Familienkochclub

Unser Familienkochclub besteht aus drei Paaren. Der Cousine meines Mannes mit ihrem Ehemann, meiner Schwester und meinem Schwager und dem Gärtnergatten und mir. Jeweils einmal im Jahr kocht und verwöhnt eins der Paare die Anderen.

Dieses Mal schmausen wir im Haus meiner Schwester und meines Schwagers.

Herbstlich einladend ist der Tisch gastlich gedeckt, als wir in der frühen Dunkelheit eintreffen, um miteinander einen guten Abend zu verbringen. Leider ist durch die Dunkelheit kein Gartenbesuch mehr möglich, was bedauerlich ist, der Garten meiner Schwester ähnelt einem liebevoll angelegtem Park. Dafür ist ihr Haus einladend warm und gemütlich.

Wir sind alle im annähernd gleichen Alter und in der DDR aufgewachsen, an Gesprächsstoff mangelt es uns nicht. Gemeinsame Jugenderinnerungen und die vielfältigen Erlebnisse gleicher Art lassen schnell Gespräche aufkommen. Weißt du noch…damals im Schützenhaus… Dazu muss ich erzählen, das Schützenhaus war die beliebteste Diskothek in unserer gemeinsamen Heimatstadt Oederan. Wir alle haben jeden Samstag dort verbracht, um zu tanzen und zu flirten. Meinen ersten Tanz mit dem Gärtnergatten habe ich dort getan, den Anderen geht es nicht viel anders. Darüber kann man stundenlang plaudern, wenn nicht die liebevoll angerichtete Vorspeise serviert werden würde.

Auf Rucola gebetet, locken mit Hackfleisch oder Käse gefüllte Chanpignonköpfe, garniert mit den letzten Gartentomaten. Schmeckt fabelhaft.

Eine kleine Auswahl feiner Käse verbleibt während des ganzen Abends auf dem Tisch und lädt zum Probieren ein. Ein Stück Brot dazu in die Salatsoße der Vorspeise getaucht…köstlich.

Mein Gärtnergatte lässt es sich nicht nehmen, gelegentlich seine 40 Jahre alte Levisjeansjacke auszuführen.

Natürlich haben wir dadurch wieder einen Grund, in die Vergangenheit zu blicken. Eine „echte“ Jeans zu besitzen, egal ob Levis oder Wrangler, war der Traum jedes in der DDR Heranwachsenden. Irgendeine Tante, die das begehrte Stück schickte, oder Großeltern die ihren Enkeln vom Besuch in der BRD ein mit den wenigen vorhandenen Valuta bezahltes Stück westlicher Freiheit mitbrachten, mussten eben so lange bearbeitet werden, bis der schier unerfüllbare Traum auf den Hüften sass. Frei füllte sich das an, modern. Die DDR Wirtschaft versuchte mit einer eigenen Jeansmarke diesem unerwünschten, westlichen Gehabe Abhilfe zu schaffen und brachte die Wisent-Jeans auf den Markt. Die Hosen waren greuslich in Schnitt und Material, trotzdem waren auch sie nur schwer aufzutreiben. Es gab in der DDR spezielle Jugendmodegeschäfte. Mit etwas Glück und viel Geduld hatte ich eine dieser Wisentjeans erstanden. Ich hab sie fast nie getragen, sie waren einfach scheußlich. Meine Großeltern brachten mir dann endlich eine Wrangler von einem Westbesuch mit…ich habe die Jeans getragen… gewaschen… getragen… Der Gärtnergatte hatte Großeltern die im Westen lebten…er hatte also auch noch die passende Jacke dazu…und trägt sie, wie gesagt, immer noch voller Stolz. Wir verplaudern uns, es gibt dazu vielerlei Erinnerungen…Ich schleiche mich zu meiner Schwester in die Küche, neugierig, was es Gutes zu essen gibt bin ich.

Auf einem Spinatbett liegenden Lachs kann ich freudig erkunden. Mit Nudeln dazu steht das feine Gericht bald überbacken auf dem Tisch.

Meine Schwester hat alles gut gewürzt und zubereitet, zu gern befülle ich meinen Teller.

Wir lassen es uns gut gehen und trinken ein einheimisches Bier dazu. Es ist ein angenehmer Abend, mit liebevoll zubereiteten Gerichten und heiteren Gesprächen. Um nicht nur am Tisch zu sitzen, wechseln wir nach dem Hauptgang in das gemütliche Kaminzimmer im Keller des Hauses unserer Gastgeber.

Der kleine Raum wird durch den beheizten Kamin eine warme, gemütliche Stube, in der man gern auch länger sitzen bleibt. Meine Nichte hat von einem Foto ihre Eltern als Hochzeitspaar abgemalt,

das Bild macht den Raum noch heimeliger. Wie erzählen von unseren Urlaubsplänen, alle sind wir Liebhaber der Ostsee. Während die anderen beiden Paare ihren Urlaub schon hinter sich gelassen haben, werden der Gärtnergatte und ich die letzten Novembertage dort verbringen. Wir freuen uns sehr auf die dann stille, menschenarme Insel Rügen. Der Nachtisch ist immer mein Liebstes bei jedem Essen. Auf die Bitte meiner Schwester hin, habe ich Vanilleeis dazu mitgebracht. Serviert mit heißen Himbeeren und einem Stück lockerem Quarkkuchen ohne Boden, schließt das Dessert diesen gelungenen Schmaus ab.

Einen guten Abend haben wir miteinander verbracht und uns verwöhnen lassen. Ich freue mich schon auf den Februar, dann laden wir bei uns zu Hause ein.

Zum Wohl, auf unseren Familienkochclub.

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40 Antworten zu “Familienkochclub

  1. Super so ein Kochclub. Gemuetlich und die Familie kommt zusammen. Das Essen sieht ja super aus.

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  2. Das nenne ich ein GUTES LEBEN….👍
    LG
    Annemarie

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  3. Wichtig ist, dass man zu genießen weiß!

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  4. Das sieht alles sehr warm und gemütlich aus! Ihr habt Recht: Machts Euch schön!!!
    Gehts uns nicht gut?!!!

    Meine Jeans-Geschichte:
    Ich hatte keine. Gar nie nicht nein! Bis zum Sommer, in dem ich mein Abi machte. Danach fuhr ein Teil der Klasse zum Zelten in die Slowakei und dort kaufe ich mir für ein Schweinegeld eine Jeans und jetzt kommt der Hammer: STONEWASHED!!! Ich und meine Freundin Stephanie waren ab sofort die Coolsten, denn das ausgewaschene kam damals erst auf. Yes!!! 🙂

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  5. Toller Festschmaus! Finde ich super, wenn man das konstant durchführt.
    So etwas hatten wir auch einmal mit drei befreundeten Ehepaaren. Bis sich das eine aus bis heute unbekannten Gründen verabschiedete. Sie haben uns nie gesagt warum, haben sich völlig verweigert! Kann man das verstehen? Es ist einfach nur traurig, wie sich Menschen verändern können.

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  6. Klasse, euer Kochclub. Herrlich leckere Gerichte. Neu für mich war, dass ihr den Käse das ganze Essen über auf dem Tisch hattet. Finde ich eine sehr sehr gute Idee. Ich selbst habe zwei linke Hände beim Kochen und bewundere jeden, der das gerne macht. Lecker zubereitetes Essen verachte ich allerdings nicht. Vielleicht hätte ich Restauranttester werden sollen 🙂

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  7. Danke für den Blick auf die 40 Jahre alte Jeansjacke! 😉 Und natürlich auch auf das köstliche Mahl… 😋

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  8. schön habt ihr es, eine gute Woche wünsche ich dir

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  9. Liebe Arabella, ihr lebt wie ich es mir wünschen würde, wäre meine Familie nicht so sehr in der Welt verstreut. Dafür durfte ich wieder Mäuschen spielen und habe gelauscht und in meiner Phantasie alles gekostet, natürlich auch den Käse 😉 Danke für die Einladung in das Wohnzimmer deiner Familie und meinen vollen Respekt an den Gärtnergatten, dass ihm die Jacke noch passt 🙂

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  10. Die Jacke ist 👍. Welch schöne Tradition euer Kochclub. Danke, dass wir teilhaben durften. LG von gartenkuss 🙋🌹

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  11. Eine schöne Idee, die Ihr harmonisch und genussreich lebt.
    Kann man sich als Mitglied für den Club bewerben😉 …

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  12. Die Einladungsfrequenz von einmal im Jahr könnte auch ein Kochmuffel durchhalten 😉 😉

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  13. So ein Kochclub ist super und das macht Spaß. Danke für’s zeigen.

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  14. Ein feiner Schmaus in schöner Runde. Muss ein toller Abend gewesen sein! 🙂

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