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Der Emil und seine Geschichte…

…geht mir nicht aus dem Sinn. Sie ist ganz nach meinem Geschmack.

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Emil hat frei gegeben, seinen Text weiter zu spinnen. Gerne doch.

Emil’s Text:

Im Tale am Schwarzen Wasser, an einer Felswand, findet sich ein Brünnelein, von dem die Sage gehet, es wäre verwunschen und die Badestelle der Waldschrate und Feen. In dem kleinen, zur Gänze aus dem gewachsnen Stein gehauenen Becken an der Quelle liegt ein glitzernder Stein. In dessen geschliffenen Facetten funkelt zwiefach gebrochnes Sonnenlicht: einmal in den Wellen, die sich um das kleine, aber stetige Rinnsal des etwas oberhalb des Beckens aus einem schmalen Spalte tretenden Wassers in fast perfektem Halbkreise ausbreiten, und ein zweites Mal vom Steine selbst. Nur wenn ein Vogel oder ein Reh zuweilen zur Tränke herankommen, oder ein unvorsichtiger Wanderer sich darüberbeugt, um seinen Durst zu stillen, wenn das Tageslicht also verdunkelt ist – oder aber in tiefdunkler Nacht –, wird sichtbar, daß da noch mehr Licht ist: ein Leuchten, welches aus dem Innersten des Steines aufscheint. Woher es kommt? Das hat noch nie jemand erfahren, der das Brünnlein bei lebendigem Leibe wieder verließ. Sein Geheimnis ward noch nicht enthüllt und soll auch erst zutage treten, da der Quell endgültig versiegt.

Mein Weiterspinnen:

Allein – der Bach führt ein Wasser, so rein, das jedem der davon trinkt, in dem ihm Fehlenden ergänzt wird.

Geht ein Mutloser vorbei, trinkt er Kraft. Dem Heißsporn bringt das Wasser des schwarzen Baches Milde. Dem traurig Verliebten schenkt es Hoffnung, dem im Überfluss schwelgenden Mäßigung.

Und doch ist es nur Wasser. Das Verweilen am schwarzen Bach ist es, welches die Menschen bekehrt. Die Ruhe des Ortes bringt sie zur Besinnung.


Elim, der Waldschrat war Beschützer des schwarzen Baches. Ihm war zu verdanken, dass nicht jeder sich zu diesem Orte fand. Sein tiefer Blick in das Wesen des Menschen ermächtigte ihn, ein Urteil über jeden Einzelnen zu fällen. Wenn da nur nicht immer Belle, die sinnenfrohe, leichtfertige Fee wäre. Wie oft schon hat ihr dahingeflattertes Augenzwinkern ihn dazu verleitet, einem Unbotmäßigen Einlass zu gewähren.

Ach, die alten Geschichten, in denen die Fee gut und schön, der Waldschrat tolpatschig und unförmig ist. Wer von dem Menschengesindel hat sie denn wahrhaftig gesehen…die Fee und den Waldschrat? Ja, ja…da gibt es Einige. Den zum Beispiel, der wusste, dass nur mit dem Herzen gesehen werden kann und der klug genug war, diese Figur in einen Fuchs zu verwandeln. Einer Figur, der in den Menschenmärchen durchtriebene Schläue angedichtet wurde.

Nein, dem Rumtreiben der Fee musste Einhalt geboten werden. Der Ort des Wassers sollte so bleiben wie es ist. Für seine Auserwählten. 

Elim wusste, was zu tun war. Er würde die Menschen und die Fee mit ihren eigenen Waffen schlagen. Wobei er nicht schlug, denn dies tun nur Menschen. Der Waldschrat überlegte und handelte nach seiner inneren Überzeugung.

An den Anfang des schwarzen Baches setze er ein funkelndes Zeichen. Ein Licht, das von seinem Glauben an die Wahrheit genährt wurde. Die Menschen und auch die Fee würde dies irritieren, die Tiere würden sich zeitweise verirren – aber ihren Weg finden. 
Der Waldschrat schuf zu dem Licht ein Gesicht. Menschen brauchen ein Bildnis, um glauben zu können, dagegen war selbst die Fee ohnmächtig. Ein Brunnenkopf lockte sie alle. Weg, weg von seinem schwarzen Bach und dennoch dahin. Gleißende Tropfen fielen aus dem steinernen Mund, fielen, sprangen zurück und tanzten weiter. Die Fee fuhr ihre versteckten Flügel aus und flog mit ihnen, sie konnte nicht anders – Tanz war ihre innerste Natur. 

Die Sehenden, die es immer gab und immer geben wird, schmunzelten über sie, erkannten das Antlitz des Waldschrats – der ihnen den Weg wies – folgten ihm, in das Land der beantworteten Fragen.

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