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Die gold(brau)ne Gans

Es gab bei uns im vergangenem Jahr weder Martinsgans noch Weihnachtsgans. Auf meinem Speiseplan für das neue Jahr steht dieses Gericht deshalb unbedingt.
Meine Frau Mutter pflegt zu sagen:“ Die Gans ist ein hohler Braten.“
Dessen eingedenk erstehe ich 4 Gänsekeulen, anstatt eines ganzen hohlen Vogels.
Salz, Pfeffer, Beifuß, ein saurer Apfel, etwas Gänseschmalz und Gänsefond mehr braucht es nicht.
Beifuß macht den fetten Braten durch seine Bitterstoffe leichter verdaulich. Sie regen durch die Bildung von Gallesäften die Magen- und Darmfunktion an.
Wenn man ihn selber erntet, achtet man darauf, das die Blütenköpfe sich noch nicht geöffnet haben, sonst schmeckt er nur noch bitter.

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Das Gänseschmalz nehme ich zum Anbraten. Wenn es zerlaufen ist, streiche ich etwas davon mit einem Pinsel über die Gänsekeulen, bevor ich sie salze und pfeffere. So werden sie besonders knusprig,  sagt meine Frau Schwiegermutter.

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Während die Beinchen anbraten,  überlege ich mir,  wie das Märchen von der goldenen Gans begann.
Mit es war einmal. .., das ist klar.
Und dann?
Ein Mann hatte 3 Söhne, der jüngste war – wie in vielen Märchen – der Dummerjan.
Alle werden nacheinander zum Holz hacken und den Wald geschickt.
Während die beiden älteren Söhne feine Eierkuchen und Wein mitbekommen,  erhält der Dummerjan Aschekuchen und Sauerbier zur Wegzehrung.
Allen Dreien begegnen ein Männlein, welches bittet, das Mal zu teilen. Die „klugen“Söhne lehnen ab, daraufhin verwünscht der Waldgeist die Axt und beide verletzen sich damit beim Versuch des Baumfällens.
Der Dummerjan teilt und sein dürftiges Mahl verwandelt sich in Eierkuchen und Wein.
Unter dem Baum, der sich für ihn leicht fällen lässt, findet er eine goldene Gans.
Meine Gänsekeulen sind inzwischen von beiden Seiten knusprig angebraten.

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Ich lösche mit dem Gänsefond ab, das ergibt eine gute Soße. Nun füge ich Beifuß und einen geschälten, in Stücke geschnittenen Apfel hinzu. Ein Boskopp eignet sich dafür hervorragend.

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Der Dummerjan im Märchen zieht mit seiner goldenen Gans in die Welt, um Abenteuer zu erleben.
In einem Gasthof übernachtet er und der habgierigen Wirt und dessen ebenso gierige Töchter wollen eine goldene Feder stehlen und bleiben bei dem Versuch an der Gans kleben. Jeder der sie befreien will klebt ebenso fest.
Ein lustiger, bunter Zug Habgieriger entsteht so.
Ein wenig gierig schaue ich auch auf meine Gans.

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Schön schwimmt sie. Und kommt jetzt für 90 Minuten in den Backofen bei 180 Grad Umluft und mit offenem Deckel.
Danach schliesse ich die Pfanne und lasse sie erkalten, um die Soße dann von überschüssigen Fett zu befreien.
Mein Dummerjan zieht indes mit seiner bunten Schar zum Königsschloss. Die dort lebende Königstochter hat das Lachen verlernt, der König hat sie demjenigen zur Braut versprochen, der sie wieder zum lachen bringen kann.
Als sie den lustigen Zug sieht, lacht sie aus vollem Herzen.
Nun bricht der König sein Versprechen und stellt dem Dummerjan, der ihm nicht gut genug ist, drei Aufgaben.
Er soll riesige Mengen Essen verzehren, einen Keller voller Wein leer trinken und ein Schiff bauen, welches zu Wasser und zu Land fahren kann.
Mit Hilfe des Waldmännleins löst der Dummerjan die Aufgaben.
Nun ist der König zufrieden, es wird gehochzeitet und der Dummerjan wird König.
Ende gut alles gut.

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Bei meinem Gänsebraten noch nicht.
Nachdem das Fett abgeschöpft ist, passiere ich die Soße durch ein Sieb um den Beifuss zu entfernen und die Apfelstücke zu pürieren. Sie geben einen guten Beigeschmack. Die Keulen kommen wieder für eine knappe halbe Stunde in den Backofen,  bis sie knusprig braun sind.
Köstlich sehen sie aus.

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Zum Verspeisen lade ich mir meinen Jüngsten in’s Haus, der, wie es das Geschick will, auch Jan heißt und genauso wenig dumm ist, wie der zum Teilen bereite und dafür reichlich belohnte, Dummerjan es im Märchen war.
Weil ich das so fein erzählt habe gibt es zum Nachtisch Marzipan – Schokoladen – Eis.

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Himmlisch.
Für alle die nachlesen möchten, führt über dem Artikel ein Link zum Märchen aus der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm.