Klostermedizin

Lange beeinflusste die arabische Medizin die Klostermedizin.

Erinnern möchte ich an Ibn Butlan (? – 1066 )

( Foto: Ibn Butlan und zwei seiner Schüler, Autorenbild aus dem Wiener Tacunium sanitatis, fol.4.rectro, 1390, Quelle: Wikipedia )

und sein bekanntestes Werk Tacunium sanitatis medicina.

( Fotoquelle: Wikipedia )

Der aus Bagdad stammende Gelehrte, von dem kein Geburtsdatum bekannt ist, schreibt tabelarische Gesundheitsbücher. Inhaltlich befassen sich seine Werke mit Heilpflanzen, Ernährung, Bewegung und Lebensstil. Mit vollem Namen heißt der christlich- nestorianische Arzt Abu I-Hasan al Muchtar ibn al-Hasan ibn’Abdun ibn Sa’dun ibn Butlan.

Der Nestorianismus beinhaltet die christliche Lehre, dass die göttliche und die menschliche Natur in der Person Jesus Christus geteilt und unvermischt ist.

Ibn Butlan war in Bagdad Schüler des christlichen Mönches Ibn at-Tayyib. Mit dem ägyptischen Arzt Ali ibn Ridwan wechselte er Streitschriften, später ergab sich direkter, persönlicher Kontakt. Über hundert Jahre war Ibn Butlan in Aleppo als Arzt sehr populär, auch nach diesem Zeitraum wird er in Schriften erwähnt. Von seinem Hauptwerk sind neun arabische Handschriften überliefert, sowie siebzehn Übertragungen ins Lateinische. Heute sind vor allem zahlreiche gekürzte und illustrierte Fassungen bekannt, die alle auf dieser Übersetzung beruhen. In Auftrag gegeben wurde sie von König Manfred von Sizilien. Später reiste Ibn Butlan über Konstatinopel nach Antiochien und trat dort einem Kloster bei. An diesem Ort verfasste er mehrere heilkundliche Bücher, von denen das Hauptwerk das Tacunium sanitates in medicina ist.

Tacunium sanitates in medicina ist der Name mehrer mittelalterlicher Bilderkodizes in Wien, Paris, Rom und Lüttich. Ihre Grundlage ist das Werk Ibn Butlans – das Taqwim es sihha – aus dem 11.Jahrhundert. Im arabischen Original sind die Seiten in regelmäßige Felder aufgeteilt und ergeben so eine tabellarische Übersicht. Es entstand eine schachbrettartige Form, auf welcher der Name der deutschen Erstausgabe – Schachtafelen der Gesuntheyt – beruht.

König Manfred von Sizilien gab in Palermo eine lateinische Übersetzung in Auftrag, die ab 1380 von Giovannino de‘ Grass in einer gekürzten Fassung illustriert wurde. 169 Bilder sind darin zu finden, die Federzeichnungen sind und von denen einige teilweise oder ganz agquarellisiert wurden. Damit unterscheiden sich die frühen Übersetzungen von im 14.Jahrhundert folgenden deutlich. In weiterer Folge entstanden Parallelhandschriften, die auf die Wiener Ausgabe zurückgehen. Die Handschriften wenden sich nicht an Fachleute, sondern sie sind für den täglichen Hausgebrauch gedacht. Ihr Inhalt basiert auf der antiken Humoralpathologie und erläutert, welche Nahrungsmittel, Gegebenheiten der menschlichen Umwelt und Gemütszustände wie Zorn oder Freude die Stoicheia „trocken“,“feucht“,“kalt“ und „warm“ aufweisen und für welche Personengruppe und in welchen Gegenden sie nützlich sind. Knoblauch, als Beispiel, wird als „warm“ und „trocken“ beschrieben, er erzeuge „grobe“ und „scharfe“ Säfte. Hilfreich sei er gegen Skorpion- und Schlangenbisse, ebenso gegen Würmer. Empfehlenswert sei er für geschwächte Naturen und in kalten Gegenden. Die Jahreszeit Herbst dagegen sein „gemäßigt kalt im 2.Grad“ und vermehre „melanchonische“ Säfte. Dagegen wirkten Bäder. Nützen würde er Kindern und Jugendlichen in warmen und feuchten Gegenden. 

Neben einer ausführlichen und bebilderten Rezeptesammlung enthalten die Kodizes Ratschläge zur Gesundheit und Wissenswertes zu Pflanzen und Ackerbau.

In unserer Zeit ist viel Wissen über Heilkräuter und ihre wohltuende Wirkung verloren gegangen. Die Schulmedizin, die ständig im Kampf mit den Krankenkassen und deren Budgetierung steht, sieht vermehrt zu wenig auf die ganzheitliche Bekämpfung auftretender Erkrankungen, viele Menschen vergessen die notwendige Selbstbeobachtung und Vorbeugen. Es kann keinesfalls schaden, sich mit dem Wissen um die Klostermedizin und deren Auswirkungen zu befassen.

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17 Antworten zu “Klostermedizin

  1. Toller Artikel!!! Nicht nur, dass die Schulmedizin gegen die sogenannte Alternativmedizin kämpft, die Pharmaindustrie ja auch, da sind plötzlich altbewährte Pflanzen(-mittel) richtig gefährlich und kommen auf den Index, gerade eben ist es der Weihrauch- mich macht das immer wieder wütend!
    Ein wunderbares deutsches Werk über Phythotherapie ust das dreibändige Werk von Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel … vielleicht kennst du das ja noch nicht-
    dir einen wunderbaren Tag und liebe Grüsse
    Ulli

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  2. Liebe Arabella, ich finde die kulturellen Hintergründe sehr interessant. In einer Zeit, als sich in unseren Breitengraden alles nach der kirchlichen Lehre zu richten hatte und wir wissenstechnisch noch in den Kinderschuhen gesteckt haben, war Aleppo schon ein Wissenszentrum und heute dem Erdboden gleich gemacht. Somit eine zerstörte Kultur des Altertums. Oft genug sehen wir solche Orte als rückständig an, doch auch dort blühte einst die Wissenschaft. Übrigens heißt Ibn lediglich „Sohn“ und was würde das für eine Liste bei mir geben 😀 Danke für den wunderbaren Artikel 🙂

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  3. Volle Zustimmung zum letzten Absatz.
    Ich müsste noch so viel lernen über die Kräuterkunde, bin für alte Hausmittel auf alle Fälle immer offen. Meine Hausärztin – glücklicherweise sehen wir uns eher selten – greift auch gerne zu Homöopathie, die mir schon immer gut geholfen hat. Da bin ich gleich dabei!

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  4. Vielen Dank Arabella für diesen interessanten Artikel. So wie die Blütezeit im Nahen Osten – wird auch unsere „Hoch Zeit“ in einigen 100 Jahren oder früher Geschichte sein. Doch wir leben im hier und jetzt, hab einen feinen Tag. Liebe Grüsse

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  5. großartig,wieder Possitives über die Pflanzenheilkunde zu lesen, von anderen Kulturen zu lernen wird uns helfen, unsere teure Apparatemedizin hilft uns nicht immer weiter, aber immer weiter weg vom Menschen, wo alles so kunstvoll zusammenspielt. vieles habe ich in Afrika bei den traditionellen Heilern gelernt, was bei uns nur abfällig belächelt wird und doch heilen sie viele Menschen, die sonst unversorgt und krank zurückbleiben würden. Lernen wir und wenden wir für uns einiges wieder davon an, können wir uns meist bei den alltäglichen Unpäßlichkeiten selbst heilen mit der Natur und nicht gegen sie, sonst sind wir verloren.

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    • So denke ich auch. Es ist notwendig an fast Vergessenes zu erinnern. Wir verlieren (oder haben schon ) unsere wichtigste Verbindung und einzige Lebensberechtigung – den Bezug zur Natur. Anstatt für sie zu sorgen, beuten wir aus, mehr…mehr…mehr, Hauptsache billig. Tun wir uns zusammen und handeln dagegen.

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  6. Auch moderne Medikamente basieren ja großteils auf Pflanzenwirkstoffen. Da gibt es sicher noch vieles zu entdecken bzw wieder zu entdecken. Andereseits gibt es in dem Bereich auch übelste Scharlatanerie …

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