfte ich und die Großmutter kochte nur, was ich gern aß.
Zusätzlich dazu gab es im Sommer allerorten kleine Feste, die auch rege besucht wurden. Da gab es nichts. Wer arbeitet, soll auch feiern. Und die Kinder sollen sowieso fröhlich sein – das Leben ist noch hart genug. So dachten meine Großeltern und danach handelten sie. Zu meinem Glück.
In den verschiedenen Gartenanlagen gab es Gartenfeste. Jedes wurde von einem Lampionumzug der Kinder gekrönt. „Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir. Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus…rabimmel,  rabammel,  rabum. “
Wie oft meine Vollmondlaterne aus Papier abbrannte und erneuert werden musste weiß ich nicht mehr. Gebrannt hat sie immer, manchmal eben auch im Ganzen, das gehörte dazu.
Selbstverständlich besuchten die Kleingärtner der unterschiedlichen Anlagen einander zu den Festen. Wer weiß, vielleicht – nein eigentlich ganz sicher – waren die eigenen Tomaten doch die schönsten.
Wenn kein Gartenfest war, konnte man den Sommersamstagabend am Schilfteich verbringen, der – wie könnte es anders sein – direkt an eine Kleingartenanlage grenzte. Durch einen kleinen Tunnel gelangte man an das weitläufige Ufer der in der Nähe fließenden Zschopau und in dieser schönen Gegend lag der kleine Teich. Weiter am Fluss entlang spazierend kommt man zu einem – an ihm gelegenen – Freibad. Doch so weit mussten wir für unsere Vergnügen gar nicht laufen. Denn… da war ja unser Teich. Sein mit Schilf begrenztes Ufer gab ihm seinen Namen. Mein Großvater war ein großer Freund von Schilf und Rußbutten, immer hat er meiner Großmutter Sträuße davon für ihre hohe Vase mitgebracht. Und auch im Garten hat er versucht es anzusiedeln, genau wie er das mit Moos probierte. Würde er heute meinen dichten Schilfbusch sehen, wäre er zufrieden und im Schatten der inzwischen hoch gewachsenen Bäume im hinteren Teil des Gartens findet sich auch sein geliebtes Moos – grün und weich wie kein Samtkissen es sein kann.
Von hohen Bäumen begrenzt lag auch der vordere Teil des Teiches im Schatten und dort fanden sich zwei Buden. In einer gab es Bier, Limo und Bockwurst und in der anderen befand sich der Verleih der Ruderboote, die am Teichufer darauf warteten, fröhliche Großväter mit ihren sie dafür abhimmelnden Enkeltöchtern aufzunehmen. Eine kleine Rudertour bis zur Teichinsel, die Hände durch das grünschillernde Wasser gleiten lassen und dann zurück zu den anderen, die am Ufer auf den Bänken sitzend warteten. Eine Gartenkantine mit einfachsten Mobilar und offenem Fenster zum Straßenverkauf bot Hausmannskost. Wir haben dort Strammen Max – das sind Spiegeleier auf Schinkenbrot – oder warmes Eckchen – Scheiben von Schweinebraten auf Brot, das von der darübergegossenen Soße herrlich aufgeweicht wird – gegessen. Viele Male.
Später war ich dann mit meinem Mann dort.
Manchmal war abends Tanz. Ein kleines Podium wurde geschmückt mit farbigen Glühbirnen, mehr brauchte es nicht.
An den Schilfteich zu laufen – undenkbar für meinen Großvater war eine Strecke von ca. einem Kilometer mit dem Auto zu fahren , sein Vater war viel mehr Kilometer täglich zur Arbeit gelaufen – zählte zu den Lieblingsunternehmungen meines Großvaters. Die Familien feierten dort zusammen kleine Feste, in der Gaststätte wurden größere Familienfeiern ausgerichtet und über alles wachte der Schilfteich und bot Abwechslung für uns Kinder, die wir so leicht dem steifen Stillsitzen entfliehen konnten. Steif blieb es in der Kantine nie lange. Ein Glas Wein löst die Zunge, die Liebsten sind alle aufeinander, macht nichts…wird es drinnen zu eng oder es gibt Unterhaltungen denen man lieber entflieht, flüchtet man an den Teich. Nicht wie heute um draußen zu rauchen, das war ja auch in der kleinen Kneipe möglich, sondern um am Teich zu stehen, auf’s Wasser schauend zu träumen, sich heimlich zu küssen…um all die schönen Dinge also zu tun, zu denen ein Sommerabend im Freien verlockt.
Eine Weile nach der Wende gab es den Teich und die Gaststätte an ihm noch. Als Reisen in den Schwarzwald und nach Bayern lockten, Inseln ständige Sonne versprachen, wurden vielen die einfachen Stühle zu unbequem. Ohne Gäste hat ein Lokal keinen Sinn und kein Auskommen und so schloss es.
Seit diesem Jahr ist das Wasser des Teiches abgelassen, aus hygienischen Gründen…
War das in früheren Jahren so, gingen der Großvater und ich zum schauen hin, so ein Ereignis durften wir uns nicht entgehen lassen. Vielleicht war im Schlick noch ein Fisch…oder wer weiß, was man alles verpasste…also hin.
Die Hoffnung,  dass ich in den nächsten Jahren mit meiner Schaukelinhaberin dorthin spazieren werde habe ich.
Fest.

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Wasser und Grün…

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…so würde ich antworten,  fragte mich jemand nach dem, was ich am liebsten mag.
Ganz in meiner Nähe liegt das Schloss Lichtenwalde, das über eine der schönsten barocken Parkanlagen Deuschlands verfügt.
1230 vom Markgrafen von Meißen erstmals als Burg erbaut, wechselte es häufig seine Besitzer und sein Aussehen.
1439 bis 1447 war es kurzzeitig im Besitz der Grafen von Vitzthum, die es auch weiterverkaufen mussten, 1764 aber erneut in den Besitz des Schlosses kamen und bis zur Enteignung 1945 auch Besitzer blieben.

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Die Parkanlage, die in ihrem Übergang vom Barock zum Rokoko einzigartig ist, wurde 1730 vom damaligen Besitzer Carl von Watzdorf angelegt und ist in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.
Zu der auf dem oberen Bild zu sehenden Tischgesellschaft komme ich später zurück.

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Der Park wirkt durch seine Terrassen und die Aufteilung in Gartenräume großzügig und bietet auf 10 Hektar viel grünen Raum.
Die Ausrichtung der Anlage geht ein auf die Beschaffenheit der Landschaft. In’s Zschopautal eingebettet, war das abfallende Gelände wichtiger Gestaltungspunkt.

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Einhundert Wasserspiele mit vierhundert Springstrahlen sind die Besonderheit der meisterlich gepflegten Anlage.

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Der Höhepunkt des Gartens ist die „Große Fer á Cherval“.
Die große Mittelfontäne ist von sieben Springstrahlen umgeben, die den sieben Künsten gewidmet sind.
Das muschelförmige Becken ist eingefasst von zwei Pavillons, dort davor sitzend fällt der Blick in’s Zschopautal.

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Der Fluß schlängelt sich durch die grüne Tallandschaft, ein Ort des Wohlbehagens und der Ruhe. Wer Stille sucht, kann sie hier an einem Wochentag finden. Im Park erklingt leise passende Musik und an keinem anderen Ort hörte ich Händel’s Wassermusik mit solchem Vergnügen.
An den Wochenenden und in den Sommermonaten ist es hier voller. Sommernachtsträume werden auch musikalisch inszeniert und locken zahlreiche Besucher an.
Jetzt möchte ich auf die eingangs erwähnte Tischgesellschaft zurück kommen.
Es sind Plastiken der derzeitigen, im Park befindlichen, Ausstellung „Alltagsmenschen“ der Künstlerin Christel Lechner. Noch bis zum 1. November sind die lebensgroßen Figuren im Park zu bewundern und tauchen auf den nächsten Fotos immer wieder auf.

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Überall im Park verstreut finden sich Brunnen – und Springbrunnenanlagen, bis 2004 wurde der gesamte Park restauriert und zeigt sich wieder in seiner ganzen Schönheit.
Einzigartig auch dieser Springbrunnen, mit den sich drehenden Eisenfontänen.

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Die jubelnden Polonaiseteilnehmer sind selbstverständlich Plastiken, wir konnten es nicht lassen, uns dazwischen zu stellen.
Sie ziehen weiter und geben den Blick auf einen neuen Springbrunnen frei.

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Das „Kronenbasin“ trägt in seiner Mitte Seerosenschmuck

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und auch von ihm aus fällt der Blick über die Terrassen auf das Zschopautal.
Statuen laden zum Anschauen ein, ein Bach rieselt leise dahin, eine kleine Brücke lädt zum überqueren, Bänke zum verweilen…dies alles in Bilder zu fassen, sprengt hier den Rahmen.
Eins muss ich unbedingt noch erwähnen. ..fest verwurzelt mit seinem Standort und mir wie immer Sicherheit und Schutz bietend, stand mein Gärtnergatte als Plastik da. Ich musste mich sofort an ihn schmiegen…

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Einen wundervollen Geburtstag habe ich mit ihm und Wasser und Grün verbracht, meine Geburtstagsgesellschaft kommt am Wochenende, ich probe schon für die Gespräche…

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Der Park vom Schloss Lichtenwalde liegt direkt vor den Toren von Chemnitz und hat in der Sommerzeit von 9.30 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet.
Ein Eintritt von 3,50 Euro ist berechtigter Beitrag zu seinem Unterhalt.
Das Schloss und der Park bieten Führungen und Ausstellungen an und im Innenhof des Schlosses befindet sich ein empfehlenswertes Restaurant. Im Sommer kann man im Innenhof der Orangerie an einem Springbrunnen speisen.

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Für den kleinen Hunger und Durst befindet sich im Parkinneren ein Kiosk.
Entlang der ehemaligen Stallungen der Gesamtanlage bieten sich weitere Möglichkeiten sich kulinarisch und künstlerisch verwöhnen und unterhalten zu lassen.

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Mit diesem Beitrag möchte ich mich bei allen Bloggern und Lesern für die liebevollen Geburtstagswünsche bedanken.
Es ist mir eine Freude, Teil unserer Gemeinschaft zu sein.
Danke.

Bilder meiner Stadt – Schilderwahrheit

Schilderwahrheit

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Zusammengefasstes

Das Jahr gleitet dahin, schon sind wir fast in seiner Mitte angekommen.
Im buntesten Monat des Jahres findet sich endlich wieder die Gelegenheit für Feste im Freien.
Gleich für mehrere.
Zum Bauheben eines befreundeten Architektenpaares nehmen wie die Schaukelinhaberin mit.
Sofort ist sie in ihrem Element.

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Auf der von Löwenzahn fast gelben Wiese, an derem unteren Ende die zum Wohnhaus umgebauten Scheue steht, 
findet sie ihr Lieblingsspielzeug vor.
Die beiden Kindern der Gastgeber teilen gern und Platz ist hier genug. Auch für ein 3. Geschwisterchen,  das bald auf der Welt sein wird.

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Umgeben von Feldern, Wiesen und Wäldern werden die drei aufwachsen.

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Immer wieder finde ich – in unserer auf Konsum und Kommerz gerichteten Zeit –  Inseln, auf denen traditionelle Werte gelebt werden. Für mich ist einer davon die Familie und deren Zusammenhalt.
Hier hat der Großvater Land und Scheune an die nächste Generation weitergegeben und diese hat mit kreativen Ideen und handwerklichem Geschick ein Zuhause geschaffen, indem Kinder glücklich und in Verbindung mit der Natur aufwachsen können.
Gleich am nächsten Tag gehen die Feste weiter, zum Geburtstag meiner Schwester trifft sich meine gesamte Großfamilie in ihrem Garten.

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Wir schlemmen ausgiebig und lassen den Tag entspannt ausklingen. Spiele vertreiben uns die Zeit und wir lachen ausgelassen. Die Zettel an der Stirn, mit dem Namen einer zu erratenden Person darauf, sorgen für Heiterkeit.

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Am Vormittag des Tages war mein Gärtnergatte schon zu Besuch im Reich der Supergärtnerin. Von dort hat er einen ganzen Kofferraum voller Schätze mitgebracht.

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Deren sattes Grün leuchtet mit meinen Augen um die Wette.
Und es gibt eine Neuerung, die mir meine Arbeit erleichtert.
Mein Gärtnergatte hat einen Zusatzjob als Ingenieur übernommen. Um mir meine Blumengießerei noch mehr zu erleichtern, hat er eine zweite automatische Beregnung in der anderen Rabatte angelegt. Das allein ist schon fein, wird aber noch besser.

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Die Steuerung der Pumpe hat mein genialer Mann mit der Hausautomatisierung verbunden. Eine App dazu habe ich auf meinem Handy.
Das bedeutet am Ende…ich setze mich am sonnigen Nachmittag unter meinen Sonnenschirm, lege die Füße hoch und trinke frischen Minzetee. Nur eine kleine Wischerei auf meinem Handy und es beginnt in kaskadenartigen Fontainen,  die in der Sonne glitzern, den Garten zu beregnen.
Entzückend!
Zeit sparend!
Entspannung – die uns unser ganzer Garten bietet.
In der Gartenarbeit findet mein Gärtnergatte die Ruhe wieder, die ein langer, hektischer Arbeitstag schon mal rauben kann.
Und ich…ich freue mich auf neue Lieblingsplätzchen, atme tief die  Apfelblütenduftluft und genieße jede Sekunde der dahineilenden Zeit.

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Leeres – Geschichte(n) eines Hauses

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Das ist das Krankenhaus meiner Heimatstadt.
Es steht seit Ende 2013 geschlossen und ist leer.

Hier habe ich das Licht der Welt erblickt.
Meine Tochter wurde hier geboren.
Als mein Sohn auf die Welt kam, wurde die Geburtsabteilung renoviert – bevor sie dann doch ausgelagert und geschlossen wurde – deshalb ist Karl-Marx-Stadt sein Geburtsort.
Was habe ich in diesem Haus alles erlebt.
Ab 1984 habe ich dort meine Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen.
Damals hatte ich ein kleines Kind zu versorgen und mein Mann war in Berlin zum Studium.
Ich habe auf der Wachstation gearbeitet.
Mir hat die intensive Arbeit am Patienten gezeigt, was Leben und was Sterben ist.
Ein Patient, der mir noch immer in Erinnerung ist, war ein älterer Herr, ein Handerwerkermeister mit schneeweißen Haaren.
Der Pflege der Patienten standen nicht die heute möglichen modernen Beihilfen zur Verfügung.
Hier meine ich keinesfalls die technischen Mittel zur akuten Therapie.
Die Mittel zur Pflege des Patienten waren damals auf völlig anderem Niveau.
Das fing bei den unpraktischen, fürchterlich schwer zu schiebenden Betten an und hörte bei der Zeit die wir mit putzen, statt am Patienten verbrachten, auf.
Wischen, Staubwischen, Toiletten – und Badreinigung war Schwesternarbeit, hauptsächlich die der Schwesternschülerinnen.
Wir hatten trotzdem mehr Zeit für die Patienten als heute und weniger Krankenhauskeime.
Die trotz seines Alters fülligen Haare des Herrn R. zu waschen, stand nicht auf der Tagesordnung.
Er war aber sehr stolz auf sie und ich glaube, die Herstellung der Gesamterscheinung eines Menschen, hilft bei seiner Genesung bedeutend.
So habe ich einen Arzt im Praktikum,  den ich aus Schulzeiten kannte, überredet, das Ende des Bettes abzuschrauben.  Gemeinsam haben wir dann, unter Aufbietung unseres ganzen Geschickes, die Haare des alten Herren gewaschen.
Dadurch gewann ich sein Vertrauen.
An die Unterhaltungen mit ihm denke ich noch immer.
Wir schafften es, seinen Zustand so zu verbessern, dass er auf eine normale Station verlegt werden konnte.
Nach einer Woche kam er im Koma zurück.
Ich habe mich nie wieder mit ihm unterhalten können und er verstarb nach einigen Tagen.
Ich habe ihn von allen in ihm steckenden Schläuchen befreit, ihn gewaschen und gekämmt.
Beim drehen des toten Körpers liefen übel riechende Flüssigkeiten aus allen seinen Körperöffnungen.
Der Tod ist kein duftendes Geschehen.
Das Gesicht wickelte ich ihm mit einer Mullbinde zu, damit das Kinn nicht runter klappt und die Augen wurden mit zwei nassen Tupfern verschlossen,  damit sie das auch bleiben.
Geschlossen.
Es gibt nichts mehr zu sehen.
Ein Zettel mit dem Namen wird an die große Zehe gehängt und das war es auf dieser Welt.
Den Abtransport in die über den Hof gelegene Leichenhalle haben wir Schwestern und Pfleger, meist die Pfleger und später dann der Hausmeister, erledigt.
Dazu musste ich erst in den Fahrstuhl, für den man damals eine Bedienungsberechtigung vorzuweisen hatte, dann durch den Garten des Krankenhauses – eines ganz wunderbaren mit einer eigenen, kleinen Gärtnerei, in der die Mitarbeiter Gemüse und Blumen kaufen konnten –  und in eine kleine Halle.
Dort wurde die Bahre mit dem Toten bis zu dessen Abholung abgestellt.
Tür zu, abschließen, weg aus dieser nach Verwesung riechenden Finsternis.
Der unerwartete Tod dieses Mannes,  der mich noch heute beschäftigt, zeigte mir deutlich, was ich schon eine Weile fühlte, dies hier ist nicht meine Zukunft.
Auch die alleinige Betreuung meiner Tochter machte ein weiteres Arbeiten im Schichtdienst nicht möglich und so habe ich nach dem Ende meiner Ausbildung in die Poliklinik gewechselt. Die war in einem anderen Haus gelegen und ich habe das Krankenhaus über einen langen Zeitraum nur noch in den Bereitschaftsdiensten in der Notfallaufnahme erlebt.
Wir Schwestern der Poliklinik besetzten abwechselnd die Notfallambulanz.
Das bedeutete: ich ging früh auf Arbeit in meine Sprechstunde und deren  Verbandszimmer, nach Beendigung holte ich meine Tochter und brachte sie zu meiner Oma, in deren Haus wir damals schon wohnten. Dann ging ich in die Notfallaufnahme, bzw.ich fuhr, wie alle Frauen damals, mit dem Fahrrad dahin. Das Klappfahrrad, welches ich hatte, besaß auch einen Kindersitz für meine Tochter.
Später bekam es noch einen zweiten für meinen Sohn dazu.
In der Notfallambulanz angekommen, war ich sofort im Geschehen.
Je nach Wetterlage kamen entweder die Schneeunfälle, mit gebrochenen Knochen oder die Gartenunfälle mit abgesägten Fingern.
Freitag und Samstags noch die Alkoholunfälle und natürlich immer Blinddarm-und Gallenentzündungen, Herzinfarkte, verschluckte Gegenstände mussten entfernt werden und Wunden genäht.
Ich habe gegipst und gespritzt,  die Patienten auf Station und zum Röntgen gefahren und natürlich am Telefon ab 18.00 Uhr die Hausbesuchswünsche akut Erkrankter aufgenommen und den diensthabenden Hausarzt (jawohl,  so etwas gab es einmal) hingeschickt. Zuvor dessen Fahrer zu ihm.
Auch nachts klingelte das Telefon und die Türglocke, so dass an Schlaf auf dem alten Sofa im Frühstücksraum der Schwestern nicht zu denken war.
Schlafen konnte ich sowieso nie, ständig war eine Kakerlake zu verjagen.
Am Morgen nach einer Katzenwäsche am Waschbecken, Dusche gab es nicht, schnell das Dienstübergabebuch geschrieben, nach Hause gesaust, Kind in den Kindergarten geschafft und in die nächste Sprechstunde gejagt.
Dafür habe ich in den ersten zwei Jahren 480 Ostmark monatlich verdient. Danach wurden die Gehälter aller Krankenschwestern deutlich erhöht.
Nach der Geburt meines Sohnes bin ich noch einmal für einige Jahre in’s Krankenhaus zurück gekehrt und habe dort die Apotheke geführt.
Das war eine Zeit, in der mir das Haus als Gebäude an’s Herz gewachsen ist.
Auf dem Dachboden war ein Speicher, den seit Jahren keiner aufgeräumt hatte.
Dort war mein liebster Ort. Es war auch das Lager der Verbandsstoffe und um mir mehr Platz zu schaffen, habe ich geordnet und gefunden…
In der staubigen Atmosphäre, die alte Dachbalken verbreiten und im diffusen, durch kreisrunde Scheiben spärlich eindringendem Sonnenlicht, Elektrolicht lag nur bedingt an,  habe ich wahre Schätze entdeckt.
U.a. Lichtschutzbrillen aus dem 1. Weltkrieg.
Im Keller des Krankenhauses lagerten meine Vorräte an Desinfektionsmitteln, ich glaube, ich kenne jeden Raum, jede geheime Abstellkammer des Hauses.
Nach der Wende wechselte ich wieder in eine Sprechstunde und habe seither das alte Gebäude nur noch als Patient betreten.
Es war den hygienischen Erfordernissen der Zeit seit langem nicht mehr gewachsen, wurde aber von zwei verschiedenen Stammhäusern weiter betrieben, die Sanierung des Sanitärbereiches nur versprachen.
Fehlplanungen in der Leitung dieser führten zum Bankrott des Hauses und trotz massiver Gegenwehr der Bevölkerung wurde das Krankenhaus am 26.12. 2013 geschlossen.
Mit der Beschwichtigung…vorübergehend.
Zum Röntgen und in Notfällen müssen die Bürger meiner Heimatstadt nun runde 20 km fahren.
Als letzte Neuigkeit über das Krankenhaus,  das über einen für Millionen sanierten OP – Bereich verfügt, hörte ich von seiner Umrüstung zur Unterbringung von Asylanten.
Das war eine lange Geschichte, aber es ist auch ein Haus voller Geschichten, ein leeres.

Alles nur Fassade

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Vom ehemaligen Hotel zum Roß meiner Heimatstadt steht nur noch die Fassade.

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Ich bin gespannt auf das Ergebnis der Rekonstruktion.

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Meine Schaukelinhaberin. ..

macht mit mir das, was alle Kinder mit uns Erwachsenen tun.
Sie nehmen uns mit in ihre heile Welt.
Wenn sie mich mit ihren braunen Kulleraugen anschaut, ist die Welt plötzlich anders.
Nicht die aufgeräumte Wohnung ist mehr wichtig, Ärgernisse der Außenwelt verblassen und ihr Duft ist mit keinem Parfum zu vergleichen.
Ein warmer Hauch von Leben und Liebe zieht über’s Wochenende bei uns ein.
Wir hatten, ganz DDR üblich, in jungen Jahren Kinder, und führen schon seit geraumer Zeit wieder ein entspanntes Leben, welches ein Paar mit erwachsenen Kindern eben hat.
Nun sind wir wieder vorübergehend zu dritt.
Mein kleines Mädchen freut sich, wenn sie Tiere sieht.
Eine Weile hat sie ihre Nase und die Fingerchen an der Scheibe platt gedrückt, und die Vögel beobachtet.
Früh am Morgen haben wir das Vogelhäuschen befüllt und nun kommen rege Gäste. Die Kleine ist begeistert und ein klein wenig enttäuscht,  dass die Tierchen sich nicht streicheln lassen wollen.
Deshalb besuchen wir im Anschluss  die Ziegen, die kann man streicheln.

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Sie sehen aus als ob sie lachen.
Wir lachen mit und geben ihnen Brot.
Eine klare, winterliche Landschaft umgibt uns.

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Die Ziegen haben ein schönes Gehege,  das in einem Naturschutzgebiet liegt, und zu Spaziergängen einlädt.
Gleich daneben befindet sich meine alte Roddelbahn.
Um sie zu benutzen reicht der Schnee nicht. Leider. Sie führt direkt ins Tal und zur Bach.
Hatte man sich verfahren, konnte man sich schon mal nasse Füße holen.
Im Tal war ich in meiner Kinderzeit am Liebsten an der Bach.
Wasser ist mein Element und gerne würde ich es auch der Kleinen nahebringen.
Es ist gut, wenn man in späteren Jahren, die nicht mehr ausschließlich voller Freuden sind, einen Platz weiss, an dem Ruhe zu finden ist.

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Wo, wenn nicht hier bin ich zu Haus, denke ich so oft ich an diese Stelle komme.
Gar nicht weit entfernt steht unser Haus.
Es sind nur noch ein paar Schritte bis wir wieder im Warmen sind.
Der leichte Schneefall über Nacht verwandelt den Matsch der letzten Tage in eine zauberhafte Winterwelt.

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Wir versuchen das Plätschern der Bach nachzumachen und lachen dabei und mir wird leicht und froh.
Durch die Zweige ist unser Haus zu sehen.
Die letzten Meter beeilen wir uns sehr.
Es wird langsam kalt, unser warmer Tee ist ausgetrunken und wir wollen schnell heim, um mit dem Gärtnergatten Mittag zu essen.

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Er wird schon auf uns warten.