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Ehrenpreis und der Tee daraus

Ihm sei Ehr und Preis.
Von Juni bis August kann man ihn pflücken – den Ehrenpreis oder Veronica officinalis.
Blau wie der Sommerhimmel sind die kleinen Blüten. Im Mitelalter wurden sie geschätzt, geachtet und besungen.

Es ist ein Schnitter

Textfassung aus Des Knaben Wunderhorn

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Hat Gewalt vom höchsten Gott,
Heut wetzt er das Messer,
Es schneidt schon viel besser
Bald wird er drein schneiden,
Wir müssens nur leiden.
Hüte dich schöns Blümelein!

Was heut noch grün und frisch da steht,
wird morgen schon hinweggemäht:
Die edlen Narzissen,
Die Zierden der Wiesen,
Die schön‘ Hyazinthen,
Die türkischen Binden.
Hüte dich schöns Blümelein!

Viel hundert tausend ungezählt,
Was nur unter die Sichel fällt:
Ihr Rosen, ihr Liljen,
Euch wird er austilgen
Auch die Kaiser-Kronen,
Wird er nicht verschonen.
Hüte dich schöns Blümelein!

Das himmelfarbe Ehrenpreis,
Die Tulipanen gelb und weiß,
Die silbernen Glocken,
Die goldenen Flocken,
Senkt alles zur Erden,
Was wird daraus werden?
Hüte dich schöns Blümelein!

Ihr hübsch Lavendel, Rosmarein,
Ihr vielfärbige Röselein,
Ihr stolze Schwertliljen,
Ihr krause Basiljen,
Ihr zarte Violen,
Man wird euch bald holen.
Hüte dich schöns Blümelein!

Trotz! Tod, komm her, ich fürcht dich nicht,
Trotz, eil daher in einem Schnitt.
Werd ich nur verletzet,
So werd ich versetzet
In den himmlischen Garten,
Auf den alle wir warten.
Freu dich du schöns Blümelein.

Wer welchen sammeln möchte, hat noch Gelegenheit dazu – im letzten Moment eben. Es lohnt sich das als Unkraut verkannte Heilkraut, das in Gärten, Wiesen und Weiden zu finden ist, zu beachten.
Der Ehrenpreis regt von innen an, führt Giftstoffe ab, verhilft durch Anregung des Stoffwechsels zu besseren Gedächtnisleistungen und senkt den Cholesterinspiegel.
Die Produktion von Muttermilch wird anregend unterstützt, vielleicht kommt daher sein Beiname „Frauenlist“.
Ein anderer Name für ihn ist „Allerweltsheil“. Im Mittelalter glaubte man sogar, dass er gegen Pest und Tollwut schützt.
Dies wohl nun nicht.
Klinische Studien haben jedoch ergeben, dass Ehrenpreis die Regeneration der Magenschleimhäute beschleunigt. Er wirkt appetitanregend, was nach schweren Krankheiten eine Hilfe sein kann.

Auch bei Erkrankungen der Atemwege hilft das Kraut. Eine Mischung von Ehrenpreis, Spitzwegerich und Huflattich ist optimal gegen Husten.
Migräne und seelischen Streß kann das blaue Blümlein lindern. Eine sich anbietende Mischung ist hier die mit Johanniskraut. Schon die gelbe und blaue Farbe des Tees erzeugt eine gute Stimmung, gemischt mit Brombeerblättern ist der Tee auch noch wohlschmeckend.
3 Tassen verteilt über den Tag sind dabei völlig ausreichend.
Gesammelt wird für den Tee vom blühenden Kraut.
Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Harz, Milchsäure und ätherische Öle machen es u.a. zu einem wertvollen Heilkraut.
Das Allerwelthilfsmittel findet äußerlich Anwendung bei Rheuma und Hauterkrankungen.
Einen Hautpflegetee ergibt eine Mischung mit Schachtelhalm.
Die anregende Wirkung auf den Stoffwechsel kann zur Reduzierung von Übergewicht genutzt werden, in Verbindung mit Rosmarin ergibt sich ein aromatischer, hilfreicher Tee dafür.
Ein Aberglaube rankt sich um die bescheidene Pflanze.
Pflückt man Ehrenpreis, soll man damit ein Gewitter anlocken. Und so kommt das Heilkraut zu einem weiteren Beinamen – Gewitterkraut.
Die Schönheit der Pflanze in Züchtungen hat Veronica zu einer beliebten Gartenpflanze werden lassen.
Ich liebe die kleinen, zarten Blüten genauso und pflücke mir im letzten Moment meinen Wintervorrat.
Wundert euch also nicht, wenn es am Wochenende gewittert.