Monatsarchiv: September 2019

Heimatstadt oder die Gaststätte „ Zum Kuchendeckel

Lange war ich nicht hier, in der Gaststätte „Zum Kuchendeckel „, das letzte Mal zu meiner Jugendweihe, also vor 41 Jahren.

Als ich Kind war, lief ich oft mit den Eltern und meiner Schwester den 1 Kilometer von unserer Wohnung zu diesem Ort. Dort das Abendessen einzunehmen war immer etwas ganz besonderes. Meine Mutter musste nicht kochen und war deswegen gut gelaunt, mein Vater freute sich Freunde zu treffen und wir Kinder uns auf einen lustigen Abend am Spieltisch. Immer bekam ich einen Groschen vom Vater für ihn und noch einen Groschen für den Automaten mit den Zitronendrops, der auf dem Weg zu Toilette hing. Kinderglückseeligkeit.

Den Süßigkeitsspender gibt es nicht mehr, wohl aber noch den Spieltisch.

Unbenutzt,verstaubt und vollgestellt steht er im Raum zu den Toiletten, für das Foto räume ich ihn frei.

Den Wirt, der 10 Jahre älter ist als ich, habe ich vorher gefragt. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihm, dass ich oft mit den Eltern früher hier bei seinen Eltern war. Er erinnert sich:“ Sie sehen aus wie ihr Vater.“ sagt er, Recht hat er.

Oft habe ich, während die Eltern sich mit anderen Gästen unterhielten, damals traf man sich noch am Abend in den Kneipchen der Stadt um zu plaudern, in der Küche der Gaststätte gesessen und mich der alten, Kartoffeln schälenden Großmutter, die immer schwarze Kleider schon damals längst vergangener Tage trug, beigesellt, immer war ich ihr willkommen. Auch das erzähle ich dem Wirt. Natürlich ist die alte Frau lange tot, aber seine 94jährige Mutter lebt noch. Alte Geschichten werden wach in unser beider Köpfen.

Alt wie die Gaststätte selber, die er in vierter Generation fortführt.

Wie kommt es zu dem eigenartigen Namen? In der Speisekarte kann jeder der es wissen will nachlesen.

Ansonsten hat sie sich in den 40 vergangenen Jahren nicht geändert. Regionale Hausmannskost gibt es hier, zu kleinen Preisen und immer noch lecker und gut.

Wie früher bestelle ich mir eine „Scharfe Sache“, das ist kalter Schweinebraten auf mit Meerrettich und Senf bestrichenem und mit saurer Gurke belegtem Schwarzbrot. Meine Lieblingsspeise als Fünfjährige!, dafür würde ich von allen Erwachsen angestaunt. Leider bekomme ich sie nicht. Hier wird der Schweinebraten noch selber gemacht, der Wirt hat ab dem nächsten Tag Urlaub, deshalb gibt es nur noch was in der Küche vorrätig ist… hausgemachte Sülze und Bratkartoffeln. Köstliches, einfaches Essen.

Mein Mann entscheidet sich für Soljanka und Würzfleisch, ebenfalls DDR- Klassiker und wird genauso zufrieden damit wie ich mit meinem Essen. Zusammen mit einem Bier und einem Wasser bezahlen wir 17,40 Euro.

Wir kommen wieder sagen wir dem Wirt.

“ Beeilt euch“ sagt er. „Nächstes Jahr werde ich 65, ich habe 3 Kinder, keines will die Gaststätte übernehmen.“

Lebensgeschichten eben, vielleicht doch noch länger. Es wäre wünschenswert, nicht nur wegen des alten Kachelofens

und der immer noch Uralteinrichtung dieses liebenswertem Kneipchens.

Das Schöne vom Tag

Gute Wege…

Blick auf die Augustusburg

Zum Tag

Heute ist der erste Todestag meiner Mutter.

Ein Jahr voller Emotionen liegt hinter mir.

Für immer ist alles anders, aber ist das nicht immer so, dass alles anders ist…

Sonntagsmärchen

Ludwig Bechstein: Märchen – Kapitel 11


Gevatter Tod
Es lebte einmal ein sehr armer Mann, hieß Klaus, dem hatte Gott eine Fülle Reichtum beschert, der ihm große Sorge machte, nämlich zwölf Kinder, und über ein kleines, so kam noch ein Kleines, das war das dreizehnte Kind. Da wußte der arme Mann seiner Sorge keinen Rat, wo er doch einen Paten hernehmen sollte, denn seine ganze Sipp- und Magschaft hatte ihm schon Kinder aus der Taufe gehoben, und er durfte nicht hoffen, noch unter seinen Freunden eine mitleidige Seele zu finden, die ihm sein jüngstgeborenes Kindlein hebe. Gedachte also an den ersten besten wildfremden Menschen sich zu wenden, zumal manche seiner Bekannten ihn in ähnlichen Fällen schon mit vieler Hartherzigkeit abschläglich beschieden hatten.
Der arme Kindesvater ging also auf die Landstraße hinaus, willens, dem ersten ihm Begegnenden die Patenstelle seines Kindleins anzutragen. Und siehe, ihm begegnete bald ein gar freundlicher Mann, stattlichen Aussehens, wohlgestaltet, nicht alt, nicht jung, mild und gütig von Angesicht, und da kam es dem Armen vor, als neigten sich vor jenem Manne die Bäume und Blümlein und alle Gras- und Getreidehalme. Da dünkte dem Klaus, das müsse der liebe Gott sein, nahm seine schlechte Mütze ab, faltete die Hände und betete ein Vaterunser. Und es war auch der liebe Gott, der wußte, was Klaus wollte, ehe er noch bat, und sprach: »Du suchst einen Paten für dein Kindlein! Wohlan, ich will es dir heben, ich, der liebe Gott!«
»Du bist allzu gütig, lieber Gott!« antwortete Klaus verzagt. »Aber ich danke dir; du gibst denen, welche haben, einem Güter, dem andern Kinder, so fehlt es oft beiden am besten, und der Reiche schwelgt, der Arme hungert!« Auf diese Rede wandte sich der Herr und ward nicht mehr gesehen.
Klaus ging weiter, und wie er eine Strecke gegangen war, kam ein Kerl auf ihn zu, der sah nicht nur aus wie der Teufel, sondern war’s auch, und fragte Klaus, wen er suche? – Er suche einen Paten für sein Kindlein. –
»Ei, da nimm mich, ich mach‘ es reich!« – »Wer bist du?« fragte Klaus. »Ich bin der Teufel!« – »Das wär‘ der Teufel!« rief Klaus, und maß den Mann vom Horn bis zum Pferdefuß. Dann sagte er: »Mit Verlaub, geh‘ heim zu dir und zu deiner Großmutter; dich mag ich nicht zum Gevatter, du bist der Allerböseste! Gott sei bei uns!«
Da drehte sich der Teufel herum, zeigte dem Klaus eine abscheuliche Fratze, füllte die Luft mit Schwefelgestank und fuhr von dannen. Hierauf begegnete dem Kindesvater abermals ein Mann, der war spindeldürr, wie eine Hopfenstange, so dürr, daß er klapperte; der fragte auch: »Wen suchst du?« und bot sich zum Paten des Kindes an. »Wer bist du?« fragte Klaus. »Ich bin der Tod!« sprach jener mit ganz heiserer Stimme. – Da war der Klaus zum Tod erschrocken, doch faßte er sich Mut, dachte: bei dem wär‘ mein dreizehntes Söhnlein am besten aufgehoben, und sprach: »Du bist der Rechte! Arm oder reich, du machst es gleich, Topp! Du sollst mein Gevattersmann sein! Stell‘ dich nur ein zu rechter Zeit, am Sonntag soll die Taufe sein.«
Und am Sonntag kam richtig der Tod, und ward ein ordentlicher Dot, das ist Taufpat des Kleinen, und der Junge wuchs und gedieh ganz fröhlich. Als er nun zu den Jahren gekommen war, wo der Mensch etwas erlernen muß, daß er künftighin sein Brot erwerbe, kam zu der Zeit der Pate und hieß ihn mit sich gehen in einen finstern Wald. Da standen allerlei Kräuter, und der Tod sprach: »Jetzt, mein Pat, sollst du dein Patengeschenk von mir empfahen. Du sollst ein Doktor über alle Doktoren werden durch das rechte wahre Heilkraut, das ich dir jetzt in die Hand gebe. Doch merke, was ich dir sage. Wenn man dich zu einem Kranken beruft, so wirst du meine Gestalt jedesmal erblicken.
Stehe ich zu Häupten des Kranken, so darfst du versichern, daß du ihn gesund machen wollest und ihm von dem Kraute eingeben; wenn er aber Erde kauen muß, so stehe ich zu des Kranken Füßen; dann sage nur: Hier kann kein Arzt der Welt helfen und auch ich nicht. Und brauche ja nicht das Heilkraut gegen meinen mächtigen Willen, so würde es dir übel ergehen!«
Damit ging der Tod von hinnen und der junge Mensch auf die Wanderung, und es dauerte gar nicht lange, so ging der Ruf vor ihm her und der Ruhm, dieser sei der größte Arzt auf Erden, denn er sähe es gleich den Kranken an, ob sie leben oder sterben würden. Und so war es auch. Wenn dieser Arzt den Tod zu des Kranken Füßen erblickte, so seufzte er und sprach ein Gebet für die Seele des Abscheidenden; erblickte er aber des Todes Gestalt zu Häupten, so gab er ihm einige Tropfen, die er aus dem Heilkraut preßte, und die Kranken genasen. Da mehrte sich sein Ruhm von Tag zu Tag.
Nun geschah es, daß der Wunderarzt in ein Land kam, dessen König schwer erkrankt darniederlag, und die Hofärzte gaben keine Hoffnung mehr seines Aufkommens. Weil aber die Könige am wenigsten gern sterben, so hoffte der alte König noch ein Wunder zu erleben, nämlich, daß der Wunderdoktor ihn gesund mache, ließ diesen berufen und versprach ihm den höchsten Lohn. Der König hatte aber eine Tochter, die war so schön und so gut wie ein Engel.
Als der Arzt in das Gemach des Königs kam, sah er zwei Gestalten an dessen Lager stehen, zu Häupten die schöne weinende Königstochter und zu Füßen den kalten Tod. Und die Königstochter flehte ihn so rührend an, den geliebten Vater zu retten, aber die Gestalt des finstern Paten wich und wankte nicht. Da sann der Doktor auf eine List. Er ließ von raschen Dienern das Bett des Königs schnell umdrehen und gab ihm geschwind einen Tropfen vom Heilkraut, also daß der Tod betrogen war und der König gerettet. Der Tod wich erzürnt von hinnen, erhob aber drohend den langen knöchernen Zeigefinger gegen seinen Paten.
Dieser war in Liebe entbrannt gegen die reizende Königstochter, und sie schenkte ihm ihr Herz aus inniger Dankbarkeit. Aber bald darauf erkrankte sie schwer und heftig, und der König, der sie über alles liebte, ließ bekannt machen, welcher Arzt sie gesund mache, der solle ihr Gemahl und hernach König werden. Da flammte eine hohe Hoffnung durch des Jünglings Herz, und er eilte zu der Kranken – aber zu ihren Füßen stand der Tod. Vergebens warf der Arzt seinem Paten flehende Blicke zu, daß er seine Stelle verändern und ein wenig weiter hinauf, womöglich bis zu Häupten der Kranken treten möge. Der Tod wich nicht von der Stelle, und die Kranke schien im Verscheiden, doch sah sie den Jüngling um ihr Leben flehend an. Da übte des Todes Pate noch einmal seine List, ließ das Lager der Königstochter schnell umdrehen und gab ihr geschwind einige Tropfen vom Heilkraut, so daß sie wieder auflebte und den Geliebten dankbar anlächelte. Aber der Tod warf seinen tödlichen Haß auf den Jüngling, faßte ihn an mit eiserner eiskalter Hand und führte ihn von dannen, in eine weite unterirdische Höhle. In der Höhle da brannten viele tausend Kerzen, große und halbgroße und kleine und ganz kleine; viele verloschen und andere entzündeten sich, und der Tod sprach zu seinem Paten: »Siehe, hier brennt eines jeden Menschen Lebenslicht; die großen sind den Kindern, die halbgroßen sind den Leuten, die in den besten Jahren stehen, die kleinen den Alten und Greisen, aber auch Kinder und Junge haben oft nur ein kleines, bald verlöschendes Lebenslicht.«

»Zeige mir doch das meine!« bat der Arzt den Tod. Da zeigte dieser auf ein ganz kleines Stümpchen, das bald zu erlöschen drohte. »Ach, liebster Pate!« bat der Jüngling, »wolle mir es doch erneuen, damit ich meine schöne Braut, die Königstochter, freien, ihr Gemahl und König werden kann!« – »Das geht nicht«, versetzte kalt der Tod. »Erst muß eins ganz ausbrennen, ehe ein neues auf- und angesteckt wird.« –
»So setze doch gleich das alte auf ein neues!« sprach der Arzt – und der Tod sprach: »Ich will so tun!« Nahm ein langes Licht, tat, als wollte er es aufstecken, versah es aber absichtlich und stieß das kleine um, daß es erlosch. In demselben Augenblick sank der Arzt um und war tot.
Wider den Tod kein Kraut gewachsen ist.

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Blick in den Wandel

Sechster September 2019

Wir sind…

Sachsen kämpft.

Ich auch.

Fernab der Politik der Bundesregierung, gefühlt allein gelassen.

Sachsen wird stark bleiben, sich wehren gegen mediale Vorwürfe, miteinander sprechen.

Jeden Tag neu, gegen Vorurteile, für Zusammenhalt.

Ich bin 7,6 Prozent SPD, wer bist du?

Blick in den Wandel

Erster September 2019

Zum Tag

www.christoph-links-verlag.de/mobile.cfm

Was wird heute das Wahlergebnis in Sachsen sein?

Meine Entscheidung beeinflusst hat auch das Buch von Petra Köpping, SPD, “ Integriert doch erstmal uns“.