Sonntagsmärchen

Der alte Großvater und der Enkel

Ein Märchen der Brüder Grimm

Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußte sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm naß. Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus mußte er nun essen. Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. „Was machst du da?“ fragte der Vater. „Ich mache ein Tröglein,“ antwortete das Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an Fingen endlich an zu weinen, holten alsofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

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14 Antworten zu “Sonntagsmärchen

  1. Das wäre schön, wenn es später einmal so wäre.

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  2. Ich wünsche allen alten Leuten, egal mit was für Behinderungen, solche klugen und liebevollen Enkel.
    Lieben Gruß zu dir!

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  3. Schau sich einer den kleinen Mann an, so schnell war er in der Lage den Eltern die Augen zu öffnen!

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  4. Au jaaaa! Schon immer ein Lieblingsmärchen von mir. Da gab es so eine Märchensammlung in beigem Einband, da war eine richtig anheimelnd schöne Illustration dazu drin. … und trotzdem fand ich nie richtig Zugang zu meinem „komischen“ Opa. Im Nachhinein ist man dann schlauer, aber damals fehlte es an der richtigen Aufklärung irgendwie … und ne verständnisloses Liebesbereitschaft (seitens des Jüngeren) kann eben auch als „nur nervig“ empfunden werden. Und es endet in beiderseitigem Abwinken.

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