Klostermedizin 

Über einen längeren Zeitraum, ca.von der Mitte des 8.Jahrhunderts bis zur Mitte des 9.Jahrhunderts entstanden, außer einzelnen Rezepten, keine neuen Werke zur Klostermedizin. Das änderte sich zwischen 1060/1070 mit dem französischen Mönch Odo von Meung (Magdunensis), an den ich erinnern möchte.

Über den Arzt und Dichter Odo von Meung ist nicht viel bekannt. Ende des 11.Jahrhunderts ließ sich Magdunensis, das bedeutet – der aus Meung an der Loire – vom Gartengedicht des Walafried Strabos inspierieren.

https://www.google.de/amp/s/teil2einfachesleben.wordpress.com/2016/05/21/klostermedizin-walahfried-strabo/amp/?client=ms-android-om-lge

Im Gegensatz zu ihm schuff er jedoch ein reines Lehrgedicht, das ausschließlich heilkundliches Wissen vermittelt – das Macer floridus.

In 2296 Hexametern beschreibt er in lateinischer Sprache 77 Pflanzen. Gestützt ist sein Werk auf Walafried Stabos Erkenntnissen und auf antike Quellen. Macer floridus bedeutet – der wiederbelebte Macer. Über 500 Jahre gilt dieses Werk im mitteleuropäischen Raum des Mittelalters als Standartwerk der Kräuterkunde. In einer ersten Fassung beschreibt Odo von Meung 60 Pflanzen. Etwas später entstand eine weitere Fassung mit 77 Pflanzen. Das Buch ist ein rein pharmakograpisches Lehrgedicht. Odo übernimmt alle 24 Pflanzen des Hortulus des Walafried Strabo. Er kritisierte einige Beschreibungen des vorausgegangenen Werkes, z.B.den Liebstöckel. Beim Fenchel dagegen folgt er Walafried Strabos Darlegungen. Von der Urfassung liegen Handschriften aus dem 12.Jahrhundert vor. Durchgesetzt hat sich nur die erweiterte Fassung. 1477 wird sie in Neapel das erste Mal gedruckt. Heute noch lassen sich in „Hagers Handbuch“ volkstümliche Anwendungen von Beifuß, Eberraute, Knoblauch und Brennnessel finden. 1832 editiert Johann Ludwig Choulant in Dresden eine Fassung, die er fälschlich auf das 14.Jahrhundert datiert und dem Abt Otto von Morimond zuschreibt. Mittlerweile ist klar Odo von Meung um 1060/1070 als Autor und Zeitraum erkannt. Übersetzt in viele Sprachen ist sein Werk Vorbild für alle späteren Kräuterbücher, deren wertvolles Wissen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

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4 Antworten zu “Klostermedizin 

  1. da hab ich ja einen richtigen Exkurs gemacht und viel gelernt, hoffe, es ist alles in Ordnung rein wettermäßig und auch so?

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  2. Zum Glück habe ich deinen Beitrag in den Weiten meines Accounts entdeckt 😉 Klasse Artikel!

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