Frauen die Geschichte schrieben – Mary Astell (1666-1731)

Die Aufwertung der Frau durch die Aufwertung der Ehe, ausgelöst durch die Geschehnisse der Reformation, war ein Akt der Balance, voll von Spannungen. Helfen aus den Verwirrungen sollte die Bibel, die in diesem Fall so ausgelegt wurde: da Eva nicht Adams Kopf entstammte – war sie nicht übergeordnet. Da sie nicht seinem Fuß entstammte – nicht untergeordnet. Das Entstammen Evas aus Adams Rippe zeige ihre Gleichwertigkeit – ein Anfang.

Luther zufolge heirateten Frauen nicht um der Männer willen, sondern um Kinder zu haben. Die Sexualität von Frauen reduzierte er damit auf die Erhaltung der Art. Anstelle der alten männlichen kam jetzt eine neue weibliche Eheschmäh auf.

Die lebenslang unverheiratete Gelehrte und Schriftstellerin Mary Astell fand: „Männer heirateten nur, um eine praktische Haushälterin zu haben – eine – die ihm seine Kinder gebiert, die Sorge und Last ihrer Erziehung trägt, um seinen Namen Dauer zu verleihen. Eine – über die er uneingeschränkt herrschen kann – ein (nach frühchristlichen Worten) „notwendiges Übel“. “ Weiter sagt sie: „Die freie Gattenwahl sei eine Farce und die einzige wirkliche Wahl sei die Wahl zwischen solcher Ehe oder Ehelosigkeit.“

Mary Astell wurde am 12.November 1666 in Newcastle upon Tyne geboren und starb am 11.Mai 1731. Sie war nicht nur Schriftstellerin, Rhetorikerin und Philosophin – sie war Englands erste Feministin.

Ihr tiefes Anliegen war, Frauen gleichrangige Bildungschancen bei gleichrangigen Fähigkeiten gegenüber den Männern zu gewähren. Sie forderte die Abschaffung der Ungleichheit in der Ehe.

Als Frau hatte sie geringen Zugang zu den Geschehnissen in der Welt des Handels, der Politik und Justiz.

Aus der höheren Mittelschicht stammend, ihr Vater besaß eine Kohlefabrik, erhielt sie keine formelle Schulbildung, da sie weiblich war und darum keinen Anspruch darauf hatte. Ihr Onkel, ein Pfarrer – der wegen Alkoholismus später seine Anstellung verlor – gab ihr Privatunterricht.

Im Alter von 12 Jahren verlor sie ihren Vater, ohne dass er ihr eine Mitgift hinterlassen hätte. Das vorhandene Restvermögen wurde für die Ausbildung ihres Bruders aufgewendet. Sie selbst lebte mit ihrer Mutter von da an bei einer Tante. Nach dem Tod von Mutter und Tante ging sie 1688 nach London und machte in Chelsea Bekanntschaft mit einem literarischem Zirkel gebildeter, einflussreicher Frauen, zu denen auch Lady Mary Wortley Montagu gehörte. Sie und die anderen Damen halfen ihr in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit Fuß zu fassen. Der Erzbischof von Canterbury – William Sancroft – half ihr finanziell und erstellte den Kontakt zu ihrem zukünftigen Verleger.

1709 zog sich Mary Astell aus der Öffentlichkeit zurück und gründete eine von der „Society for Promoting Christian Knowledge“ finanzierte Schule für Mädchen in Chelsea, deren Schulplan sie selbst erstellte.

1727 erfolgte von Lady Catherine Jones die Einladung, ihre weitere Lebenszeit auf dem Anwesen der Dame zu verbringen, welche sie annahm. Nach einer schweren Brustkrebserkrankung verstarb sie dort 1731, in tiefer Liebe zu Gott und ohne Verlangen nach ihren Angehörigen.

Mary Astell hat ein großes Vermächtnis hinterlassen.

Sie trat dafür ein, dass Frauen genauso rational wie Männer seien und daher gleiche Ausbildung verdienen.

Ihr Buch “ Serious Prodposal to the Ladies for the Advancement of their True and Greatest Interest“,

1694 veröffentlicht, beinhaltet den Entwurf einer Frauenakademie, in der Frauen ein Leben des Geistes führen konnten.

1700 erschien „Some Reflections upon Marriage“. Darin kritisiert sie die Institution der Ehe und warnt Frauen vor unüberlegten Heiraten. Die aufgeführten Argumente wie: „gute Ausbildung helfe Frauen bessere Eheentscheidungen zu treffen“ waren damals absolut neu. Sie brachte ihre Meinung durch philosophische Debatten zum Ausdruck und führte Briefwechsel mit den großen Denkern ihrer Zeit. Beeinflusst war ihr eigenes Denken von den Arbeiten René Descartes, insbesondere seiner Theorie des Dualismus. Die Annahme der Trennung von Körper und Seele lies sich gut für ihre Argumentation der Annahme Frauen und Männer besitzen die gleiche Fähigkeit zur Vernunft verwerten.

Bleibt hauptsächlich, in Zeiten des Vergessens des Wahrheitswertes vergangener Schriften, ein prägender Satz von Mary Astell und dessen wahrheitsgetreue Aussage:

“ Wenn alle Männer frei geboren sind, warum sind dann alle Frauen als Sklaven geboren? „


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15 Antworten zu “Frauen die Geschichte schrieben – Mary Astell (1666-1731)

  1. Immer, wenn ich solche Artikel bei dir lese, weiß ich, dass ich fast nichts weiß. Über die Ehe mit Frauen und deren Dasein habe ich mich schon früh im Leben beschäftigt und dann zu dem Schluss gekommen, dass Männer einfach zu viel Angst vor Frauen haben, um denen die gleichen Lebensteile zuzugestehen, denn dann müssten sie auf gleicher Basis agieren und díes ist anscheinend zu schwer. In der restlichen Natur ist diese Symbiose ganz selbstverständlich und dort leiten oft die Weibchen das Geschick der Gruppe oder Familie. Ich kann mir denken warum das so ist. Dankeschön liebe Freundin und allerbeste Genesung!

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  2. Oh, was für eine interessante und uns bis dato unbekannte Frau! Vielen Dank für den Bericht über sie!

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  3. Danke Arabella und was damals galt, gilt leider auch noch heute, auch wenn die Frauen, wenigstens in D, schon relativ viel Land gewonnen haben … es gilt nicht nachzulassen, es gibt noch viel Ungerechtigkeit und in anderen Ländern noch viel mehr!
    herzlichst
    Ulli

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  4. Warum sind wir zur Zeit dabei und verspielen die Erfolge für Frauen? Warum sind es oft Frauen, die dafür verantwortlich sind? Ich habe da die eine oder andere Idee. Die „Grauen Herren“ sowieso.

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    • Das ist eine kluge Frage. Frauen, die sich den herrschenden Bedingungen anpassen, haben es leichter, bekommen Vorteile. Beispiel sind die Beschneiderinen, die teilweise eine Ehrenstellung innehaben. Religionen bieten eine breite Basis Frauen zur Demut zu zwingen. Nicht grundlos hat das Christentum die fruchtbaren, liebeslustigen Göttinen verbannt und eine Jungfrau muss Ersatz geben. Verschleiert wird damit der Kern der Sache. Der eigene Name soll gerettet und weiter gegeben werden, wie Mary es schreibt, als wäre die Weitergabe der weiblichen Linie nicht genauso ebenbürtig, sie ist sogar mehr, weil immer eindeutig. Das muss verborgen werden.

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