Monatsarchiv: Januar 2020

Zum Tag

„Ich liebe es, wenn die Schneeflocken tanzen.“ sagte gestern die Schaukelinhaberin zu mir.

Ich liebe das auch. Mir fehlt diese Ruhe, die nur Schnee zu bringen vermag. Diese Rücknahme eines fast jeden Geräusches, diese stille Dominanz einer Farbe – weiß.

Als würde sich die fehlende Beruhigung auswirken, erlebe ich meine Mitmenschen aufgeregt.

Riesengroße Debatten über angeordnete Organspendepflicht oder weitere Freiwilligkeit.

Persönlich berührt mich diese Debatte nicht.

Wichtig fände ich, das Sterben wieder in’s Leben einzubeziehen. Diese unglaubliche Angst – die in unserer Gesellschaft vor dem Verlust der Jugend und des Lebens besteht – wieder abzubauen und als Teil des Lebenswerten zu leben. Alter ist genauso schlecht oder gut wie es Jugend ist – alles hat seine Zeit. Dem Sterbenden zu ermöglichen nach seiner Entscheidung Abschied zu nehmen, wäre mir persönlich wertvoller als eine medizinische Verlängerung der Lebenszeit an sich.

Sind all diese „medizinischen Fortschritte “ wirklich zum Wohle des Menschen oder halten sie nicht vielmehr eine riesige Industriemaschinerie im Gang?

Ach, ein Spaziergang über ein verschneites Feld hülfe wohl beim Gedanken sortieren.

Blick in den Wandel

Achtzehnter Januar 2020

Vorderfrauen

Drei junge Damen

Sonntagsmärchen

Hans Christian Andersen
Sämmtliche Märchen, 1862
Der kleine Klaus und der große Klaus

In einem Dorfe wohnten zwei Leute, die beide denselben Namen hatten. Alle Beide hießen sie Klaus, aber der eine besaß vier Pferde und der andere nur ein einziges Pferd. Um sie jedoch von einander unterscheiden zu können, nannte man Den, der vier Pferde hatte, den großen Klaus, und Den, der nur ein einziges Pferd hatte, den kleinen Klaus. Nun wollen wir hören, wie es den Beiden erging, denn es ist eine wahre Geschichte.
Die ganze Woche hindurch mußte der kleine Klaus für den großen Klaus pflügen und ihm sein einziges Pferd leihen; dann half der große Klaus ihm wieder mit allen seinen vieren, aber nur einmal wöchentlich, und das war des Sonntags. Hussa! wie klatschte der kleine Klaus mit seiner Peitsche über alle fünf Pferde; sie waren ja nun so gut wie sein, an dem einen Tage. Die Sonne schien so herrlich, und alle Glocken im Kirchthurme läuteten zur Kirche; die Leute waren alle so geputzt und gingen mit dem Gesangbuche unter dem Arme, den Prediger predigen zu hören; und sie sahen den kleinen Klaus, der mit fünf Pferden pflügte; und der war so vergnügt, daß er immer wieder mit der Peitsche klatschte und rief: „Hü, alle meine Pferde!“
„So mußt Du nicht sprechen,“ sagte der große Klaus; „das eine Pferd ist ja nur Dein!“
Als aber wieder Jemand vorbeiging, vergaß der kleine Klaus, daß er es nicht sagen sollte, und da rief er: „Hü, alle meine Pferde!“
„Ja, nun werde ich Dich ersuchen, es bleiben zu lassen!“ sagte der große Klaus; „denn sagst Du es noch einmal, so schlage ich Dein Pferd vor den Kopf, daß es auf der Stelle todt ist; dann ist es mit ihm aus!“
„Ich will es wahrlich nicht mehr sagen!“ sagte der kleine Klaus. Aber als dann Leute vorbei kamen und ihm guten Tag zunickten, wurde er so erfreut und dachte, es sähe doch recht gut aus, daß er fünf Pferde habe, sein Feld zu pflügen; und da klatschte er mit der Peitsche und rief: „Hü, alle meine Pferde!“
„Ich werde Deine Pferde hüen!“ sagte der große Klaus und nahm den Spannstrickhammer und schlug des kleinen Klaus einziges Pferd vor den Kopf, sodaß es umfiel und ganz todt war.
„Ach, nun habe ich gar kein Pferd mehr!“ sagte der kleine Klaus und fing an zu weinen. Hierauf zog er dem Pferde die Haut ab und ließ sie gut im Winde trocknen, steckte sie dann in einen Sack, den er auf die Schulter nahm, und ging nach der Stadt, um seine Pferdehaut zu verkaufen. Er hatte einen sehr weiten Weg zu gehen, mußte durch einen großen, dunkeln Wald, und da wurde es ein gewaltig schlechtes Wetter; er verirrte sich gänzlich, und ehe er wieder auf den rechten Weg kam, war es Abend und allzu weit, um zur Stadt oder wieder nach Hause zu gelangen, bevor es Nacht wurde.
Dicht am Wege lag ein großer Bauerhof; die Fensterladen waren draußen vor den Fenstern geschlossen, aber das Licht konnte doch darüber hinausscheinen. Da werde ich wohl Erlaubniß erhalten können, die Nacht über zu bleiben, dachte der kleine Klaus und ging hin, um anzuklopfen.
Die Bauerfrau machte auf; als sie aber hörte, was er wollte, sagte sie, er möge seiner Wege gehen; ihr Mann sei nicht zu Hause, und sie nehme keinen Fremden auf.
„Nun, so muß ich draußen liegen bleiben,“ sagte der kleine Klaus, und die Bauerfrau schlug ihm die Thüre vor der Nase zu.
Dicht daneben stand ein großer Heuschober, und zwischen diesem und dem Hause war ein kleiner Schuppen mit einem flachen Strohdache gebaut.
„Da oben kann ich liegen!“ dachte der kleine Klaus, als er das Dach erblickte; „das ist ja ein herrliches Bett. Der Storch fliegt wohl nicht herunter und beißt mich in die Beine.“ Denn es stand ein lebendiger Storch oben auf dem Dache, wo er sein Nest hatte.
Nun kroch der kleine Klaus oben auf den Schuppen hinauf, wo er lag und sich drehte, um sich recht bequem zu betten. Die hölzernen Laden vor den Fenstern schlossen oben nicht zu, und so konnte er gerade in die Stube hineinblicken.
Da war ein großer Tisch gedeckt, mit Wein und Braten und einem herrlichen Fisch darauf; die Bauerfrau und der Küster saßen bei Tische und sonst Niemand anders; und sie schenkte ihm ein, und er gabelte in den Fisch, denn das war sein Leibgericht.
„Wer doch etwas davon abbekommen könnte!“ dachte der kleine Klaus, und streckte den Kopf gerade gegen das Fenster. Gott, welchen herrlichen Kuchen sah er drinnen stehen! Ja, das war ein Fest!
Nun hörte er Jemand von der Landstraße her gegen das Haus geritten kommen; das war der Mann der Bauerfrau, der nach Hause kam.
Es war ein sehr guter Mann, aber er hatte die wunderliche Eigenheit, daß er nie vertragen konnte, einen Küster zu sehen; kam ihm ein Küster vor die Augen, so wurde er ganz rasend. Darin lag auch der Grund, daß der Küster zu seiner Frau hineingegangen war, um ihr guten Tag zu sagen, weil er wußte, daß der Mann nicht zu Hause sei; und die gute Frau setzte ihm deshalb das herrlichste Essen vor, was sie hatte. Als sie aber den Mann kommen hörten, erschraken sie; und die Frau bat den Küster, in eine große leere Kiste hineinzukriechen. Das that er; denn er wußte ja, daß der arme Mann es nicht vertragen konnte, einen Küster zu sehen. Die Frau versteckte geschwind all das herrliche Essen und den Wein in ihrem Backofen, denn hätte der Mann das zu sehen bekommen, so hätte er sicher gefragt, was es zu bedeuten habe.
„Ach ja!“ seufzte der kleine Klaus oben auf seinem Schuppen, als er all das Essen verschwinden sah.
„Ist Jemand dort oben?“ fragte der Bauer und sah nach dem kleinen Klaus hinauf. „Weshalb liegst Du dort? Komm lieber mit in die Stube.“
Nun erzählte der kleine Klaus, wie er sich verirrt habe, und bat, daß er die Nacht über bleiben dürfe.
„Ja freilich!“ sagte der Bauer; „aber wir müssen zuerst etwas zu leben haben!“
Die Frau empfing sie Beide sehr freundlich, deckte einen langen Tisch und gab ihnen eine große Schüssel voll Grütze. Der Bauer war hungrig und aß mit rechtem Appetit, aber der kleine Klaus konnte nicht unterlassen, an den herrlichen Braten, Fisch und Kuchen, welche er im Ofen wußte, zu denken.
Unter den Tisch zu seinen Füßen hatte er den Sack mit der Pferdehaut darin gelegt, denn wir wissen ja, daß er ihrethalben ausgegangen war, um sie in der Stadt zu verkaufen. Die Grütze wollte ihm nicht schmecken, und da trat er auf seinen Sack, und die trockene Haut im Sacke knarrte ganz laut.
„St!“ sagte der kleine Klaus zu seinem Sacke, trat aber zu gleicher Zeit wieder darauf; da knarrte es weit lauter als zuvor.
„Ei! was hast Du denn in Deinem Sacke?“ fragte der Bauer nun.
„O, das ist ein Zauberer!“ sagte der kleine Klaus. „Er sagt, wir sollten keine Grütze essen, er habe den ganzen Ofen voll von Braten, Fischen und Kuchen gehext.“
„Potztausend!“ sagte der Bauer und machte schnell den Ofen auf, wo er all die prächtigen, leckern Speisen erblickte, welche die Frau dort verborgen hatte, aber die, wie er nun glaubte, der Zauberer im Sacke für sie gehext habe. Die Frau durfte nichts sagen, sondern setzte sogleich die Speisen auf den Tisch, und so aßen Beide vom Fische, vom Braten und von dem Kuchen. Nun trat der kleine Klaus wieder auf seinen Sack, daß die Haut knarrte.
„Was sagt er jetzt?“ fragte der Bauer.
„Er sagt,“ erwiederte der kleine Klaus, „daß er auch drei Flaschen Wein für uns gehext hat; sie stehen dort in der Ecke beim Ofen!“ Nun mußte die Frau den Wein herholen, den sie verborgen hatte, und der Bauer trank und wurde so lustig! Einen solchen Zauberer, wie der kleine Klaus im Sacke hatte, hätte er doch gar zu gerne gehabt.
„Kann er auch den Teufel hervorhexen?“ fragte der Bauer; „ich möchte ihn wohl sehen, denn nun bin ich lustig!“
„Ja,“ sagte der kleine Klaus, „mein Zauberer kann Alles, was ich verlangen will. Nicht wahr?“ fragte er und trat auf den Sack, daß es knarrte. „Hörst Du? Er sagt: Ja! Aber der Teufel sieht so häßlich aus; wir wollen ihn lieber nicht sehen!“
„O, mir ist gar nicht bange. Wie mag er wohl aussehen?“
„Ja, er wird sich ganz leibhaftig als ein Küster zeigen!“
„Hu!“ sagte der Bauer, „das ist häßlich! Ihr müßt wissen, ich kann nicht vertragen, einen Küster zu sehen! Aber es thut nichts; ich weiß ja, daß es der Teufel ist; so werde ich mich wohl leichter darein finden! Nun habe ich Muth! Allein er muß mir nicht zu nahe kommen.“
„Nun, ich werde meinen Zauberer fragen,“ sagte der kleine Klaus trat auf den Sack und hielt sein Ohr hin.
„Was sagt er?“
„Er sagt, Ihr könnt hingehen und die Kiste aufmachen, die dort in der Ecke steht: so werdet Ihr den Teufel sehen, wie er darin kauert; aber Ihr müßt den Deckel halten, daß er nicht entwischt.“
„Wollt Ihr mir helfen, ihn zu halten?“ bat der Bauer und ging zu der Kiste hin, wo die Frau den wirklichen Küster verborgen hatte, der darin saß und sich sehr fürchtete.
Der Bauer öffnete den Deckel ein wenig und sah unter denselben hinein. „Hu!“ schrie er und sprang zurück. „Ja nun habe ich ihn gesehen; er sah ganz aus, wie unser Küster. Nein, das war erschrecklich.“
Darauf mußte getrunken werden, und so tranken sie denn noch bis in die tiefe Nacht hinein.
„Den Zauberer mußt Du mir verkaufen,“ sagte der Bauer. „Verlange dafür Alles, was Du willst! Ja, ich gebe Dir gleich einen ganzen Scheffel Geld!“
„Nein, das kann ich nicht!“ sagte der kleine Klaus. „Bedenke doch, wie vielen Nutzen kann ich nicht von diesem Zauberer haben!“
„Ach, ich möchte ihn so gerne haben!“ sagte der Bauer und fuhr fort zu bitten.
„Ja,“ sagte der kleine Klaus zuletzt; „da Du so gut gewesen bist, mir diese Nacht Obdach zu gewähren, so mag es darum sein. Du sollst den Zauberer für einen Scheffel Geld haben; aber ich will den Scheffel gehäuft voll haben.“
„Das sollst Du bekommen,“ sagte der Bauer. Aber die Kiste dort mußt Du mit Dir nehmen; ich will sie nicht eine Stunde im Hause behalten; man kann nicht wissen: vielleicht sitzt er noch darin.“
Der kleine Klaus gab dem Bauer seinen Sack mit der trockenen Haut darin und bekam einen ganzen Scheffel Geld, und das gehäuft gemessen, dafür. Der Bauer schenkte ihm sogar noch einen Karren, um das Geld und die Kiste darauf fortzufahren.
„Lebe wohl!“ sagte der kleine Klaus, und da fuhr er mit seinem Gelde und der großen Kiste, worin noch der Küster saß, davon.
Auf der andern Seite des Waldes war ein großer, tiefer Fluß; das Wasser floß so reißend darin, daß man kaum gegen den Strom schwimmen konnte; man hatte eine große neue Brücke darüber geschlagen; der kleine Klaus hielt mitten auf derselben an, und sagte ganz laut, damit der Küster in der Kiste es hören könne:
„Nein, was soll ich doch mit der dummen Kiste machen? Sie ist so schwer, als ob Steine darin wären! ich werde nur müde davon, sie weiter zu fahren; ich will sie deshalb in den Fluß werfen; schwimmt sie zu mir nach Hause, so ist es gut, und thut sie es nicht, so macht es auch nichts.“
Nun faßte er die Kiste mit der einen Hand an und hob sie ein wenig auf, gerade als ob er sie in das Wasser werfen wollte.
„Nein, laß das sein!“ rief der Küster innerhalb der Kiste. „Laß mich erst heraus!“
„Hu!“ sagte der kleine Klaus und that, als fürchte er sich. „Er sitzt noch darin! Da muß ich ihn geschwind in den Fluß werfen, damit er ertrinkt!“
„O nein, o nein!“ rief der Küster. „Ich will Dir einen ganzen Scheffel Geld geben, wenn Du mich gehen läßt!“
„Ja, das ist etwas Anderes!“ sagte der kleine Klaus und machte die Kiste auf. Der Küster kroch schnell heraus, stieß die leere Kiste in das Wasser und ging nach seinem Hause, wo der kleine Klaus einen ganzen Scheffel Geld bekam; einen hatte er ja schon von dem Bauer erhalten, nun hatte er also seinen ganzen Karren voller Geld.
„Sieh, das Pferd erhielt ich ganz gut bezahlt!“ sagte er zu sich selbst, als er zu Hause in seiner eigenen Stube war und alles Geld auf einen Berg mitten in der Stube ausschüttete. Das wird den großen Klaus ärgern, wenn er erfährt, wie reich ich durch mein einziges Pferd geworden bin; aber ich will es ihm doch nicht gerade rein heraussagen!“
Nun sandte er einen Knaben zum großen Klaus hin, um sich ein Scheffelmaß zu leihen.
Was mag er wohl damit wollen?“ dachte der große Klaus und schmierte Theer unter den Boden desselben, damit von Dem, was gemessen werde, etwas daran hängen bleiben könne. Und das that es denn auch; denn als er das Scheffelmaß zurückerhielt, hingen drei neue silberne Achtgroschenstücke daran.
„Was ist das?“ sagte der große Klaus und lief sogleich zu dem kleinen. „Wo hast Du denn das viele Geld herbekommen?“
„O, das ist für meine Pferdehaut; ich verkaufte sie gestern Abend!“
„Das war wahrlich gut bezahlt!“ sagte der große Klaus, lief geschwind nach Hause, nahm eine Axt, schlug alle seine vier Pferde vor den Kopf, zog ihnen die Haut ab und fuhr damit zur Stadt.
„Häute! Häute! Wer will Häute kaufen!“ rief er durch die Straßen.
Alle Schuhmacher und Gerber kamen gelaufen und fragten, was er dafür haben wolle.
„Einen Scheffel Geld für jede,“ sagte der große Klaus.
„Bist Du toll?“ riefen Alle. „Glaubst Du, wir hätten Geld scheffelweise?“
„Häute! Häute! Wer will Häute kaufen!“ rief er wieder, aber all Denen, welche ihn fragten, was die Häute kosten sollten, erwiederte er: „Einen Scheffel Geld.“
„Er will uns foppen!“ sagten Alle, und da nahmen die Schuhmacher ihre Spannriemen und die Gerber ihre Schurzfelle und fingen an, auf den großen Klaus loszuprügeln.
„Häute! Häute!“ höhnten sie ihm nach; „ja, wir wollen Dir die Haut gerben, daß Dir die rothe Suppe nachlaufen soll. Hinaus aus der Stadt mit ihm!“ riefen sie, und der große Klaus mußte sich sputen, was er nur konnte; denn so war er noch nie durchgeprügelt worden.
„Na!“ sagte er, als er nach Hause kam, „das soll der kleine Klaus bezahlt erhalten! Ich will ihn dafür todtschlagen!“
Aber zu Hause beim kleinen Klaus war die alte Großmutter gestorben. Sie war freilich recht böse und schlimm gegen ihn gewesen, aber er war doch ganz betrübt und nahm die todte Frau und legte sie in sein warmes Bett, um zu sehen, ob sie nicht zum Leben zurückkehren möchte. Da sollte sie die ganze Nacht liegen; er selbst wollte im Winkel sitzen und auf einem Stuhle schlafen; das hatte er schon öfter gethan.
Als er nun in der Nacht dasaß, ging die Thüre auf, und der große Klaus kam mit seiner Art herein. Er wußte wohl, wo des kleinen Klaus Bett stand, ging gerade darauf los und schlug dann die alte Großmutter vor den Kopf, indem er glaubte, daß es der kleine Klaus sei.
„Siehst Du!“ sagte er. „Nun sollst Du mich nicht mehr zum besten haben!“ Und dann ging er wieder nach Hause.
„Das ist doch ein recht böser Mann,“ dachte der kleine Klaus. „Da wollte er mich todtschlagen! Es war doch gut für die alte Großmutter, daß sie schon todt war, sonst hätte er ihr das Leben genommen!“
Nun legte er der alten Großmutter Sonntagskleider an, lieh sich von seinem Nachbar ein Pferd, spannte es vor den Wagen und setzte die alte Großmutter auf den hintersten Sitz, sodaß sie nicht herausfallen konnte, wenn er fuhr; und so rollten sie von dannen durch den Wald. Als die Sonne aufging, waren sie vor einem großen Wirthshause; da hielt der kleine Klaus an und ging hinein, um etwas zu genießen.
Der Wirth hatte sehr, sehr viel Geld; er war auch ein recht guter, aber hitziger Mann, als wären Pfeffer und Taback in ihm.
Guten Morgen!“ sagte er zum kleinen Klaus. „Du bist heute früh ins Zeug gekommen!“
„Ja,“ sagte der kleine Klaus, „ich will mit meiner alten Großmutter zur Stadt; sie sitzt da draußen auf dem Wagen; ich kann sie nicht in die Stube hereinbringen. Wollt Ihr derselben nicht ein Glas Meth geben? Aber Ihr müßt recht laut sprechen, denn sie kann nicht gut hören.“
„Ja, das will ich thun!“ sagte der Wirth und schenkte ein großes Glas Meth ein, mit dem er zur todten Großmutter hinausging, welche in dem Wagen aufrecht gesetzt war.
„Hier ist ein Glas Meth von Ihrem Sohne!“ sagte der Wirth. Aber die todte Frau erwiederte kein Wort, sondern saß ganz stille. –
„Hört Ihr nicht!“ rief der Wirth so laut er konnte; „hier ist ein Glas Meth von Ihrem Sohne!“
Noch einmal rief er Dasselbe und dann noch einmal; da sie sich aber durchaus nicht von der Stelle rührte, wurde er ärgerlich und warf ihr das Glas in das Gesicht, sodaß ihr der Meth gerade über die Nase lief und sie rücklings über den Wagen fiel, denn sie war nur aufgesetzt und nicht festgebunden.
„Heda!“ rief der kleine Klaus, sprang zur Thüre heraus und packte den Wirth an der Brust; „da hast Du meine Großmutter erschlagen! Sieh nur, da ist ein großes Loch in ihrer Stirn!“
„O, das ist ein Unglück!“ rief der Wirth und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Das kommt Alles von meiner Hitze! Lieber kleiner Klaus, ich will Dir einen Scheffel Geld geben und Deine Großmutter begraben lassen, als wäre es meine eigene; aber schweige nur still, sonst wird mir der Kopf abgeschlagen, und das wäre doch unangenehm.“
So bekam der kleine Klaus einen ganzen Scheffel Geld, und der Wirth begrub die alte Großmutter so, als ob es seine eigene gewesen wäre.
Als nun der kleine Klaus wieder mit dem vielen Gelde nach Hause kam, schickte er gleich seinen Knaben hinüber zum großen Klaus, um ihn bitten zu lassen, ihm ein Scheffelmaß zu leihen.
„Was ist das?“ sagte der große Klaus. „Habe ich ihn nicht todtgeschlagen? Da muß ich doch selbst nachsehen!“ Und so ging er selbst mit dem Scheffel hinüber zum kleinen Klaus.
„Nein, wo hast Du doch all das Geld herbekommen?“ fragte er und riß die Augen recht auf, als er alles Das erblickte, was noch hinzugekommen war. –
„Du hast meine Großmutter, aber nicht mich erschlagen!“ sagte der kleine Klaus; „die habe ich nun verkauft und einen Scheffel Geld dafür bekommen!“
„Das ist wahrlich gut bezahlt!“ sagte der große Klaus und eilte nach Hause, nahm eine Axt und schlug gleich seine alte Großmutter todt, legte sie auf den Wagen, fuhr mit ihr zur Stadt, wo der Apotheker wohnte, und fragte, ob er einen todten Menschen kaufen wolle.
„Wer ist es, und wo habt Ihr ihn her?“ fragte der Apotheker.
„Es ist meine Großmutter!“ sagte der große Klaus. „Ich habe sie todtgeschlagen, um einen Scheffel Geld dafür zu bekommen!“
„Gott bewahre uns!“ sagte der Apotheker. „Ihr sprecht irre!
Sagt doch nicht dergleichen, sonst könnt Ihr den Kopf verlieren!“ – Und nun sagte er ihm ausführlich, was das für eine böse That sei, die er begangen habe, und was für ein schlechter Mensch er sei, und daß er bestraft werden müsse; da erschrak der große Klaus so sehr, daß er aus der Apotheke gerade in den Wagen sprang, auf die Pferde hieb und nach Hause fuhr. Aber der Apotheker und alle Leute glaubten, er sei verrückt, und deshalb ließen sie ihn fahren, wohin er wollte.
„Das sollst Du mir bezahlen!“ sagte der große Klaus, als er draußen auf der Landstraße war. „Ja, das sollst Du mir bezahlen, kleiner Klaus!“ Und dann nahm er, sobald er nach Hause kam, den größten Sack, den er finden konnte, ging hinüber zum kleinen Klaus und sagte: „Nun hast Du mich wieder gefoppt! Erst schlug ich meine Pferde todt, dann meine alte Großmutter. Das ist Alles Deine Schuld, aber Du sollst mich nie mehr foppen!“ Und da packte er den kleinen Klaus um den Leib und steckte ihn in seinen Sack, nahm ihn so auf seinen Rücken und rief ihm zu: „Nun gehe ich aus und ertränke Dich!“
Es war ein weiter Weg, den er zu gehen hatte, bevor er zu dem Flusse kam, und der kleine Klaus war nicht so leicht zu tragen. Der Weg ging dicht bei der Kirche vorbei, die Orgel ertönte und die Leute sangen so schön! Da setzte der große Klaus seinen Sack mit dem kleinen Klaus darin dicht bei der Kirchenthüre nieder und dachte, es könne wohl ganz gut sein, hineinzugehen und einen Psalm zu hören, ehe er weiter ginge. Der kleine Klaus konnte ja nicht herauskommen, und alle Leute waren in der Kirche; so ging er denn hinein.
„Ach ja, ach ja!“ seufzte der kleine Klaus im Sacke und drehte und wendete sich; aber es war ihm nicht möglich, das Band aufzulösen. Da kam ein alter, alter Viehtreiber daher, mit schneeweißem Haare und einem großen Stab in der Hand; er trieb eine ganze Heerde Kühe und Stiere vor sich hin; die stießen an den Sack, in dem der kleine Klaus saß, sodaß er umgeworfen wurde.
„Ach ja!“ seufzte der kleine Klaus. „Ich bin noch so jung und soll schon in’s Himmelreich!“
„Und ich Armer,“ sagte der Viehtreiber, „ich bin schon so alt und kann noch immer nicht dahin kommen!“
„Mache den Sack auf!“ rief der kleine Klaus; „krieche statt meiner hinein, so kommst Du sogleich in’s Himmelreich.“
„Ja, das will ich herzlich gern,“ sagte der Viehtreiber und band den Sack auf, aus dem der kleine Klaus sogleich heraussprang.
„Willst Du nun aber auch auf das Vieh Acht geben?“ sagte der alte Mann und kroch dann in den Sack hinein, den der kleine Klaus zuband und hierauf mit allen Kühen und Stieren seines Weges zog.
Bald darauf kam der große Klaus aus der Kirche; er nahm wieder seinen Sack auf den Rücken, obgleich es ihm schien, als wäre derselbe leichter geworden; denn der alte Viehtreiber war nicht mehr als halb so schwer, wie der kleine Klaus. „Wie ist er doch leicht zu tragen geworden! Ja, das kommt daher, daß ich einen Psalm gehört habe!“ So ging er nach dem Flusse, der tief und breit war, warf den Sack mit dem alten Viehtreiber in’s Wasser und rief hinterdrein, denn er glaubte ja, daß es der kleine Klaus sei: „Da liege! Nun sollst Du mich nicht mehr foppen!“
Darauf ging er nach Hause; als er aber an die Stelle kam, wo der Weg sich kreuzte, begegnete er dem kleinen Klaus, welcher mit allem seinen Vieh dahertrieb.
„Was ist das!“ sagte der große Klaus. „Habe ich Dich nicht ertränkt?“
„Ja!“ sagte der kleine Klaus. „Du warfst mich ja vor einer kleinen halben Stunde in den Fluß hinunter!“
„Aber wo hast Du all das herrliche Vieh herbekommen?“ fragte der große Klaus.
Das ist Seevieh!“ sagte der kleine Klaus. „Ich will Dir die ganze Geschichte erzählen und Dir Dank sagen, daß Du mich ertränktest, denn nun bin ich obenauf, bin wahrhaft reich! – Mir war so bange, als ich im Sacke steckte; und der Wind pfiff mir um die Ohren, als Du mich von der Brücke hinunter in das kalte Wasser warfst. Ich sank sogleich zu Boden, aber ich stieß mich nicht, denn da unten wächst das schönste weiche Gras. Da fiel ich darauf, und sogleich wurde der Sack geöffnet, und das lieblichste Mädchen, mit schneeweißen Kleidern und mit einem grünen Kranz um das nasse Haar, nahm mich bei der Hand und sagte: „“Bist Du da, kleiner Klaus? Da hast Du zuerst einiges Vieh! Eine Meile weiter auf dem Wege steht noch eine ganze Heerde, die ich Dir schenken will!““ – Nun sah ich, daß der Fluß eine große Landstraße für das Meervolk bildete. Unten auf dem Grunde gingen und fuhren sie gerade von der See her und ganz hinein in das Land, bis wo der Fluß endet. Da war es so schön voll von Blumen und dem frischesten Grase; die Fische, welche im Wasser schwammen, schossen mir an den Ohren vorüber, gerade so, wie hier die Vögel in der Luft. Was gab es da für hübsche Leute, und was war da für Vieh, das auf Gräben und Wällen graste!“
„Aber weshalb bist Du gleich wieder zu uns heraufgekommen?“ fragte der große Klaus. „Das hätte ich nicht gethan, wenn es so schön dort unten ist!“
„Ja,“ sagte der kleine Klaus; „das ist gerade politisch von mir gehandelt. Du hörst ja wohl, daß ich Dir erzähle: die Seejungfrau sagte mir, eine Meile weiter auf dem Wege – und mit dem Wege meint sie ja den Fluß, denn sie kann nirgends anders hinkommen – stehe noch eine ganze Heerde Vieh für mich. Aber ich weiß, was der Fluß für Krümmungen macht, bald hier, bald dort; das ist ja ein weiter Umweg; nein, da macht man es kürzer ab, wenn man hier an das Land kommt und treibt querfeldüber wieder zum Flusse; dabei spare ich ja fast eine halbe Meile und komme hurtiger zu meinem Seevieh!“
„O, Du bist ein glücklicher Mann!“ sagte der große Klaus. „Glaubst Du, daß ich auch Seevieh erhielte, wenn ich auf den Grund des Flusses käme?“
„Ja, das denke ich wohl,“ sagte der kleine Klaus. „Aber ich kann Dich nicht im Sacke bis zum Flusse tragen: Du bist mir zu schwer! Willst Du selbst dahin gehen und dann in den Sack kriechen, so werde ich Dich mit dem größten Vergnügen hineinwerfen.“
„Ich danke Dir!“ sagte der große Klaus. „Aber erhalte ich kein Seevieh, wenn ich hinunterkomme, so glaube mir, werde ich Dich tüchtig prügeln!“
„O nein! mache es nicht so schlimm!“ Und da gingen sie zum Flusse hin. Als das Vieh, welches durstig war, das Wasser erblickte, lief es, was es nur konnte, um hinunter zum Trinken zu gelangen.
„Sieh, wie es sich sputet!“ sagte der kleine Klaus. „Es verlangt danach, wieder auf den Grund zu kommen!“
„Ja, hilf mir nun erst,“ sagte der große Klaus, „sonst bekommst Du Prügel!“ Und so kroch er in den großen Sack, der quer über dem Rücken eines der Stiere gelegen hatte. „Lege einen Stein hinein, sonst fürchte ich, nicht unterzusinken,“ sagte der große Klaus.
„Es geht schon!“ sagte der kleine Klaus, legte aber doch immer einen großen Stein in den Sack, knüpfte das Band fest zu und dann stieß er daran. Plump! da lag der große Klaus in dem Flusse und sank sogleich hinunter auf den Grund.
„Ich fürchte, er wird das Vieh nicht finden!“ sagte der kleine Klaus und trieb dann heim mit Dem, was er hatte.

Hans Christian Andersen (1805-1875)

Blick in den Wandel

Elfter Januar 2020

Zum Tag

Die erste Arbeitswoche des Jahres liegt hinter mir. Alles beim Alten geblieben.

Erstaunlich immer wieder was ich an den Haltestellen und im Bus erlebe, bzw. höre.

Morgens kommt ein sehr junger Mann zum Überlandbus, ich schätze ihn auf 17/18 Jahre. Immer die Ohrstöpsel drinnen und auf dem Handy läuft irgendein Video oder Spiel. Immer schafft er es, als fast Letzter kommend, als Erster schupsend in den Bus einzusteigen. ( Irgendwann ziehe ich ihm die Stöpsel aus den Ohren und flüstere:“ drängel nicht so “ hinein. ) traf er einen Kumpel im Bus. Die Unterhaltung der beiden war aufschlussreich. “ Ey Alter, haste gewusst, das Westberlin mittend in der DDR gelegen hat?“ “ Nö Mann, Geschichte hab ich abgewählt.“ Weija!!!

Im Stadtverkehr sind die Busse nach wie vor überfüllt. Es gibt vorn Vierersitzplatzgruppen mit dem Zeichen daran, dass diese Plätze vorrangig für Behinderte und Alte frei zu halten sind. In beiden dieser Gruppen sitzt eine Familie mit Migrationshintergrund mit drei kleinen Kindern. Der Mann hat alle drei freien Sitzplätze mit Taschen belegt. Die gegenüberliegenden Plätze nehmen je ein: ein Dreijähriger, ein Fünfjähriger, die Mutter mit Kopftuch und Einjährigem auf dem Schoß, der letzte freie Platz ist mit ihren Einkaufsbeuteln belegt. Eine alte Dame mit Gehhilfe steigt zu, sieht sich suchend nach einem Sitzplatz um und bleibt länger vor den Jungs stehen, schaut sie direkt an. Keine Reaktion der Kinder, auch nicht von den Eltern. Ich sitze in der Reihe dahinter, neben mir eine junge Frau. Diese steht auf und bietet der alten Dame ihren Platz an, dankbar nimmt die an und sitzt jetzt neben mir. In der Reihe vor uns toben wild die größeren Kinder, der Kleine zieht an den goldenen Ohrringen seiner Mutter, daraufhin setzt sie das Kind dem Vater auf den Schoß. „Gut erzogene Kinder!“ sagt die alte Frau zu mir. Wir kommen ins Gespräch. “ Sobald man irgendwelche Äußerungen zu diesen sich häufenden Vorfällen in Bussen mit Migranten tätigt, wird man als Nazi beschimpft.“ sagt sie und weiter noch :“ Und das Schlimme ist, so viele im Westen verstehen das immer noch nicht. Naja, woher auch? Die haben nie die DDR erlebt, haben vom Ami Carepakete bekommen, uns hat der Russe die Gleise ausgegraben und das war noch das Wenigste.“

Es ist also alles beim Alten, auch im neuen Jahr.

Nix mehr da zum Essen oder Spaghetti mit roten Riesengarnelen

Weihnachten ist vorbei, eigentlich sind wir immer noch satt, naja also fast.

Zwischen den Jahren hatten wir keine Lust einzukaufen. Muss ich suchen was noch im Haus ist.

Ich finde:

15 rote Riesengarnelen mit Schale (Feinfrostware)

eine Hand voll Pfifferlinge (Feinfrostware)

eine Hand voll kleiner Garnelen ohne Schale (Feinfrostware)

Spaghetti

Knoblauch

rote Zwiebeln

Prosecco ( übrig von Silvester)

Sahne ( hab ich immer da für’s Rührei )

Salz/ Pfeffer

Zitrone

Parmesan

Na gut, dann koche ich mal was daraus.

Die roten Riesengarnelen sind besonders lecker, ich mag ihren delikaten, leicht nussigen Geschmack. Ich taue sie auf und entferne die Schalen, nachdem ich sie gründlich gewaschen habe.

Das Fleisch der Garnelen beträufle ich mit dem Saft einer Zitrone, die Schalen koche ich aus.

In einer kleinen Pfanne schwitze ich in Olivenöl die kleingeschnittene Zwiebel und den gepressten Knoblauch an und lösche mit einem Schuß Prosecco ab, lasse alles einreduzieren. Mit dem Sud der Garnelenschalen fülle ich auf. Wieder reduzieren. Dann gebe ich die Pfifferlinge und die kleinen Garnelen hinein, schmecke mit Salz und Pfeffer ab und lasse alles vor sich hinköcheln. Nach einem halben Stündchen püriere ich meine Soße und gebe noch ein Schlückchen Sahne dazu – fertig. Ein feiner leichter Pilzgeschmack in dem auch ein Hauch Garnelen zu ahnen ist, würzig und köstlich.

In den 12 Minuten, in denen die Spaghetti garen, bereite ich die roten Riesengarnelen zu.

Dafür erhitze ich in einer Pfanne Olivenöl und röste Knoblauch darin an, den Knoblauch wieder raus nehmen und die Garnelen in dem Öl kurz anbraten, auf kleiner Stufe noch kürzer fertig garen. Wirklich nur kurz, damit keine Gummitierchen daraus werden.

Ich nehme die Garnelen aus der Pfanne und gebe die Spaghetti hinein, vermische sie mit der Soße und richte sie auf Tellern an.

Darüber noch die roten Riesengarnelen und der bei mir unerlässliche Parmesan (jeder Italiener wird mich dafür auslachen).

Uns hat das ganz wunderbar geschmeckt. Die Spaghetti herrlich in der würzigen Soße durchgezogen und das zarte Fleisch der Garnelen dazu – einfach und so köstlich, dass ich vergessen habe Fotos zu machen. Hihi.

Sonntagsmärchen

Sagen vom Wassermann im Erzgebirge

Zuweilen hört man aus dem Schwarz- und andern Wassern ein greuliches Geheul, wenn ein Unglück, Feuer- oder Wasserschaden bevorsteht. Im Jahre 1630, den Tag zuvor ehe Annaberg abbrannte, hat es im Elterleiner großen Teiche am Geyerschen Wege entsetzlich geheult, daß des Zeugschmieds Junge, der mehr Wasser aufschlagen sollte, mit Schrecken davongelaufen. Im Jahre 1645, den 10. Juli am andern Pfingsttage, heulte es früh in einem Teiche zu Elterlein jämmerlich, daß eine Jungfer, die gerade über den Teichdamm ging, aus Furcht eilend ausriß, darauf ist ein Schulknabe, M. Rudels, des alten Richters Sohn, im Teiche ertrunken. Im Jahre 1632 ließ Theophilus Groschupf, Stadtschreiber zu Scheibenberg, an den Erbisleiten einen Raum ausroden und zu Feld machen; da nun einer seiner Arbeiter um Mittag hinunter an einen Brunnen geht, um Trinkwasser zu holen, findet er einen überaus häßlichen Mann dabei liegen, der ihm nicht allein auf seinen Gruß nicht dankt, sondern auch im Rückwege auf ihn fällt und ihn braun und blau drückt, daß er 8 Wochen darüber krank lag. Im Jahre 1613 wollten Bürger zu Gottesgabe einen alten Teich, der lange als ein Sumpfwüste gelegen, ausräumen. Als nun zwei Bergleute den Sumpf abführen und zugrunde arbeiten wollen, fährt ein Wasserteufel im Sumpfe auf, wütet und tobt und treibt die Bergleute mit Wasser und Kot ab, daß sie ausreißen müssen. Zum Scheibenberg, eine starke Viertelstunde unter dem Elterleiner Wege, läuft der tiefe Stollen aus in einen Teich; da hat es oft die Leute bei Tag und Nacht erschreckt und den Weg bald in eines großen ungeheuren Mannes, bald in eines Wolfs Gestalt vertreten oder sonst mit Tumult und Gerassel ganze Reitertrupps betört, denn der Weg geht durch Wasser und Teiche. Im Jahre 1644, im Juli, waren die Oberscheibener bei ihren Teichen im Heumachen, da kommt am Sonnabend vor dem 10. Trinitatis ein mächtiger Sturmwind mit Sausen und Pfeifen, fährt in die Teiche und wirft das Wasser hoch in die Höhe, als wenn sich zwei Pferde im Wasser miteinander schlügen, darüber erschrecken die Leute, laufen an die Heuschober, die bösen Geister aber fahren aus den Teichen in die Heuschober, spielen damit in der Luft, fahren unter die Äcker hinaus und nehmen die Wipfel oben von den Bäumen mit, wo sie angetroffen, bis gegen Crottendorf zu.

Zum Tag

Wie war das als ich Oma Kind war?

Täglich lief ich in den Konsum, um einen Liter frische Milch zu kaufen, in einer Glasflasche.

Das Brot kaufte meine Mutter frisch beim Bäcker, der dieses Brot in eigener Backstube hergestellt hatte. Die Verkäuferin steckte das Brot nicht in eine Papiertüte und dann in einen Plastebeutel, sondern in den Brotbeutel, den meine Mutter dafür immer mitbrachte, wusch und wiederverwendete.

Zum Einkaufen fuhr niemand mit dem Auto, sondern meine Mutter lief 2x den langen Berg von unserer Wohnung in die Stadt, um die Einkäufe in wiederverwendbaren Beuteln heim zu schleppen.

Den 4 km langen Schulweg legte ich täglich, wie jedes andere Kind, zu Fuß zurück. Nie im Leben wäre es meinen Eltern eingefallen, mich mit dem Auto in die Schule zu fahren.

Nach der Schule schrieben wir uns keine Nachrichten über mobile Telefone, sondern wir trafen uns draußen. Auch nicht im Freizeitpark, sondern im Wald, um dort Räuber und Prinzessin zu spielen.

Mit meinen Freundinnen sammelten wir mit einem Handwagen alte Zeitungen und leere Flaschen in den umliegenden Hauhalten und brachten sie zur Altstoffverwertung, um so unser Taschengeld aufzubessern.

Im Herbst sammelten wir im Wald Kastanien und Eicheln, um sie dem Förster für die Wildfütterung im Winter bereit zu stellen.

Ich flog nicht mit meinen Eltern in Pauschalurlaube in ein möglichst billiges Sonnenland, wir verbrachten unsere Urlaube in der Heimat, um diese kennen zu lernen.

Es ist bedauerlich, dass in den Schulen kein Fach :“Leben lernen“ gelehrt wird, Geschichte wohl auch nur noch schlecht, sonst wüssten manche Kinder aus Chören mehr und ihre Lehrer ebenso.

Das Lied zum Tag – Fritz Kalkbrenner. One of these day‘s

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