Bitte berühren oder Bloggertreffen in Naumburg

(Musik: J.S.Bach, Fantasia in G minor)

Direkter Kontakt hat Virtuellem gegenüber große Vorteile. Ich kann meinem Gegenüber in die Augen schauen, seine Stimme und Gestik aufnehmen und dadurch den Menschen an sich besser einordnen. So geschehen zu unserem Bloggertreffen in Naumburg. 

Wir treffen uns am vereinbarten Ort und erleben einen Tag, der durch die wohl durchdachte und fein gestaltete Vorarbeit des Organisators zum Erlebnis für meinen Mann und mich wird.

Naumburg an der Saale selbst und sein Umfeld bieten geschichtsträchtige Einblicke. Gemeinsam fahren wir zur Rudelsburg, die eine Höhenburg ist, 85 Meter über dem Südufer der Saale liegt und um 1170 gegründet wurde.

Erbaut von den Bischöfen von Naumburg zur Sicherung der Handelswege in die ehemalige Messestadt, sind von der Burg selbst Bergfried, Palas und Umfassungsmauer erhalten.

1238 wurde die Burg an die Markgrafen von Meißen zum Lehen gegeben und schon 1348 durch die Stadt Naumburg wieder zerstört und geschliffen. Dennoch war sie danach Wohnsitz verschiedener Adelsfamilien, auch Raubritter sollen darunter gewesen sein. Endgültig zerstört wurde die Rudelsburg im 30jährigen Krieg und verfiel dannach.

Von wo aus solche Blicke ins Land möglich sind, ist immer Raum zum Träumen und dichten. An keinem anderen Ort als hier hätte Franz Kugler 1826 sein berühmtes Lied „An der Saale hellem Strande“ schreiben können. 

Noch immer lädt die Aussicht zum Singen ein. Ab 1855 erreicht die Rudelsburg überregionale Bekanntheit durch die alljährlich statt findenden Treffen der Kösener Corpsstudenten, die Otto von Bismark und Kaiser Wilhelm II.in ihren Reihen hatten. 1848 trafen sich 500 Corpsstudenten, um ihren Dachverband zu gründen.

Denkmäler erinnern daran. 1872 wurde das Erste davon gesetzt.

Bemerkenswert ist die Geschichte zur Bank am Bismarckdenkmal, die wir, neben vielen anderen, erzählt bekommen. Zu DDR Zeiten wunderten sich die Menschen über die einzeln stehende Steinbank, deren Aussichtsseite nicht zur Saale, sondern in’s Leere zeigt. Das Denkmal war entfernt worden. Heute steht es mit eisernen Eicheln geschmückt wieder an seinem alten Platz. Auf anderen Denkmälern waren Inschriften entfernt worden, so das nichts mehr auf ihre ursprüngliche Bedeutung hinwies.

Manchmal ist es jedoch so, dass der Lauf der Geschichte Geschichte selbst wieder in’s Bewusstsein der Menschen rückt. Dem großzügig gesteckten Zeitplan unseres Erkunders folgend gehen wir zurück zum Auto, um wieder nach Naumburg zu fahren. Dabei weißt er mich auf ein Motiv hin, das nicht besser seine Verwurzeltheit in der alten Heimat darstellen kann.

Bäume, Geschichte und Musik bestimmen sein Leben, so empfinde ich es in all den fundierten geschichtlichen Hinweisen zu seiner Heimat, mit denen er uns das Gesehene nah bringt. In Naumburg zurück besuchen wir ein Orgelkonzert in der Stadtkirche St.Wenzel.

Das eingangs gespielte Lied erklingt mit anderen auf der wunderbaren Orgel, die von Zacharias Hildebrandt 1746 erbaut und von Gottfried Silbermann und Johann Sebastian Bach selbst geprüft wurde. 

1993-2000 wurde die Orgel restauriert, ihr zu lauschen ist ein besonderer Genuss. Dass in der Kirche selbst eine Ausstellung von Walter Green zu sehen ist, bereichert diesen Tag erneut. „Skulpturen zum Befassen“ ist ihr Titel. Neben vielen der einducksvollen Holzskulpturen rät ein Schild mit dem Hinweis…bitte berühren…Eine gelungene Art, den Zuschauer an der Fertigstellung der Skulpturen Anteil haben zu lassen. Das Eichholz zeigt an den oft berührten Stellen weiche Veränderungsspuren, etwas bleibt an ihnen also auch von mir zurück.

Noch einmal fahren wir gemeinsam ein Stück aus Naumburg hinaus, um die Schönburg zu besuchen. Nicht ohne einen kleinen Rundgang durch die Altstadt zu machen. Es gibt aufwendig geschmückte Fassaden zu bestaunen, hinter denen Größen der Geschichte wie Napoleon oder Goethe nächtigten.

Persönlich ziehe ich mit natürlichem Schmuck ausgestattete Bürgerhäuser vor.

An der Stadtmauer laufen wir entlang,

hinter der Nietzschehaus und Nietzschearchiv versuchen architektonisch miteinander klar zu kommen. Der Weg auf die Schönburg hinauf ist entspannt und mit Gesprächen gefüllt.

Die Ausblicke, welche sich bieten, sind wohl das, was einige von uns, stark ich selbst, als Heimat empfinden. Sie sind nicht auf eine Postkarte gemalt sondern real.

In der Burgschänke der Schönburg ist fürsorglich ein Tisch für uns bestellt, an dem wir gemeinsam ein gutes Mittagessen einnehmen. Auch diese Burg ist eine Höhenburg, liegt 40 Meter über der Saale. 1137 erstmals erwähnt, wurde sie der Sage nach von Ludwig dem Springer gegründet. Die heute noch erhaltenen älteren Bauten stammen aus dem 12.-13.Jahrhundert. Jede Stufe atmet lebendige Geschichte.

Heiraten kann man heute hier. Wer das Glück hatte, in den einst dort angesiedelten Kindergarten gehen zu dürfen, trägt die Geschichte dieses Ortes für immer in sich und weiter.

Gemeinsam mit meinem Mann habe ich einen geschätzten Blogger als wissenden Menschen voller Interesse an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennen und noch mehr achten gelernt.

Danke.

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29 Antworten zu “Bitte berühren oder Bloggertreffen in Naumburg

  1. Wundervoller-Bilder-Worte-Walk!

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  2. Es scheint ein schöner Tag an einem wundervollen Ort mit großartiger Geschichte und guten Menschen gewesen zu sein!

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  3. Schöne Idee. Schöner Bericht. Danke.

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  4. Ich danke Ihnen für diesen Bericht und die stimmungsvollen Fotos dazu.
    Es war mit Sicherheit ein besonders eindrückliches Erlebnis und ein feines
    Bloggertreffen.
    Novembergrüsse aus dem Bembelland,
    Herr Ärmel

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  5. Ein ganz wunderbarer Bericht, den ich sehr genossen habe, zusammen mit einer Tasse Kaffee inklusive sächsischer Heumilch 😉 (ich wußte nicht mal, dass es so etwas gibt) So sende ich dir unsere strahlende Vormittagssonne liebe Arabella 🙂

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  6. sehr schöner Beitrag, mache es gut und hab eine gute Zeit

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  7. Tolle Reisedokumentation, DANKE fürs Teilhaben. Sehr schöne Bilder!

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  8. Thanx.
    Der Likör war lecker!
    Super Musikauswahl trotz Genesis-Phobie?
    Hach, nu bin ich wörglich in Zuchzwang jeraten; ’s fähld ähm de Zeit jrade.

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  9. Da bin ich einmal darüber geflogen, aber keiner hat es gemerkt.

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  10. Schöne Bilder … ich erinnere mich! 😊
    Es freut mich, dass der Tag gelungen war, liebe Arabella.

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  11. So lob ich mir die Bloggerwelt!

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  12. Pingback: toka-ihto-tales

  13. Der Sonntagvormittag wird mal flott genutzt,
    hier ein bissel zu stöbern 😉
    Bin total begeistert, was ich da lese und vor ALLEM, sehen kann.
    Ein Stück Heimat, ein bissel Wehmut an jugendliche Zeiten
    und euren schönen Tag *Daumenhoch.

    Liebe und herzige Grüsse ❤

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