Balladenostermontag

Christiane

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/17/aufruf-balladenmontag-der-zauberlehrling/

hat wieder zum Balladensammeln eingeladen. Weil ich ihren Blog schätze und weil ich weiß wieviel Arbeit hinter solchen Projekten steckt, bin ich gerne dabei. Ausgesucht habe ich Goethe’s schaurigen Totentanz, den er während seiner Flucht vor Napoleon schrieb und an seinen Sohn schickte, der dann diese Ballade veröffentlichte. Zudem ist Ostern das Fest des Lebens und des Sterbens. Allen die einen Verlust zu beklagen haben wünsche ich Kraft, allen die einen Verlust befürchten müssen wünsche ich Mitgefühl und Stärke. 

Der Totentanz

Johann Wolfgang von Goethe

Der Türmer, der schaut zu mitten der Nacht
Hinab auf die Gräber in Lage;
Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht:
Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.
Da regt sich ein Grab und ein anderes dann:
Sie kommen hervor, ein Weib da, ein Mann,
in weißen und schleppenden Hemden.
Das reckt nun, es will sich ergötzen sogleich,
Die Knöchel zur Runde, zum Kranze,
So arm und so jung und so alt und so reich;
Doch hindern die Schleppen am Tanze.
Und weil nun die Scham hier nun nicht weiter gebeut,
Sie schütteln sich alle: da liegen zerstreut
Die Hemdlein über den Hügeln.
Nun hebt sich der Schenkel, nun wackelt das Bein,
Gebärden da gibt es, vertrackte;
Dann klippert’s und klappert’s mitunter hinein,
Als schlüg‘ man die Hölzlein zum Takte.
Das kommt nun dem Türmer so lächerlich vor;
Da raunt ihm der Schalk, der Versucher, ins Ohr:
Geh! hole dir einen der Laken.
Getan wie gedacht! und er flüchtet sich schnell
Nun hinter geheiligte Türen.
Der Mond, und noch immer er scheinet so hell
Zum Tanz, den sie schauderlich führen.
Doch endlich verlieret sich dieser und der,
Schleicht eins nach dem andern gekleidet einher,
Und husch! ist es unter dem Rasen.
Nur einer, der trippelt und stolpert zuletzt
Und tappet und grapst an den Grüften;
Doch hat kein Geselle so schwer ihn verletzt,
Er wittert das Tuch in den Lüften.
Er rüttelt die Turmtür, sie schlägt ihn zurück,
Geziert und gesegnet, dem Türmer zum Glück:
Sie blinkt von metallenen Kreuzen.
Das Hemd muß er haben, da rastet er nicht,
Da gilt auch kein langes Besinnen,
Den gotischen Zierat ergreift nun der Wicht
Und klettert von Zinnen zu Zinnen.
Nun ist’s um den armen, den Türmer getan!
Es ruckt sich von Schnörkel zu Schnörkel hinan,
Langbeinigen Spinnen vergleichbar.
Der Türmer erbleichet, der Türmer erbebt,
Gern gäb‘ er ihn wieder, den Laken.
Da häkelt – jetzt hat er am längsten gelebt –
Den Zipfel ein eiserner Zacken.
Schon trübet der Mond sich verschwindenden Scheins,
Die Glocke, sie donnert ein mächtiges Eins,
Und unten zerschellt das Gerippe.

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8 Antworten zu “Balladenostermontag

  1. Leben und Sterben, ja, und Ostern bietet ursprünglich viel Gelegenheit, darüber im Stillen nachzudenken und nachzufühlen …
    Frohe Ostern dir und deinen Lieben, danke, dass du mitgemacht hast!
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. „Allen die einen Verlust zu beklagen haben wünsche ich Kraft, allen die einen Verlust befürchten müssen wünsche ich Mitgefühl und Stärke.“ – das hast du sehr zutreffend geschrieben und ich kann mich diesem Wunsch nur anschließen.
    Liebe Zweitfeiertagsgrüße von Clara

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  3. Ein schöner Wunsch, der sicher für viele Menschen passend ist.

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