Frauen die Geschichte schrieben – Katharina Zell (um 1497 – 5.9.1562)

Die Kontroverse um Priesterehe und Jungfräulichkeit war zentral für die protestantische wie katholische Reform, für Männer wie für Frauen. Für das Volk war sie wichtiger als Luthers Thesenanschlag und verschaffte der Reformation ihre Breitenwirkung. Öffentliche Eheschließungen von Priestern, Nonnen und Mönchen, die Aufhebung von Klöstern führten zu einer Heiratsepedemie in Deutschland, wohin auch ehewillige Reformer aus Frankreich gingen, diese Phase prägte das Bild der Reformation, teils für damalige Verhältnisse skandalös. 

Eine der mutigen Frauen, die es wagten einen Priester zu ehelichen war Katharina Schütz. Die von Luther angeführte Reformation, Luther selbst ist verheiratet mit der entlaufenen Nonne Katharina von Bora, schuf die geschichtlich neue Figur der Pfarrersfrau. Bis zur Pfarrerin selber war es noch ein weiter Weg, dessen Bereiterinnen Frauen wie Katharina Zell waren. Über einen langen Zeitraum galt sie als das Modell der Gefährtin und/oder Gehilfin des Mannes.

Katharina wird um 1497 in Straßburg als Tochter eines Schreinermeisters geboren. Ihre Bildung ist lückenhaft, schon als junges Mädchen beschäftigt sie sich mit religiösen Fragen. Ihr zukünftiger Mann Matthäus Zell predigt ab 1521 im Straßburger Münster im Sinne der Reformation. Schon in derem Beginn schreibt Katharina „rauhe“ Briefe an den Straßburger Bischof Wilhelm III. von Hohnstein. Am 3.12. 1523 heiratet sie den Geistlichen Matthäus Zell, etwas was wenige Jahre zuvor undenkbar war und es in der katholischen Kirche bis heute ist. Sie nahm die Gefährtenschaft, für mich ein Ausdruck der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau, ernst. Sie war es auch, die ihre spektakuläre Eheschließung mit ihrem reformatorischen Mann Matthäus in einer Flugschrift öffentlich rechtfertigte. 

„Entschuldigung für jenen Eegemahel, der ein Pfarrher und dyner ist im wort Gottes zu Straßburg“

Darin berief sie sich auf ein Paradox, das in der „Quelle de femmes“ oft genutzt wurde. „Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass es, was stark ist, zuschanden macht.“

Ihr Haus bot verjagten Lutheranern Unterschlupf, sie versorgte sie ebenso wie sie in der Hungersnot des Bauernkrieges täglich bis zu 100 Menschen bei sich speiste.

Nach dem Tod ihres Ehemanns wagte sie sich eine öffentliche Rede zu halten, in der sie argumentierte, die Ehe sei ein Mittel Seelen zu retten, die eigene ebenso wie diejenige anderer.

Betrachtet man aus heutiger Sicht die Not schwanger gewordener Nonnen und das Leid der so, wenn überhaupt, geborenen Kinder, war dieser Schritt in Richtung der Ehe als gleichberechtiger Bund zweier im Geist und in der Arbeit verbundener Menschen, ein enormer Fortschritt aus der Ehekuppelei des Mittelalters, indem Frauen als Mittel zur Erweiterung des eigenen Vermögens oder der Verknüpfung familiärer Verbindungen, bzw. der Beilegung von Fehden verheiratet worden waren. Gab es im frühen Mittelalter noch die Morgengabe –  als Witwenbesitz der Frau diese damit absichernd im Fall des früheren Todes des Ehemannes – war diese im fortschreitenden Mittelalter weggefallen, während der einfordernde Bestand der Mitgift selbst erhalten blieb.

Katharina Zell stand im Briefwechsel mit Luther ( den ich persönlich nicht schätze, sein Verhalten in den Bauernkriegen zeigt mir zu deutlich seine wahre Einstellung, viel mehr ist mir ein Thomas Müntzer )

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCntzer
 

selber, reiste 1548 mit ihrem Mann nach Wittenberge, um ihn dort zu treffen. Ihre Rolle als handelnde Gefährtin nahm sie in Anspruch, um 1443 bei der Errichtung des Wilhelminenstiftes tätig zu sein, eine Einrichtung, die armen Schülern Unterschlupf bot.

Frauen wie Katharina Zell sorgten mit ihrer Lebenshaltung dafür, dass in den Ehen die Aufwertung der Ehefrau und die Gleichstellung als gemeinsam handelndes Arbeitspaar erfolgte. Durch ihr Tun wurden Ehefrauen und Müttern der Zugang zu neuen Aufgaben legitimiert, insbesondere die frühe (auch religiöse) Bildung von Söhnen und Töchtern. Für die neuen Protestantinnen entfiel der Heiligen- und Marienkult, der für die Katholikinnen seit dem 12.Jahrhundert eine enorme Rolle spielte. 

Katharina Zell war eine der ersten Frauen, die sich auf den Weg machte, ihr Leben innerhalb einer Ehe als gleichberechtigte Gefährtin, erfüllt und im Sinne einer selbstbestimmt Handelnden zu führen.

In einem Vorwort zu einem Gesangbuch von Michael Weiße schreibt sie: “ dass sie der Handwerksgesell ob seiner Arbeit, die Dienstmagd ob ihres Schüsselwaschens, der Acker- und Rebmann auf dem Acker und die Mutter dem weinenden Kind an der Wiege singe.“ Auch nach dem Tod ihres Mannes, dessen Grabrede sie selber hält!, bleibt ihr diese Weitherzigkeit erhalten. Später mittellos geworden, setzt sie, die ihre eigenen beiden Kinder früh verloren hat, ihre Dienste an der Gemeinde fort.

In diesem Jahr, dass im Zeichen der Reformation steht, plant die Stadt Straßburg ihrer ehrend zu gedenken. 500 Jahre hat es dafür gebraucht!

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17 Antworten zu “Frauen die Geschichte schrieben – Katharina Zell (um 1497 – 5.9.1562)

  1. Ein hochinteressanter Artikel bereitet uns einen guten Start in den Tag. Vielen Dank dafür liebe Arabella!
    Liebe Grüße und einen schönen Tag für Dich und Deine Lieben
    AnDi

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  2. Schau an, sie brauchte keine Frauenquote. 😉
    Guten Morgen!

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  3. Hab Dank Arabella für diesen interessanten Einblick… gefällt mir!. Grüess Ernst

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  4. Interessant!
    Gleich morgens was gelernt. 😉

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  5. Wieder war es eine Frau, die eigentlich Geschichte schrieb.

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  6. Meinen tiefen Dank für neues Wissen und meine besten Abendgrüße für dich liebe Arabella 🙂

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