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Fast aus der Dose oder Champignon-Sahne-Suppe

Wer wie ich in der DDR geboren wurde, weiss um den Wert einer Dose Champignons.

Frische Champignons gab es nicht zu kaufen. Aus dem Westen (ob sie das waren???) importierte Dosenchampignons gab es nur im „Delikat“. Das waren Läden, die für die Meisten zu unerschwinglichen Preisen, importierte Waren oder DDR eigene Spezialitäten verkauften. Eine Dose Champignons kostete in den 80er Jahren dort 6 Ostmark. Zum Vergleich, ich verdiente damals in Vollzeitbeschäftigung als Krankenschwester in der Poliklinik 480 Ostmark im Monat.

Mein Stiefvater war ein großzügiger Mensch. Immer hat er mir, mit seinem bescheidenem Einkommen, kleine Wünsche erfüllt. Auch immer noch besitze ich die beiden Bände Alice im Wunder- und im Spiegelland, die er mir kaufte, ein Buch hat in den 70er Jahren 12 Ostmark gekostet und er hat sie mir „nebenbei“ geschenkt. Selbst ging er gern mit uns auf den Rummel. Die dort vorhandenen Losbuden waren sein und mein liebstes Ziel. Losglück hatte und habe ich noch nie gehabt. Dennoch fand ich es ungeheuer spannend, ein oder zwei Lose kaufen zu dürfen. Wenn ich mich recht erinnere, lag der Preis für ein Los bei 25 Pfennigen. Für eine Alu-DDR-Mark konnte man also 4 Lose erwerben. Ich bekam meistens 50 Pfennige und war mit meinen 2 Losen zufrieden, eine Kleinigkeit gewann ich gelegentlich. Ein einziges Mal zog ich einen der Hauptgewinne, einen großen Teddybären. Glücklich wie selten lief ich damit zu meinem Stiefvater. Der sonst so großzügige Mann hat mir nicht gestattet, den Teddy zu behalten. Ich musste ihn gegen einen anderen Hauptgewinn, eine Dose Champignons, eintauschen. Ich habe so geweint. 

Mein Stiefvater, der im 2.Weltkrieg in Rußland schwer verletzt worden war, war kein böser Mensch, nur hart geworden. Die Kriegs- und damit verbundenen Hungerjahre haben ihn, wie viele seiner Zeitgenossen, geprägt. 

Meine Tränen müssen ihn berührt haben, nicht jedoch mich verstehend. Ich durfte die Dose Champignons umtauschen. Nicht in den ersehnten und eigentlich von mir gewonnenen Teddy, sondern in eine Dose Himbeeren (diese hatten damals den selben Wert wie eine Dose Champignons, in eben diesen Delikatläden gekauft.) Als es die Himbeeren Sonntag’s zum Nachtisch für alle gab, fragte er mich…“ nun bist du aber froh, dass du die Himbeeren und nicht den Teddy hast!?“ Seit dieser Zeit mag ich kein Himbeerkompott.

Nun aber zu meiner Suppe.

Draußen novembert und stürmt es heftig. Mir ist nach einer warmen Suppe, ich habe aber gerade nicht viel dafür im Haus. Macht nix, ich hab Fantasie und zwei Dosen Champignons. Mache ich daraus also unsere warme Abendsuppe. Es braucht nicht viel mehr dazu als:

2 Dosen Champignons und deren Sud

200ml Schlagsahne

100g Butter

frischen Thymian

1 Schalotte

Salz und Pfeffer

Zu Beginn meines Kochspieles glaubte ich noch die Suppe andicken zu müssen, erst dachte ich dies mit Vollkornmehl, dann mit Kartoffelstärke zu tun, im Nachhinein brauchte ich nichts von beiden, auf den Fotos sind sie jedoch zu sehen.

Schnell und einfach ist die Suppe selbst gemacht.

In Butter schwitze ich die Schalotte an.

Ebenfalls ich Butter brate ich, ohne jedes Gewürz, die größten der in Scheiben geschnittenen Champignons, bis die Butter braun geworden und die Pilze kross gebraten sind. Diese stelle ich zum Abkühlen beiseite.

Den Großteil der Champignons schneide ich klein 

und gebe sie zu der Schalotte, 

mit dem Absud der Pilze fülle ich auf 

und gare alles bei geschlossenem Deckel für 10 Minuten. Jetzt habe ich Salz und Pfeffer dazu gegeben.

Dannach püriere ich und stelle dabei fest, dass ein Andicken der Suppe nicht nötig sein wird.

Mit 200ml Sahne bringe ich meine Suppe auf eine sämige Konsistenz und schmecke nochmal mit Salz und Pfeffer ab. Das schmeckt richtig gut. Intensiv nach Champignons, mild durch die Sahne.

In meine fast Dosen – Suppe gebe ich die krossen Champignonsstückchen und die braune Butter vom Braten.

Frischen Thymian zupfe ich hinein, er macht mein Dosensüppchen duftig-aromatisch.

Das ist so ein leckeres Süppchen geworden, dass es trübe Novembertage und traurige Erinnerungen wett macht. Die gebratenen Pilzscheiben geben Biss und das gehaltvolle Ganze sättigt so gut, dass man vorm Kamin einschläft.
November eben.

Vegetarisch ist meine Dosensuppe auch, wobei…bei Pilzen streiten sich ja so manche Geister.