Monatsarchiv: Dezember 2017

Das Lied zum Tag

Zum Tag

Normal fahre ich nur am Nachmittag mit Bus oder Bahn. Für drei Tage musste ich das auch am Morgen tun.

(Nicht) schlimm. Den einen Kilometer langen Weg zum Bahnhof laufe ich dick eingemummelt und mit guten Schuhen, entgegen dem eisigen Wind. Wobei es mir schwer fällt um 5.00 Uhr aufzustehen, um geschniegelt und gebügelt 8.00 Uhr im Büro zu sein. Belohnt wurde ich gestern, eine Sternschnuppe fiel mir entgegen, wahrhaftiger Advent, der mir heute verloren gegangen ist.

Heute stieg ich am Zielort eine Haltestelle vorher aus, um mir in einer Bäckerei ein süßes Frühstück zu holen, weil ich verwöhntes Ding vor 6.30 Uhr nichts essen kann.

Neben dem Bäcker die Filiale einer Bank, für Geldautomaten, zwischen den zwei Automaten liegen auf dem Fußboden zwei junge Männer. 

Keine Asylanten. 

Keine Jacke wärmt sie.

Ich gehe zum Bäcker, kaufe zwei belegte Brötchen. 

Leise gehe ich zurück und lege neben jede der Seelen eins.

Das Lied zum Tag

Wenn es Raachermannel naabelt

Das Schöne vom Tag


…leuchtender Schornstein

Joachim Ringelnatz 

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zumut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Joachim Ringelnatz

Das Lied zur Nacht

Erinnerungen – innere Einstellung

Im Herbst 1978 kam ich in die 7. Klasse einer Polytechnischen Oberschule.

Das Schulsystem der DDR sah einen pflichtigen Grundschulbesuch der Klassen 1 – 4 vor.
Dorfkinder konnten bis dahin auch in speziellen Grundschulen lernen.
Ab der 5. Klasse mussten sie in Polytechnische Oberschulen ( POS ) wechseln, in denen ein Schulbesuch bis zur 10. Klasse geplant war.
Ab der Klasse 8 war eine Aufteilung möglich.
Kinder bzw. Jugendliche, denen das Lernen schwer fiel, durften in Ausnahmefällen die Schulzeit beenden, um eine Lehre zu beginnen.
Begabten Jugendlichen stand der Weg zur Erweiterten Oberschule ( EOS ) offen, in der in den Klassen 8 – 12 die Kenntnisse für ein Ende der 12. Klasse abzuschliessendes Abitur gelehrt wurden.

So die offizielle Version.
Der Begriff “ begabt “ hatte in der DDR einen weiten Rahmen.
Mädchen konnten in der DDR alles werden, naturgemäß in jungen Jahren oft weiter entwickelt als gleichaltrige Jungs, gab es zu viele begabte Mädchen.
Ein Junge hatte in der DDR deutlich bessere Chancen zur EOS zugelassen zu werden.
Der Arbeiter- und Bauernstaat hatte Schwierigkeiten, die vorhandene Intelligenzlerschicht, für die im Symbol der DDR der Zirkel stand, zu tolerieren.
Eigenständiges Denken stört in Diktaturen.
Das Arbeiter und Bauern genauso gut denken können, hatte die Führung verdrängt, später wird sie das bereuen.
Es gab auch in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Einheitspartei_Deutschlands

eine begrenzte Aufnahmezahl für Mitglieder der zur Intelligenz zählenden Berufe.
Wollte ein leitender Angestellter in einem Volkseigenem Gut (VEG)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Volkseigenes_Gut

in seiner Karriere vorankommen, musste er Parteimitglied sein. Waren die statistischen Zahlen ausgelastet, schickte man ihn einfach in den Stall arbeiten. In dieser Zeit galt er als Bauer und „durfte“ in die Partei eintreten.
Plan 100 %ig  erfüllt, nach 3-4 Wochen Stallarbeit stand der weiteren Karriere die Türen offen.
Kinder aus Elternhäusern in denen ein oder gar beide Teile der Intelligenz zugeordnet werden konnten, war bei parteitreuer Zugehörigkeit der Eltern ein Zugang zum Abitur möglich, sonst selbstverständlich auch erlaubt, aber schwieriger.
Kirchentreue Eltern hatten ähnliche Probleme ihren Kindern einen Zugang zu erweiterter Bildung und der daraus folgenden Zulassung zu einem Hochschulstudium zu ermöglichen.

Ab der Klasse 7 begannen die Bewerbungen für einen Wechsel von der POS zur EOS.
Grundlage waren die Schulnoten.
Offiziell.
Inoffiziell wurden die Bewerber nach den oben genannten Kriterien bewertet.
Selbstverständlich spielten gute Noten auch eine wahrhafte Rolle.
Für einen Jungen aus einem Arbeiterelternhaus war es jedoch leichter möglich mit einem Zensurendurchschnitt von – ich schätze jetzt grob –  2,2 einen Platz auf der EOS zu erhalten, als für ein Mädchen mit einem geschätzten Zensurendurchschnitt von 1,7 aus einem Intelligenzlerhaushalt.

Ab der 7. Klasse wurde das Fach Staatsbürgerkunde gelehrt.
Darin eine gute Note zu haben, war wichtigere Vorraussetzung als gutes Rechnen, Lesen oder Schreiben.
Inhalt des Faches war die marxistisch-leninistische Weltanschauung.

Ich bin ein aufgewecktes Kind mit stark ausgeprägter, eigener Meinung.
Lernen macht mir Freude und fällt mir leicht.
Mit Mathematik habe ich Schwierigkeiten. Zum Glück fällt das Teilgebiet Geometrie in die Bewertung.
Mit den dazu notwendigen Zeichnungen kann ich etwas anfangen, sie akkurat abliefern und gleiche damit die mangelnde Denkkraft im Zahlenbereich aus, was mich auf eine Gesamtnote von 2,4 im Fach Mathematik bringt.
Deutsche Sprache und Literatur…welche Freude.
Geschichte…her damit, die dafür notwendigen Zahlenkenntnisse sind für mich greifbar. Einmal gelesen kann ich sie auswendig. Das funktioniert auch mit Gedichten, bis heute.
Im neuen Fach Staatsbürgerkunde kann ich sie anwenden, denke ich und scheitere kläglich.
Hier wird kein eigenes Denken gewünscht, hier wird Papierwahrheit eingetrichtert, ohne Abweichung und Kommentare wiederzugeben verlangt, bei sonstiger Schlechtbenotung.
Schon mit der These der gerechten und ungerechten Kriege habe ich große Schwierigkeiten. Ich sehe es anders, als die Lehrmeinung vorschreibt.
Irgendwie kriegen sie mich dabei noch auf den vorgeschriebenen Weg zurück.
Ihn werde ich bei folgendem Text verlassen:

„Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht
Und Genossen es bleibe dabei,
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Lenin’schem Geist
Wächst von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei.“

Er stammt aus dem Lied “ Lied der Partei „.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lied_der_Partei

Mir will nicht klar werden, wie eine einzige Institution das Recht auf die alleinige Wahrheit in Anspruch nehmen kann.
Dies sage ich laut, diskutiere offen darüber.
Nur meine friedliche Einstellung zum von mir geschätztem Engelswerk “ Der Ursprung der Familie…“

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Der_Ursprung_der_Familie,_des_Privateigenthums_und_des_Staats

und mein brillanter Umgang mit den darin erworbenen Kenntnissen rettet meine Zensur.
Vorgemerkt bin ich schon mal. Wieder einmal weiß ich das damals nicht.
In der DDR gibt es die Gesellschaft  „Deutsch-sowjetische Freundschaft“ (DSF).

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Deutsch-Sowjetische_Freundschaft

Der Beitritt ist gebührenpflichtig und freiwillig.
Ich trete nicht ein.
Wie alle anderen Mitschüler habe ich eine russische Brieffreundin, mit der ich regelmäßigen Briefwechsel führe. Mir ist das Zeichen genug, eine offizielle Absegnung meiner Freundschaft durch den Eintritt in die DSF halte ich für verlogen.
Meine Meinung hat Gewicht. Ich bin Mitglied des Gruppenrates der Klasse in der ich lerne und zähle jedes Schuljahr zu den ausgezeichneten Bestschülern.
Ich bekomme eine Vorladung zum Direktor, der ich Folge leiste.
In einem langen Gespräch versucht der Direktor mich zum Entritt in die DSF zu bewegen, ohne Gründe dafür zu benennen. Er kennt und schätzt meine klare Meinung und sagt mir das auch.
Ihm ist es nicht gelungen, mich zu überzeugen, den Eintritt vorzunehmen.
Später, nach der Wende, werde ich erfahren, das von diesem Gespräch meine Zulassung zur EOS abhing.
Kein DSF-Eintritt bedeutet keine EOS-Zulassung, so die einfache Rechnung. Aber mit dem Rechnen habe ich es nunmal nicht so.
Später hat mein Klassenlehrer, den ich wahrhaftig gepisackt habe, mich versucht zu überzeugen ein Abitur mit Berufsausbildung in einer Weberei abzuschließen.
Für mich ein nicht gangbarer Weg.
Eine Mitschülerin, die ihrer Kirchenzugehörigkeit wegen nicht auf die EOS durfte, ist ihn gegangen.
Ihre praktischen Fähigkeiten und ihre Denkweite waren den meinen weit voraus.
Also habe ich einen 10. Klasse Abschluß mit 1,3 ( Mathematik 2 und Sport 2 – im Sport hat mich einzig das Schwimmen und der Ausdauerlauf gerettet. ) und kein Abitur. Sie eine fundierte handwerkliche Ausbildung mit nachfolgendem Zugang zur Universität.
In der 10. Klasse hatte ich einen Vorteil davon.
Nun gab es auch noch das Schulfach Zivile Verteidigung (ZV), auch Wehrunterricht genannt.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wehrunterricht

Im praktischen Teil wurde von mir und meinen Mitschülern verlangt, mit Gasmaske über den Waldboden zu kriechen und gegen den imaginären Feind vorzugehen.
Mit Hinweis auf meine Einstellung zu gerechten und ungerechten Kriegen, habe ich mich geweigert, daran teilzunehmen.
Mein Lehrer war der Diskussion überdrüßig und er erließ mir diesen Teil der Ausbildung inoffiziell.
Während die anderen über den kalten Boden krochen, blieb ich mit beiden Beinen fest auf ihm stehen.
Später hat es Zeiten gegeben, in denen ich dies bereut habe.
Bei den Feierlichkeiten zur Ausgabe der Abschlusszeugnisse durfte und musste ich die Rede des ausgewählten Schülers halten. Das stellte eine besondere Ehrung ebendieses Schülers dar.
Mein Glaube daran, der Ursprung dessen läge in meiner sprachlichen und rhetorischen Fähigkeit, war gering.
Die Rede habe ich gehalten und unbeschadet überstanden.
Vorher hatte ich sie mit einer mir gewogenen Deutschlehrerin – dem von mir hochgeschätzten, lange verstorbenen Fräulein Bauer – abgesprochen.
Das die Auswahl auf mich fiel, sei Teil der persönlichen Entschuldigung meines Direktors an mich gewesen, erfuhr ich viele Jahre später.
Nicht von ihm selbst.

Zum Tag

Dieses Jahr war ein schweres für mich. Fast zu schwer, um damit weiter zu leben.

Es hat mich verändert.

Ich habe erfahren, dass wahr ist woran ich immer glaube. Liebe kommt nicht von anderen. Liebe entsteht in sich selbst.

Wenn aber Liebe von außen wegfällt, erstickt die Liebe von innen. Dann wird Mensch hart. Ich war in diesem Jahr sehr hart, zu mir und zu anderen. Das ist wie ein Reinigungsprozess, wie Feuer, es trennt gut von böse. Dabei entsteht viel Schlacke. 

Sie wird bleiben. Als Tribut an die Erkenntnis.

Das Lied zum Tag

Ich wart auf’n Winter

Sonntagsmärchen

Hans Fallada

Lüttenweihnachten
(gekürzt)

„Tüchtig neblig, heute“, sagte am 20. Dezember der Bauer Gierke ziellos über den Frühstückstisch hin. Es war eigentlich eine ziemlich sinnlose Bemerkung, jeder wusste auch so, dass Nebel war, denn der Leuchtturm von Arkona heulte schon die ganze Nacht mit seinem Nebelhorn wie ein Gespenst, das das Ängsten kriegt. Wenn der Vater die Bemerkung trotzdem machte, so konnte sie nur eines bedeuten. „Neblig -?“ fragte gedehnt sein dreizehnjähriger Sohn Friedrich. „Verlauf dich bloß nicht auf deinem Schulwege“, sagte Gierke und lachte.
Und nun wusste Friedrich genug, lief in den Stellmacherschuppen und „borgte“ sich eine kleine Axt und eine Handsäge. Dabei überlegte er: Den Franz von Gäbels nehm‘ ich nicht mit, der kriegt Angst vor dem Rotvoß. Aber Schöns Alwert und die Frieda Benthin. Also los!
Wenn es für die Menschen Weihnachten gibt, so muss es das Fest auch für die Tiere geben. Wenn für uns ein Baum brennt, warum nicht für die Pferde und Kühe, die doch das ganze Jahr unsere Gefährten sind? In Baumgarten feiern die Kinder vor dem Weihnachtsfest Lüttenweihnachten für die Tiere, und dass es ein verbotenes Fest ist, von dem Lehrer Beckmann nichts wissen darf, erhöht seinen Reiz.
Sieben Kilometer sind es gut bis an die See, und nun fragt es sich, ob sie sich auch nicht verlaufen im Nebel. Da ist nun dieser Leuchtturm von Arkona, er heult mit seiner Sirene, dass es ein Grausen ist, aber es ist so seltsam, genau kriegt man nicht weg, von wo er heult. Manchmal bleiben sie stehen und lauschen. Sie beraten lange, und wie sie weitergehen, fassen sie sich an den Händen, die Frieda in der Mitte. Das Land ist so seltsam still; wenn sie dicht an einer Weide vorbeikommen, verliert sie sich nach oben ganz in Rauch. Es tropft sachte von ihren Ästen, tausend Tropfen sitzen überall, neun, die See kann man noch nicht hören. Vielleicht ist sie ganz glatt, man weiß es nicht, heute ist Windstille.
Jetzt sind es höchstens noch zwanzig Minuten bis zum Wald. Alwert weiß sogar, was sie hier finden: erst einen Streifen hoher Kiefern, dann Fichten, große und kleine, eine ganze Wildnis, gerade, was sie brauchen, und dann kommen die Dünen und dann die See.
Plötzlich sind sie im Wald. Erst dachten Sie, es sei nur ein Grasstreifen hinter dem Sturzacker, und dann waren sie schon zwischen den Bäumen, und die standen enger und enger, Richtung? Ja, nun hört man doch das Meer, es donnert nicht gerade, aber gestern ist Wind gewesen, es wird eine starke Dünung sein, auf die sie zulaufen.
Und nun seht, das ist nun doch der richtige Baum, den sie brauchen, eine Fichte, eben gewachsen, unten breit, ein Ast wie der andere, jedes Ende gesund – und oben so schlank, eine Spitze so hell, in diesem Jahre getrieben. Kein Gedanke, diesen Baum stehen zu lassen, so einen finden sie nie wieder. Ach, sie sägen ihn ruchlos ab, sie bekommen ein schönes Lüttenweihnachten, das herrlichste im Dorf. Sie binden die Äste schön an den Stamm, und dann essen sie ihr Brot, und dann laden sie den Baum auf, und dann laufen sie weiter zum Meer.

Zum Meer muss man doch, wenn man ein Küstenmensch ist, selbst mit solchem Baum. Anderes Meer haben sie näher am Hof, aber das sind nur Bodden und Wieks. Dies hier ist richtiges Außenmeer, hier kommen die Wellen von weit, weit her, von Finnland oder von Schweden oder auch von Dänemark. Richtige Wellen… Also, sie liefen aus dem Wald über die Dünen. Und nun stehen sie still.
Und was sie sehen, ist ein Stück Strand, ein Stück Meer. Hier über dem Wasser weht es ein wenig, der Nebel zieht in Fetzen, schließt sich, öffnet den Ausblick. Und sie sehen die Wellen, grüngrau, wie sie umstürzen, weiß schäumend draußen auf der äußersten Sandbank, näher tobend, brausend. Und sie sehen den Strand, mit Blöcken besät, und dazwischen lebt es in Scharen…
„Die Wildgänse!“ sagen die Kinder. „Die Wildgänse -!“
Sie haben nur davon gehört, sie haben es noch nie gesehen, aber nun sehen sie es. Das sind die Gänsescharen, die zum offenen Wasser ziehen, die hier an der Küste Station machen, eine Nacht oder drei, um dann weiterzuziehen nach Polen oder wer weiß wohin. Vater weiß es auch nicht.
Und plötzlich sehen sie noch etwas, und magisch verführt, gehen sie dem Wunder näher. Abseits, zwischen den hohen Steinblöcken, da steht ein Baum, eine Fichte, wie die ihre, nur viel, viel höher, und sie ist besteckt mit Lichtern, und die Lichter flackern im leichten Windzug… „Lüttenweihnachten für die Wildgänse…“ Immer näher kommen sie, leise gehen sie, auf den Zehen – oh dieses Wunder! – und um den Felsblock biegen sie. Da ist der Baum vor ihnen in all seiner Pracht, und neben ihm steht ein Mann, die Büchse über der Schulter, ein roter Vollbart…

„Ihr Schweinskerls!“ sagt der Förster, als er die drei mit der Fichte sieht. Und dann schweigt er. Und auch die Kinder sagen nichts. Sie stehen und starren. Es sind kleine Bauerngesichter, sommersprossig, selbst jetzt im Winter, mit derben Nasen und einem festen Kinn. Es sind Augen, die was in sich ‚reinsehen. Immerhin, denkt der Förster, haben sie mich auch erwischt beim „Lüttenweihnachten“. – Ja, da stehen sie nun: ein Mann, zwei Jungen, ein Mädel. Die Kerzen flackern am Baum, und ab und zu geht auch eine aus. Die Gänse schreien, und das Meer braust und rauscht. Die Sirene heult. Da stehen sie, es ist eine Art Versöhnungsfest, sogar auf die Tiere erstreckt, es ist „Lüttenweihnachten“. Man kann es feiern, wo man will, am Strand auch, und die Kinder werden nachher in ihres Vaters Stall noch einmal feiern. Und schließlich kann man hingehen und danach handeln. Die Kinder sind imstande und bringen es fertig, die Tiere nicht mehr zu quälen und ein bißchen nett zu ihnen zu sein. Zuzutrauen ist ihnen das.