Ich denke laut…

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir! 
Gar schöne Spiele spiel‘ ich mit dir; 
manch bunte Blumen sind an dem Strand, 
meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

An Herrn Ärmel und an Goethe’s Erlkönig dachte ich heute oft.

Verlockungen… Allerorten… 

Ich seh‘ kaum welche. 

Auf den berummelten Weihnachtsmärkten ziehen Nepper, Schlepper, Bauernfängern den Leuten das Geld aus der Tasche. Wie eigentlich…wenn die Taschen denn leer sind.

Überfüllte Stadtbusse, gerammelt voll von Zerstreuung suchenden Rentnern, die es wohl nur in diesem Jahrzehnt noch geben wird. Unterbezahlte Busfahrer achten nicht auf Fahrgäste, die mit Rollatoren schubsend, dennoch nicht rechtzeitig aus sich zu früh schließenden Türen kommen.

Kinderwagenschiebende Mütter drängen sich durch den Ausstieg ins Innere, rechtzeitig vorm Türschließen lassen sie die Kippe fallen. Genervte Schulkinder steigen ein, jedes einzelne von ihnen sucht den zum Fahrschein gehörigen Ausweis erst am Einstieg. 

Ich bin kurz vorm Ausrasten.

„Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind, 
er hält in den Armen das ächzende Kind, 
erreicht den Hof mit Mühe und Not; 
in seinen Armen das Kind war tot.“


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34 Antworten zu “Ich denke laut…

  1. Wäre heut nicht ein Uraltband Märchen in der Post gewesen, ich hätte laut geschrien!!!!!!!

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  2. oh ja, einmal mehr bin ich dankbar, dass ich nicht mehr die öffentlichen nutzen muß um ins büro zu kommen.
    und danke fürs laut denken hab heute einen entspannten tag.

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  3. Innere Ruhe und Gelassenheit zu behalten fällt mir mit jedem Lebensjahr schwerer. Wird die Welt immer greller oder ich immer dünnhäutiger? Ich versuche mich auf mich zu fokussieren, doch den meisten Menschen geht es nicht gut, und die Kulissen des Lebens sind so laut geworden. Liebe Arabella, ich verstehe dich so gut. Und jetzt gehe ich in meinen Garten – die frostige Kälte erfrischt. Und immer öfter hilft nur der Rückzug in die Natur. Ich drück dich. 🙋❄🌈

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  4. Die Menschen stumpfen ab. Es gibt kein Miteinander, kein Füreinander mehr. Fast jeder schaut nur noch nach seinem Vorteil, nutzt seine Ellenbogen. Jeder Versuch, selbst ein freundliches Wort zu geben und auch genau so gehört zu werden, scheint zum scheitern verurteilt. Oft feindselige, aber doch meist Blicke die Unverständnis ausdrücken ergeben die Ernte aus diesen Versuchen.
    Ich ziehe mich dann oft in mich selbst zurück, komme erst in meinem Zuhause wieder heraus um zu regenerieren. My home ist my castle – keine Phrase sondern bittere Wahrheit.

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  5. Kurz vor dem Ausrasten denke ich dann zuweilen, in guten und besonnenen Momenten, „dreh die Perspektive um“. Stell dir den, den du genervt und neben sich siehst, als einen vor, der liebt und birgt. Hände sind nicht nur zum Schlagen da, sondern auch zum freundlichen Berühren. Manchmal geht das Umschalten, um das gute Potential zu sehen, schonmal hinein zu sehen in den anderen…

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  6. Das Gestoße und Geschiebe, das Oberflächliche schreckt auch mich. Der Erlkönig ist eine der traurigsten mir bekannten Balladen. Erst Heinz Erhardt gelang es, sie mit mir zu versöhnen, denn es steckt eine solche große Trostlosigkeit, vergebliche Müh‘ in ihrem Ende. Darum hier Heinz Erhardt (hoffentlich richtig erinnert:
    Sie erreichten den Hof mit knapper Not. Das Kind, es lebte! Aber das Pferd war tot…

    Liebe Morgengrüße von der Fee✨

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  7. Ha! Ich darf gerade mit meinen Siebtklässlern Erlkönigvertonungen erarbeiten. SO kann man ihn auch lesen. Sehr gut! Ich hasse den Dezember. Jeder wünscht dir einen besinnlichen Advent, aber im Endeffekt fühlt man sich permanent schlecht, weil es einem bei den ganzen Verpflichtungen nicht gelingt auf Knopfdruck entspannt und fröhlich zu sein. Wäre nicht der Heilig Abend, den wir mittlerweile von Stress befreit haben, wäre Weihnachten tatsächlich tot…

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  8. Die ständige Reizüberflutung, diffuse oder reale Ängste und Sorgen, all das macht viele Menschen nervös. Selbst an mir geht das nicht ganz spurlos vorüber, ich nehme zumindest die Stimmung(en) auf.

    Vorgestern, vor einem Supermarkt, ein Mann bedrängt einen älteren Herrn, der ihm angeblich den Parkplatz gestohlen habe. Der alte Mann war sich keiner Schuld bewusst. Und selbst wenn es Absicht war, so rechtfertigt das nicht ihn am Arm zu packen und zu schütteln. Als ich eingriff, hat er das auch bei mir versucht. 🙂

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  9. Zum künstlerischen Aspekt 🙂 man sieht die Erlkönig-Zeilen auf dem schwarzen Untergrund kaum

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  10. Was bin ich froh, nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein !!!

    Ich verstehe dich gut und gerade heute Morgen (nach dem Omi-Abend), als ich meinen Enkel wieder zum Zug fuhr,
    hörte ich solche und ähnliche Aussagen….traurig !

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  11. Leider spiegelt Deine Geschichte den Zustand unserer Gesellschaft nur zu gut…..

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  12. Man sieht ja, was in U-Bahn Schächten so passiert.

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