Monatsarchiv: Juni 2019

Yvonne will leben | betterplace.me

Liebe Blogger,

eine Freundin meiner Tochter ist schwer erkrankt und braucht Hilfe.

Vielleicht seid ihr bereit, dieser mutigen und tapferen jungen Frau zu helfen.

Auch ein Rebloggen dieses Artikels kann helfen.

Danke

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Das Schöne vom Tag

Im Amselnest direkt an meiner Tür zum Garten ist es voll geworden.

Vier hungrige Schnäbelchen recken sich daraus und warten auf das Futter, welches die fleißigen Eltern in schöner Regelmäßigkeit bringen.

Nachts sitzt ein Elternvogel auf dem Nest und wärmt die Kleinen.

Sonntagsmärchen

Hans Christian AndersenSämmtliche Märchen, 1862Der Rosen-Elf

Mitten in einem Garten wuchs ein Rosenstock, der war ganz voller Rosen; und in einer derselben, der schönsten von allen, wohnte ein Elf. Er war so winzig klein, daß kein menschliches Auge ihn erblicken konnte. Hinter jedem Blatte in der Rose hatte er eine Schlafkammer. Er war so wohlgebildet und schön, wie nur ein Kind sein konnte, und hatte Flügel von den Schultern bis hinunter zu den Füßen. O, welcher Duft war in seinen Zimmern, und wie klar und schön waren die Wände! Es waren ja die blaßrothen Rosenblätter.
Den ganzen Tag erfreute er sich im warmen Sonnenschein, flog von Blume zu Blume, tanzte auf den Flügeln des fliegenden Schmetterlings und maß, wie viele Schritte er zu gehen habe, um über alle Landstraßen und Stege zu gelangen, welche auf einem einzigen Lindenblatte sind. Das war, was wir die Adern im Blatte nennen, die er für Landstraßen und Stege hielt. Ja, das waren ewige Wege für ihn! Ehe er damit fertig wurde, ging die Sonne unter: er hatte auch so spät damit angefangen!

Es wurde so kalt, der Tau fiel und der Wind wehte; nun war es das Beste, nach Hause zu kommen. Er tummelte sich, was er konnte; aber die Rose hatte sich geschlossen; er konnte nicht hineingelangen; – keine einzige Rose stand geöffnet. Der arme kleine Elf erschrak sehr. Er war früher nie des Nachts ausgewesen, hatte immer so süß hinter den warmen Rosenblättern geschlummert: o, das wird sicher sein Tod werden!
Am andern Ende des Gartens, wußte er, befand sich eine Laube mit schönem Jelängerjelieber; die Blüthen sahen wie große bemalte Hörner aus; in eine derselben wollte er hinabsteigen und bis morgen schlafen.
Er flog dahin. Still! Es waren zwei Menschen darin: ein junger, hübscher Mann und ein schönes Mädchen. Sie saßen nebeneinander und wünschten, daß sie sich nie zu trennen brauchten. Sie waren einander so gut, weit mehr noch, als das beste Kind seiner Mutter und seinem Vater sein kann.
„Dennoch müssen wir uns trennen!“ sagte der junge Mann. „Dein Bruder mag uns nicht leiden, deshalb sendet er mich mit einem Auftrage so weit über Berge und Seen fort! Lebe wohl, meine süße Braut, denn das bist Du doch!“
Und dann küßten sie sich, und das junge Mädchen weinte und gab ihm eine Rose. Aber bevor sie ihm diese reichte, drückte sie einen Kuß so fest und innig darauf, daß die Blume sich öffnete. Da flog der kleine Elf in diese hinein und lehnte sein Haupt gegen die feinen, duftenden Wände; hier konnte er gut hören, daß Lebewohl gesagt wurde, lebe wohl! Und er fühlte, daß die Rose ihren Platz an des jungen Mannes Brust erhielt. – O, wie schlug doch das Herz drinnen! Der kleine Elf konnte gar nicht einschlafen, so pochte es.
Aber nicht lange ruhte die Rose auf der Brust ungestört. Der Mann nahm sie hervor, und während er einsam in dem dunkeln Walde ging, küßte er die Blume, o, so oft und so heftig, daß der kleine Elf fast erdrückt wurde. Er konnte durch das Blatt fühlen, wie die Lippen des Mannes brannten, und die Rose selbst hatte sich wie bei der stärksten Mittagssonne geöffnet.
Da kam ein anderer Mann, finster und böse; es war des hübschen Mädchens schlechter Bruder. Der zog ein scharfes Messer hervor, und während Jener die Rose küßte, stach der schlechte Mann ihn todt, schnitt seinen Kopf ab und begrub ihn mit dem Körper in der weichen Erde unter dem Lindenbaume.
„Nun ist er vergessen und fort!“ dachte der schlechte Bruder; „er kommt nie mehr zurück. Eine lange Reise sollte er machen, über Berge und Seen: da kann man leicht das Leben verlieren, und das hat er verloren. Er kommt nicht mehr zurück, und mich darf meine Schwester nicht nach ihm fragen.“
Dann scharrte er mit dem Fuße verdorrte Blätter über die lockere Erde und ging wieder in der dunkeln Nacht nach Hause.

Aber er ging nicht allein, wie er glaubte: der kleine Elf begleitete ihn. Der saß in einem vertrockneten, aufgerollten Lindenblatte, welches dem bösen Manne, als er grub, in die Haare gefallen war. Der Hut war nun darauf gesetzt; es war so dunkel darin, und der Elf zitterte vor Schreck und Zorn über die schlechte That.
In der Morgenstunde kam der böse Mann nach Hause; er nahm seinen Hut ab und ging in der Schwester Schlafkammer hinein. Da lag das schöne, blühende Mädchen und träumte von ihm, dem sie so gut war und von dem sie nun glaubte, daß er über Berge und durch Wälder ginge. Und der böse Bruder neigte sich über sie und lachte häßlich, wie nur ein Teufel lachen kann. Da fiel das trockene Blatt aus seinem Haare auf die Bettdecke nieder; aber er bemerkte es nicht und ging hinaus, um in der Morgenstunde selbst ein wenig zu schlafen. Aber der Elf schlüpfte aus dem verdorrten Blatte, setzte sich in das Ohr des schlafenden Mädchens und erzählte ihr, wie in einem Traume den schrecklichen Mord; beschrieb ihr den Ort, wo der Bruder ihn erschlagen und seine Leiche verscharrt hatte; erzählte von dem blühenden Lindenbaume dicht dabei und sagte: „Damit Du nicht glaubest, daß es nur ein Traum ist, was ich Dir erzählt habe, so wirst Du auf Deinem Bette ein verdorrtes Blatt finden!“ Und das fand sie, als sie erwachte.
O, welche bittere Thränen weinte sie! Und Niemandem durfte sie ihren Schmerz anvertrauen. Das Fenster stand den ganzen Tag offen: der kleine Elf konnte leicht zu den Rosen und all den übrigen Blumen in dem Garten hinausgelangen. Aber er konnte es nicht über sein Herz bringen, die Betrübte zu verlassen. Im Fenster stand ein Strauch mit Monatsrosen: in eine der Blumen setzte er sich und betrachtete das arme Mädchen. Ihr Bruder kam oft in die Kammer hinein. Und er war so heiter und so schlecht, sie aber durfte kein Wort über ihren Herzenskummer sagen.
Sobald es Nacht wurde, schlich sie sich aus dem Hause, ging im Walde nach der Stelle, wo der Lindenbaum stand, nahm die Blätter von der Erde, grub dieselbe auf und fand ihn gleich, der erschlagen worden war. O, wie weinte sie und bat den lieben Gott, daß auch sie bald sterben möge!
Gern hätte sie die Leiche mit sich nach Hause genommen, aber das konnte sie nicht. Da nahm sie das bleiche Haupt mit den geschlossenen Augen, küßte den kalten Mund und schüttelte die Erde aus seinem schönen Haar. „Das will ich behalten!“ sagte sie. Und als sie Erde und Blätter auf den todten Körper gelegt hatte, nahm sie den Kopf und einen kleinen Zweig von dem Jasminstrauch, der im Walde blühete, wo er begraben war, mit sich nach Hause.

Sobald sie in ihrer Stube war, holte sie sich den größten Blumentopf, der zu finden war; in diesen legte sie des Todten Kopf, schüttete Erde darauf und pflanzte dann den Jasminzweig in den Topf.
„Lebe wohl! Lebe wohl!“ flüsterte der kleine Elf; er konnte es nicht länger ertragen, all diesen Schmerz zu sehen, und flog deshalb hinaus zu seiner Rose im Garten. Aber die war abgeblüht; es hingen nur einige bleiche Blätter an der grünen Hagebutte.
„Ach, wie bald ist es doch mit all dem Schönen und Guten vorbei!“ seufzte der Elf. Zuletzt fand er wieder eine Rose; die wurde sein Haus; hinter ihren feinen und duftenden Blättern konnte er hausen und wohnen.
Jeden Morgen flog er nach dem Fenster des armen Mädchens, und da stand sie immer bei dem Blumentopf und weinte. Die bittern Thränen fielen auf den Jasminzweig, und mit jedem Tage, an welchem sie bleicher und bleicher wurde, stand der Zweig frischer und grüner da; der eine Schoß trieb nach dem andern hervor; kleine weiße Knospen blüheten auf, und die küßte sie. Aber der böse Bruder schalt sie und frug, ob sie närrisch geworden sei? Er konnte es nicht leiden und nicht begreifen, weshalb sie immer über dem Blumentopf weine. Er wußte ja nicht, welche Augen da geschlossen und welche rothe Lippen da zu Erde geworden waren. Und sie neigte ihr Haupt gegen den Blumentopf, und der kleine Elf von der Rose fand sie da schlummernd. Da setzte er sich in ihr Ohr, erzählte von dem Abend in der Laube, vom Duft der Rose und der Elfen Liebe. Da träumte sie so süß, und während sie träumte, entschwand das Leben; sie war eines stillen Todes erblichen; sie war bei ihm, den sie liebte, im Himmel.
Und die Jasminblume öffnete ihre großen weißen Glocken; sie dufteten so eigenthümlich süß: anders konnten sie nicht über die Todte weinen.

Aber der böse Bruder betrachtete den schön blühenden Strauch, nahm ihn als ein Erbgut zu sich und setzte ihn in seine Schlafstube, dicht an sein Bett, denn er war herrlich anzuschauen und der Duft war so süß und lieblich. Der kleine Rosen-Elf folgte mit, flog von Blume zu Blume – in jeder wohnte ja eine kleine Seele – und erzählte von dem ermordeten jungen Manne, dessen Haupt nun Erde unter der Erde war, erzählte von dem bösen Bruder und der armen Schwester.
„Wir wissen es!“ sagte eine jede Seele in den Blumen; „wir wissen es! Sind wir nicht aus des Erschlagenen Augen und Lippen entsprossen! Wir wissen es! Wir wissen es!“ Und dann nickten sie so sonderbar mit dem Kopfe.
Der Rosen-Elf konnte es gar nicht begreifen, wie sie so ruhig sein könnten; und er flog hinaus zu den Bienen, die da Honig sammelten und erzählten ihnen die Geschichte von dem bösen Bruder. Und die Bienen sagten es ihrer Königin, und diese befahl, daß sie alle nächsten Morgen den Mörder umbringen sollten.
Aber in der Nacht voher – es war die erste Nacht, welche auf den Tod der Schwester folgte – als der Bruder in seinem Bette dicht neben dem duftenden Jasminstrauche schlief, öffnete sich ein jeder Blumenkelch, und unsichtbar, aber mit giftigen Spießen, stiegen die Blumenseelen heraus und setzten sich in sein Ohr und erzählten ihm böse Träume, flogen darauf über seine Lippen und stachen seine Zunge mit den giftigen Spießen. „Nun haben wir den Todten gerächt!“ sagten sie und flogen zurück in des Jasmins weiße Glocken.
Als es Morgen war und das Fenster der Schlafkammer auf einmal aufgerissen wurde, fuhr der Rosen-Elf mit der Bienenkönigin und dem ganzen Bienenschwarm hinein, um ihn zu tödten.
Aber er war schon todt; es standen Leute rings um das Bett und die sagten: „Der Jasminduft hat ihn getödtet!“
Da verstand der Rosen-Elf der Blumen Rache, und er erzählte es der Königin der Bienen, und sie summte mit ihrem ganzen Schwarm um den Blumentopf. Die Bienen waren nicht zu verjagen. Da nahm ein Mann den Blumentopf fort, und eine der Bienen stach seine Hand, sodaß er den Topf fallen und zerbrechen ließ.
Da sahen sie den bleichen Totenschädel, und sie wußten, daß der Todte im Bette ein Mörder war.
Und die Bienenkönigin summte in der Luft und sang von der Rache der Blumen und von dem Rosen-Elf, und daß hinter dem geringsten Blatte Einer wohnt, der das Böse erzählen und rächen kann.

Blick in den Wandel

Fünfzehnter Juni 2019

Wer anderen eine Blume sät … blüht selber auf oder Kornblumen und der Tee daraus

Zum Kornblumentee habe ich hier:https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2015/07/08/hitzefrei-oder-kornblumen-und-der-tee-daraus/schon erzählt.Immer wieder eine Freude, die Blüten zu finden und dafür zu sorgen, dass sie uns erhalten bleiben.

Blick in den Wandel

Zehnter Juni

Zum Tag

Heute wird meine kleinste Enkeltochter, unsere Guggi, 2 Jahre alt.

Mit himmelblauen Augen, die erstaunt in die Welt guggen und alles, aber auch alles wissen wollen, schaut sie auch in mein Herz und macht es froh.

Alles Gute zum Geburtstag, meine kleine Neugierde du.

Sonntagsmärchen

Das PfingstrosenmädchenEs war einmal und es war keinmal, da war einmal in alten Zeiten ein Pfingstrosenzüchter, der hatte drei Töchter. Diese Töchter gingen den ganzen Tag im Garten herum und begossen die Pfingstrosen. Ihrem Hause gegenüber wohnte ein Bej, der ihnen immer zusah, wie sie jeden Tag ihre Rosen im Garten begossen.
Als eines Tages die älteste der Mädchen im Garten herumging und die Blumen begoss, erblickte sie der Bej und um mit ihr ein wenig zu scherzen, sprach er zum Mädchen: »Pfingstrosen-Mädchen, Pfingstrosen- Mädchen, deine Pfingstrosen weisst du zu begiessen, du weisst aber nicht, wie viel Blätter sie haben.« Das Mädchen wusste ihm nicht zu antworten, schämte sich und lief aus dem Garten. Als dann später das mittlere Mädchen in den Garten ging und ihre Rosen begoss, sagte ihr der Bej dasselbe und da auch sie sich, wie ihre ältere Schwester, schämte, lief sie ebenfalls davon. Als endlich auch das jüngste Mädchen kam, sprach er zu ihr ebenfalls: »Pfingstrosen-Mädchen, Pfingstrosen-Mädchen, deine Pfingstrosen weisst du zu begiessen, du weisst aber nicht, wie viel Blätter sie haben.« Da die Kleinen immer naseweiser sind, antwortete sie ihm: »mein Bej, mein Bej, in deiner Hand hast du eine Feder, in deinem Gürtel ein Tintenfass, weisst du aber, wie viel Sterne am Himmel sind?« Da der Bej darauf nicht zu antworten wusste, so schämte er sich und nahm sich vor, es ihr heimzuzahlen.
Nach Verlauf von drei bis fünf Tagen, kaufte sich der Bej einen schundigen Fez, eine abgetragene Kniehose, setzte auf den Kopf einen Korb und verkleidet sich so als Fischhändler. Das Mädchen ass nämlich Fische sehr gerne. Der Bej fing nun an, Fische zu verkaufen, indem er auf der Strasse rief: »Kauft Fische, kauft Fische!« Ein bis zwei Tage verkauft er so Fische, am dritten Tage rief das Mädchen den Fischer und fragte ihn: »Wie teuer verkaufst du die Fische?« Der Bej antwortete: »Für Geld verkaufe ich keine Fische.« – »Also wofür?« fragte das Mädchen. Der Bej antwortete: »Für einen Kuss gebe ich eine Okka.« Das Mädchen dachte sinnend nach, und da sie meinte, dass es ohnehin niemand sieht, gibt sie dem Jüngling einen Kuss und bekam dafür eine Okka Fische. Der Bej freute sich und ging nach Hause. Er zog wieder seine früheren Kleider an und wartete, bis das Mädchen wieder in den Garten ging.
Doch ziehen wir die Sache nicht in die Länge. Als das älteste und mittlere Mädchen wieder in den Garten ging, sprach sie der Bej wieder so an, worauf sie davon liefen. Die Reihe kam nun an die jüngste. Als das jüngste Mädchen hinausging, spricht der Bej: »Pfingstrosen-Mädchen, Pfingstrosen-Mädchen, deine Pfingstrosen weisst du zu begiessen, du weisst aber nicht, wie viel Blätter sie haben.« Das Mädchen antwortete ihm: »Mein Bej, mein Bej, in deiner Hand hast du eine Feder, in deinem Gürtel ein Tintenfass, weisst du aber, wie viel Sterne am Himmel sind?« Darauf hub der Bej an: »Weisst du aber, ob man für einen Kuss eine Okka Fische kaufen kann?« Sofort begriff das Mädchen die Sache und nahm sich vor, ihm ebenfalls nichts schuldig zu bleiben.
Sie liess sich also ein klingelndes, schellendes Kleid machen und verbarg es unter ihre Achseln. Eines Tages lauerte sie auf, bis man das Tor des Bej öffnete und als dies geschah, huschte sie, ohne dass es jemand wahrgenommen hätte, ins Haus und ging in den Stall, wo sie sich verbarg. Das Schlafzimmer des Bej war gerade in der Nähe. In der Nacht, als man beim Bej sich schon niedergelegt hatte, zog das Mädchen um Mitternacht ihr Kleid mit den Klingeln und Schellen an, ging zum Bej hin, schüttelte sich, so dass das Kleid zu klingeln und zu schellen begann. Das Mädchen schüttelte sich noch einmal und als sie »öhö, öhö« zu husten anfing, erwachte der Bej und mit dem Ruf: »Wer da?« guckt der Bej unter der Decke hervor. Das Mädchen hustete noch einmal, schüttelte sich, der Bej unter der Decke zitterte zähneklappernd. Endlich sprach das Mädchen: »Ich bin Esrael und bin um deine Seele gekommen; entweder du gibst deine Seele her, oder ich stecke dir ein Horn in den Hintern.« Der Bej begann nachzudenken und da er erwog, dass ein Horn doch besser sei, als die Seele hinzugeben, so sprach er: »Nun also steck.« Das Mädchen zerstach ihm tüchtig den Hintern und verschwand.
Tags darauf stand der Bej wohl auf, allein fünf bis zehn Tage lang konnte er sich kaum niedersetzen, so sehr hatte ihn das Mädchen zerstochen. Als er wieder gänzlich hergestellt war, setzte er sich vors Fenster, und als er sah, dass die jüngste wieder ging, um ihre Rosen zu begiessen, sprach er: »Pfingstrosen-Mädchen, Pfingstrosen-Mädchen, deine Pfingstrosen weisst du zu begiessen; du weisst aber nicht, wie viel Blätter sie haben.« Das Mädchen antwortet ihm: »Mein Bej, mein Bej, in deiner Hand hast du eine Feder, in deinem Gürtel ein Tintenfass, weisst du aber, wie viel Sterne am Himmel sind?« Da sprach wieder der Bej: »Weisst du aber, ob man für einen Kuss eine Okka Fische kaufen kann?« Hierauf versetzte das Mädchen: »Nun, weisst du aber, ob man in deinen Hintern ein Horn gesteckt?« – »O, du verschmitzer Windbeutel« platzte der Jüngling; ging schnurstracks zu seiner Mutter und sagte ihr, sie möge hinübergehen und die jüngste Tochter des Pfingstrosenzüchters für ihn zur Frau verlangen.
Umsonst sträubte sich die Mutter dagegen, da doch die Tochter Eines armen Rosenzüchters nicht zu einem Bej passe, der Bej hörte auf nichts anderes. Als die Mutter sah, dass ihr Sohn davon durchaus nicht abstehen wollte, so ging sie auf die Brautschau und hielt um ihre Hand an. Vater und Mutter des Mädchens willigten ein und trafen Veranstaltungen zur Vorbereitung der Hochzeit. Als dies das Mädchen erfuhr, witterte sie sogleich, dass der Bej etwas im Schilde führe, ging eilends zu ihrem Vater, und zwingt ihn, dass er eine ihr ähnliche Puppe aus Wachs machen lasse. Was sollte der Vater auch tun, er ging hin und liess dieselbe anfertigen. Das Mädchen nimmt das Ebenbild, setzt es in das Brautgemach hinein und nachdem sie an den Kopf der Puppe einen Faden befestigt hatte, zieht sie das eine Ende des Fadens ganz bis zum Kasten hin; in das Innere des Bildes jedoch ganz bis zum Kopf hinauf gab sie einen Topf Sirup hinein.
Am Hochzeitsabend, nachdem ihre Gespielinnen und Freundinnen alle weggegangen waren, ging das Mädchen, ehe der Bräutigam zu ihr kam, ins Brautzimmer hinein, zieht ihr Brautkleid ihrem Ebenbilde an, befestigt den Schleier und die Goldfäden alle auf den Kopf der Puppe, sie selbst aber schlüpft in den Kasten hinein und guckt durch das Kastenloch hinaus. Später kam der Bräutigam, trat in’s Zimmer ein, riss sein Schwert aus der Scheide und sprach: »Du Wildfang, du warst es also, die mir das Horn hineingesteckt?« Das Mädchen im Kasten zog vorsichtig an der Schnur, so dass die Puppe mit ihrem Kopfe bejahend nickte. Darüber wurde der Bej wütend und: »Was, du nickst noch mit dem Kopfe?« rufend stiess er sein Schwert in die Puppe, worauf der Sirup aus ihr herausfloss. »Ich habe geschworen,« sagte der Bej, »dass ich dein Blut trinken werde« und schlürfte von dem Sirup auf dem Boden. Da merkte er, dass dieser süss wie Zucker ist. »O weh,« rief er, »wie süss ist ihr Blut, um wie viel süsser musste sie selbst gewesen sein!« Hierauf trat das Mädchen aus dem Kasten heraus und sprach: »Mein Bej, deinen Eid hast du gehalten.« Damit sanken sie sich einander an die Brust und von dieser Stunde an verlebten sie ihre Tage in Glückseligkeit.[Asien: Türkei. Märchen der Welt]

Die Rose ohne Dornen – Pfingstrosen

Die Rose ohne Dornen – PfingstroseWild sind sie kaum noch zu finden – die Pfingstrosen.
Vereinzelt noch in Ungarn, Österreich, der Südschweiz und China.
Ihr Gebrauch als Heilpflanze ist schon seit der Antike bekannt.!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Pfingstrosen sind bei falscher Handhabung giftig, ihre Nutzung sollte ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
Mögliche Vergiftungserscheinungen sind: Erbrechen, Durchfall, Koliken.
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Ihre Inhaltsstoffe sind u.a.: ätherische Öle, Gerbstoffe, Harz und schwach wirkende Gifte wie das Alkaloid Paeonin.Bereits in den griechischen Kräuterbüchern der Antike wird die Pfingstrose wegen ihrer heilkräftigen Wirkung erwähnt.
Eingesetzt wurde sie bei Menstruationsbeschwerden, Magenschmerzen, Durchfall und zur Linderung epileptischer Anfälle.
Die moderne Homöopathie nutzt sie bis heute bei nervösen Störungen und wegen ihrer krampflösenden Wirkung.
Da die Blüten und Samen giftig sind, verwendet die Industrie nur die gelbroten Wurzeln. Sie enthalten Glykosid, ätherische Öle und Alkaloid und wirken damit tonisch auf die Blutzirkulation und lindern Venenbeschwerden.Schwangere sollten Pfingstrosen unbedingt meiden!Die Heilwirkung der Pfingstrose ist gefäßverengend und krampflösend.Ihren lateinischen Namen Paeonia hat die Pflanze vom griechischen Arzt Paion, der mit ihr den verletzten Hades geheilt haben soll.
(Wenn ein Arzt den Gott der Unterwelt heilen kann, muss er schon einiges vermögen können!)
Dioscurides erwähnt die Pfingstrose als Heilung bringende Pflanze bei Frauen- und Nierenleiden. Weit über das Mittelalter hinaus wurde sie zur Behandlung derlei Beschwerden genutzt.
Bis 1860 wurde die Wurzel als Droge gegen Epilepsie verwendet, dann aus dem Arzneibüchern gestrichen.
Zur Anwendung kommen die Blütenblätter und hauptsächlich die Wurzel.
Dabei wirkt die Wurzel der roten Pfingstrose besonders auf Leber und Milz. Hitze wird abgeleitet, Blut gekühlt.
Hauptsächlich angewendet wird diese Reaktion bei gynäkologischen Störungen oder Bauchschmerzen sowie Bauchtumoren.
Die weiße Pfingstrosenwurzel wirkt ebenso auf Milz und Leber.
Sie ergänzt Blut und stützt die Struktur.
Gelindert werden damit Menstruationsbeschwerden und Kopfschmerzen. Sie wirkt blutdrucksenkend und entzündungshemmend.
Die Gartenpfingstrose stand früher mit ihrer Wurzel zur Verfügung, um in Zäpfchenform Darmkrämpfe zu mindern.
Ihre Blüten heilten Haut- und Schleimhauterkrankungen, sowie Fissuren, hauptsächlich solche im Analbereich, hervorgerufen durch Hämorrohiden.
Bei Erkrankungen der Atemwege war sie hilfreich und bei Gicht und Rheuma.Ein hilfreiches Wunder der Natur ist sie – die Rose ohne Dornen.

Blick in den Wandel

Achter Juni 2019