Monatsarchiv: November 2018

Zum Tag

Mir liegt diese lange Sonnenzeit nicht.

So sehr sehne ich mich nach Novembernebel, ein Hinüberdämmern in den nur angeblich unwirtsamen Winter bringt er.

Mit sanften Wassern umhüllend, die Natur zum Ruhen bewegen.

Statt Nebel gab es heute Frost. Mir willkommen.

Frauen die Geschichte schrieben – Olympias

Olympias…schon mal gehört?

Alexander der Große wurde von ihr geboren. Der Name seines Vaters – der Makedonenkönig Philipp II. dürfte da schon deutlich geläufiger sein.

Geboren wurde sie 375 v.Chr. in Epeiros als Tochter des Königs Neoptolemos I. Obwohl in seinem Reich – anders als in Griechenland – Frauen dort Eigentümerinen von Länderein sein konnten und keinen gesetzlichen Vormund brauchten, liegt der Name ihrer Mutter in Vergessenheit.

Polygame Ehen, natürlich nur für Männer, sind erlaubt. Sie sind die Ausgangsbasis für Machtkämpfe unter den zur Mehrfachehe gezwungenen Frauen.

Geschichtsschreiber dieser Zeit sind ausschließlich männlich, wen wundert es, dass die Härte der Frauen untereinander von ihnen als unzumutbar aggresiv beschrieben wird. Mit einer in heutiger Zeit nicht mehr vorzustellenden Grausamkeit vernichteten sie Rivalien, ahmten damit jedoch lediglich nur das Verhalten der Männer dieser Zeit nach.

Erotik, von Frauen ausgehend, gilt als gefährlich. Eigene Sinne und Empfindungen genießend wahrnehmend zu sein, hat selbstverständlich dem Mann zuzustehen.

Olympias einziger Weg zur Freiheit führte durch ihre klare Vorgabe der eigenen Zielvorstellung an ihren Sohn Alexander. Ihre Tochter,Kleopatra, wurde nach ihrer eigenen – durch den Ehemann verfügten – Verweisung in’s Exil, durch ihren Gemahl an ihren eigenen Bruder verheiratet. Dynastisch wird Olympias dadurch unnotwendig, ihr Mann jedoch wurde genau an ebendiesem Tag der Hochzeit erdolcht.

Frauen in makedonischen Häusern hatten unsichtbar zu sein. Der Dramatiker Euripides bringt es für die Männerwelt auf einen Punkt, indem er sagt:“Eine Frau ziere Schweigen und Bescheidenheit, im Hause habe sie still zu sein.“

Obwohl Olympias niemals den Titel einer Königin errang, bedeutete ihr Werdegang einen historischen Wendepunkt in der Geschichte makedonischer Königshäuser. Sie lehrte mit ihrem Verhalten Emanzipation der Frauen.

Nachdem ihr Gemahl sich eine weitere Gattin wählte, sie als Buhlerin beschimpfte, damit ihrem legitimen Sohn Alexander das Erbe streitig machte, begab sie sich ins Exil.

Ihr blieb im Vorraus genügend Zeit ihren Sohn Alexander zur Größe zu erziehen, obwohl er dieses Gut wahrscheinlich schon immer selbst in sich trug. Er schreibt ihr Briefe aus seinen Feldzügen gen Persien.

Sein Vater ist da schon tot. Ermordet von einem Lieblingsdiener. Wie immer gibt es zwei Varianten. Einer zufolge nach soll Aigai – ebendieser Diener – ihn aus Eifersucht getötet haben, denn makedonische Herrscher hatten selbstverständlich auch homoerotische Vergnügen, der anderen nach soll Olympias diesen Mord geplant haben.

Durch den Tod ihres Mannes gewinnt Olympias wieder an gesellschaftlicher Rolle. Genauso wie ihr Sohn Alexander handelt sie schonungslos. Sie zwingt die „neue“ Frau ihres verstorbenen Gattens zum Selbstmord, auch das Baby wird getötet.

Ihr Sohn Alexander soll ungehinderter Erbe sein. Alexander selbst hat all das nicht verhindert, im Gegenteil, er schickte weiterhin regelmäßig Briefe und Beute aus den Feldzügen an seine Mutter.

Es ist davon auszugehen, dass Alexander der Große seinen Tatendrang aus dem Willen seiner Mutter fand.

Sein früher Tod mit 32 Jahren 323 in Babylon bewirkte den Verlust des Schutztes den er seiner Mutter bot.

Ihren Sohn rächend wollend, Giftmordgerüchte gingen um, ließ Olympias Verdächtige aus der Sippe von Alexanders Stadthalter in Makedonien – Antipater – hinrichten.

Kriege um die Macht in Makedonien folgten. Olympias Ansehen war stark, gegnerische Truppen liefen zu ihr über. Eine Blockade ihrer Bastion Pydna mit folgender Hungersnot für die Bevölkerung zwang Olympias zur Aufgabe.

Doch selbst Kassander, Herresführer, fürchtete sich vor der Klarheit dieser Frau. Sie durfte sich nicht vor dem makedonischen Volk verteidigen. 200 Männer wurden abgestellt, die Herrscherin zu töten und wagten es nicht.

Olympias Angehörige selbst sorgten für ihren Tod. Anders als ihr Sohn Alexander, lag sie nicht im Fieber und im Wahn, sondern blieb stolz und ehrenhaft.

Gerade in Zeiten wie unseren, da Mehrfachehen für Männer immer noch erlaubt sind, finde ich Olympias Geschichte erinnerungswert.

Frauen haben das Recht und die Kraft selbstbestimmt zu leben.

Frauen bedürfen keiner Verschleierung, um Männerblicke von ihrer – ihr eigenen – Schönheit abzuwenden.

Frauen haben das Recht auf eine monogame Partnerschaft.

Frauen müssen sich nicht auf Geburtsfähigkeit reduzieren lassen. Genausowenig müssen sie sich zu Geburten zwingen lassen.

Frauen benötigen keine Geburt von Söhnen, um anerkannt zu werden.

Chemnitz

Ein Unbekannter hat am Samstagnachmittag gegen 17.10 Uhr zwei Mädchen (zehn und elf Jahre) auf dem Spielplatz an der Martinstraße angesprochen und die ältere geküsst und unsittlich berührt. Wie die Polizei mitteilte, fragte der Mann zunächst nach der Uhrzeit und küsste und berührte die Elfjährige daraufhin. Als die Mädchen drohten die Polizei zu rufen verschwand der Mann. Er soll zwischen 40 und 50 Jahren alt und etwa 1,80 Meter groß sein. Außerdem trägt er eine Glatze, hat braune Augen und spricht nach Aussagen der Mädchen gebrochenes Deutsch. Er trug eine blaue Jeans, eine braune Jacke und schwarze Schuhe. Hinweise von Zeugen nimmt die Polizei unter der 0371 387-3448 entgegen.

Zum Tag

Morgen müssen wir endlich die Kränze vom Grab räumen.

Heute für die Mama gemacht, still und froh.

Chemnitz

Der mehrfach geschichtsträchtige 9.November naht. Jedem der sich für Geschichte interessiert, sind die Daten bekannt. Geschichtsuninteressierten sind sie egal, darum erspare ich mir Erläuterungen.

Chemnitz, von Schlagzeilen gejagt, „bereitet“ sich darauf auf besondere Art vor.

Natürlich sind für den 9.November Demonstrationen angemeldet. Sie starten wie immer am „Nischel“, dem Karl Marx Monument.

Seit vorgestern ist der Bereich großflächig abgesperrt. Es werden die umliegenden Bodenplatten erneuert, so die Begründung.

Frage ich mich, woher das Geld dafür kommt…

Der sonstige, gesamte Innenstadtbereich besteht aus Kopfsteinplaster. Da die Stadt das günstigste Angebot zur Sanierung angenommen hat, fehlt seit 10 Jahren der Kies dazwischen. Laufen mit Absatzschuhen…unmöglich. Wird auch nicht ausgebessert…kein Geld.

Am 14.November besucht die Bundeskanzlerin Frau Dr.Angela Merkel die Stadt Chemnitz. Der Bereich um den Nischel bleibt mindestens bis dahin wegen Bauarbeiten geschlossen.

Frau Dr.Angela Merkel folgt mit ihrem Besuch nicht der Einladung der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, SPD, sondern der Lokalzeitung „Freie Presse“. Die regionale Tageszeitung hat einen stolzen Tagespreis, demzufolge wenige, besser verdienende Leser, 120 davon sind zum „offenen Gespräch“ mit der Frau Bundeskanzlerin geladen.

Aha.

Sonnabendmärchen

Liebe Blogger, ich tue mich sehr schwer mit mir und euch momentan.

Manches fehlt, vieles tut gut.

Heute haben wir begonnen die Wohnung meiner Mutter auszuräumen. Mir fiel ein Bild von mir als Kind in die Hände und eines meiner Lieblingsdinge…eine Figur des Baron Münchhausen.

Sehr bitte ich euch darum keine Kommentare zu hinterlassen.

Münchhausen
Der Ritt auf der Kanonenkugel

Im gleichen Feldzug belagerten wir eine Stadt – ich habe vor lauter Belagerungen vergessen, welche Stadt es war -, und Marschall Münnich hätte gerne gewusst, wie es in der Festung stünde. Aber es war unmöglich, durch all die Vorposten, Gräben und spanischen Reiter hineinzugelangen.

Vor lauter Mut und Dienstelfer, und eigentlich etwas voreilig, stellte ich mich neben eine unserer größten Kanonen, die in die Stadt hineinschoss, und als sie wieder abgefeuert wurde, sprang ich im Hui auf die aus dem Rohr herauszischende Kugel! Ich wollte mitsamt der Kugel in die Festung hineinfliegen! Während des sausenden Flugs wuchsen allerdings meine Bedenken. Hinein kommst du leicht, dachte ich, aber wie kommst du wieder heraus? Man wird dich in deiner Uniform als Feind erkennen und an den nächsten Galgen hängen!

Diese Überlegungen machten mir sehr zu schaffen. Und als eine türkische Kanonenkugel, die auf unser Feldlager gemünzt, war, an mir vorüberflog, schwang ich mich auf sie hinüber und kam, wenn auch unverrichteter Sache, so doch gesund und munter wieder bei meinen Husaren an.

Im Springen über Zäune, Mauern und Gräben war mein Pferd nicht zu schlagen. Hindernisse gab es für uns nicht. Wir ritten immer den geradesten Weg. Als ich einmal einen Hasen verfolgte, der quer über die Heerstraße lief, fuhr zwischen ihm und mir dummerweise eine Kutsche mit zwei schönen Damen vorüber. Da die Kutschenfenster heruntergelassen waren und ich den Hasen nicht aufgeben wollte, sprang ich samt dem Gaul kurz entschlossen durch die Kutsche hindurch! Das ging so schnell, dass ich mit knapper Mühe und Not die Zeit fand, den Hut zu ziehen und die Damen um Entschuldigung zu bitten.

Ein anderes Mal wollte ich mit meinem Litauer über einen Sumpf springen. Bevor ich sprang, fand ich ihn lange nicht so breit wie während des Sprungs. Nun, wir wendeten mitten in der Luft um und landeten mit heiler Haut auf dem Trocknen. Aber auch beim zweiten Anlauf sprangen wir zu kurz und sanken, nicht weit vom anderen Ufer, bis an den Hals in den Morast! Und wir wären rettungslos umgekommen, wenn ich mich nicht, ohne mich lange zu besinnen, mit der eignen Hand am eignen Haarzopf aus dem Sumpf herausgezogen hätte! Und nicht nur mich, sondern auch mein Pferd! Es ist manchmal ganz nützlich, kräftige Muskeln zu besitzen.

Trotz meiner Tapferkeit und Klugheit und trotz meines Litauers Schnelligkeit und Ausdauer geriet ich, nach einem Kampf mit einer vielfachen Übermacht, in Kriegsgefangenschaft. Und was noch schlimmer ist: ich wurde als Sklave verkauft! Das war ein rechtes Unglück, und wenn meine Arbeit auch nicht gerade als Schwerarbeit zu bezeichnen war, so war sie nicht nur recht seltsam, sondern auch ein bisschen lächerlich oder ärgerlich, wie man will. Ich musste nämlich die Bienen des türkischen Sultans jeden Morgen auf die Weide treiben! Dort musste ich sie, als wären’s Ziegen oder Schafe, den ganzen Tag über hüten. Und am Abend musste ich sie wieder in ihre Bienenstöcke zurückscheuchen.

Eines Abends sah ich nun, dass zwei Bären eine der Bienen angefallen hatten und sie, ihres eingesammelten Honigs wegen, zerreißen wollten. Da ich nichts in der Hand hatte als meine silberne Axt, die das Kennzeichen für die Sultansgärtner ist, so warf ich die Axt mit aller Wucht nach den beiden Räubern. Doch sie traf die Bären nicht, sondern flog an ihnen vorbei, stieg, infolge des gewaltigen Schwungs, höher und höher und fiel erst, wo glaubt ihr, nieder? Auf dem Mond!

Was tun? Wie sollte ich sie wiederkriegen? Wo gab es so lange Leitern? Zum Glück fiel mir ein, dass die türkischen Bohnen in kürzester Frist erstaunlich emporwachsen. Ich pflanzte sofort eine solche Bohne, und sie wuchs doch tatsächlich bis zum Mond hinauf und rankte sich um die eine Spitze der Mondsichel! Nun war es eine Kleinigkeit, hinaufzuklettern, und eine halbe Stunde später fand ich auch meine Axt wieder, die auf einem Haufen Spreu und Häcksel lag.

Ich war heilfroh und wollte schleunigst in die Türkei zurückklettern, aber ach! die Sonnenhitze hatte meine Kletterbohne völlig ausgetrocknet, und sie war zu nichts mehr zu gebrauchen! Ohne langes Federlesen flocht ich mir aus dem Mondhäcksel einen Strick, den ich an einem der Mondhörner festband. Dann ließ ich mich vorsichtig hinunter. Nach einiger Zeit hieb ich mit meiner silbernen Axt das überflüssig gewordene Stück über mir ab und knüpfte es unter mir wieder an. Das ging eine ganze Weile gut, aber mit einem Male, als ich noch in den Wolken hing, riss der Strick! Und ich stürzte mit solcher Gewalt auf Gottes Erdboden, dass ich etwa zehn Meter tief in die Erde hineinfiel! Mir taten alle Knochen weh. Doch nachdem ich mich etwas erholt hatte, grub ich mir mit den Fingernägeln, die ich glücklicherweise zehn Jahre nicht geschnitten hatte, eine Treppe ins Erdreich, stieg auf dieser hoch und kehrte zu meinen Bienen zurück.

Das nächste Mal fing ich’s mit den Bären gescheiter an. Ich bestrich die Deichsel eines Erntewagens mit Bienenhonig und legte mich nicht weit davon in den Hinterhalt. Was ich erwartet hatte, trat ein. Vom Duft des Honigs angelockt, erschien bald darauf ein riesiger Bär und begann an der Deichselspitze so gierig zu lecken, dass er sich nach und nach die ganze Deichselstange durch den Rachen, den Magen und den Bauch hindurch und am Hinterteil wieder herausleckte. Er stak wie am Spieße. Nun lief ich rasch hinzu, steckte durch das vordere Deichselende einen Pflock und ließ Meister Petz bis zum nächsten Morgen zappeln. Der Sultan, der zufällig vorbeispazierte, wollte sich fast totlachen.

Kurz darauf schlossen die Russen und die Türken Frieden, und ich wurde als einer der ersten Gefangenen ausgeliefert und nach Petersburg zurückgeschickt. Dort nahm ich meinen Abschied und kehrte nach Deutschland zurück. Es war ein so strenger Winter, dass sogar die Sonne Frostbeulen bekam, und ich fror noch viel mehr als auf der Hinreise.

Da mein Litauer von den Türken beschlagnahmt worden war, musste ich mit der Schlittenpost reisen. In einem Hohlweg, der kein Ende nehmen wollte, bat ich den Postillon, mit seinem Horn ein Signal zu blasen, damit wir nicht etwa mit einem uns entgegenkommenden Fuhrwerk zusammenstießen. Er setzte das Posthorn an die Lippen und blies aus Leibeskräften hinein. Aber sosehr er sich anstrengte, es kam kein Ton heraus! Trotzdem erreichten wir die nächste Poststation gesund und munter und beschlossen, Rast zu machen und uns von den Strapazen zu erholen. Der Postillon hängte sein Horn an einen Nagel beim Küchenfeuer. Und wir setzten uns zum Essen.

Auf einmal erklang’s »Tereng, tereng, tereng, tengteng!« Wir sperrten die Ohren auf und machten große Augen. Dann merkten wir, warum der Postillon nicht hatte blasen können. Die Töne waren in dem Horn festgefroren! Nun tauten sie nach und nach auf, und es wurde ein richtiges Tafelkonzert daraus. Wir hörten unter anderem »Ohne Lieb‘ und ohne Wein«, »Gestern abend war Vetter Michel da« und sogar das schöne Abendlied »Nun ruhen alle Wälder«.

So endete der Spaß mit dem Posthorn, und damit endet zugleich meine russische Reisegeschichte. Sollten womöglich einige Leser glauben, ich hätte bis hierher dann und wann gelogen, so rate ich ihnen in ihrem eigensten Interesse, das Buch zuzuschlagen. Denn auf der nächsten Seite bereits folgen Abenteuer, die noch wunderbarer als die bisherigen, aber ebenso wahr sind.