Mitten im Winter am Nil oder Un Jardins sur le Nil von Hermès

Jahreszeiten sind etwas ganz Wunderbares. Wechsel im Spiel der Natur. Warum sollte ein Sommerparfum nicht im Winter Freude bringen können? Leichtigkeit braucht jede Jahreszeit. Und so grün dieser Duft auch ist, er ist ganz besonders anders darin.

2005 schuf Jean-Claude Ellena seinen ganz eigenen Garten am Nil.

Fruchtbarkeit und Erneuerung bringt der Nil. Heiß ist es dort. Entspannung bringen Gärten. Ich gehe hinein.

Ein Hauch des Parfums auf die Haut gesprüht..ah…Grapefruit. Frisch ist sie, hell und herb. Ihre Intensität hilft loszulassen. Psychische Wärme bringt sie die vor jeder Hitze (und Kälte) bewahrt. Kühlend und reinigend löst sie Kummer, zieht Gifte aus dem Körper und fördert die Leichtigkeit des Seins. Sie befindet sich in der Kopfnote des Duftes und ist von Anfang an da, mischt sich mit Karotte, deren ätherisches Öl aus den Samen gewonnen wird. Würzig, erdig und krautartig umspielt es Tomatenranken, rundet ihre grasig-grüne, sauere Fruchtigkeit ab. Ein tiefes Luftholen bleibt zurück und ein Erwachen. Grüne Mango verlockt exotisch, bleibt unaufdringlich in ihrer aromatischen Süße, weckt weitere Lebensfreude.

Mitten in’s Herz trifft Kalmus. Aus seinem knolligen Wurzelstock wird sein ätherisches Öl gewonnen. Und wieder fühle ich Stärke, bin weniger erschöpft und versinke in dieser linden, leicht süßen Modrigkeit, die kein Vergehen sondern ein Erwachen ist. Lotus hilft dabei. Der reinste und sinnlichste aller Düfte klärt mit seiner makellosen Schönheit. Alles leuchtet rein und klar. Mit seiner besonderen Exotik würzt er den Duft auf seine ganz eigene warme Weise. Weiblich, sinnlich und berauschend lässt sein Geruch Streß vergessen und schenkt Geborgenheit und innere Harmonie. Was für ein Luxus! Dazu gesellt sich die „Blume des Regens“ – die Hyazinthe. Wie keine andere Blume symbolisiert sie das Sterben und Wiedererstehens der Natur. Tiefgründig wie sie wird das Parfum in seinem Herz, intensiv wird das Blumige jetzt dunkel. Herb, würzig kommt die Pfingsrose zu Hilfe. Aus den kaiserlichen Gärten Chinas kommend, unterstützt sie das Gefühl von Wohlstand und Wohlbeagen, bleibt Rose ohne Dorn und macht die Mitte des Duftes zu einem Ort des Stillstehens im Wohlwollen.

Auch danach bleibt alles stärkend und haftet an meiner Haut. Das dem nicht zuviel wird, schafft Bergahorn holzige, milde Süße. Weihrauch, das Geschenk des Abendlandes an das Morgenland ohnehin, schwert balsamisch die grüne Frische. Sein sehr alter Duft, schwächt die vorherigen jungen Ausflüge des Parfums, ist Gegensatz von Verführung und Heiligkeit in einem. Zeitlos in seiner Opulenz verbringe ich, selbst entspannt, vertraute Zeit im Garten am Nil.

Dieses Parfum ist, meiner Meinung nach, für reife Frauen gemacht. Die um den Wert von Entspannung wissen und den Preis dafür kennen gelernt haben. Nichts für verspiele Naturen und auch nicht auf jeder Haut, die man zu Markte trägt, willkommen.

4 Antworten zu “Mitten im Winter am Nil oder Un Jardins sur le Nil von Hermès

  1. das klingt betörend!

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  2. Man könnte in deiner Parfümbescheibung in den Worten baden. So herrlich liest es sich immer wieder.

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