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Balladenwochenende

Christina

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ruft zu einem Balladenwochenende auf. Eine Ballade steuere ich gern bei.

Sehr verehre ich den am 15.4.1832 geborenen Wilhelm Busch. Als erstes von sieben Kindern musste er für seinen Bruder Otto Platz machen und zum Onkel ziehen. Dieser, der Pastor Georg Kleine, gibt ihm Privatunterricht. Nach dem Willen seines Vaters soll Wilhelm Maschinenbauer werden. Sein zeichnerisches und dichterisches Talent hilft ihm sich durchzusetzen, er folgt einem Freund an die Kunstakademie Düsseldorf. Enttäuscht über den fantasielosen Ablauf dort wechselt er an die Königliche Akademie in Antwerpen. Dort findet er über die flämischen und holländischen Maler des 16.und 17. Jahrhunderts Inspiration. Sie beeinflussen ihn stark. An Thyphus erkrankt, kehrt er zur Erholung ins Elternhaus zurück, sammelt dort Volkslieder, Märchen und Sagen die verloren zu gehen drohen und veröffentlicht sie. Nach seiner Genesung geht er nach München an die Akademie der bildenden Künste, schließt sich dem Künstlerverein „Jung München“ an und arbeitet für die „Fliegenden Blätter“ karikaturistisch. Seine erste Bildergeschichte „Max und Moritz“ macht ihn berühmt. 1884 wird er mit „Meister Klecks“ seine letzte Bildergeschichte veröffentlichen. Wilhelm Busch zieht es zu seinem Bruder Otto nach Frankfurt, dort lernt er über ihn Arthur Schoppenhauer kennen, auch seine stets verständnisvolle Freundin Johanna Keßler trifft er hier. Seine letzten Jahre verbringt er bei seiner Schwester im Harz. Hier übernimmt er die Vaterrolle für seine drei Neffen, zieht später zu einem und lebt damit wieder in einem Pfarrhaushalt. Hier schreibt er seine Gedichte „Zu guter Letzt“ und „Schein und Sein“. Letzteres wird erst nach seinem Tod am 9.1.1908 veröffentlicht. Für mich zählt Wilhelm Busch zu den größten deutschen Dichtern und Zeichnern. Sein doppeltes Talent würzt er einzigartig mit Klugheit, Ironie und Witz. Die unten folgende Ballade zählt zu meinen Liebsten.

Wilhelm Busch
Die Ballade von den sieben Schneidern

Die Ballade von den sieben Schneidern
Es hatten sieben Schneider gar einen grimmen Mut;
Sie wetzten ihre Scheren und dürsteten nach Blut.

Dort auf der breiten Heide lief eine Maus daher,
Und wär‘ sie nicht gelaufen, so lebte sie nicht mehr.
Und zu derselben Stunde (es war um halber neun)
Sah dieses mit Entsetzen ein altes Mütterlein.

Die Schneider mit den Scheren, die kehrten sich herum,
Sie stürzten auf die Alte mit schrecklichem Gebrumm.
»Heraus nun mit dem Gelde! Da hilft kein Ach und Weh!«
Das Mütterlein, das alte, das kreischte: »Ach herrje!«

Ein Geisbock kam geronnen, so schnell er eben kann,
Und stieß mit seinem Horne den letzten Schneidersmann.
Da fielen sieben Schneider pardauz auf ihre Nas
Und lagen beieinander maustot im grünen Gras.

Und sieben Schneiderseelen, die sah man aufwärts schwirr’n,
Sie waren anzuschauen wie sieben Fäden Zwirn.

Der Teufel kam geflogen, wie er es meistens tut,
Und fing die sieben Seelen in seinem Felbelhut.

Der Teufel, sehr verdrießlich, dem war der Fang zu klein,
Drum schlug er in die Seelen gleich einen Knoten drein.

Er hängt das leichte Bündel an eine dürre Lind‘,
Da pfeifen sie gar kläglich, piep, piep, im kühlen Wind.

Und zieht ein Wandrer nächtlich durch dieses Waldrevier,
So denkt er bei sich selber: Ei, ei, wer pfeift denn hier?