Zum Tag

Ein ganz normaler Tag. Gestern wie heute.

Obwohl das Wetter stimmt, fährt gestern, wie so oft, mein Stadtlinienbus nicht. An der Anzeigetafel steht…betriebsbedingt… Die Wahrheit ist, die Stadt Chemnitz findet keine Busfahrer mehr, weil diese absolut unterbezahlt werden. Also wird täglich eine sich wechselnde Linie nicht bedient. Für mich als zahlender Fahrgast bedeutet das, ich zahle 98 Euro im Monat für meine Abokarte, stehe aber des öfteren für bis zu 30 Minuten und warte…in der Kälte…

Heute fuhr mein Zug, mit dem ich von meinem Dorf in die Stadt pendle, nicht. Keiner wusste warum, aber mit Hilfe der anderen Pendler hab‘ ich es geschafft, einen Regionalverkehrsbus zu stoppen der uns auch brav in die Stadt brachte. Dort wiederum fuhr überhaupt kein Bus mehr und nun erfahren wir endlich auch den Grund des Zugausfalls. Zwei Straßenbahnen sind ineinander gefahren und haben den gesamten Verkehr lahm gelegt. Da mein Zug direkt in die Innenstadt fährt, gab es auch hier Ausfall. Wozu gibt es eigentlich die Leuchttafeln an Bahnhöfen?

Das alles ist Alltag. Es ist kalt, man kommt aber irgendwie an.

Hunger hatte ich heute Morgen nach dem Durcheinander, aber kein Geld mehr einstecken. Geh‘ ich halt in die Filiale einer Bank und zieh‘ mir welches.

Es riecht eigenartig in dem warmen Raum. Das kommt daher, dort liegt einer der vielen Chemnitzer Obdachlosen und sucht Schutz vor der Kälte.

Ich ziehe mein Geld und gebe ihm 10% davon in seine schmutzige Hand, die sich sofort fest um das Geld legt.

Ich schäme mich.

Ich schäme mich für mich, ich schäme mich für meine Stadt, ich schäme mich für die Regierung meines Landes, ich schäme mich für mein Land.

https://www.tag24.de/nachrichten/chemnitz-zwickau-obdachlosenheim-regenbogenhaus-poelbitz-wohnungslose-954058

14 Antworten zu “Zum Tag

  1. Man muss sich nicht schämen, dass man sich dafür schämt !

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  2. Schäm dich nicht für die Versäumnisse derer, die dafür bezahlt werden, dass solches nicht geschieht, liebe Freundin!

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  3. es ist wirklich beschämend, ich schäme mich auch, wir sind a l l e Menschen, schlimm genug dass es Obdachlose gibt, aber wir können
    nicht allen helfen, du hast geholfen Arabella, das ist gut.

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  4. Das Traurige ist, daß dort wo politisch bestimmt wird, bewußt ein, ich sag es mal vorsichtig, kalter Menschenschlag „zu Hause“ ist – welcher zu allem Überfluß, das Geld anderweitig verpulvert (da gibt es viele Ressorts) und wie im Zeitungsartikel auch die offensichtlichen Hilfen unterbindet…
    Ohne Worte…
    oder doch: werden wir doch anderweitig „beschäftigt“, um unsere Energie in „potemkinschen Dörfern“ jenseits der Menschlichkeit zu verplempern…
    So sch…. man uns allen ungeniert ins Gesicht, sorry für die auch verdeckte Wortwahl

    Danke für dein Beispiel der 10%, ich gebe auch immer gerne…

    Alles Liebe,
    Raffa.

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