Frauen die Geschichte schrieben – Clara Zetkin (1857-1933)

Clara Zetkin war eine wichtige Wegbereiterin auf dem langen und längst noch nicht beendetem Weg zur Gleichberechtigung der Frau. Der 8.März, der Internationale Frauentag, geht auf ihre Initiative zurück.

Geboren wurde Clara 1857. Ihr Vater, Gottfried Eisner, war Sohn eines Tagelöhners und hatte sich selbst schon mit 16 Jahren zum Dorfschullehrer hoch gearbeitet. Als tief gläubiger Christ versuchte er durch eigene Mildtätigkeit, die Welt zu einem besserem Ort zu machen.

In zweiter Ehe heiratete er Josephine Vitale, die Clara’s Mutter wurde. Früh schon kam Clara, die älteste Tochter dieser Ehe war, über ihre Mutter mit deren Veränderungshoffnungen, die auf der verpfuschten Revolution von 1848 beruhten, in Kontakt. Ihre Mutter gründete in Wiederau, dem Wohnort der Familie, einen Verein für Frauengymnastik und stand zudem in engem Kontakt zu anderen Frauen der bürgerlichen Frauenbewegung.

1872 zog die Familie nach Leipzig, die Eltern erhoffen sich vom Umzug in die Großstadt eine bessere Ausbildung ihrer Kinder. Für Mädchen gab es auch dort nur eingeschränkte Möglichkeiten. Eine davon war ein Lehrerinnenseminar, das Clara besuchte. Geleitet wurde es von Auguste Schmidt, einer Freundin ihrer Mutter aus der bürgerlichen Frauenbewegung. Wichtig hier war für Clara, dass sich das Seminar der chauvinistischen Welle, die nach der Reichsgründung von 1871 entstanden war, widersetzte.

Langsam nur kam eine demokratische Frauenbewegung in Gang, noch galten alte Werte zur Stellung, Bildung und Erziehung von Mädchen und Frauen.

Seit den 1860’er Jahren trat die Frauenbewegung mehr und mehr für eine Vorwärtsbewegung der Menschheit ein. Diese beruhte auf der Erkenntnis, dass die Intelegenz kritisches Denken zu fördern hat, um das einfache Volk ihr gleich zu setzen.

Clara begann sich von sich selbst und ihrer Stellung loszusagen, um damit das Recht zu erwerben, im Namen des Volkes zu sprechen.

Über ihre Tätigkeit lernte sie Ossip Zetkin kennen. Der aus der Ukraine stammende Mann, musste von dort aus politischen Gründen fliehen und hatte Leipzig als seine Wahlheimat gewählt. Dort studierte er und finanzierte sein Studium über eine Halbtagsstellung beim Tischlermeister Mosermann, der ein überzeugter Sozialdemokrat war. So kamen beide zum Kontakt mit dieser Partei.

1875 nannte sich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands um. Ihre Hochburg lag in Leipzig. Diese Partei war eine revolutionäre Partei, die Arbeiter zum Kampf gegen den Kapitalismus organisieren wollte. Parteiführer waren August Bebel und Karl Liebknecht.

Bismarck nutzte 1878 die Attentate auf den Kaiser, um diese Partei zu unterdrücken. Im Zuge dessen erließ er die Sozialistengesetze.

Clara war damals, auch durch Ossip Zetkin, schon tief mit der Partei verbunden.

Im August 1880 fand in der Schweiz ein sozialdemokratischer Parteitag statt. In die Schweiz ausgelagert musste er werden, da die Partei in Deutschland mittlerweile verfolgt wurde. Bebel berichtete dannach in Leipzig davon. Alle Teilnehmer der Veranstaltung, auf der er dies tat, wurden daraufhin verhaftet, mussten aber wieder frei gelassen werden. Für Ossip Zetkin bedeutete dies jedoch die Ausweisung aus Deutschland. Er ging nach Paris.

Clara selber ging zunächst in die Schweiz. Dort wurde die Parteizeitung „Der Sozialdemokrat“ gedruckt. Sie half bei deren illegaler Verschickung nach Deutschland. Zudem führte sie politische Diskusionen. Sie erkannte, auch durch Bebel’s Buch „Die Frau und der Sozialismus“, dass der Kampf der ArbeiterInnen für Sozialismus und der Kampf für die Befreiung der Frau ein gemeinsames Thema waren.

Clara zog wenig später zu Zetkin nach Paris, hat ihn jedoch nie geheiratet, um ihre deutsche Staatsbürgerschaft nicht zu verlieren. Seit dieser Zeit führte sie jedoch seinen Namen. Ihre Söhne Maxim und Konstantin wurden geboren.

In Reden machte sie auf die Last der Frauen aufmerksam. Lohnarbeit, Haushalt und politische Arbeit forderten von den Frauen einen Arbeitstag, der oft 16 – 20 Stunden hatte.

1886 ermöglichte ihr das Honorar für einen Artikel eine Reise nach Leipzig und die Teilnahme an illegalen Veranstalungen. Aufgeregt hielt sie dort erste Reden.

Clara Zetkin stand im Kontakt zu Führerinnen der französischen Arbeiterbewegung unter Jules Guesde und Paul und Laura Lafargue. Laura Lafargue war die Tochter von Karl Marx.

Am 29.1.1889 stirbt ihr Mann, den sie in seiner letzten Lebenszeit pflegte.

Am 19.Juli hält sie ihre erste große Rede auf einem Kongress, dessen Inhalt die Gründung der Zweiten Internationale ist. Ihr Redthema beinhaltet die Befreiung der Frau.

1890 werden in Deutschland die Sozialistengesetze aufgehoben. Für Clara war das Anlass, nach Stuttgart zu ziehen.

Der sozialdemoktratische Verleger Dietz gründet eine Frauenzeitschrift, deren Redakteurin Clara Zetkin wird. „Die Gleichheit – Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen“ zählt zu ihren wichtigsten Lebenswerken. In ihr wendet sie sich u.a. gegen den Aberglauben, dass die Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft unveränderbar sei.

Clara Zetkin war eine leidenschaftliche Politikerin, sowie Publizistin und nicht zuletzt eine großartige Rednerin. Über ein halbes Jahrhundert prägte sie die deutsche und die internationale Frauenbewegung.

Sie war eine energische Gegnerin des 1.Weltkrieges und sprach im März 1915 auf dem Frauenkongreß in Berlin dazu. Anschließend verteilte sie in Deutschland Flugblätter zu diesem Thema, wurde deswegen verhaftet und des Landesverrates angeklagt. Auf Grund einer hohen Protestwelle musste sie wieder frei gelassen werden.

Parteiintern begann sich ihre Partei zu spalten. Sie schloss sich den radikalen Linken unter Karl Liebknecht und Rosa Luxemborg an. Daraufhin wurde ihr die Redaktion der „Gleichheit“ entzogen, für sie war das Verlust ihres Lebenswerkes.

Als Freundin Lenin’s gehörte Clara Zetkin in der Weimarer Republik zu den kommunistischen Spitzenfunktionären und entwickelte sich zur führenden kommunistischen Frauenrechtlerin.

1919-1921 leitete sie die Frauenzeitschrift „Die Kommunistin“ und war Leiterin des Frauensekretariats der Kommunistischen Internationale.

1919 gehörte Clara Zetkin zu den Frauen, die erstmals in ein deutsches Parlament einziehen durften.

Ebenfalls 1919/1920 wurde sie Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung Würtenbergs und hielt dort die erste Rede einer Frau in einem deutschen Parlament.

1920-1933 gehörte sie dem demokratischen Reichstag an.

Clara Zetkin lebte in ihren späten Jahren länger in der UdSSR. Im August 1932 kehrte sie, schon schwer erkrankt, kurz nach Deutschland zurück, um als erste Alterspräsidentin den letzten demokratischen Reichstag zu eröffnen. In ihrer Rede warnte sie vor den Gefahren des Nationalsozialismus.

Nach ihrer Rückkehr nach Moskau gerät sie als Gegnerin Stalins mehr und mehr in politische Isolierung und stibt am 20.6.1933.

Ihre Urne wurde in Moskau an der Kremelmauer beigesetzt.

8 Antworten zu “Frauen die Geschichte schrieben – Clara Zetkin (1857-1933)

  1. Danke Arabella fürs Erinnern an diese großartige Frau!
    Herzliche Sonntagsgrüße sende ich dir
    Ulli

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  2. Ein wichtiges Zeitzeugnis. Danke Arabella.

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  3. Guten Morgen liebe Freundin! Es ist sehr wichtig diesen Teil der Geschichte immer wieder aufzuzeigen, denn den Anfang gegen das Dogma der Männerherrschaft zu initiieren ist weit aus wichtiger und viel schwerer gewesen, als heute über so einen Blödsinn zu diskutieren, ob es ebenfalls Ampelfrauen geben sollte. Herzliche Grüße und ich wünsche dir einen kuscheligen Feiertag!

    Gefällt 2 Personen

  4. Danke für diese Erinnerung, liebe Arabella! Meine Oma, Jahrgang 1885, war Halbwaise, ging 1905 als Privatlehrerin nach Irland – mir schien, sie war auch eine Art Pionierin. Leider hatte ich als Kind kaum die Möglichkeit, sie zu ihrem Leben zu befragen.

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