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Wieso bunte Wiesen gegen Einschlafstörungen und Sodbrennen helfen oder Günsel und der Tee daraus

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Nein, das ist kein Günsel, das sind Tulpen.
Obwohl meine Vorliebe den schlichten, weniger bunten Blumenanordungen gilt – der Mai bringt Farben im Überfluss. Nach den langen, grauen Wintertagen flutet die bunte Pracht geradezu in mein Leben.
Nahezu verschwenderisch wird allerorten angepflanzt.
Dem von Menschenhand geschaffenen Bunt setzt die Natur mit ihren zart pastell blühenden Bäumen die Krone auf.

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Den Weg zu meinem Eisbüdchen kann ich zur Zeit durch ein Spalier – mit allem Blütenüberfluß bedachter – Baumreihen nehmen.
Dort entlang zu laufen, lässt mich an Wörter wie schreiten, majestätisch, herzöffnend denken.
Milde Sonne mit ihrer wohltuenden Wärme macht meinen Feierabendnachhauseweg zum Spaziergang. Zum perfekten Glück fehlt mir nur noch ein Eis.
Am Eisbüdchen angekommen, strahlt mich der italienische Eisverkäufer an…ich fühle mich wie Mona Lisa.
Irgendwie scheint er mich zu mögen, immer bekomme ich ein besonders großes Eis, aber vielleicht ist das auch nur Stammkundenrabatt.
Vorbei die Zeiten blasser, weißer Eissorten wie Marzipan oder Griesbrei, denen höchstens ein wenig Himbeersauce rot einhauchte.
Da ist es wieder.
Rötlich wie es nur von den Früchten gefärbt werden kann, säuerlich-frisch, knackig durch die kleinen Kernchen – mein über alles geliebtes Erdbeereis.
Hurra, es ist Mai.

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Nicht nur das mein Erdbereis mir ausgezeichnet schmeckt, es harmoniert farblich auf’s Feinste mit den überall blühenden Stiefmütterchen und Tulpen.
Nun wird mir der Farbrausch der Innenstadt zu bunt, sinnentaumlig laufe ich nach der Busfahrt heim und hier kommen mir ganz andere Schätzchen unter die Augen.

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Im Gras versteckt leuchtet es tiefblau in all dem Grün und verzückt auf beruhigendere Art als das Bunt der Großstadtblumen.
Eine feine Wildpflanze wächst am Wegesrand, ein altes Heilkraut.
Kriechender Günsel oder auch nur Günsel ist eine bekannte Heilpflanze, die es – dann mit rötlich gefärbten Blättern – zur Zierpflanze und als Bodendecker in viele Gärten geschafft hat.

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Günsel lindert Ekzeme. Hilft gegen Sodbrennen. Es ist in der Lage Schlaflosigkeit und Einschlafstörungen zu mindern. Mich beruhigt schon sein Anblick in den Wiesen.

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Der Tee daraus wird während der Blütezeit von April bis Juli gesammelt. Verwendet wird das Kraut und die Blätter.
Einfach das blühende Kraut abschneiden und sehr luftig trocknen. Es dürfen beim trocknen keine schwarzen Stellen entstehen.
Gerbstoffe, Glykoside, Saponine und Tannine zählen zu den wertvollen Inhaltsstoffen, die das Heilkraut auszeichnen.

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Leicht ist eine wirksame Tinktur herzustellen.
Die gereinigten Günselblätter werden mit hochprozentigem Schnaps übergossen und in einem gut verschlossen Gefäß ca. sechs Wochen lang ziehen gelassen.
Bei dem Wort Hochprozentigem fällt mir ein Geschichtchen aus Polikinikzeiten ein.
In der Apothekenbestellung gab es bisweilen einen leicht erhöhten Posten Äthanol.
Der über dem Durchschnitt liegende Verbrauch fand sich auf der Fensterbank der Anmeldung wieder, dort wo ihn kein Patientenauge finden konnte. Zur weiteren Tarnung kamen in die Äthanolflasche schwarze Johannisbeeren, deren Absud uns Schwestern dann beim Genuss eine schlaflose, mit Lachen gefüllte Nacht bescherte.
Zurück zu heilsameren.
Das Gefäß mit der Günseltinktur muss gelegentlich geschüttelt werden.
Nach der Ziehzeit die Tinktur abgießen, filtern und in Fläschchen umfüllen.
Die Anwendung der Günseltinktur lindert Verletzungen und Wunden, hilft gegen Ekzeme, Geschwüre und Ödeme.
Ein kleines Wunderwerk der Natur, das hier leuchtend schön und dennoch bescheiden am Wegrand wächst und mir meinen Heimweg verschönt.
Sein Duft ist schwer zu beschreiben.
Balsamisch,  schwach süß, unbeschreiblich frisch und auf geheimnisvolle Weise rein.
Mich könnte allein der Duft zum einschlafen bringen.

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Ach, Maimädchenträume von blühenden Wiesen…dafür werde ich hoffentlich nie zu alt.
Und ist der Mai nicht das was Erich Kästner von ihm sagt.
„…der Mozart unter den Monaten…“