Nepomuk Hastig lernt Geduld

Nepomuk Hastig brauchte lange, um seiner behüteten Kindheit zu entwachsen. Er war ein glückliches Kind – und allein. Nie wollte er Räuber und Prinzessin spielen. Wenn Liebe Entführung verlangt, ist es nicht seine Art zu lieben. Bei seiner Mutter kann er Liebe fühlen. In der Art wie sie ihn versteht, ohne zu fragen, einfach mit Blicken. Er fand es besser, den Nachmittag in ihrer Nähe zu verbringen. Das Rattern ihrer Nähmaschine war Musik zu seinen Lesestunden in den Büchern seines zu früh verstorbenen Vaters. Die Bücher – eine Welt des Eintauchens in Fremdes, welches nicht lange fremd blieb, waren sie für ihn. Mehr als das Rattergeräusch und seine Bücherwohnung war ihm nur der schwache Kaffeeduft der aus der Wohnküche zu ihm zog, wenn seine Mutter sich eine Pause gönnte. Dann setzte sie einen Filter aus Porzellan auf eine kleine, vorher angewärmte Kanne, goss sprudelndes Wasser aus dem Pfeifkessel, der vorher lautstarkt ein Lied gespielt hatte. Die erste, starke Tasse war für sie, den zweiten Aufguss bekam er und ein Streicheln ihrer weichen Hände auf seinen Kopf. Dann ging sie wieder an ihre Arbeit und er in seine Welt.

Seine Welt heute war immer noch eine andere als die der meisten Menschen die er kannte. Er rannte ziellos durch sie, versuchte kindheitsruhige Momente zu finden. Gelang es ihm nicht, zog er sich zurück und es gelang ihm sehr selten.

Nepomuk Hastig sitzt auf einem Baumspielplatz und schaut Kindern zu die Räuber und Prinzessin spielen. Glückseelig lacht die entführte Prinzessin, der Räuber hat strahlende Augen. Ohne ihn wäre das arme, reiche Ding falsch verheiratet worden. Nun ist sie frei.

Nepomuk Hastig ist endlich der Bücherwelt entflohen und in der realen angelangt. Vielleicht aber ist alles nur ein Traum.

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13 Antworten zu “Nepomuk Hastig lernt Geduld

  1. Solange es nur schöne Träume sind, ist es in Ordnung …

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  2. Manchmal kann die Welt auch traumhaft sein

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  3. Träum Du schön!

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