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Frauen die Geschichte schrieben – Christine de Pizan (1364-1430)

In allen Zeiten gab und gibt es Frauen die sich durch ihre Leistungen einen Platz in der Menschheitsgeschichte geschaffen haben. An einige möchte ich erinnern, ohne dabei eine zeitlichen Reihenfolge einzuhalten. Was uns als selbstverständlich erscheint, Bildung für Frauen und Männer, ist nicht einmal heute in allen Gebieten dieser, unserer Welt alltäglich. Bildung scheint mir eines der wichtigsten Güter. Beginne ich also meine Reihe mit einer Frau, die sich u.a.dafür stark gemacht hat – mit Christine de Pizan.


Mit Christine de Pizan erhob eine Frau ihre Stimme gegen Männerworte und war damit erstmals in der Lage, ihren Lebensunterhalt dadurch selbst zu verdienen. Somit ist sie eine der ersten Frühhumanistinen.

1364 wird Christine in Venedig als Tochter eines Arztes und Astrologen geboren. 4 Jahre später wird ihr Vater als Leibarzt Karl V. an dessen Hof nach Paris berufen. Sie reist mit und bekommt, von ihren Vater selbst, eine umfassende Bildung, u.a.in Latein, Geometrie und Arithmetik.

Den Zwängen ihrer Zeit folgend, heiratet sie 15jährig und wird Mutter von drei Kindern. Dieses frauenübliche Leben ändert sich, als 1390 ihr Ehemann stirbt. Ihr Vater war bereits 1387 verstorben. Zurück bleibt eine junge Witwe, die neben ihren eigenen Kindern noch zwei jugendliche Brüder zu versorgen hat. Sie tut das nicht durch Wiederheirat, zudem ist sie mit ihrem Anhang eine denkbar schlechte Partie, sondern als eine der ersten Frauen finanziert sie ihr Leben und das der ihr Anvertrauten über ihre schriftlichen Werke

Für ihre eigenen und andere Kinder verfasst sie das Erziehungsbuch „Buch der Klugheit“. Dieses Buch widmet sie Philipp dem Kühnen und sichert sich dadurch – für diese Zeit üblich – ein Entgelt.

Christine de Pizan stritt mit bedeutenden französischen Gelehrten über das Bild von Mann und Frau. 1399 kritisiert sie den an allen Höfen gelesenen Rosenroman, der dieses prägte.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rosenroman

Der Rosenroman stellt Frauen als wankelmütig, leichtsinnig, verlogen, intrigant, spitzfindig, schlau und boshaft, unersättlich, treulos, eifersüchtig und ohne Gewissen dar.

„Was sind Frauen, sind sie Schlangen, Wölfe, Löwen, Drachen oder Feinde der menschlichen Natur, die es zu täuschem und zu überlisten gilt…“ Darum was Frauen seien, aber auch was Literatur als moralische Instanz bedeutet, ging es im ersten großem Literaturstreits Frankreichs, der zugleich erste „Querelles des femmes“ 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Querelle_des_femmes

war.

Selbst nannte sie sich ironisch “ eine winzige Grille, die den lieben langen Tag mit ihren Flügelchen schlägt und laut herumzirpt“. Für sich selber formulierte sie ein Paradox wegen ihres ungewöhnlichen Lebens und Schreibens und sah sich zum Mann werden.

1404 schreibt sie ein Traktat zur richtigen Erziehung von Mädchen.


1405 stellt sie ihr wichtigstes Werk „Das Buch von der Stadt der Frauen“ fertig. Dieses Buch gilt als eines der ersten feministischen Werke europäischer Literatur. So wie sich der Autor des Rosenromans als Ich-Erzähler darstellte, tut sie gleiches in ihrem Werk. Sie berichtet wie ihr in ihrer Wut und Verzweiflung drei Damen erscheinen…Vernunft, Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit. Das Buch basiert auf drei Teilen, in denen jeweils eine der Damen – von der Erzählerin zu Hilfe gezogen – gemeinsam mit dieser eine Stadt errichtet. Baumaterial dieser Stadt sind an Stelle von Steinen Frauengestalten aus der Bibel, der Antike und der jüngeren Geschichte. Diese Frauen werden vorgestellt, so dass ein Lesebuch über berühmte Frauen entsteht. Christine schreibt darin u.a.:“Diejenigen, die Frauen aus Mißgunst verleumdet haben, sind Kleingeister, die zahlreichen ihnen an Klugheit und Vornehmheit überlegenen Frauen begegnet sind. Sie reagierten darauf mit Schmerz und Unwillen und so hat ihre große Mißgunst sie dazu bewogen allen Frauen Übles nachzusagen…“.

Die Kirchenväter hatten Eva der Schuld am Sündenfall bezichtigt und Frauen mit Sexualität und Sünde identifiziert, die Frau selbst konnte sich dem nur durch Jungfräulichkeit entziehen. Für Christine besteht „nicht der geringste Zweifel daran, dass die Frauen ebenso zum Volke Gottes gehören wie die Männer“.

Christine sieht Frauen als Menschen denen es nicht an Intelligenz mangele, sondern die eingeschränkt darin werden, sich zu bilden, weil sie sich in ihren Haushalten aufhalten müssen und sich damit begnügen müssen, ebendiesen zu führen. Wäre es üblich die kleinen Mädchen in eine Schule zu geben, sagt sie, würden sie genauso gut lernen wie die Söhne und die letzten Feinheiten aller Künste und Wissenschaften begreifen. Sie sagt auch, dass Väter und Ehemänner die sich dagegen wenden, weil dies der Moral abträglich sei, wohl selbst nicht sonderlich klug seien können und fürchteten, Frauen würden ihnen an Wissen überlegen sein. 

Nach dem Tod ihres Mannes fühlte sich Christine, die eine liebende Frau war, einsam, sah jedoch einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Intellektualität. Einer Freundin schrieb sie:“Wenn dein Mann noch lebte, hättest du dich zweifellos nicht in dem Maße wie jetzt deinen Studien widmen können, die Beschäftigung mit dem Haushalt hätte es verhindert.“

Friede ist in den Werken von Christine de Pizan, darunter befinden sich auch ein Fürsten- und ein Fürstinnenspiegel, ein Hauptthema, sie lebt in der Zeit des 100jährigen Krieges.

Ab 1418 zieht sie sich zurück und lebt bei ihrer Tochter im Kloster der Dominikanerinen von Saint-Louis de Poissy.

1429 erlebt sie noch Jeanne ‚d Arc und widmet ihr einen Lobpreis.

Häufig gebrauchte Christine de Pizan das Diktum „Je, Christine“ – als Ausdruck des Bewusstseins ihrer Würde als Frau und Individuum.